Gründerzeit: "Ich bin ein guter Allrounder"

Serie. Was Gründer und Serial Entrepreneurs bewegt: "Es geht nicht darum in den Augen anderer supererfolgreich zu werden, sondern für sich selber", sagt Thomas Berndorfer.

(c) Bernhard Schramm

Welche Unternehmen haben Sie wann gegründet?

  • 1999 Gründung der 4Call AG (als Minderheitsgesellschafter)
  • 2004 Cross National Solutions sro (Holding daraus Abspaltungen für neue Geschäftsfelder)
  • 2006 CNS Austria KG in Österreich, spätere Umwandlung in Connecting Software KG (2011)
  • 2007 CNS Austria sro
  • 2008 CNS soft sro
  • 2010 CNS Connect sro
  • 2013 Connecting Software Inc (USA, Denver und Silicon Valley)

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, gerade diese Unternehmen zu gründen?
Als ich mich selbstständig gemacht habe, wollte ich eigentlich in der Slowakei und in Tschechien westeuropäische Software vertreiben. Allerdings scheiterte das Businessmodell.

Als gewerberechtlicher Unternehmensberater und akkreditierter Exportberater der WKÖ haben wir vielen Unternehmen beim Markteintritt unterstützt. Dadurch sind wir immer besser in dem Bereich Gründung und Förderungen gekommen und haben die CNS Austria als lokale Beratungsfirma mit Standort- und Buchhaltungsdienstleistungen, sowie rechtlicher und steuerlichen Unterstützung eine eigene Hülle verpasst.

Dann wurden wir mit den Förderungen konfrontiert und haben gesehen, dass das auch eine schöne Dienstleistung ist wenn man das vernünftig und sauber aufsetzt. Dadurch wurde als nächste Firma die CNS Eurogrants gegründet bzw. ausgegliedert, die in der Slowakei eine EU-Förderungsberatung und Begleitung für Unternehmen und Gemeinden sowie Städte durchführt. Da dieses Geschäft aber sehr lokal ist und mein Plan war, mich wieder nach Österreich zu orientieren, wurde ein lokaler Geschäftsführer gesucht, gefunden und beteiligt. Der führt jetzt das Geschäft erfolgreich.

Ein befreundeter Vorstand aus der deutschen Versicherungsbranche bat mich, für ihn Softwareentwickler für München zu suchen. Nachdem das fehlschlug, einigten wir uns, dass wir ihn lokal mit Ressourcen unterstützen sollen und schon wurde nach einigen Jahren die CNS Soft ausgegliedert, weil das Geschäft hier wiederrum recht groß wurde und eine eigene Organisation sinnvoll erschien. Die ursprüngliche Cross National Solutions – ein schrecklich langer Name, wie wir schnell erkannt haben – wurde immer mehr zur Holding und die Töchter wurden zu eigenständigen Units mit eigener Rechtspersönlichkeit, um mögliche Risiken oder Chancen zu minimieren bzw. maximieren. Dadurch dass wir die gesamte Verwaltung und Gründungsthemen intern abwickeln kam das auch nicht teuer.

Das wurde dann ein wenig langweilig und ich wollte wieder mehr in die IT und ein eigenes Produkt. Durch die Dienstleistungsfirmen konnte ich alles selber finanzieren was mir sehr viel gab, um die Freiheit ohne Fremdbestimmung als Unternehmer zu genießen.

Die Connecting Software ist meine eigentliche Leidenschaft, weil wir hier etwas geschaffen haben, das ein gewaltiges Potenzial hat. Mit der Connect Bridge kann man aus jeder Software der letzten 25 Jahre auf die wichtigsten Unternehmenssoftwareprodukte lesend und schreibend live zugreifen. Durch ein paar geniale Ideen meiner Software-Entwickler kann das jeder Softwareentwickler innerhalb von zwei Stunden lernen – egal aus welcher Technologie er kommt. Inzwischen haben wir über 30 Zielsysteme (wie zum Beispiel Exchange/Outlook, AX, NAV, SAP, SFDC und SharePoint) abgedeckt und mehr als 35 Partner die unsere Software weltweit vertreiben.
Das Beste ist, dass diese Software auch noch günstig ist und Themen wie Cloud, Mobility, Industrie 4.0 und IoT abdeckt.

