Carl Manner verstorben: Bis 87 jeden Tag in die Arbeit

Porträt. Heute verstarb Carl Manner, Enkel des Gründers der gleichnamigen Waffelfabrik. Aus diesem Anlass holen wir ein Interview von Oktober 2014 aus dem Archiv.

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(c) Manner/Noll (Bernhard Noll)

Er sei ein bequemer Mensch, sagt Carl Manner, weder besonders fleißig noch besonders konsequent. Er säße nur im Büro, weil ihm sonst langweilig wäre.

Carl Manner ist 85 Jahre alt (Stand Oktober 2014). Jeden Tag geht er in die Arbeit, immer noch. Sein Tagwerk erst um elf Uhr zu beginnen ist der einzige Luxus, den sich der heutige Aufsichtsratsvorsitzende gönnt. Früher musste er wie alle anderen um sieben Uhr starten. Das fiel ihm wirklich schwer.

Heute dreht er um Punkt elf Uhr seinen Computer auf und schaut sich die Zahlen an. Umsätze, Ergebnisse – das interessiert ihn. Zahlen interessierten ihn immer. Schon sein Großvater war ein Zahlenmensch. Er gab ihm ein großzügiges Taschengeld, aber er musste es auf Heller und Pfennig abrechnen. So lernt man, mit Zahlen umzugehen.

Musik hätte den jungen Carl Manner auch interessiert. Früher spielte er Klavier, heute könne er das nicht mehr: „Mein Vater hat mich eine Zeit lang verdächtigt, in eine künstlerische Karriere abzugleiten. Aber das wäre ja dumm gewesen.“ Künstler müssen hart arbeiten, viel härter als Unternehmer. Wie gesagt, er sei nicht so fleißig.

Als Kind musste er „verschiedene politische Probleme“ miterleben. Danach waren die Ausbildungsmöglichkeiten beschränkt, also studierte er Lehramt für Mathematik und Physik. Er brauchte es nie.

1953 trat er in die großväterliche Firma ein, wie ein Lehrling. Er wog Säcke ab und schrieb Fakturen. Es interessierte ihn nicht besonders, am ehesten noch die Abläufe, die kaufmännischen und jene in der Produktion. Zwei Jahre später war eine Eröffnungsbilanz in Schilling verlangt. „Ich war der Einzige, der das konnte.“ Bald fand er sich als Leiter des Rechnungswesens wieder. Dort schien ihm einiges „korrekturbedürftig“, und er tobte sich aus. So wuchs er in das Unternehmen hinein.

Greißler und Handelsketten
Meilensteine gab es zuhauf, positive und nicht ganz so positive. Als in den 1970er-Jahren die Diskonter das Land überrollten, verstanden das viele im Haus nicht. Eben noch war man mit dem Wagerl von Greißler zu Greißler gefahren und stellte überall eine Kiste Schnitten ab. Auf einmal stand an jeder Ecke ein Supermarkt. Mit Billa-Gründer Karl Wlaschek verband Manner bald ein enges Vertrauensverhältnis, „da klappte dann auch die Belieferung“ – mit dem neu gegründeten Spar wenig später ebenfalls.

"Psychologie ist wichtig“, findet Manner, und dass man mit den Menschen umgehen können muss. Ganz früher hatte er ältere Kollegen als Vorbilder, die vom Gefühl her verstanden, wie man führt. Autorität sei nie sein Fall gewesen. Er bevorzugte es, wenn sein Gegenüber eine Idee für die eigene hielt.

Bei Hofer nützte alle Psychologie nichts. Obwohl Manner den Diskonter schon mit Großmengen belieferte, weigerte er sich, das jährliche Lohn- und Preisabkommen zu akzeptieren. Nach einem Krach ging Hofer als Kunde verloren. Es dauerte bis zur Wende, die fehlenden Mengen wieder auszugleichen.

Dazwischen wechselten sich Höhenflüge und Tiefpunkte ab. Die Fusion mit Casali-Napoli 1970 und die Übernahme des Mozartkugel-Herstellers Victor Schmidt im Jahr 2000 liefen höchst erfreulich, das Russland-Geschäft zutiefst ärgerlich: Zuerst wurde bar bezahlt, dann wuchsen die Mengen rapide an, es wurde um offene Lieferung gebeten, diese Rechnungen aber wurden nie beglichen. Am Ende waren die Auftraggeber spurlos verschwunden.

„Im Nahen Osten wird uns das nicht passieren“, sagt Manner. Dort sei man Süßwaren gegenüber „sehr positiv eingestellt“. Allerdings musste zuerst der Stephansdom aus dem Traditionslogo verbannt werden. Es war eine Idee seines Großvaters, die Marke Manner mit dem stärksten aller Wien-Symbole zu verknüpfen. Ihm verdanke man den Bekanntheitsgrad, auf dem man noch heute aufbaue. „Mein Großvater war sehr marketingbegabt“, sagt Manner ehrfürchtig.

Sein eigenes Talent wäre vielmehr, dass ihm immer etwas einfalle. Die Lösungen flögen ihm intuitiv zu: „Ich kann Dinge verknüpfen – Dinge, Menschen und Geld. Das ist eine wichtige Fähigkeit für einen Unternehmer. Und nicht untypisch für einen österreichischen Unternehmer.“ Und außerdem: Wenn es so nicht geht, geht es anders.

Probleme hat Carl Manner keine. Keine nennenswerten jedenfalls – wenn man von der Weltpolitik absieht. Und von der österreichischen Steuerpolitik, da findet er einiges „recht dubios“. Wenn er seine tägliche Zahlenlektüre beendet hat, surft er ein bisschen im Internet. Keine kaufmännischen Themen, wozu denn auch? Die Kritiken der Metropolitan Opera interessieren ihn viel mehr.

 

Zur Person

Nach der Lehramtsprüfung und Promotion in Mathematik und Physik trat Carl Manner (85) im Jahr 1953 in die vom Großvater gegründete Firma ein. Diese produzierte damals 3000 Tonnen Süßwaren jährlich. Heute sind es 48.000 Tonnen mit den Marken Manner, Casali, Napoli, Ildefonso und Victor Schmidt. 2008 wechselte Manner nach 38 Jahren im Vorstand in den Aufsichtsrat, dessen Vorsitzender er heute ist.

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