Die neuen Recruiting-Experten

Empfehlung. Mitarbeiter wissen genau, wer aus ihrem Netzwerk zur Firma passt. Personaler besetzen daher immer öfter Stellen mit Kandidaten, die von Mitarbeitern vorgeschlagen werden.

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Das Internet hat eine neue Form von Vertrauten geschaffen: Wer ein Hotelzimmer im Netz bucht, liest zuvor die Bewertungen anderer Gäste. Wer ein Rezept online sucht, sichert sich über die Online-Erfahrungsberichte anderer Köche ab.

Auch im Recruiting werden Empfehlungen immer bedeutender, vor allem in Marktsegmenten, in denen Arbeitskräftemangel herrscht. Viel Erfahrung hat etwa Manpower gesammelt. Der Personaldienstleister implementierte vor etwa zehn Jahren die „Bring a Friend“-Aktion und überweist Zeitarbeitern, die ihre Freunde empfehlen, 50 Euro, sobald diese die Probezeit überstanden haben.

Beim Wirtschaftsprüfungsunternehmen KPMG werden derzeit rund zehn Prozent der Stellen über Mitarbeiterempfehlungen besetzt. „Tendenz steigend“, sagt Recruiterin Andrea Strausky. Je nach Position beträgt die Prämie 700 bis 2000 Euro. Auch Microsoft Österreich betreibt seit mehreren Jahren eine Empfehlungsplattform, sagt HR-Managerin Nina Schmidt. Ein Drittel der Mitarbeiter werde auf diesem Weg gefunden. 1000 Euro erhält, wer einen Kandidaten vermittelt.

Netzwerke nutzen

„Unternehmen nutzen ihre Netzwerke aus Mitarbeitern oder Geschäftspartnern zu wenig“, sagt Arnim Wahls. Über seine webbasierte Plattform firstbird.eu können Unternehmer Botschafter nominieren. Diese empfehlen dann potenzielle Kandidaten aus ihren eigenen (Online-)Netzwerken. „Botschafter sind Personen, die das Unternehmen gut kennen – und umgekehrt“, sagt Wahls.

Geld ist nicht die einzige Variante, um Botschafter zu motivieren, ist Wahls überzeugt. Wobei er von hohen Beträgen ab- und zu einer raschen Auszahlung rät. „Manche Unternehmen zahlen bis 2000 Euro, wenn der neue Mitarbeiter ein Jahr bleibt“, sagt Wahls. Innerhalb eines Jahres aber scheitern viele Arbeitsverhältnisse aus Gründen, die mit der Empfehlung nichts mehr zu tun haben. Auch Wertschätzung in Form eines Dankeschöns oder einer Auszeichnung für besonders aktive Empfehler könne anspornen. Ebenso der Status – „für jede Empfehlung gibt es Punkte, und die Botschafter können sich vergleichen“, sagt Wahls.

Besonders gut funktionieren Empfehlungssysteme in Unternehmen mit hoher Mitarbeiterzufriedenheit, sagt Wahls. Nach Branchen will Alexander Predl von der Internetplattform whizper.com nicht unterscheiden; Unternehmen mit ausgeprägtem Bewusstsein für neue Medien wären aber erfolgreicher. Whizper ermöglicht es seinen Usern, Jobangebote in deren sozialen Netzwerken zu verbreiten, unabhängig davon, ob der User mit dem suchenden Unternehmen in irgendeiner Verbindung steht.

Was nach einem Patentrezept klingt, hat doch auch seine Hürden. Armin Trost, Professor für Human Resource Management an der Business School der Hochschule Furtwangen, empfiehlt im Vorfeld einige Punkte genau zu überlegen: Wie hoch soll die Vergütung sein? Soll jede Stelle für Empfehlungen offen sein? Wer darf empfehlen? Darf oder soll der jeweilige Vorgesetzte wissen, ob und von wem der Kandidat empfohlen wurde?

Keine Freunderlwirtschaft


Das Argument der Freunderlwirtschaft lässt Trost hingegen nicht gelten. „Derartige Systeme führe ich primär nur dann ein, wenn ich mich schwertue, Stellen zu besetzen“, sagt er. Außerdem übernehme der Empfehlende sehr viel Verantwortung. „Diese Hürde ist durchaus erwünscht“, sagt Trost. „Man will, dass sich der Empfehler Gedanken macht – schließlich fällt es auf ihn zurück, wenn er eine ungeeignete Person vorschlägt.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.10.2013)

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