Abgang brutal: Fiese Kündigungstricks

Unfeiner Abschied. Böse Methoden, um ungeliebte Mitarbeiter hinauszuekeln, gibt es genug. Wer die Strategie durchschaut, muss rasch handeln. Der Arbeitsmarktwert ist in Gefahr.

Vorausschauende haben längst ihre Bewerbungsunterlagen bei passenden Personalberatern deponiert.
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Vorausschauende haben längst ihre Bewerbungsunterlagen bei passenden Personalberatern deponiert.
Vorausschauende haben längst ihre Bewerbungsunterlagen bei passenden Personalberatern deponiert. – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Das ist die beste Kündigung, die ich je verfasst habe“, sagte der Chef, „ich möchte sie Ihnen widmen.“ Sprach's und überreichte dem Mitarbeiter das Schreiben. Vielleicht hatte er ja schon von wertschätzenden Trennungen gehört. Es interessierte ihn bloß nicht. Sein Zynismus bereitete ihm schlicht und einfach Freude.

In den meisten Fällen ist aber nicht der unfeine Akt der Kündigung das Thema, sondern der Weg dorthin. Meist geht es um langjährige Mitarbeiter, die man nicht so einfach loswerden kann. Da sie etwa in das System „Abfertigung alt“ fallen, da sie besonderen Kündigungsschutz genießen oder da die Arbeitgeberkündigung schlicht zu teuer käme. Also peinigt man die Ungeliebten so lang, bis sie von selbst gehen. Beispiele gibt es genug:

► Der neue CEO hetzt dem Vorstand die interne Revision an den Hals. Die kreidet ihm lang zurückliegende Taten an, die unter dem früheren Boss okay waren, es unter dem neuen aber nicht mehr sind.
► Die Gebietsverkaufsleiterin, Mutter schulpflichtiger Kinder, wird versetzt: aus der Steiermark, wo sie mit ihrer Familie lebt, ins ferne Vorarlberg.
► Unter launigen Vorwänden werden dem Key-Accounter seine Quartalszahlen vorenthalten. Er trifft daraufhin falsche Entscheidungen, aus denen ihm später einen Strick gedreht wird.
► Ein neues IT-System wird eingeführt und die Mitarbeiter in zwei Chargen geschult. Eine erhält das Komplettpaket, die andere die abgespeckte Variante. Letztere bekommt dann Aufgaben zugewiesen, die nur mit der Komplettvariante lösbar sind – und schon ist ihre „Minderleistung“ belegt.

Beherzte Vorwärtsstrategie

Aus psychologischer Sicht ist der schwierigste Schritt, sich einzugestehen, dass es der vermeintlich loyale Arbeitgeber gar nicht gut meint. Die Zeit arbeitet gegen die Betroffenen, wie Josef Siess, früherer Geschäftsführer der inzwischen eingestellten Akademikerberatung Euspug, oft beobachtete: „Die meisten warten, bis sie aus dem Unternehmen draußen sind. Dann ist es zu spät.“ Stattdessen sei eine beherzte Vorwärtsstrategie angesagt: Lebenslauf, Bewerbungsunterlagen und Onlineplattformen aktualisieren, frühere Vorgesetzte im Vertrauen um Zwischenzeugnisse bitten, die belegen, „dass bis vor zwei Jahren, als der alte Chef noch im Amt war, alles paletti war“.
Grund für die Eile ist die akute Gefährdung des Marktwertes. Er bricht ohne aktuellen Arbeitgeber im Lebenslauf sofort ein. Hinter vorgehaltener Hand gibt so mancher Personalberater zu, beim Klienten nur ungern als arbeitslos gemeldete Kandidaten vorzuschlagen – das sehe gar nicht gut aus.
Die Schwierigkeit für die Scheidenden liegt darin, die eigene Verfügbarkeit abzuschätzen. Er will seine Ansprüche wahren und kann nicht genau wissen, wann das alte Dienstverhältnis beendet sein wird. Hier hilft eine unverdächtige Formulierung, sich beim Personalberater vorzustellen oder in Erinnerung zu rufen: „Beiliegend finden Sie meinen neuen Lebenslauf – bitte aktualisieren Sie meine Daten.“

Wenn es hart auf hart geht

Wer nicht so leicht loslassen kann, dem sei ein Mobbingtagebuch ans Herz gelegt. Darin wird haarklein jede Bosheit des Arbeitgebers eingetragen und mit Beweisen belegt. Geht die Causa vor Gericht, wird es nützliche Dienste leisten.
Schummeln allerdings ist tabu: Ein Mitarbeiter legte ein Mobbingtagebuch vor, das über 18 Monate mit demselben Kugelschreiber geschrieben war. Der Richter wies es als gefälscht zurück.

 

Auf einen Blick

Um meist langjährige und teure Mitarbeiter mürbezumachen oder gar zur Selbstkündigung zu bewegen, greifen manche Firmen tief in die Trickkiste. Falsch wäre es von den Betroffenen, den Kopf in den Sand zu stecken. Sie müssen ihre Bewerbungsunterlagen aktualisieren und auf Onlineplattformen sowie bei Personalberatern deponieren, solang sie noch in Anstellung sind. Danach sinkt ihr Marktwert rasch.

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