High-Performer: Markus Beyrer, 42, Generalsekretär Industriellenvereinigung.

Für eine Karriere müsse man das Gefühl für den richtigen Moment zum Abschied entwickeln, meint Markus Beyrer. Daher verließ er das Kabinett Schüssel, ging zur Wirtschaftskammer und wurde schließlich Generalsekretär der IV.

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

Nein, sagt Markus Beyrer, über diese Frage habe er "ehrlich gesagt noch nicht nachgedacht." Und dennoch wird einer wie er, der als eines der größten politischen Talente der ÖVP gilt, immer öfter nach seinen Plänen für den Sommer 2010 gefragt. Denn im Herbst darauf wird aller Voraussicht nach gewählt. Man muss kein Prophet sein, um klar zu sehen, dass die Volkspartei (soferne sie dann wieder in der Regierung ist) einige neue Minister stellen wird. Beyrer könnte einer davon sein.
Natürlich weiß das der gebürtige St. Pöltner. Bloß würde sich nur ein Tor schon jetzt zu einer Personalie äußern, die erst in drei Jahren aktuell wird. Und außerdem "mach ich das, was ich gerade tue, einfach wahnsinnig gerne", sagt der in Wien ausgebildete Jurist und Betriebswirt ein paar Tage nach seinem 42. Geburtstag im Gespräch mit der "Presse". Beyrer ist seit ziemlich genau drei Jahren Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV). Damit stehe er an "einer optimalen Schnittstelle: ich arbeite mit Politikern und profilierten Kennern der wirtschaftlichen Zusammenhänge gleichermaßen. So habe ich das Beste beider Welten."
Beyrers Laufbahn führte stets entlang der Schnittlinie zwischen Politik und Wirtschaft. Und sie ist beispielhaft für die beruflichen Chancen, die Österreichs EU-Beitritt der Generation der heute 35- bis 45-Jährigen eröffnet hat. Nach dem Studium zog es Beyrer 1992 nämlich zum EU-Expertenteam der Wirtschaftskammer, den Beitritt erlebte er als Attaché an der Ständigen Vertretung Österreichs bei der EU in Brüssel.

Privileg, bei Schüssel zu lernen

Dann hätte er nach bestandenem Concours in den Dienst der Kommission treten können. Doch es kam anders. Über die Wirtschaftskammer landete Beyrer 1999 als wirtschaftspolitischer Berater im Kabinett von Wolfgang Schüssel. Kurz darauf zog er mit ins Bundeskanzleramt ein. "Es war ein Geschenk, zu einer Zeit im Kabinett gewesen zu sein, wo politisch etwas bewegbar war", sagt Beyrer und nennt Schüssel neben IV-Präsident Veit Sorger als wichtigsten Mentor. "Es war ein Privileg, von ihm zu lernen. Auch politische Gegner werden anerkennen, dass er einer der größten Politikprofis der Zweiten Republik ist."
Beyrer hält es für kaum möglich, eine Laufbahn minuziös zu planen. Jedenfalls müsse man das Gefühl für den richtigen Moment zum Abschied entwickeln. Das war in Brüssel so: "Ich habe mich gegen die Kommission entschieden, weil dort im Middle Management wenig zu bewegen gewesen wäre." Und das war auch im Kabinett Schüssel so, das Beyrer 2002 verließ, um über die erneute Zwischenstation Wirtschaftskammer zur Industriellenvereinigung zu wechseln. "Nach einer gewissen Anzahl von Jahren muss man einfach vom Stab in die Linie gehen", sagt der zweifache Familienvater und gibt damit unbewusst das Karriere-Credo von Post-Chef Anton Wais wieder, der seinen jungen Akademikern nur zwei Optionen offen zu halten pflegt: "Entweder Sie machen bei uns Karriere, oder Sie gehen."

Nicht nur lustiger Onkel sein

Beyrer hat keinen professionellen Coach, sondern verlässt sich auf die Rücksprache mit seiner Familie. "Meine Frau verschafft mir Erdung." Trotz eines wöchentlichen Arbeitspensums von 60 bis 70 Stunden versucht er, seine Kinder so oft wie möglich selbst zur Schule zu bringen. "Man will ja nicht der lustige Onkel sein, der nur in den Ferien da ist." Sondern auch eine Alltagsbeziehung aufbauen. Und den Kindern die Liebe zu Fremdsprachen nahe bringen, die der Frankophile seit dem ersten Ferienaufenthalt mit zwölf Jahren in der Bretagne entdeckt hat. "Die heutige Jugend sollte mindestens drei Fremdsprachen beherrschen." Eine östliche Sprache würde Beyrer zusätzlich zu Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch gerne noch lernen. "Da habe ich aber momentan ein Zeitproblem." Allzu bald dürfte sich dieses nicht lösen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.09.2007)

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