Freude zu machen, muss Freude machen

Arbeitgeber-Image. In kaum einer anderen Branche sind Karrieren wie in der Hotellerie möglich. Im Extremfall vom Pagen zum Generaldirektor. Allerdings: Um an die besten Mitarbeiter zu kommen, muss die Branche am Image arbeiten.

(c) Stanislav Jenis

Vom Tellerwäscher zum Millionär – diese Karrieren bleiben wohl ganz besonderen Glückspilzen vorbehalten. Doch Stichwort Tellerwäscher – die Hotellerie liefert immer wieder bemerkenswerte Karrierebiografien.

Mitchelle Merza kam 2003 von den Philippinen nach Österreich. Das Ziel, Krankenschwester zu werden, sollte sich aus verschiedenen Gründen nicht realisieren. Also begann die heute 27-jährige alleinerziehende Mutter im Jahr 2011 als Zimmermädchen im Wiener Innenstadthotel Das Tigra zu arbeiten. Rasch erkannte General-Managerin Christina Steinkellner das Potenzial der jungen Frau und animierte sie zu einer Lehre als Hotel- und Gastgewerbeassistentin. Heute ist Merza für die Reservierungen verantwortlich. Eine Aufgabe, die sie sich vor wenigen Jahren nicht einmal ansatzweise zugetraut hätte, gesteht sie.

Kein Tag sei wie der andere, sagt Merza, auch weil sie jeden Tag dazulerne. „Es ist nie so, dass ich mir denke: ,Oh Gott, schon wieder dasselbe‘.“ Ihr mache es Freude, die Geschichten der Gäste kennenzulernen.

Page wird Generaldirektor

Eine andere bemerkenswerte Karriere hat Robert Petrović hingelegt. Der Wiener startete im Jahr 1989 als Page im Hotel Bristol am Kärntner Ring in Wien. Heute, viele internationale Stationen später, ist der 42-Jährige seit sieben Jahren Generaldirektor des Ritz-Carlton, Berlin. Petrović hatte Kellner gelernt und unter anderem bei Reinhard Gerer als Commis, später im ANA Grand Hotel und im Café Central gearbeitet. Ebenso in San Diego und Sydney, wo er auch studierte. Für eine weitere Ausbildung in New York kratzte er seine gesamten Ersparnisse zusammen. 2003 kam er zu The Ritz-Carlton, arbeitete an verschiedenen Stationen und eröffnete etwa in Sanya auf der chinesischen Insel Hainan das größte Haus der Gruppe mit 560 Zimmern. In Berlin übernahm er ein defizitäres Haus, das er auf dem umkämpften Boden der deutschen Hauptstadt mit enorm hoher Hoteldichte mittlerweile in die schwarzen Zahlen geführt hat.

Dass seine Karriere so unvergleichlich sei, spielt Petrović herunter: „Jeder kann das erreichen“, sagt er. Man müsse nur entsprechenden Einsatz zeigen und etwas von der Materie verstehen. Und man müsse etwas mitbringen, was ihm persönlich ganz wichtig sei: „Ich stelle nur Leute ein, denen es Freude macht, Freude zu machen.“ Um das fachliche Können mache er sich weniger Sorgen: „Das kannst du lernen.“ Um aber die potenziellen Mitarbeiter mit der passenden Einstellung aus der Fülle der Bewerbungen herauszufinden, hat er einen eigenen Online-Fragebogen erstellen lassen.

Arbeitsbedingungen bearbeiten

Die Arbeitsbedingungen hätten sich in der Zwischenzeit deutlich verbessert, sagt er. Besonders, was die Arbeitszeiten betreffe. Und die Hotelmanager würden mittlerweile verstehen, ihre Mitarbeiter auch wertzuschätzen. Das beginne bei Kleinigkeiten, betreffe natürlich das Thema Arbeit- und Freizeit und gehe bis zum Umfeld: „Bei uns heißt das Lokal für die Mitarbeiter nicht Kantine, sondern Living Room, und ist genauso eingerichtet und ausgestattet wie das Restaurant für die Gäste.“

Dieses Umdenken braucht die Branche mit rund 90.000 Mitarbeitern auch, um für junge Menschen attraktiv zu bleiben. 2015 waren rund 5000 Jugendliche in der Hotellerie beschäftigt, 4700 davon als Lehrlinge. Derzeit sind rund 1650 Lehrstellen sofort verfügbar, die meisten mit jeweils rund 500 in Tirol und Salzburg.

Und worum sich die Hotellerie in Zukunft ebenfalls noch deutlich mehr wird bemühen müssen, sind Mitarbeiter in Bereichen, die nicht direkt mit den Gästen zu tun haben. Um jene Mitarbeiter nämlich, die die Digitalisierung vorantreiben – die responsive Websites, optimierte CRM-Software programmieren oder bessere Suchmaschinenwerbung betreiben.

 

AUF EINEN BLICK

In Österreich haben im Vorjahr etwas mehr als 9000 Jugendliche im Tourismus gearbeitet, davon ca. 5000 in der Hotellerie und ca. 4000 in der Gastronomie. Der Tag der offenen Hoteltür am 9. Oktober will Jugendliche und deren Eltern Einblick in Karrieremöglichkeiten zeigen. Infos und teilnehmende Hotels unter www.karriere-im-hotel.at

(Print-Ausgabe, 01.10.2016)

Lesen Sie mehr zum Thema
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Freude zu machen, muss Freude machen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.