Weltfrauentag: Legendäre Pionierinnen

Die Astronomin

Caroline Lucretia Herschel (1750-1848) war laut ihrer Mutter ein „roher Klotz“. Dem Zeitgeist entsprechend, wurde sie also in Nähen und anderen ihrem Geschlecht angemessenen Dingen unterrichtet. Fächer wie Mathematik oder Naturwissenschaften blieben ihr verwehrt. Dennoch: Die Faszination für Astronomie blieb. Gemeinsam mit Bruder Wilhelm verbesserte und perfektionierte sie sein Spiegelteleskop. Damit entdeckte Caroline Herschel 1787 eine Komenten – Grund genug für Georg  III, sie zur astronomischen Assistentin ihres Bruders zu ernennen. Mit einem Jahresgehalt von 50 Pfund.

Die Klavierbauerin

Maria Anna (Nanette) Streicher (1769-1833) war die Tochter eines Orgel- und Klavierbauers und passionierte Klavierspielerin. So spielte sie bereits mit acht Jahren an der Seite von Wolfgang Amadeus Mozart. Der Vater erachtete es für notwendig, seine Tochter auch im Klavierbau zu unterrichten - nach seinem Tod stellte sich das als nützlich heraus. Nanette Streicher übernahm das Unternehmen und brachte es durch gute Marktkenntnisse, sowie ein großes Netzwerk an Repräsentanten im deutschsprachigen Rauf zu großem Ruhm.

Die Reise-Journalistin

Ida Pfeiffer (1797-1858) war eine passionierte biedermeier'sche Reisende. Sie reiste des Amüsements Willen und um die Welt kennenzulernen. Eine alleinreisende Frau - damals eine Sensation. Sie hielt ihre Erlebnisse schriftlich fest. Ein Verleger wollte sofort veröffentlichen, wegen des fehlenden Einverständnis ihres Gatten zunächst nur anonym. Ihre 13 Bücher wurden in mehrere Sprachen übersetzt.

Die Programmiererin

Ada Lovelace (1815-1852) brannte schon früh für die Mathematik. Bereits mit 13 Jahren wollte sie einen dampfbetriebenen Flugapparat entwickeln. Ihre Mutter ließ sie in Naturwissenschaften unterrichten – nicht weil es die Tochter so sehr wünschte, sondern, um sie ja nicht auf den Gedanken zu bringen, nach ihrem Vater zu kommen - seines Zeichens ein exzentrischer Poet. Das Schicksal brachte sie mit Charles Babbage zusammen, mit ihm setzte sie unter anderem eine Rechenmaschine um.

Die Atomphysikerin

Marie Curie (1867-1934) inskribierte an der Pariser Sorbonne Mathematik, Physik und Chemie und war die erste europäische Doktorin der Naturwissenschaften. Die Sorbonne hatte damals 9000 Studierende, darunter nur 250 Frauen. Marie Curie und ihre Komilitoninnen wurden als „Blaustrümpfe“ und „Lehrerinnen“ belächelt. Dass Marie Curie als erste Professorin Frankreichs und erste Nobelpreisträgerin in die Geschichte eingehen würde, war damals unvorstellbar.

Die Wissenschaftlerin ohne Nobelpreis

Lise Meitner (1878-1968) belegte an der Universität Wien die Fächer Physik, Mathematik und Philosophie. Ihr Schwerpunkt lag auf der Untersuchung der Geschwindigkeit von Beta-Strahlen. Erst 1897 wurden Frauen mit österreichischer Staatsbürgerschaft und abgelegter Matura als ordentliche Hörerinnen an der philosophischen Fakultät zugelassen. Lise Meitner promovierte schließlich 1906 als zweite Frau in Physik. Sie forschte 30 Jahre zusammen mit ihrem Kollegen Otto Hahn – gesehen wurde sie jedoch nur als dessen „wissenschaftliche Appendix“.

Die Modeunternehmerin

Coco Chanel (1883-1971) prägte den Stil der modernen emanzipierten Frau. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, kam sie nach dem Tod der Mutter in einem Waisenhaus unter. Als Erwachsene zog sie nach Paris und arbeitete als Hutmacherin. Es folgte die erste Filiale und die ersten Kleider, die sie für die Pariser Haute-Volée entwarf. 1916 beschäftigte die Unternehmerin bereits 300 Näherinnen. Getrieben war sie immer von ihrem Wunsch, finanziell unabhängig zu sein und Leben und Aufstieg des Unternehmens aus eigener Kraft zu finanzieren.

