Was erfolgreiche Einkaufschefs besser machen

Die Leiter erfolgreicher Einkaufsabteilungen investieren mehr Zeit in Führung und gestalterische Aufgaben. Ihr Selbstverständnis entwickelt sich weg vom Fachmanager hin zur Führungskraft.

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Es gibt erfolgreiche Einkaufsabteilungen und weniger erfolgreiche. Die erfolgreichen erkennt man einerseits an ihrem hohen Reifegrad, übersetzt: einem engen Bezug zu den Unternehmenszielen, der Einkauf steuert alle Schnittstellen, die Prozesse sind automatisiert (zumindest die Bedarfsermittlung) und die Lieferanten werden regelmäßig bewertet und daraus Maßnahmen abgeleitet.

Andererseits erfreuen sich erfolgreiche Einkaufsabteilungen an einer niedrigen Maverick-Buying-Quote, sprich: Im Unternehmen wird wenig ohne sie beschafft.

Weniger erfolgreiche Einkaufsabteilungen weisen einen niedrigen Reifegrad auf: Nicht der Einkauf, sondern die Bedarfsträger bestimmen Lieferanten und Preise, es gibt kaum Kennzahlen oder Lieferantenbewertungen, und die Prozesse sind wenig automatisiert. Bei ihnen ist auch die Maverick-Buying-Quote hoch, es wird viel am Einkauf vorbei beschafft.

Was machen die Erfolgreichen anders? Mit dieser Frage beschäftigte sich das „Personalbarometer 2015“ des Forums Einkauf des ÖPWZ, des Österreichischen Produktivitäts- und Wirtschaftlichkeitszentrums, und der Unternehmensberatung Penning Consulting.

Der Chef macht's aus

Ihre Conclusio: Die Chefs erfolgreicher Einkaufsabteilungen investieren fast ein Viertel (22 Prozent) ihrer Arbeitszeit in die Führung ihrer Mitarbeiter. Dabei liegt ihr Hauptaugenmerk auf vorausschauenden Führungsaufgaben: Sie blicken gemeinsam mit ihren Mitarbeitern in die Zukunft und definieren Ziele, Themen und Opportunitäten. Weniger als ein Fünftel ihrer gesamten Arbeitszeit (18 Prozent) widmen erfolgreiche Einkaufsleiter Fachaufgaben.

Läuft es jedoch in einer Einkaufsabteilung nicht so rund, ist das Verhältnis umgekehrt: Einkaufsleiter mit geringem Erfolg wenden nur 13 Prozent ihrer Zeit für Führung auf. Hier liegt ihr Fokus auf der reaktiven Führung. Hauptsächlich bügeln sie schon entstandene Probleme aus. Mehr als ein Viertel ihrer gesamten Arbeitszeit verbringen sie mit Fachaufgaben, die sie genauso an ihre Leute delegieren könnten.

Einkäufer-Psychogramm

Beide Gruppen, die erfolgreichen wie die weniger erfolgreichen Einkaufsleiter, geben überraschend an, ein Viertel ihrer Führungszeit mit Coaching zu verbringen. Doch darunter wird wohl auch ein gelegentlicher Kaffee subsummiert, mutmaßen die Studienautoren.

Der Lohn vorausschauender Führung zeigt sich auch in Zahlen:

  • einem geringfügig höheren Reifegrad (Reifegrad vier von sechs möglichen bei hohem Führungsanteil vs. 3,67 bei niedrigem),
  • einer niedrigeren Maverick-Buying-Quote (2,8 Prozent vs. 13,6 Prozent) und
  • einem größeren Talentepool: Einkaufsleiter mit hohem Führungsanteil haben eher genügend viele Talente zur Verfügung.

Befragt wurden 60 heimische Einkaufsleiter aus mittelständischen Unternehmen mit im Schnitt 9,5 Mitarbeitern, davon 6,5 in der Einkaufsabteilung. Ihrem Berufsstand sind sie auffallend treu. Die meisten sind schon lange im Einkauf tätig, im Schnitt 17 Jahre.

Zwei von fünf Einkaufschefs besuchten allerdings in den letzten fünf Jahren kein einziges Weiterbildungsseminar. Neun von zehn waren „erwartungskonform“, wie die Studie schreibt, männlich.


[LAY4Y]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.09.2015)

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