Lost in translation: Übersetzungsfehler, die den Auftrag kosten können

Thank you for your outstanding hostility!
Hoppala: Statt hospitality (Gastfreundschaft) rutschte der Eingeladenen das Gegenteil, nämlich “Feindseligkeit” heraus. Das Gegenüber war gar nicht amused.

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What a pregnant argument!
Auch nicht schlecht: schwanger statt prägnant. Richtig sind succinct, concise oder important.

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Our team is irritated.
Natürlich will die deutsche Niederlassung ihrem US-Mutterkonzern nur eine leichte Verwunderung über eine Entscheidung ausdrücken. Dort ist man brüskiert: Irritated bedeutet hier "verärgert, vor den Kopf gestoßen". Besser kommen surprised, puzzled oder uncertain.

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Good work!
In Amerika bedeutet good work bloß lausige, unwürdige Arbeit. Wollen Sie Ihr Gegenüber wirklich loben, sagen Sie marvellous, fantastic oder outstanding. Je übertriebener das für uns klingt, desto mehr freut sich der andere.

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You are such a big woman!
Eiskunstläuferin Katharina Witt soll das einmal in höchster Anerkennung zu einer kanadischen Kollegin gesagt haben. Die brach daraufhin in Tränen aus: weil Witt sie fett nannte. "Großartig" übersetzen Sie besser mit great, successful, leading, opinion-making oder admirable.

 

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We meet next week.
"Wir treffen uns nächste Woche." Für deutsche Ohren klingt das ganz normal. Für englischsprachige ist es ein rüdes Kommando, das den anderen zum untergeordneten Befehlsempfänger degradiert.

Gleichrangigkeit wird im Englischen mit (für deutsche Begriffe) sehr vagen Fragen ausgedrückt: Shall we meet next week? oder I shall see you next week? Am besten fragen Sie das mehrmals, auch wenn für Sie längst alles klar ist.

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You might want to do this?
Umgekehrt klingen auch unmissverständliche Kommandos im Englischen viel weicher. You might want to do this? oder Could you/Do you want to do this? heißen im Klartext: "Mach es gefälligst!"

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We are not going to cut ourselves in the flesh.
Vorsicht vor wörtlichen Übersetzungen. “Wir werden uns nicht ins eigene Fleisch schneiden” wird im Englischen ein wenig verwirrend mit to cut off one’s nose to spite one’s face übersetzt.

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This is not the yellow from the egg.
Noch eine Eins-zu-Eins-Übersetzung, die verlockend, aber falsch ist. Das "Gelbe vom Ei" heißt im Englischen not exactly brilliant.

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How are you?
Für einen Amerikaner ist das nicht mehr als eine freundliche Floskel, auf die er schlicht ein Great! erwartet. Wenn Sie ihn jetzt mit Ihrer Lebensgeschichte samt allen Todesfällen des letzten Jahrzehnts überschütten, jagen Sie ihm Angst ein.

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I need a toilet!
So notwendig wie nachvollziehbar, in Lettland etwa aber geradezu obszön. Dort eiern Sie besser wortreich herum: I need a room human beings use several times a day to get rid of certain things and feel better then, oder einfach I need to wash my hands.

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Call for nature...
Und noch einmal Allzumenschliches, hier als allerletzter Fluchtweg: Will ein Amerikaner sich aus einem Small Talk verabschieden, wünscht er Ihnen freundlich Have a nice day. Verstehen Sie den dezenten Wink nicht, probiert er Eskalationsstufe eins und wechselt in das Present Perfect: It’s been such a pleasure talking to you.

Verstehen Sie noch immer nicht, bleibt ihm nur mehr der ultimative Fluchtweg, der call for nature. Warten Sie vor der Toilette auf ihn, haben Sie endgültig ausgespielt.

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In Ihrem Land geht es ja furchtbar zu!
Sie wollen ja nur Small Talk machen. Deswegen sprechen Sie Gewalt, Drogen oder Korruption im Land Ihres Geschäftspartners an. Würden Sie gern auf die Gräuel des Dritten Reichs angesprochen werden? Eben. Deswegen reden Sie lieber über die schöne Landschaft, die faszinierende Kultur oder das Wetter. Alles besser als die wunden Punkte.

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Das ist aber großzügig!
Ihr orientalischer Gastgeber bietet Ihnen an, einen seiner wertvollen Teppiche als Geschenk mit heim zu nehmen. Nehmen Sie ihn bitte nicht beim Wort, egal wie sehr er insistiert. Gastgeschenke anzubieten ist im Orient nur ein Spiel, das niemand ernst nimmt.

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Ich habe morgen Früh leider einen Termin.
Hierzulande ist es ganz normal, einen Grund für einen vorzeitigen Abgang zu nennen. Für Briten, aber auch für Südeuropäer ist das ein Affront: Sie degradieren den Gastgeber damit als weniger wichtig als Ihren morgigen Termin, alternativ nennen Sie ihn langweilig. Drücken Sie besser mit girlandenreichen blumigen Worten Ihr Bedauern aus, diese interessante Veranstaltung verlassen zu müssen. Nennen Sie aber keinen Grund. Sie können nur verlieren.

There is room for improvement
Stop – hier läuft etwas schief. Was für uns wie ein freundliches „Nächstes Mal machen machen wir es besser“ klingt, heißt in Wahrheit: "Es wird kein nächstes Mal geben." Genauso wie How can we save time and cost in the future? oder What is your learning?

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Let’s go Public Viewing!
Zum Abschluss ein vermutlich nicht allzu fataler, aber irritierender Lapsus. Für uns ist public viewing das gemeinsame Fußballschauen auf großer Leinwand. Für Anglosachsen ist es das öffentliche Aufbahren unbekannter Toter. Man hofft, sie auf diese Weise vielleicht doch noch identifizieren zu können. Ihr Geschäftspartner würde schön staunen, wenn Sie ihn dazu einladen.

Alle Beispiele stammen aus:
Susanne Kilian: „Don’t let me be misunderstood“, Ariston Verlag

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