Hausverwalter: Ein Diplomatenjob

Berufsporträt. Sie müssen mit Beschwerden umgehen und brauchen technisches Wissen. Und als Verwalter fremder Vermögen müssen sie juristisches und kaufmännisches Gespür mitbringen.

Hausverwalter: Ein Diplomatenjob
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Geht es nach den Ranglisten der beliebtesten Berufe, haben die Hausverwalter mit den vorderen Plätzen wenig zu tun. Dabei gibt es kaum größere Wohnhäuser, die ohne sie auskommen.

„Hausverwalter ist kein Jedermannsberuf“, sagt Udo Weinberger, Präsident des Verbands der Immobilienwirtschaft ÖVI. Denn: „Es braucht die Liebe zum Dienen.“ Der Dienstleistungscharakter spiegelt sich in den Anforderungen wider: „Der Hausverwalter muss Generalist sein“, sagt Weinberger, der die Firma Weinberger-Biletti-Immobilien betreibt. Er müsse Gespür für juristische Fragen mitbringen und eine Hand für das Kaufmännische: Schließlich verwalte der Hausverwalter treuhänderisch fremdes Vermögen. Der Hausverwalter benötige außerdem Offenheit für alle möglichen technischen Fragen.

Eine Kompetenz sei darüber hinaus wichtig: jene zu kommunizieren. Die wird in der Praxis laufend geprüft, sagt Martin Fischer, Prokurist der Ludwig-Hallas-Immobilienverwaltung. Da gelte es in vielen Fällen, als Vermittler aufzutreten. Etwa zwischen Wohnungseigentümern, die sich gegenseitig durch nächtliches Duschen gestört fühlen. „Der Hausverwalter muss dann als Mediator moderieren“, sagt Fischer. Denn die Parteien würden oft lieber über den Hausverwalter als miteinander reden.

Geduldiger Dolmetscher

Vielfach müsse er auch wie ein Diplomat und ein Dolmetscher erklären, warum Investitionen in ein Objekt wichtig sind: Wohnungseigentümer verhielten sich oft wie Besitzer eines Einfamilienhauses, die nur die eigene Einheit, nicht aber die gesamte Substanz interessiert. Das mache den Job mitunter mühsam, sagt Fischer.

Entsprechende Begeisterung ist notwendig. Und Geduld: Etwa wenn es darum geht, für einstimmige Beschlüsse die Zustimmung aller Miteigentümer zu erlangen.

Neueinsteiger in das Hausverwaltergeschäft haben es nicht leicht. Wer nicht über einen Grundstock an Objekten verfügt, kann nur über den Preis an Kunden kommen. Große Hausverwaltungen werben häufig mit Rund-um-die-Uhr-Service. Das ist aus Kundensicht praktisch, weil es eine permanent besetzte Anlaufstelle gibt. Allerdings können diese Callcenter meist nicht mehr tun, als irgendeinen verfügbaren Notdienst oder im schlimmsten Fall die Feuerwehr zu alarmieren. Gut erreichbar sind in aller Regel auch die Mitarbeiter kleinerer Hausverwaltungen, die einen Vorteil mitbringen: Sie kennen die Häuser sehr genau und können Probleme manchmal besser identifizieren.

Für Berufsneulinge ist die Größe der Hausverwaltung ein wichtiges Entscheidungskriterium: „Größere Kanzleien laufen Gefahr, den persönlichen Kontakt zu den Wohnungseigentümern oder Mietern zu verlieren“, sagt ÖVI-Präsident Weinberger. Kleinere könnten hingegen mit persönlichem Kontakt punkten. Wer allerdings in den Gewerbeimmobilienbereich drängt, werde in einer größeren Struktur glücklicher.

Die Dinge vereinfachen

Dank zahlreicher immobilienbezogener Lehrgänge an Fachhochschulen habe die Branche derzeit kaum Nachwuchsprobleme, sagt Weinberger. Die ÖVI-Akademie biete zudem zahlreiche Ausbildungen. Die praktische Arbeit, sagt Weinberger, sei für die Gewerberechtsprüfung aber unersetzbare Voraussetzung. An der bestandenen Prüfung allein sind echte Profis hingegen nicht zu erkennen: „Ein guter Hausverwalter verkompliziert die Dinge nicht. Er genießt das Vertrauen seiner Kunden.“

Dieses Vertrauen schätzt auch Fischer an seinem Beruf: „Wenn eine Eigentümerversammlung nach zwei, drei Stunden zu Ende geht und widerstrebende Interessen unter einen Hut gebracht sind – das ist ein echtes Glücksgefühl.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.11.2013)

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