„Man ist Gast im Lokal, nicht König“

Nina Mohimi und Daniela Terbu, die Gründerinnen der auf die Vernetzung zwischen Lebensmittelherstellern und Foodbloggern spezialisierten Agentur „The Coolinary-Society“, über aktuelle Trends und Zukunftsvisionen zum Thema Geschäftsessen.

„Man ist Gast im Lokal, nicht König“
„Man ist Gast im Lokal, nicht König“
„Man ist Gast im Lokal, nicht König“

Wann setzen Sie Geschäftsessen an?

Unsere Geschäftsessen sind meistens späte Frühstücke, weil wir doch versuchen, am Nachmittag zu arbeiten und einiges weiter zu bringen.

Was sind die wichtigsten Ingredienzien, aus denen sich ein gelungenes Business-Breakfast zusammensetzt?


Guter Kaffee, Bio und Fairtrade, frisches handgemachtes Gebäck, eine angenehme Atmosphäre, in der Musik mitspielen darf, aber in der Lautstärke, die noch eine angeregte Konversation erlaubt. Und natürlich ein aufmerksames Service.

Mit wem haben Sie Geschäftsessen?


Mit Werbeagenturen, die auf der Suche nach Foodblogger-Relations sind, Sponsoren für unser Baking- und Foodcamp-Veranstaltungen, mit Lebensmittelherstellern, Foodbloggern und Journalisten.

Wer zahlt?


Ganz unterschiedlich.
Terbu: Wer schneller ist, meistens...meistens ist Nina schneller.
Mohimi: Außerdem habe ich einen bösen Blick.

Wieviel Trinkgeld geben Sie?


Meistens um die 15 bis 20 Prozent, weil zehn erscheinen uns zu wenig, aber es ist schon leistungsabhängig. Gar nichts da zu lassen, bringen wir nicht übers Herz, aber zehn Prozent Trinkgeld ist schon Strafe für mangelhaften Service. Auch in Ländern, in denen das Trinkgeld in der Rechnung inkludiert ist, geben wir etwas extra.

Wohin führen Sie Ihre Geschäftspartner in Wien?


In Hollmanns Salon, weil er einerseits so gemütlich ist und andererseits die Qualität des Essens auf verlässlich hohem Niveau rangiert. Seit wir in einem etablierten vegetarischen Innenstadtlokal angebliche Bioeier als polnische Eier aus Käfighaltung, Kennziffer 3pl, enttarnten, sind wir sehr skeptisch. Ebenfalls gerne laden wir ins Motto am Fluss. Das helle Interieur, die angenehme Beleuchtung und die schöne Aussicht schaffen eine gute Atmosphäre. Die Speisekarte ist nicht 0815 und bislang war der Service auch immer sehr zuvorkommend.

Welche Lokale meiden Sie?


Solche, in denen wir dreimal schlecht bedient wurden. Bei der Auswahl, die man in Wien hat, muss man nicht in ein noch so angesagtes Szenelokal gehen, wenn einen das Personal dort 30 Minuten warten lässt, ehe es eine Bestellung aufnimmt.

Was nervt Sie an Leuten, mit denen Sie geschäftlich essen?

Wenn jemand zum Personal unhöflich ist. Man ist Gast und nicht König im Lokal.

Was war das skurrilste Geschäftsessen, an das Sie sich erinnern?


Mohimi: In der Zeit als ich in den USA für eine Werbeagentur gearbeitet habe, traf ich mich mit dem Marketingleiter des international agierenden Executive-Search-Unternehmens KornFerry. Auf Wunsch des Kunden gingen wir in eine gehobene Pizzeria in Santa Monica zum Executive Lunch. Es war heiß an diesem Tag. Plötzlich entblößte sich der Kellner und während er sich das Hemd vom Leib riss, schrie er in den Gästeraum hinein, dass er gekündigt habe. Wir waren von dem Striptease leicht irritiert, vor allem weil wir nicht wussten, ob wir das Essen noch bekommen würden.

Welche aktuellen Trends beobachten Sie bei Geschäftsessen?

Sie sind für Leute eine willkommene Pause und im Idealfall wie ein Bildschirmschoner.

Mit wem hätten sie gerne einmal ein Geschäftsessen?


Mit dem ehemaligen Monsanto-CEO Robert Shapiro, der 1995 mit dem ganzen Gen-Wahnsinn begonnen hat und noch immer der festen Überzeugung ist, der Welt was Gutes getan zu haben. Wir würden gerne seine Geschichte hören und wissen, wie dieser Mensch noch schlafen kann.

Wie könnten Geschäftsessen in Zukunft aussehen?


Heute assoziieren wir mit Business Lunch vorwiegend steife Zusammenkünfte, Old Boys Clubs und eine gewisse Langeweile, die sich durch fünf Gänge zieht. Das ließe sich ändern, etwa durch Essen in einem Popup-Restaurant, durch ein Picknick oder aber gemeinsames Kochen in privaten Refugien oder auch im Büro.

**Zu den Personen:

Nina Mohimi und Daniela Terbu lernten einander bei ihrem früheren Arbeitgeber max mobil Mitte der 90e-Jahre kennen. Sie verloren sich aus den Augen und fanden via facebook, wo sich beide als Foodies outeten, wieder zu einander.
Dani Terbu ist als digitale Kommunikationsmanagerin mit Sinn für’s Crossmediale seit 15 Jahren sowohl beruflich (kleine Zeitung/Online-Redaktion, max.mobil/T-Mobile -CRM Merck univadis .at e-Marketing) als auch privat als Bloggerin auf sämtlichen Social Media-Kanälen unterwegs. Sie ist Leiterin der von ihr gegründeten Digital Relations & Content Marketing-Agentur „Coolhunting“.
Nina Mohimi ist Gründerin von "Digital Juicery", einer Agentur mit Schwerpunkt CRM Beratung. Zu ihren Kunden zählen unter anderen Hutchison 3, Columbus Reisen und Fertighaushersteller. Vor dem Sprung in die Selbstständigkeit war die Absolventin der Werbeakademie in Wien mehrere Jahre in Kalifornien für größere Werbeagenturen als digitale Strategieberaterin tätig.
Gemeinsam gründeten Mohimi und Terbu heuer "The Coolinary Society". Das Unternehmen entwickelt für Kunden – sowohl Unternehmen der international Fortune 500, wie auch kleine lokale Spezialitäten-Produzenten – digitale Kampagnen, veranstaltet Events wie das Baking-Atelier und Foodcamps und stellt Beziehungen zu relevanten Opinion Leaders her.

Mehr Infos unter:

http://www.coolinarysociety.com/

 

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