Ich glaube fest daran, dass hier noch eine sehr große österreichische Software-Erfolgsgeschichte passiert deren Reise eben erst angefangen hat. 2013 ging ich mit der Go Silicon Valley Initiative ins Valley und lernte dort den American Way doch das ist eine andere Geschichte.

Welche Unternehmen davon führen Sie heute noch?
Alle. Außer jene, an denen ich als Minderheitsgesellschafter, keine Mehrheit habe.

Woran haben Sie erkannt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, sich von einem bestimmten Unternehmen zu trennen?
In der jetzigen Zeit - Niedrigzinssatz und wiedermaliges Aufblasen der Finanzwirtschaft – gibt es eigentlich nur zwei Szenarien: Entweder bleibt man im eigenen Betrieb und hat die Kontrolle über den eigenen Erfolg/Misserfolg oder man bekommt so viel, dass man nie wieder arbeiten muss. Das wurde mir noch nicht geboten und daher bleibe ich bei Variante eins.

Wie haben Sie den Verkauf angebahnt? Wie haben Sie Ihre Gesprächspartner ausgesucht?
Zum Thema Verkauf gab es schon so manchen Interessenten, aber der Zeitpunkt war noch zu früh und durch extremen Aufwand für die Erstellung aller Unterlagen und die lange Dauer eines Verkaufes habe ich bis jetzt immer abgelehnt um nicht das Tagesgeschäft zu vernachlässigen. Ich muss ja nicht verkaufen, da ich ja finanziell 100 Prozent unabhängig bin – von Banken und Gesellschaftern- nicht von Kunden. Ich bin hier vielleicht very old fashioned, aber ich gebe kein Geld aus, welches ich nicht vorher erwirtschaftet habe. Das verlangsamt die Geschwindigkeit des Wachstums, aber erhöht die Sicherheit und erlaubt partnerschaftliches Agieren auf dem Markt.

Wann haben Sie zum ersten Mal die Idee gehabt, ein Unternehmen zu gründen?
Mein Onkel hat sich in jungen Jahren zu einer Auswanderung entschlossen, die ein paar Jahre später in eine Selbstständigkeit führte: Das hat mir irrsinnig getaugt. Er hat in harter Arbeit ein Lebenswerk erstellt und dann in der richtigen Zeit seine Nachfolger die Zügel übergeben. Das finde ich auch sehr erstrebenswert.
Also habe ich überlegt, wann und wie das sinnvoll ist. Der richtige Zeitpunkt kam Jahre später.
Davor hatte ich einige erfolgreiche und harte Jahre als Angestellter/Manager wo ich auch die nötigen Erfahrungen sammeln konnte. Ich war ein Bummelstudent und kam erst spät in den Berufsprozess, was ich aber sehr schnell aufholte und nach zwei, drei Jahren war ich bereits Geschäftsführer und Vorstand einer kleinen AG. Der damalige Erfolg hat Mut gegeben und auch das Werben der damaligen Eigentümer um mich gab mir die Kraft es selber zu probieren.

Und wie lange hat es dann bis zur Umsetzung gedauert?
Die Idee die Vorteile zweier verschiedener Länder wie Österreich und der Slowakei auszunutzen hatte ich bereits ab 2002. Das Wachstum drüben und die Aufbruchsstimmung in den neuen EU-Mitgliedsländern auf der einen Seite, die gewachsenen Strukturen in Österreich und der Reichtum auf der anderen Seite, das gab doch so viele Möglichkeiten des Wachstums und des Handelns. Aber es war nicht die Chance da auf die ich setzen konnte, das kam erst 2004 wo ich meinen Geschäftspartner mit Wurzeln aus der Slowakei und damit einem Netzwerk und Lokalkolorit kennen lernte. Damit hatte ich den Entry-point, dann ging es schnell. Gründung, verschiedene Businessmodelle, abgesichert mit einem guten Beratervertrag der die erste Finanzierungen sicherte. Den Partner habe ich dann geheiratet, damit mir der nicht verloren geht und gemeinsam haben wir die guten und schlechten Zeiten durchlebt. Die ersten zwei, drei harten Jahre, wo jeder Euro umgedreht wurde, dann das Blühen der eigenen Firma zu erleben ist eine wunderschöne Sache, die jegliche Entbehrungen rechtfertigt.

