Bewerbungsfehler, die den Job kosten können

Recruiting. Bei Informatikern, sagt Personalberater Alexander Wozak, habe schlechtes Deutsch System. Techniker würden immerhin auf die automatische Rechtschreibprüfung reagieren. Und Ausnahmen bestätigen die Regel.

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Personalberater Alexander Wozak ist seit 20 Jahren im Geschäft. Früher, sagt der auf Technik und IT Spezialisierte, sei er davon ausgegangen, dass Techniker und IT-Experten strukturiert sind. Heute weiß er es besser: „ITler sind es gar nicht. Und auch bei Technikern ist die Bewerbung oft – turbulent.“

Das verärgert nicht nur ihn, sondern auch potenzielle Arbeitgeber. Weshalb so manches Talent durch die Finger schaue. Hier die ärgerlichsten Fauxpas.

Keine Kontaktdaten

Name ja, Adresse und Telefon nein. Nach der Recherche stellte sich dann heraus, dass ein Hollabrunner sich für eine Position in Graz beworben hatte, obwohl er nicht mobil war.

Fehlende persönliche Anrede

„Sehr geehrte Damen und Herren“ ist ein No-Go, das für alle Branchen gilt. Vor allem, wenn im Inserat ohnehin der Name des Recruiters steht.

Getoppt wird das, wenn der Name zwar dabeisteht, aber falsch geschrieben ist. Oder wenn der Name des Recruiters zwar stimmt, die Adresse aber jene des Mitbewerbers ist.

Kein Betreff

„Ich bewerbe mich als Java Entwickler“. Schön, aber spezialisierte Personalberater haben fünf Java-Positionen ausgeschrieben. Woher sollen sie wissen, für welche sich dieser Bewerber konkret interessiert?

Leeres E-Mail, Bewerbung im Anhang

Lieblos und eine Zumutung für den Recruiter, sich durch kommentarlose Attachments durchzuklicken.

Merke: Jeder unnötige Klick verärgert das Gegenüber und kostet Sympathiepunkte.

Liebloses Anschreiben

„Hiermit bewerbe ich mich für . . .“ Geht es noch einfallsloser? Verbesserungsvorschlag: „Von Herrn/Frau . . . habe ich erfahren, dass Sie einen Spezialisten für . . . suchen.“

Furchtbares Deutsch

Ein Vertipper kann jedem passieren. Bei Informatikern aber, sagt Wozak, habe schlechtes Deutsch System. Kürzlich schrieb ihm ein Bewerber, er habe auf der „Homepeidsch“ eine offene Stelle gesehen. Detail am Rande: Die Stelle war mit 6000 Euro Monatsbrutto dotiert. Techniker, meint Wozak, reagierten „immerhin auf die automatische Rechtschreibprüfung“. Profitipp: gegenlesen lassen. Und Ausnahmen bestätigen die Regel.

Dürre Fakten

18 Jahre Erfahrung und nur eine Seite Lebenslauf? Der Bewerber war hochqualifiziert, fand es aber nicht nötig, darauf einzugehen. Richtwert: zwei bis drei Seiten je nach Erfahrung.

Zerzauste Selfies

Vor allem IT-Nerds ist es egal, wie sie auf ihrem Bewerbungsfoto ausschauen. Selfies mit Kopfhörern, auf dem Rad, im Biergarten, mit Freundin, all das hatte Wozak schon auf seinem Schreibtisch. Technikerfotos findet er vergleichsweise besser, dafür „tragen Techniker oft noch den Pulli, den ihnen die Mama vor 30 Jahren gestrickt hat“. Was er gar nicht mag: „Wichtigtuerfotos, wo jemand den Bewerber beim Telefonieren aufnimmt.“

Lücken, Unstimmigkeiten

Im CV steht ein Engagement von 2011 bis 2012. Jänner 2011 bis Dezember 2012? Oder Dezember 2011 bis Jänner 2012? Solche Unklarheiten ärgern Recruiter. Ebenso wie Widersprüchlichkeiten zwischen CV und Zeugnissen. Wozak: „Da stellt sich die Frage, was der Bewerber zu verbergen hat.“ Und wie ungenau er auch sonst arbeitet. Wer echte Lücken hat, der möge dazu stehen. Dann trifft er auf das größtmögliche Verständnis des Gegenübers.

Absagen

So unerfreulich wie unvermeidbar sind kurzfristige Absagen nach Vertragsunterzeichnung. Den Vogel schoss der Verfasser des folgenden E-Mails ab (Originaltext): „Kome doch nicht. mfg“

 

ZUR PERSON

Alexander Wozak ist Gründer und Geschäftsführer der auf Technik und IT spezialisierten Personalberatung HR Consulting. Wozak ist HTL-E-Technik-Ingenieur und seit 1997 im HR-Bereich tätig. [ Beigestellt]


[MW720]

(Print-Ausgabe, 05.11.2016)

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