Hinter jedem Larry steht eine Mary

Franchise. Der klassische Franchisenehmer hat eine lange Unternehmenskarriere hinter sich. Gemeinsam mit seiner Frau plant er den Neuanfang. Und dann gibt es noch eine andere, junge Zielgruppe. Sie kämpft allein. Noch.

Lary und Mary auf dem Weg in eine sonnige Franchise-Zukunft.
Lary und Mary auf dem Weg in eine sonnige Franchise-Zukunft.
Lary und Mary auf dem Weg in eine sonnige Franchise-Zukunft. – Pixabay

Larry ist zwischen 40 und 50 Jahre alt. Noch befindet er sich in einer fixen Anstellung, aber wohl fühlt er sich dort schon lang nicht mehr. Er wäre gern sein eigener Herr, bloß dass er keine rechte Idee dafür hat. Es graut ihm, sich um alles selbst zu kümmern: seine eigene Marke aus dem Boden stampfen, ein Geschäft einrichten, seinen PC selbst anschließen zu müssen.

Larry hat eine Frau, Mary. Sie steht hinter ihrem Mann, will auch gern mit ihm im Geschäft arbeiten. Aber auch sie hat keine zündende Geschäftsidee.

Larry und Mary sind die archetypischen Besucher der Österreichischen Franchisemesse, die alle zwei Jahre in der Wiener Stadthalle stattfindet (heuer am 4. und 5. November, Halle E). Zwei Drittel der Franchisegründer seien Männer, sagt Organisatorin Carina Felzmann. Sie alle bringen ihre Frauen mit. Das Konzept ist auf Larry und Mary zugeschnitten: auf ihren Wunsch, in ein bestehendes System eingebettet zu werden.

Felzmann findet aber auch Anna sehr sympathisch. Anna steht für die neue Franchisegeneration: Millennial, Projektarbeiterin, nie angestellt gewesen, selbstverständlicher Teil der Sharing Economy. Anna will sich nicht lang binden. Sie will schnell ein- und schnell wieder aussteigen können.

Anna hat weniger Geld als Larry und Mary. Kein Problem verspricht Felzmann, bei manchen Marken ist man schon mit wenigen hundert Euro Investment dabei (abgesehen von den 10.000 Euro Einstiegsgebühr, die überall Richtwert sind). Bei der Nachhilfeschule Lernquadrat etwa genügen ein paar Tische und Sesseln. Beim Burgerbrater Burgerista („Die geben unglaublich Gas“) sind es schon einmal 100.000 Euro.

Auswahl haben Larry, Mary und Anna genug. 51 Aussteller kommen heuer auf die Messe, 43 waren es vor zwei Jahren. Neu dabei sind etwa Be Print 3D (wer sein 3-D-Konterfei auf das Nachtkasterl stellen will), Mobile Outfitters (Handyhüllen), update1austria (Low Carb Shop & Bistro), Yuyumi (koreanische Küche) oder Scalp Optic Hair (Permanent Hair Tattoo).

Als Stammgäste kommen etwa der Karosserieexperte Lucky Car, Bang & Olufsen, Re/Max, Bodystreet oder Subway. Die Österreichische Post ist zwar kein klassisches Franchising, freut sich aber über neue Postpartner.

Annas Handicap

Gegenüber Larry und Mary hat Anna aber noch einen Nachteil. Als Einzelkämpferin hat sie nie gelernt, sich zu vernetzen. Das sei auch unter Franchisepartnern ein unschätzbarer Vorteil, sagt Felzmann. Der eine schaut vom anderen ab, keiner neidet dem anderen den Erfolg. Je mehr einer verdient, desto mehr zahlt er prozentuell in den Marketingtopf des Systems (im Schnitt sieben bis zehn Prozent des Umsatzes), desto mehr bekommen alle Franchisenehmer an Unterstützung und Fortbildung. Das wiederum hilft allen. Und das Netzwerken wird Felzmann Anna auch noch beibringen.

AUF EINEN BLICK

Am 4. und 5. November findet die zweijährliche Franchise Messe in der Wiener Stadthalle, Halle E, statt. Sie ist die einzige derartige Messe im deutschen Sprachraum und an klar beschriebene Zielgruppen adressiert. Aussteller sind u. a. Lucky Car, Bang & Olufsen, Tee Gschwendner, Mail Boxes Etc., Subway, Burgerista, I Love Veggie Burger, Ohmm!, Re/Max, Be Print 3D, update1austria, Yuyumi, Aida oder Scalp Optic Hair. Die Themen reichen von Finanzierung bis Business Angels. www.franchise-messe.at


[MWSX4]

(Print-Ausgabe, 29.10.2016)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Hinter jedem Larry steht eine Mary

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.