Welche Rolle hat Ihre Familie, welche Rolle Ihre Ausbildung gespielt, dass Sie zu einem Serial Entrepreneur wurden?
Meine Geburtsfamilie lebt immer noch in Deutschland, daher relativ wenig. Außer der Glaube, dass man mein Studium sehr lange zumindest teilfinanziert hatte. Meine selbstgewählte Familie, also meine Frau, ist mit mir im Unternehmen und steht immer an meiner Seite. Meinen Kindern aus einer früheren Beziehung versuche ich ein guter Vater zu sein und ihr Erfolg in der Schule macht mich sehr stolz – wie gesagt da war ich ja selber nicht so gut.
Meine Ausbildung hat eine sehr große Rolle gespielt. Da ich kein wirkliches Talent habe, sondern ein guter Allrounder bin, war die Wirtschaftsuniversität Wien das Beste was mir passieren konnte. Da gab es den nötigen Background über alle Bereiche des Unternehmens und dort hat man auch gelernt, sich durch stressige Zeiten durchzuboxen. Ich sehe wie viele Unternehmer mit nicht kaufmännischen Hintergrund es viel schwerer haben aber vielleicht denken sich diese dasselbe mit meinen technischen Fähigkeiten. Aber: long Story short – eine kaufmännische Ausbildung ist enorm wichtig für das Unternehmertum.

Wieviel Zeit nimmt Ihr Entrepreneurship in Anspruch?
Naja, also mit aktivem Arbeiten rund 60 Stunden die Woche (Büro und Reisen), dazu kommen die Gespräche, Planungen, Nachdenkphasen, Vorbereitungen also eigentlich noch wesentlich mehr… Aber das ist ein großes Spiel des Lebens, bei dem man als Gründer oder Unternehmer ja auch sehr viel Freude und Spaß haben kann.

Was tun Sie gerne, wenn Sie nicht gerade ein Unternehmen führen?
Mich mit meinen Kindern treffen, Reisen, Sport, Hunde, Freundschaften pflegen, philosophieren. Es dabei auch mal krachen lassen, viel lachen und das Leben als solches in all seinen Facetten zu genießen. Das ist kein Widerspruch zu vieler Arbeit wenn die Arbeit nicht als Belastung sondern als Berufung angenommen wird.

Wenn Sie kein Gründer wären, welchen Beruf würden Sie gerne ausüben?
Historiker, Journalist, Wirt, Weltenbummler. Keine Ahnung diese Frage stellt sich für mich nicht, denn das was ich mache erfüllt mich. Aber für die Zeit danach habe ich viele Pläne.

Was ist Ihnen zu diesem Thema noch wichtig, was hätten wir Sie noch fragen sollen?
Wie geht man mit Scheitern um? Ich denke in unseren Breiten ist der Neid auf Erfolg und die Schadenfreude bzw. das Scheitern sehr gründerunfreundlich. Viele Menschen denen ich begegnet bin, hatten tolle Ideen, auch bessere Fähigkeiten, haben aber niemals etwas riskiert, um nicht in die Gefahr zu kommen, zu versagen.
Meine Story ist nicht die eines Mark Zuckerbergs, aber auch nicht die eine der zahlreich gescheiterten Gründer, sondern eine solide. Dies sollte vielleicht auch etwas mehr hervorgehoben werden, dass es viele Wege der Selbstständigkeit gibt und das es nicht darum geht supererfolgreich in den Augen anderer zu werden, sondern für sich selber.

 

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