Karenz: Wie beide Elternteile profitieren

Karenzmodelle variieren europaweit. Gleichstellungspolitisch optimal sind skandinavische Modelle. Das österreichische nutzt sein Potenzial nicht aus.

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Wie können Väter in die Kinderbetreuung einbezogen werden? Und wie können Mütter möglichst gut in die Erwerbsarbeit integriert werden? Diese Fragestellungen standen im Zentrum von Helene Dearings (WU Wien) Arbeit. Sie untersuchte 27 europäische Modelle.

Das Resultat: Die einfache Formel „Je mehr Karenz, desto besser“ ist nicht richtig. Sehr kurze und sehr lange Karenz-Zeiträume wirken sich negativ aus. Optimal für Frauen ist eine moderate Dauer, bei guter Bezahlung.

Island vorbildhaft

Am besten schneidet neben Skandinavien, Slowenien und Deutschland das isländische Modell in der Studie ab. Dort beziehen karenzierte Eltern 80 Prozent des Letztgehalts über neun Monate. Drei Monate sind für den Vater reserviert, aber nicht verpflichtend. Letztendlich bleiben 84 Prozent der Männer in Island zuhause.

Österreich verbesserungsfähig

Dem stehen 18 Prozent der Väter in Österreich gegenüber. Dearing kritisiert, dass Österreich sein Potenzial nicht ausnützt: „Man kann mit Elternkarenzpolitik vieles steuern, was geschlechtergerechte Arbeitsaufteilung betrifft.“ Hierzulande wird zwar auch eine kurze Variante (12 + 2 Monate) mit 80 prozentigem Bezug des Letztgehalts angeboten. Dieser steht aber eine lange (30 + 6 Monate) weitaus populärere Form gegenüber.

Infobroschüren irreführend

In Österreich ist schon die Gestaltung der Infobroschüren symbolisch unklug. Dort werden Varianten mit „15 + 3“ oder „30 + 6“ vorgestellt. Dass Elternteile genauso „neun + neun“ bzw. "18 + 18" in Karenz gehen können, verheimlichen diese Titel. Gleichstellungspolitisch sei das nicht optimal. Dearing: "Das signalisiert, dass Väter nur die Feigenblattkarenzmonate am Schluss nehmen können."

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