„Lieber präziser als zu schnell“

Porträt. Kein Wunder, dass Johannes Riha nicht nur bei seinen Mitarbeitern auf Präzision setzt. Der 35-Jährige führt das auf Mess- und Prüfsysteme spezialisierte Familienunternehmen GGW Gruber.

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Johannes Riha – Akos Burg

Diese Zahl ist nicht ohne: In beinahe 50.000 Familienunternehmen in Österreich steht die Übergabe an die nächste Generation an. Bei GGW Gruber, einem auf Mess- und Prüfsysteme spezialisierten Unternehmen aus Wien, ist genau das passiert. Karl Wiefler hat nach mehr als 40 Jahren die Geschäftsführung des 1946 gegründeten Unternehmens an Johannes Riha übergeben. Innerhalb der Familie – an seinen 35-jährigen Schwiegersohn.
Für einen gut vorbereiteten Übergabeprozess, sagt die einschlägige Literatur, sollte man sich drei bis fünf Jahre Zeit nehmen. Bei Riha ging es dann doch ein bisschen schneller. Im Mai 2014 stieg er in das Management des Familienunternehmens ein. Schon damals sei klar gewesen, sagt Riha, dass er eines Tages die Führung übernehmen werde, eine Idee, an der auch seine Frau, Claudia, maßgeblich mitgewirkt hatte. Den Zeitpunkt hat man aber offenlassen. Den definierte Wiefler dann im ersten Quartal 2016 mit dem Jahreswechsel.
Längst war Riha, der nach seinem Informationstechnologie-Studium an der FH Wiener Neustadt neun Jahre als Projektleiter im Bankensektor tätig war, eingearbeitet. Er hatte genügend Zeit, sagt er, in das Team und in die Materie hineinzuwachsen, Lieferanten und Kunden kennezulernen. Und auch seine Erfahrungen aus der Bankenwelt einzubringen. So führte er etwa einen neuen Controllingprozess ein, denn „mit Excel kenne ich mich ganz gut aus“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Jede Menge Selbstreflexion

Die vergangenen zweieinhalb Jahre nützte er aber auch, um an sich selbst zu arbeiten, wie er sagt. Aus der Konzernwelt kommend, war er relativ starre Strukturen und lange Entscheidungsprozesse gewohnt, „vieles ist in Stein gemeißelt“, sagt Riha. Doch ein Familienunternehmen mit rund 25 Mitarbeitern funktioniert anders, muss viel flexibler arbeiten und hat daher logischerweise eine ganz andere Kultur entwickelt.
Deshalb gibt er seinen Mitarbeitern auch Vertrauensvorschuss, selbst Entscheidungen treffen zu dürfen. Er gebe nur eine Richtung vor und erwarte, dass die Mitarbeiter selbstständig unternehmerisch denken. An den Zahlen lasse sich erkennen, ob etwas in die falsche Richtung laufe. Und wenn Fehler passieren, sagt Riha, sei das keine Katastrophe. Fehler müssten passieren dürfen: „Dann setzen wir uns zusammen. Wenn ein Fehler noch mal passiert, dann setzen wir uns eben noch mal zusammen.“
Die Monate vor der effektiven Übergabe nutzten Wiefler und Riha, um gemeinsam sämtliche Lieferanten und Kunden zu besuchen. „Das war eine Frage der Höflichkeit“, sagt Riha, und gleichzeitig die Möglichkeit, einerseits über laufende Projekte zu sprechen und andererseits gemeinsam in die Zukunft zu schauen.
Eine Zukunft, in der er so etwas wie ein Kundenbarometer einführen möchte, um die Stimmung beim Kunden für die eigenen Mitarbeiter transparent zu machen.
Diese angesprochene Transparenz ist ihm wichtig. Das bedeute nicht nur, dass seine Bürotür offen stehe. Sondern das bedeute auch, dass die Mitarbeiter in die Zahlen einsehen können – über die Abteilungsgrenzen hinweg. „Ich möchte das nicht als interne Challenge verstehen“, sagt Riha, aber die Mitarbeiter sollten sehen können, wie das Geschäft laufe.

Du-Wort: Frage der Generation

Bei den Mitarbeitern, mit denen er anders als Karl Wiefler allesamt per Du ist („Das ist eine Frage der Generation“), ist ihm präzises Arbeiten besonders wichtig. Kein Wunder bei einem auf Mess- und Prüfsysteme spezialisierten Unternehmen: „Lieber langsamer und präziser als zu schnell“, sagt Riha.
So präzise, wie sie arbeiten sollen, so präzise sollen die Mitarbeiter auch in das Team passen. Das mache es mitunter gar nicht so einfach, sie zu finden. Gerade bei den Anwendungs- und Servicetechnikern: Weniger weil sie die Tätigkeit nicht beherrschten („Wer interessiert ist, ist nach einem Jahr zu 90 Prozent leistungsfähig“), sondern weil viele nicht bereit wären, die Reisetätigkeit in Kauf zu nehmen und auswärts zu übernachten.

 

Zur Person

Johannes Riha (35) ist seit Jahresbeginn Geschäftsführer des Wiener Mess- und Prüfsystemspezialisten GGW Gruber. Riha folgt damit Karl Wiefler nach, der 1972 in das 1946 gegründete Familienunternehmen einstieg und es zu einem der führenden Anbieter für die metallverarbeitende Industrie in Österreich und Ungarn aufbaute. Riha studierte an der FH Wiener Neustadt Informationstechnologie und war neun Jahre als Projektleiter im Bankensektor tätig, ehe er 2014 zu GGW Gruber kam.

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