Generation Z: Sie ist schon längst da

Bisher gingen Personalisten alle 15 Jahre von einer neuen Generation aus. Jetzt müssen sie ihre Konzepte umschreiben. Denn die Zler sind so ganz anders als die Ypsilons.

Ab 1950 die Baby-Boomer, ab 1965 die Generation X, ab 1980 die Generation Y – und ab 1995 die Generation Z, die mehr und mehr in den Arbeitsmarkt einsickert. So strukturieren Personalchefs derzeit ihre Mannschaften. Stimmt gar nicht, sagt der Human-Resources-Professor Christian Scholz. Die Gen Z sei längst da.

Scholz stützt sich auf Rückmeldungen von Personalisten, deren Generationskonzepte einfach nicht auf ihre Leute passen. Die Generation Z tanzt aus der Reihe. Ihre Charakteristika finden sich schon bei Mitarbeitern, die eigentlich noch Ypsiloner sein müssten. Und die Unterschiede sind gravierender als gedacht.

Generationen, neu definiert

Der typische Gen-Y-Vertreter ist jünger als 35 Jahre und der erste echte Digital Native. Rund um die Uhr lebt er mit seiner Technologie, die ihn brennend interessiert. Work-Life-Blending ist sein Thema: Er arbeitet am Laptop im Café, ist ständig mit seiner Facebook-Community vernetzt, trifft bei Tag Freunde und arbeitet bei Nacht. Wer etwas erreichen will, muss sich nur anstrengen, glaubt er und verbringt seine Zeit im selbst gewählten digitalen Hamsterrad.

Der typische Gen-Z-Vertreter kann schon 25 Jahre alt sein, so die neue Erkenntnis. Technologie ist ihm ein bloßes Mittel zum Zweck. Seine Kindheit war geprägt von Krisen, 9/11, Finanzkrise, Eurokrise und wie sie alle heißen. Er glaubt weder Politikern noch Employer-Branding-Philanthropie.

Flexibel und „always on“ zu sein ist für den Zler kein Ziel, sagt Scholz. Lieber baut er sich seine eigene kleine Welt, wie Pippi Langstrumpf, mit Häuschen, Pferd und Affen und einigen wenigen (realen) Freunden. Er verschenkt Teddybären an Flüchtlingskinder, weil er es selbst gern kuschelig hat: im Job schön strukturiert von neun bis 17 Uhr, im Start-up-Inkubator genauso wie im Ministerium. Sogar Beamter zu sein ist wieder in.

Mit den Strebern der Gen Y haben die Zler nicht viel gemeinsam. Weder könnten sie mit Druck umgehen (den haben ihnen immer die Eltern abgenommen), noch suchten sie Führungsverantwortung, sagt Scholz. Beides gefährde die Gesundheit, die ihnen über alles geht. Und es bedeute, sich Problemen zu stellen und womöglich den pünktlichen Start in den Feierabend zu riskieren.

Personalkonzepte passen nicht

Anders als bei früheren Generationen haben Personalisten das Nebeneinander beider Mentalitäten bei Mitarbeitern bemerkt, die eigentlich derselben Generation angehören müssten, aber grundverschieden auf die Gegebenheiten reagieren. Das macht ihnen wenig Freude: Weder kann die Gen Z mit den flexiblen Bürokonzepten umgehen, die eben erst für die Gen Y etabliert wurden, noch ist sie zu Telefonkonferenzen während der New Yorker Arbeitszeit bereit.

Doch Scholz ist Optimist. Unternehmen könnten dennoch eine Menge von der Generation Z lernen, meint er: einen ruhigeren Zugang zu Arbeit, eine erstarkende Bedeutung von echten Freunden und Familie und das Ernstnehmen von Gesundheit. Und davon könnten auch die anderen Generationen profitieren.

ZUR PERSON

Christian Scholz lehrt Personalmanagement an der Universität des Saarlandes und ist Autor zahlreicher Fachbücher. Beim Jahresforum Personalentwicklung pur (PEp 2015) am 15./16. Oktober in Wien spricht er über „Die Generation Z – eine Andersartigkeit, die es wert ist, verstanden zu werden“. Infos: www.businesscircle.at

 


[LFVY9]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2015)

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