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/90/Gabrielle_Chanel_en_marini%C3%A8re.jpg

Die erste Pilotin Österreichs

Lilly Helene Steinschneider-Wenckheim (1891-1975) war Passagierin, noch bevor sie ihr Flugpatent erwarb. Als leichte und hübsche optische Bereicherung waren Frauen willkommene Passagiere bei Flugevents. Selber fliegen konnte Steinschneider ab dem Jahr 1912. Und war fortan höhnischen Bemerken ausgesetzt. Schließlich drangen die Pilotinnen in eine "Männerdomäne" ein. Abseits von gängigen Bekleidungs-und Modevorschriften wie lange Kleider, breitkrempige Hüte oder Korsetts mussten sich Fliegerinnen mit Männerkleidung ausrüsten oder sich Beinkleider schneidern lassen. Kommentiert wurde ironisch,so wurde Steinschneider in der Satire-Zeitschrift "Kikeriki" 1913 als hässlicher Vogel mit Holzflügeln karikiert.

Die Journalistin im Luftschiff

Lady Grace Marguerite Hay Drummond-Hay (1895-1946) war die erste Frau, die in einem Luftschiff die Erde umrundete. Dabei war die Überquerung des Ozeans weit weniger Grund zur Aufregung als die Tatsache, dass “eine Frau, eine einzige – wie übrigens auch nur ein einziger Kanarienvogel - daran teilnahm“. Sie berichtete über die Umrundung und wurde, zynischen Pressemeldungen zum Trotz, für ihre emotionale Art der Berichterstattung gepriesen. In Folge wurde sie Kriegsberichterstatterin und Auslandskorrespondentin.

Die Informatikerin

Grace Hopper(1906-1992) war die erste Admiralin der US-Navy. Auf sie geht die Idee zurück, Computerprogramme in verständlicher Sprache zu verfassen. Sie entwickelte den ersten Compiler und leistete wesentliche Vorarbeit für die Computersprache COBOL. Angeblich soll die Wortschöpfung „Computer Bug“ auf Grace Hopper zurückgehen.

Library of Congress Prints and Photographs Division. New York World-Telegram and the Sun Newspaper Photograph Collection.

Die Marketerin

Estée Lauder (1908-2004) half ihrem Onkel, dem Chemiker Dr. Schotz, von ihm hergestellte Kosmetiklotions zu verkaufen, noch bevor es an den Vertrieb ihrer eigenen Produkte ging. Ende der Vierziger lehnte eine Werbeagentur ab, eine Kampagne zu ihren Produkten zu entwerfen, was sie dazu bewog, Kundinnen des Kaufhauses zu kontaktieren und ihnen Proben und Geschenke zuzusenden. Mit ihrem Elan, dem Vertrauen in die eigenen Produkte und die Pflege von Beziehungen setzte sie neue Standards für den Vertrieb von Kosmetika – die in Kosmetikgeschäften übliche Beigabe von Probepackungen bei Kauf eines neuen Produktes geht auf sie zurück.

http://hdl.loc.gov/loc.pnp/cph.3c09674

Die Kosmonautin, die in der Politik erfolgreich wurde

Walentina Tereschkowa (*1937) flog 1963 als erste Frau ins All - leider nicht sehr erfolgreich.  Da sie Anweisungen des Chefkonstrukteurs verweigerte, konnte sie wenige neue Erkenntnisse liefern. Der Chef sah sich in seinen Vorurteilen gegenüber Frauen im Weltraum bestätigt und verhinderte zukünftige Kosmonautinnen. Tereschkowa fand den Weg in die Politik und wurde im Ostblock als Chefin des Frauenkomitees und Abgeordnete der UdSSR gefeiert. 1995 wurde sie als erste Frau Russlands zum Generalmajor der Luftwaffe ernannt.

(c) AFP

Inspirationen und Bilder für diese Diashow entstammen dem neu erschienenen Buch „Wäre Ada ein Mann...“ Edition TMW (22,80 € )
Das Buch ist im Shop des Technischen Museums erhältlich.

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