„Nicht noch ein Hamsterrad“

Achtsamkeit. Wie man mit sanften Werte harte Fakten schafft, auch wenn anfangs nicht alle überzeugt sind.

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„Da habe ich so viel zu tun und jetzt soll ich auch noch achtsam sein!“ Nicht jeder Manager freut sich, wenn ihm vom Unternehmen on top das alte/neue Konzept der „Mindfulness“ aufs Auge gedrückt wird. Nicht noch ein Hamsterrad, hieße es dann, referierte der ehemalige buddhistische Mönch Erwin Glatter am Mittwoch in der WU Executive Academy. Glatter ist Mitglied am Lehrstuhl für Achtsamkeit, Wohlbefinden am Arbeitsplatz und friedliche Ökonomie an der Grenoble Ecole de Management.

Das eigentlich „softe“ Konzept der Achtsamkeit hält in immer mehr Wirtschaftsschulen Einzug. WU-Professor Wolfgang Mayrhofer ortet dahinter den substanziellen Bedarf, dem multitasking-getriebenen Leben in ständiger VUCA-(volatility, uncertainity, complexity, ambiguity) Umgebung einen Sinn entgegenzusetzen. Je mehr die politischen, gesellschaftlichen und spirituellen Orientierungsrahmen verloren gingen, desto mehr sehne sich das Individuum nach Innehalten, ungeteilter Aufmerksamkeit und Konzentration auf eine einzige Sache (Stichwort Smartphone-Terror).

Tatsächlich lassen sich die physischen Effekte von achtsamem Verhalten leicht messen: Stress und psychische Belastungen gehen zurück, ebenso Schmerzempfinden, Bluthochdruck, Ängste, Depression, Abhängigkeit, Aggression und Feindseligkeit. Gehirnscans veränderten, der Alterungsprozess verlangsame sich, beschreibt Psychologin Anna Werknies. In der östlichen Tradition noch mit Absichtslosigkeit beschrieben, wird die Achtsamkeit in der westlichen Praxis dann doch rasch mit Absichten angereichert. Hier gilt sie als „flexibler Zustand des Geistes, der uns kontextsensitiv macht und uns aktiv mit der Gegenwart auseinandersetzen lässt.“

In einfachen Worten: Wer sich mit jemandem unterhält, möge nicht gleichzeitig sein Handy checken.

Nicht nur das Individuum, auch die Organisation gewinnt über eine achtsame Unternehmenskultur: Mit unliebsamen Ereignissen und Katastrophen geht sie damm entspannter um. Den Vorwurf, mit Soft Skill keine Hard Facts zu generieren, schüttelt Ex-Mönch Gasser ab: „Hätte sich VW mehr mit Soft Skills befasst, hätte es heute keine 30 Milliarden Dollar Schaden.“

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