Womit sich Führungskräfte befassen

Die Unternehmensberatung Bain & Company fand die weltweit beliebtesten Managementmethoden und -techniken heraus. Deren Einsatz wird immer präziser.

Womit sich Führungskräfte befassen
Womit sich Führungskräfte befassen
Womit sich Führungskräfte befassen – Petra Winkler

Ihre Arbeitstage verbringen Manager aus aller Welt am liebsten mit strategischer Planung. Auch mit Kundenmanagement und Mitarbeiterbefragungen beschäftigen sie sich sehr gern. So sieht die aktuelle Reihung der beliebtesten Managementmethoden und -techniken aus, für die die Unternehmensberatung Bain & Company jährlich 12.000 Befragungen in 70 Ländern durchführt. Wichtig sind den Managern auch Benchmarking und eine Balanced Scorecard, ebenso Kernkompetenzen, Outsourcing, Change- und Beschaffungsmanagement und das Entwickeln von Leitbildern.

Regional zeigen sich große Unterschiede. In den USA reihen die Entscheider Mitarbeiterbefragungen ganz nach oben, in EMEA (Europa, Mittlerer Osten, Afrika) hält die Balanced Scorecard den ersten Platz. In Lateinamerika liegt der Fokus auf dem Umstrukturieren von Geschäftsprozessen und auf Big-Data-Analysen – Methoden, die im Rest der Welt nicht so beliebt sind. Firmen im asiatisch-pazifischen Raum wiederum setzen auf Qualitätsmanagement.

Deutschland befragt Mitarbeiter


Für Österreich sind keine eigenen Werte ausgewiesen, erstmals aber für Deutschland. Beim Nachbarn schätzt man bevorzugt Mitarbeiterbefragungen (45 Prozent), weil diese helfen, verborgene Potenziale im Unternehmen aufzuspüren, wie es heißt. Zweitliebstes Instrument ist das Benchmarking (39 Prozent), gefolgt von Kundenmanagement und Leitbildentwicklung (je 35 Prozent). Wenig beliebt sind hingegen Outsourcing und Downsizing, die so wie Kostensenkungsprogramme „alten Stils“ generell schlechte Werte bekommen. Lieber spricht man von Konzepten zur Leistungssteigerung, Wachstumsinitiativen und Fortbildung.

Zielerreichung wackelt

2011 erwarteten noch 75 Prozent der Führungskräfte aus aller Welt, dass sich die Situation in ihrer Branche verbessern würde. 2013 sind es nur noch 57 Prozent. Hier fällt auf, dass deutsche Manager optimistischer sind als der Rest der Welt, insbesondere ihre EMEA-Kollegen. In Deutschland rechnen sieben von zehn Befragten damit, ihre Gewinnziele für heuer zu erreichen. Weltweit sind es fünf von zehn, in EMEA gar nur drei von zehn.

Selbstbewusst sind deutsche Manager auch beim Thema Innovationen. 74 Prozent sind der Meinung, hier die Nase vorn zu haben. In der gesamten EMEA-Region sind davon nur 58 Prozent überzeugt. Wobei die Bedeutung von Innovationen weltweit sinkt: 2011 befanden sie noch 81 Prozent der Befragten wichtiger als Kostensenkungsmaßnahmen. Heute sind es noch 74 Prozent.

Nur jeder zweite deutsche Betrieb fühlt sich gezwungen, Unternehmenskultur und Prozesse an eine jüngere Generation anzupassen. Zum Vergleich: In Frankreich schlagen sich damit fast drei Viertel herum. Und während in EMEA jeder zweite Befragte angibt, langfristiger Erfolg sei im Unternehmen wichtiger als kurzfristige Gewinne, sagen das in Deutschland sieben von zehn Manager. 

Methoden punktgenau

Seit sechs Jahren sinkt die Zahl der eingesetzten Methoden und Techniken kontinuierlich. 2006 spielte das Management im weltweiten Schnitt mit 15 Varianten gleichzeitig, 2010 waren es noch knapp zehn. Heute werden im Schnitt 7,4 Methoden eingesetzt, was im Hinblick auf eine strategisch bessere Auswahl positiv interpretiert wird. Größere Unternehmen benutzen tendenziell mehr Tools als kleinere, nordamerikanische und asiatische mehr als lateinamerikanische und europäische.



Auf einen Blick

Strategische Planung, Kunden-management und Mitarbeiterbefragungen sind laut „Management Tools & Trend Report“ der Unternehmensberatung Bain & Company die weltweit am häufigsten eingesetzten Managementinstrumente. Nur mehr 57 Prozent der Führungskräfte erwarten eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Erstmals liegt auch ein Report für Deutschland vor.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2013)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Womit sich Führungskräfte befassen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.