Wie sich Innovationen managen lassen

Innovation. Das I-Wort beschäftigt Unternehmen wie kaum ein anderes. Doch Innovationen und Kreativität zu managen, ist nicht einfach. Stefan Perkmann Berger zeigt, wie es trotzdem funktionieren kann.

Ohne das I-Wort scheint derzeit kein Unternehmen im Außenauftritt auszukommen. Innovativ müssen Unternehmen tatsächlich sein, wollen sie bestehen. Innovativ sein heißt, aus einer Idee eine Anwendung zu gestalten, die sich am Markt möglichst nachhaltig bewährt – ganz gleich, ob es sich um eine Produktverbesserung (inkrementelle Innovation) oder ein gänzlich neues Produkt (radikale Innovation) handelt.

Um an die Ideen ihrer Mitarbeiter zu kommen, können Firmen Ideenboxen aufstellen, in die jeder seine Vorschläge einwirft. Stefan Perkmann Berger, der mit What-AVenture etablierte Unternehmen dabei unterstützt, wie Start-ups zu agieren, rät eher zu einem Call: einem zeitlich begrenzten Aufruf, Ideen einzubringen. Und zwar zu einem bestimmten Thema. „Denn Kreativität braucht Kontext“, sagt er und zerstreut Bedenken, eine thematische Einschränkung behindere radikale Innovation.

Wie denken die Kollegen?
Im gewählten Zeitraum – etwa vier Wochen – können Mitarbeiter ihre Ideen präsentieren. Im Idealfall ist das technisch unterstützt und funktioniert wie eine Art Facebook. Andere Mitarbeiter können kommentieren und Feedback geben. Diese Form des Crowdsourcings habe den positiven Nebeneffekt, dass transparent werde, was und wie in anderen Bereichen des Unternehmens gedacht wird, sagt Perkmann Berger. „Die Mitarbeiter können so gleich die Ideen bewerten und ihr Interesse zeigen, mitzuarbeiten.“ Am Ende des Calls steht ein Workshop, in dem sich Teams finden, die eine Idee reif für die Umsetzung machen sollen.
Doch der Reihe nach. Fünf Schritte sind es, in die sich Innovationsmanagement grob unterteilen lasse, sagt Perkmann Berger:

  • Vision, Ziel, Strategie finden: Dies ist notwendig, um entscheiden zu können, welche Ideen verfolgt werden sollen. Trends und Kundenbedürfnisse müssen zusammengetragen werden, um einen Nährboden für neue Ideen zu schaffen.

  • Ideen generieren: Unternehmen müssen sich fragen: Benötige ich inkrementelle oder radikale Innovation? Will ich Produkte, Prozesse oder das Geschäftsmodell erneuern? Ist die Innovation für den Markt oder für das Innenleben des Unternehmens bestimmt – etwa wenn Partizipation als Handlungsprinzip eingeführt wird? Wende ich mich bei der Ideensuche an die eigenen Mitarbeiter oder öffne ich mich für Externe, etwa Start-ups?

  • Teams bilden: Sind Ideen generiert, gilt es, vom Einzelkämpfertum loszukommen und interdisziplinäre Teams zu finden. Dafür eignen sich die angesprochenen Workshops. In diesen werden die Teams zusammengeschweißt und es wird bewertet, ob ihnen eine Erfolg versprechende Umsetzung zugetraut werden kann. „Um eine Innovation erfolgreich zu machen, braucht es drei Promotoren“, sagt Perkmann Berger: den Ideengeber, der die Vision trägt und im besten Fall wie ein Unternehmen agiert. Den Prozessspezialisten, der weiß, wie aus der Idee eine Innovation wird und als Coach und Mentor dient. Und den Machtpromoter, der Entscheidungen im Unternehmen beeinflusst.
    Entscheidungen in dieser Frühphase sollten daher weniger die Qualität der Idee als die des Teams beurteilen, sagt Perkmann Berger. Nicht ohne Grund: „Denn die Idee, an der gearbeitet wird, ändert sich im Innovationsprozess laufend. Das Team, das diese Ideen iterativ weiterentwickelt, ist entscheidend.“

  • Idee bearbeiten: Ist das Team gefunden, sollte es ohne administrative Bürden drei bis sechs Monate die Hypothesen im Markt testen und relativ bald erste Umsetzungsleistungen erbringen.

  • Projekt umsetzen: Jetzt kommt das Projektmanagement ins Spiel. In diesem Schritt soll Marktreife erlangt werden – und die Innovation erst zur Innovation werden.


Bestes Feedback wird belohnt
Innovationsmanagement setzt Anreize für die Mitarbeiter, gute Ideen einzubringen:
Erstens vermitteln, was gute Ideen auszeichnet. Das erspart Enttäuschungen, wenn eine Idee nicht berücksichtigt wird.

Zweitens verschiedene Rollen im Prozess zeichnen: Ideengeber oder Feedbackgeber auszeichnen (auch das beste Feedback kann honoriert werden).

Drittens: Gute Ideen belohnen. Geld motiviert oft nicht wie gewünscht: Besser geeignet sei, sagt Perkmann Berger, kreativen Mitarbeitern Sichtbarkeit und Wertschätzung zu geben. Und Storytelling, packende Geschichten, entwickeln, wie die Idee zur Innovation wurde. „Das motiviert viele, die sagen: ,Was der geschafft hat, kann ich auch.‘“

Zur Person

Stefan Perkmann Berger (30) ist einer der Gründer von WhatAVenture. Er berät etablierte Unternehmen dabei, stärker wie Start-ups zu agieren, und unterstützt angehende Unternehmer spielerisch bei der Konzeption.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2015)

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