Höhere Pension: Chefs sorgen für ihre Mitarbeiter vor

Betriebspensionen. Obwohl eine betriebliche Altersvorsorge Vorteile für Unternehmen und Arbeitnehmer bringt, ist es in Österreich mehr als ausbaufähig.

Höhere Pension: Chefs sorgen für ihre Mitarbeiter vor
Höhere Pension: Chefs sorgen für ihre Mitarbeiter vor
Höhere Pension: Chefs sorgen für ihre Mitarbeiter vor – (c) www.BilderBox.com (www.BilderBox.com)

Rund ein Viertel der Unternehmen in Österreich gewährt seinen Angestellten eine betriebliche Altersvorsorge. Damit ist die zweite Säule des Pensionssystems – neben der staatlichen und privaten Vorsorge – stark unterentwickelt. Mit der betrieblichen Pensionsvorsorge sichern Arbeitgeber ihren Angestellten Vorsorgeleistungen für das Alter zu.

Thomas Url vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) nennt die Vorteile einer Betriebspension für Unternehmen: Zum einen würden die Mitarbeiter stärker an die Firma gebunden. Zum anderen sei eine betrieblich gesicherte Altersvorsorge auch ein Instrument zur Mitarbeitermotivation: Das zusätzliche „Zuckerl“, das andere Arbeitgeber oft nicht anbieten, sporne das eigene Personal zu höherer Leistung an, sagt Url.

Kleine Unternehmen zögern

In seiner Studie zur Verbreitung der Betriebspension sticht ein Punkt besonders ins Auge: Großbetriebe gewähren ihren Mitarbeitern wesentlich öfter Betriebspensionen als kleine und mittlere Unternehmen. Die Gründe: In Großbetrieben sind mehr Personen in den oberen Managementpositionen tätig. Diese verdienen über der Höchstbeitragsgrundlage und fühlen sich deshalb mit der staatlichen Pension nicht ausreichend abgesichert. Sie verlangen nach einer Zusatzversicherung, die dann regelmäßig auch für alle anderen Angestellten im Betrieb abgeschlossen wird. Zudem stehen hinter großen Betrieben oft internationale Konzerne. Da Firmenpensionen in vielen Ländern verbreiteter sind als in Österreich, profitieren die Angestellten von der ausländischen Firmenkultur. Zuletzt nennt Url auch Kostengründe, die kleine Unternehmen davon abhalten, das System einzuführen.

Andreas Zakostelsky, Spartenobmann für Pensionskassen in der Wirtschaftskammer und Vorstand der Valida-Pensionskasse, sieht den Grund dafür nicht im Geld. Was Unternehmen von einer Einführung abhalte, sei die Administration. Firmen geben oft an, das System sei zu kompliziert, zu aufwendig, zu undurchsichtig.

Darauf habe die Branche reagiert, sagt Zakostelsky, und mit dem Österreichischen Normungsinstitut einen Leitfaden zum Pensionskassenvertrag erstellt. Als besonderes Service würden antragstellende Unternehmen normierte Preis- und Leistungsinformationen von allen Kassen erhalten und so Angebote besser vergleichen können.

Vorteile zu wenig bekannt

Die geringe Bekanntheit spricht auch Zakostelsky an, auch er sieht Nachholbedarf bei der Information. Viele würden die Vorteile nicht kennen, die Unternehmen selbst würden die betriebliche Pensionsvorsorge kaum bewerben. Deshalb appelliert Zakostelsky vor allem an junge Menschen, sich zu informieren und bei der Bewerbung konkret nachzufragen. Er wünsche sich „Handlungsbürger“: Schließlich zeige sich in Studien, dass gerade die junge Generation vielfach das Vertrauen in die staatliche Pension längst verloren hat.

Auf einen Blick

Die betriebliche Altersvorsorge (BAV) ist wie die private Vorsorge eine Ergänzung des staatlichen Pensionssystems.

Die Arbeitgeber zahlen für die BAV monatlich Beiträge in die Kasse ein, welche die Arbeitnehmer in der Pension ausgezahlt bekommen. Diese Vorsorgeleistung für das Alter steigert die Attraktivität der Firmen bei Mitarbeitern und Bewerbern.

Derzeit bieten rund 25 Prozent der Betriebe ihren Mitarbeitern diese Form der Altersvorsorge an.

Mit der BAV ist allerdings ein erheblicher Aufwand für die Unternehmen verbunden, vor allem in der Antragstellung bei den Pensionskassen. Die WKO-Sparte für Pensionskassen erstellte deshalb gemeinsam mit dem Österreichischen Normungsinstitut einen Leitfaden, der die Angebote der Versicherungen vergleichbarer machen soll. Dieser ist hier zu finden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2013)

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