"What a fantastic meeting!"

Ein Lob hier, ein Superlativ dort. Die Atmosphäre im Geschäftsleben erhellt das ungemein. Hierzulande geben wir uns aber komplimentscheu. Ein Aufruf zur Euphorie-Offensive.

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Montagmorgen in der Kaffeeküche. Der amerikanische Geschäftspartner erkundigt sich nach Ihrem Wochenende. Sie erzählen vom Trip zum See mit Freunden. Der Kollege starrt verdutzt: "Hatten Sie keinen Spaß?" Doch, sehr sogar. Als der Amerikaner von seinem eigenen Wochenende erzählt, dämmert Ihnen, woher die Ratlosigkeit kommt. Das BBQ bei den Schwiegereltern war "outstanding", die gegrillten Steaks "fantastic", das Wetter "marvellous", alles in allem ein "awesome weekend". Überrumpelt vor Euphorie schnappen Sie erst einmal nach Luft.

Aufruf zur Euphorie-Offensive

Amerikaner sind gerne überschwänglich. Zumindest wirkt es auf uns Österreicher so. Obwohl wir das wissen, fällt es uns schwer, ähnliche Begeisterung aufzubringen. Doch in der englischsprachigen Welt muss man sich in Superlativen ausdrücken, um gehört zu werden. Die UN-Dolmetscherin Susanne Kilian ruft zur Euphorie-Offensive auf, wie viel Überwindung das auch kosten mag.

Eine skeptische Distanz wird in Österreich als Zeichen von Professionalität gesehen. Euphorie bringt's aber: Wer sich in Superlativen äußert, schafft eine positive Atmosphäre, die gerade für Verhandlungen wichtig ist.

Oder nehmen wir euphorisches Lob als Beispiel: Es lässt im Gehirn ansässige Nervenzellen den Botenstoff Dopamin ausschütten. Glücksgefühle durchströmen daraufhin unseren Körper. Ein freundlicher Blick, ein nettes Kompliment – wenig bedarf es, um dieses Gefühl zu erleben.

Euphorie ist nicht gleich Anbiederung

Damit Lob jenseits unseres Sprachraumes als solches ankommt, rät Susanne Kilian, "so richtig tief in die Kiste der Superlative" zu greifen. Redewendungen wie "good job" oder "well done" ernten in den USA und im arabischen Raum keine fröhlichen Gesichter. Dies kommt einem "ganz okay" oder "du hast dich bemüht" gleich. Und das hört niemand gerne. Also, springen Sie über Ihren eigenen Schatten! Ein paar enthusiastische Worte, ein kulturell passendes Lob. Mit Anbiederung hat das nichts zu tun.

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Lob verbindet Menschen

Zeigen Sie ab und zu Ihre euphorische Seite. Gerade das Geschäftsleben ist oft von einsamen Hotelzimmern und Abendessen mit Smartphone, aber ohne Partner geprägt. Wer lobt, erfährt Zuneigung – die kann jeder brauchen. Und Ihre positive Ausstrahlung färbt auf andere Kollegen ab.

 

"Don't let me be misunderstood! Wie wir weltweit besser verstanden werden" von Susanne Kilian ist im Ariston Verlag erschienen.

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