Als Nächstes kommt die 30-Stunden-Woche

Neues Arbeiten. Mit ihrer Viertagewoche und dem „stillen Vormittag“ ohne Meetings überzeugte das Grazer Start-up Bike Citizens die internationale Jury beim New Work Award und wurde ausgezeichnet.

(c) pixabay

Angst, dass die Produktivität leiden könnte, haben die Bike Citizens nicht. Und das, obwohl Daniel Koflers Mitarbeiter nur vier Tage pro Woche arbeiten. Trotzdem, oder gerade deswegen, arbeitet das Grazer Start-up-Unternehmen, das sich auf Webtechnologien für Fahrräder und Fahrradfahrer spezialisiert hat, höchst erfolgreich.

Neue Arbeit braucht neue Zeiten

Vergangene Woche wurde Kofler in Berlin wieder einmal ausgezeichnet. Diesmal mit dem dritten Platz beim New Work Award als Vorbild für die moderne Arbeitswelt. 140 Projekte und Unternehmen haben sich beworben, zwölf haben die Fachjury und User des Businessportals Xing überzeugt und es ins Finale geschafft. Darunter zwei österreichische Unternehmen: die Bike Citizens und die Leobersdorfer Maschinenfabrik.

 

Mehr Arbeitszeit bedeute nicht zwingend mehr oder besseren Output.

 

 

 

Die Arbeit in 36 Stunden auf nur vier Tage verteilt zu erledigen, hat sich bei den Bike Citizens bewährt – weil sich alle daran halten, vom Praktikanten bis zum Chef. Er sei, sagt Gründer und CEO Kofler, vor eineinhalb Jahren auf eine Studie gestoßen: „Darin hieß es, dass das Verhältnis von vier Tagen Arbeit zu drei Tagen Freizeit glücklicher und produktiver mache.“ Denn mehr Arbeitszeit bedeute nicht zwingend mehr oder besseren Output.

Freitag ist Frei-Tag

Seither macht der Freitag seinem Namen alle Ehre: Er ist ein freier Tag. In der dreimonatigen Testphase habe zwar nicht alles auf Anhieb wie erwartet funktioniert. Doch danach wollte niemand zur Fünftagewoche zurückkehren. Zusätzlich wurde der „stille Vormittag“ eingeführt. Das heißt: keine Meetings an Vormittagen, keine lauten Gespräche, die konzentriertes Arbeiten stören könnten. Das bringt positive Nebeneffekte: weniger Krankheitstage, hohe Produktivität, gute Stimmung.

Der zusätzliche freie Tag habe letztlich das Wachstum des Unternehmens beschleunigt, sagt Kofler: „Wir konnten Kosten sparen, die wiederum in Projekte und Mitarbeiter investiert wurden. Das Team ist dadurch von ehemals zwölf auf 20 Mitarbeiter gewachsen.“
Jetzt peilt Kofler den nächsten ungewöhnlichen Schritt an: die Arbeitszeit ab dem Jahr 2017 auf 30 Wochenstunden zu reduzieren. Bis dahin muss das Start-up weiter an der Organisationsstruktur feilen: Wie können wir noch besser zusammenarbeiten, Abstimmungsprozesse vereinfachen, Schritte automatisieren?

 

Die positiven Nebeneffekte: weniger Krankheitstage, hohe Produktivität, gute Stimmung.

 

 

 

 

Die Arbeitszeitreduktion aber entspricht grundsätzlich den Bedürfnissen der Mitarbeiter und ihrer Erwartungen an die Life-Leisure-Balance. Sie verzichten eher auf Geld, als dass sie in der neu gewonnen Zeit einen zweiten Job annehmen würden. Da bliebe schließlich keine Zeit zum Erholen und für die Freizeit.

Lehrlinge casten Lehrlinge

Ein ungewöhnliches Projekt brachte auch der Leobersdorfer Maschinenfabrik eine Nominierung für das Finale beim New Work Award: Nicht Personalchef Daniel Bacher wählt die Lehrlinge aus, die das Unternehmen einstellt – sondern andere Lehrlinge treffen die Wahl. Dabei decken sich die Eindrücke der Lehrlinge mit jenen der Personalisten zu 85 bis 90 Prozent.

Dieses ungewöhnliche Prozedere hat gleichzeitig auch eine positive Auswirkung auf die Arbeitgebermarke: Statt 20 Bewerber, wie noch vor ein paar Jahren, melden sich mittlerweile mehr als 100 potenzielle Lehrlinge an.

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