"Du sagst also, ich bin ein Depp": Richtig handeln in Stress-Situationen

Wie sage ich jemandem, dass er Mundgeruch hat? Was hilft nach einem anstrengenden Tag? Stress-Situation zu meistern, lernten die Studierenden im sechsten Modul der „NaturTalente“.

„Sich ärgern ist wie Gift trinken in der Hoffnung, dass der Andere stirbt“, sagen der Dalai Lama und Ronny Hollenstein. Letzterer ist Experte für Personal- und Organisationsentwicklung und Trainer der "NaturTalente".

Sie sind Studierende der MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik) und wollen mehr als nur Fachwissen - sie wollen auch an ihren sozialen und kommunikativen Stärken arbeiten.

Das letzte von insgesamt sechs von Uniport organisierten Modulen fand in den Räumen der Uniqa statt und stand unter dem Motto „Unter Druck! Persönliche Ressourcen in Stress-Situationen“. Die Studierenden lernten, wie sie ihre Reaktion in Stress-Situationen kontrollieren, auch unter Druck ruhig bleiben und Kritik richtig anbringen können.

„An Stress beteiligt“, sagt Hollenstein „sind der Geist, in Form von ärgerlichen Gedanken, der Körper, mit schneller Atmung und Schwitzen und das Verhalten in Form von Kommunikation.“ In stressigen Situationen lösen Impulse Primärgefühle aus, etwa Enttäuschung. Wer lerne diese zu artikulieren, verhindere eine spätere Explosion. Natürlich müsse die Umgebung dafür angemessen sein. „In einem Meeting werde ich kaum sagen, dass ich enttäuscht bin, in einer Partnerschaft schon“, sagt Hollenstein. Eine Möglichkeit sich zu beruhigen sei etwa, sich abzulenken und andere Gedanken zu finden.

Kontrollierte Reaktionen

Zur Reaktions-Kontrolle, beispielsweise in aufwühlenden Gesprächen, gibt Hollenstein den Studierenden sechs Tipps:

  • Vorwurf wiederholen (z.B.: „Du sagst also, ich bin ein Depp“) bringt drei bis sechs Sekunden, um eine Antwort vorzubereiten.
  • Impuls in der Wiederholung abschwächen und konstruktiv artikulieren (z.B.: „Du bist also nicht einverstanden.“)
  • Primärgefühle artikulieren (z.B.: „Das macht mich jetzt sprachlos.“)
  • Um eine Pause oder um Aufschub der Unterhaltung bitten, um sich eine Reaktion zu überlegen.
  • Kurz inne halten und überlegen, um sich zu sammeln.
  • Ausatmung verlängern, um sich zu beruhigen.

Um das Gegenüber und die von ihm vertretenen Ansichten besser zu begreifen, müsse man versuchen zu verstehen, was hinter einem Verhalten liegt. „Jede Konfliktsituation kann man auch als Lernmöglichkeit sehen“, sagt Hollenstein.

Runterkommen nach der Stress-Situation

Um nach einer Stress-Situation oder einem anstrengenden Tag Ruhe zu finden, empfiehlt der Trainer folgendes:

  • Wer schlechte Laune hat, soll an gute Dinge denken und sich überlegen, wofür er dankbar ist.
  • Ausgleichstätigkeiten, wie z.B. Sport, lenken gut ab.
  • Rituale und Strukturen helfen dabei, einen Tag abzuschließen. Tagebuchschreiben etwa kann sinnvoll sein, um in Ruhe einzuschlafen, ohne dabei Gedanken zu wälzen.
  • Eine Überprüfung und Lockerung innerer Glaubenssätze und Haltungen kann Stress reduzieren. Sobald ein Gerechtigkeitsfanatiker erkennt, dass das Leben nicht fair ist, wird sein Leben um einiges leichter.
  • Präsenzübungen (Gartenarbeit, Spielen mit Kindern), Konzentrationsübungen (Kreuzworträtsel lösen), Entspannungs- und Atemübungen beruhigen außerdem.

Andere kritisieren

Wer andere kritisiert, ist häufig in einer unangenehmen Situation. Wie bringt man jemandem bei, dass er oder sie Mundgeruch hat? Auch hierfür hat Hollenstein ein paar Ratschläge:

  • Es ist wichtig eine Entscheidung zu treffen und sich daran zu halten: Sage ich einer Person nicht, dass sie Mundgeruch hat, muss ich das Problem akzeptieren und nicht mehr daran denken.
  • Entscheide ich mich dafür es anzusprechen, muss ich die Reaktion aushalten.
  • Mein Gegenüber muss erkennen, dass die Kritik gerechtfertigt ist und ich mich eine gute Absicht antreibt.
  • Es ist hilfreich, die Situation für die Person zu rechtfertigen (z.B.: „Kein Wunder, dass du Mundgeruch hast, hier bekommt man ja auch nichts zu essen.“)
  • Ist die Kritik ausgesprochen, kann ich mein Gegenüber anderweitig loben und Wertschätzung zeigen.
  • Um die Person nicht zu beschämen, sollte ich mich mit ihr auf eine Stufe stellen (z.B.: „Ich kenne das Problem auch“ oder „Wenn dir auffällt, dass ich Mundgeruch habe, sag' mir bitte auch Bescheid.“)
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