Drucker Forum: Die Komplexität beherrschen

Führende Wirtschaftstheoretiker und Manager trafen sich in Wien, um Wege zu diskutieren, wie Unternehmen in komplexen Situationen geführt werden können.

Helga Nowotny
Helga Nowotny
Helga Nowotny – (c) Gerry Mayer-Rohrmoser

Komplexe Aufgaben können verstören. Sie können Führungskräfte aber gleichermaßen anspornen, nach kreativen Zugängen zu suchen. Dem Thema „Managing Complexity“ widmete sich das fünfte Peter-Drucker-Forum in Wien, um einerseits die Komplexität in den Unternehmen zu betrachten und andererseits die Mechanismen dahinter zu beleuchten.

Helga Nowotny, die in Wien geborene Soziologin und Wissenschaftsforscherin, zeigte auf, wie schwierig es für Manager sei, alte Methoden auf die neue, komplexe Realität zu übertragen: gemäß der Maxime, mit weniger Einsatz mehr erreichen zu müssen.
Doch diese vereinfachenden Modelle werden der Komplexität nicht mehr gerecht, sagt die Präsidentin des Europäischen Forschungsrates und frühere ETH-Zürich-Professorin. Wer sich nur auf Kennzahlen verlasse, verliere das Gesamtbild des Unternehmens und des Unternehmensumfeldes aus den Augen. Und damit, sagt Nowotny, verlieren Manager auch die Fähigkeit, mit Komplexität umzugehen.


Fünf Dimensionen wurden bei dem zweitägigen Forum in Wien herausgearbeitet, wie sich Unternehmen angesichts einer komplexen Situation verändern müssen.
► Ziele: Ausgangspunkt ist ein Zitat des Managementpioniers Peter Drucker (1909 bis 2005) aus dem Jahr 1973: „Der einzige Zweck eines Unternehmens ist, Kunden zu schaffen.“ Umgelegt auf die Komplexität bedeutet das nach Ansicht der Wirtschaftstheoretiker und Manager, die beim Drucker-Forum zu Wort kamen: Es sollte das Ergebnis sein, mit einem Unternehmen Geld zu verdienen, aber nicht das primäre Ziel. Der Kunde sei gleichsam der Chef jedes Unternehmens, seine Bedürfnisse zu erfüllen das Ziel.
► Struktur: Führungskräfte müssen davon abgehen, die Mitarbeiter zu kontrollieren. Ihre Aufgabe ist vielmehr, selbst organisierte Teams und Netzwerke inner- und außerhalb des Unternehmens zu ermöglichen. Denn Arbeit passiert nicht nur innerhalb der Büroräume, sondern auch in den Netzwerken der Partner und Kunden.
► Koordination: Hierarchische Strukturen, Pläne und Berichte sind in komplexen Situationen wenig hilfreich. Stattdessen bewähren sich kurze Arbeitszyklen, die direktes Feedback durch die Kunden und die Führungskräfte vorsehen. Sie ermöglichen laufende Innovation und konsequente Umsetzung.
► Werte: Transparenz, kontinuierliche Verbesserung und Nachhaltigkeit sehen die Experten als Erfolgsfaktoren: Linienorganisationen, die zwar effiziente und vorhersehbare Ergebnisse liefern, werden der Situation kaum mehr gerecht, weil sie sich nicht in der nötigen Geschwindigkeit an veränderte (Kunden-)Wünsche anpassen können.
► Kommunikation: Die vertikale Kommunikation in Form von Arbeitsanweisungen hat zwar nicht ausgedient, doch das Gespräch auf Augenhöhe bekommt größere Bedeutung. Auch damit wird die Expertise von selbst organisierten Einheiten gestärkt. (mhk)

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