„Gähn!“ - Wenn Arbeitnehmern fad ist

Unterforderung und Fadesse contra Stress und Burnout. Das Jobportal karriere.at hat seine User gefragt, ob sie eher über- oder unterfordert sind. Das Ergebnis ist überraschend: 41 Prozent der Arbeitnehmer sind im Job unterfordert.

(c) pixabay/jonathansautter

Wieder ein Tag an dem nichts zu tun ist. Traum und Albtraum zugleich. Denn wenig Arbeit, Dauerroutine und chronische Unterbeschäftigung kann anstrengender sein als realer Stress und das Vorgeben von Arbeit zu Boreout führen. Es ist das Ausbrennen vor Eintönigkeit und damit das Gegenteil von Burnout. Die Betroffenen fühlen Unterforderung, Langweile und Desinteresse.

Wobei eines wichtig ist: Boreout ist nicht gleich Faulheit. Faule Arbeitnehmer wollen nicht arbeiten, selbst wenn sie sollten. Wer unterfordert ist, möchte arbeiten, aber sein Arbeitgeber lässt ihn nicht. Betroffene wissen, dass sie mehr leisten könnten, aber es fehlt an der richtigen Aufgabenstellung oder der Motivation. Die Unternehmensberater Philippe Rothlin und Peter R. Werder haben bereits 2007 über das sinnlose Absitzen von Arbeitsstunden geschrieben. Ihr Buch „Diagnose Boreout“ wurde Bestseller und die beiden Autoren sind seit dem als Trainer vor jeder Langweile geschützt.

„Ich bin sicher überqualifiziert.“

Das österreichische Jobsuchportal karriere.at hat seine User per Online-Voting über ihr Stresslevel abstimmen lassen. Das Ergebnis schwankt zwischen den beiden Phänomenen Burnout und Boreout. Während 41 Prozent der 495 Abstimmungsteilnehmer angeben unterfordert zu sein, sagen ein Viertel, dass sie zu viele Aufgaben in zu weniger Zeit bewältigen müssen. Die einen leiden unter Stress und Überlastung, die anderen wollen mehr arbeiten, können aber nicht.

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Nur jeder Fünfte (19 Prozent) findet, dass der Job fachlich passt, aber Abwechslung würde nicht schaden. 16 Prozent der Befragten sind zufrieden mit ihrer Arbeit und meinen: „Genau richtig. Mein Stress ist positiv.“

Berufstätige Studierende haben den meisten Stress

Ein Viertel aller Österreicher über 15 Jahren führt ein sehr stressiges Leben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Lifestyle Studie der GfK Austria Sozial-und Organisationsforschung. Sie haben 4.000 Befragten zu ihrem Hektik-Niveau befragt. Wo bei die meisten (43 Prozent) ihren Stress-Pegel als mittelmäßig einstufen und 34 Prozent von einem niedrigen Hektik-Niveau berichten.

Belastung und Stress sind von Berufsgruppen und Bildung abhängig: Den meisten Stress erleben Angestellte oder Beamte ohne Leitungsfunktionen (38 Prozent), nur übertroffen von berufstätigen Studierenden (44 Prozent). Unter Selbstständigen, Freiberuflern und Landwirten erlebt etwa jeder Dritte ein hohes Maß an Belastung. Am wenigsten kommt das unter den Erwerbstätigen bei Arbeitern vor.

Stress und Langweile sind sichtbar

Arbeitgeber sehen, ob Mitarbeiter gestresst oder gelangweilt sind. Karriere.at hat auch Unternehmensvertreter gefragt, ob sie das wissen, wie es um den Stresslevel ihrer Mitarbeiter steht. 51 Prozent der 155 befragten Unternehmensvertreter geben an, ihren Mitarbeitern Stress und Langeweile anzusehen. Jeder Fünfte erfährt zumindest im Mitarbeitergespräch etwas über die Arbeitsbelastung in seinem Unternehmen. 16 Prozent haben in Sachen Stresspegel nur Einblick, wenn der Mitarbeiter selbst explizit darauf zu sprechen kommt. Nur 13 Prozent schieben das Thema generell von sich und meinen, dass sei Sache der unmittelbaren Führungskraft.

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Ein offenes Ohr haben und handeln

„Der Stresspegel ist eine relative Größe: Was für den einen fast nicht zu bewältigen ist, kann für den anderen eine Leichtigkeit sein. Das wird von Arbeitgeberseite nicht immer sofort erkannt. Die Tatsache, dass sich beinahe die Hälfte der Befragten unterfordert fühlt, sollte sehr ernst genommen werden“, meint karriere.at-Geschäftsführer Jürgen Smid.

Als gutes Zeichen erweist sich aber, dass nur eine Minderheit der Unternehmensvertreter angibt, nicht am Stresslevel der Mitarbeiter interessiert zu sein. Smid: „Vor allem ist es wichtig, ein offenes Ohr für die Bedürfnisse der Mitarbeiter zu haben. Über- und Unterforderung führen gleichermaßen zu Unzufriedenheit und können somit die Fluktuation im Unternehmen massiv beeinflussen.

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