Warum es gut ist, Amateur und Dilettant zu sein

Arbeit. Es ist wahrscheinlich besser, den eigenen Blick auf die Arbeit als gleich den Job selbst zu ändern. Gerhard J. Vater zeigt, wie das funktioniert: anhand einer einzigen Frage, die er allerdings auf sechs unterschiedliche Arten stellt.

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Es gebe sie, die erfreuliche Nachricht, sagt Gerhard J. Vater, Trainer, Berater und Autor von „Wie aus Arbeit Freude wird“: „Sie haben das Anrecht darauf, dass Ihnen Ihre Arbeit Freude macht.“ Doch Vater spricht auch aus, was viele vielleicht nicht so gern hören: „Sie sind selbst dafür verantwortlich, dass Ihnen Ihre Arbeit Freude macht.“ Denn das sei mühsam, zumal diese Arbeitsfreude täglich neu errungen werden will.

Wer also keine Freude an der Arbeit verspüre, habe mehrere Möglichkeiten, sagt Vater. Aussitzen: warten, dass sich die Situation von selbst entspannt – was allerdings meist zu Frust und Unzufriedenheit führt. Auswechseln: kündigen und einen neuen Job suchen – was zunächst vielversprechend klingt, birgt viele Risken. Aussteigen: privatisieren – ist verlockend, doch ohne Lottogewinn oder Erbschaft meist unfinanzierbar.

Oder eine vierte Variante wählen: Diese laute, so Vater, den eigenen Blick auf die Arbeit zu ändern. Das soll mit dem, was er Vater-Methode nennt, gelingen. Ihr Kern ist eine einzige Frage: Weshalb muss ich mir das antun?

Vater allerdings stellt sie sechsmal. Jedesmal mit der Betonung auf einem anderen Wort. Ganz intensiv setzt sich Vater in seinem Buch mit vier Bestandteilen der Ausgangsfrage auseinander: mit „weshalb“, „muss“, „das“ und „antun“. Denn wer sich mit diesen vier Wörtern intensiv auseinandersetze, kläre letztlich den Arbeitsauftrag, den sich jeder selbst gibt. „Weshalb“ richtet den Blick auf die eigenen Ziele, „muss“ fragt nach dem Antrieb, „das“ konzentriert sich auf die eigene Leistung, und „antun“ fragt nach der eigenen Bedeutung.

Die Zwecke begeistern

Noch ein Wort zum „weshalb“. Ersetzte man „weshalb“ durch „warum“, würde man nach den Gründen für die Arbeit fragen. „Gründe allein sind zu wenig, um uns zu motivieren. Die Gründe liegen meist auf der Hand“, sagt Vater. „Wenn Sie sich motivieren wollen, denken Sie besser über Zwecke nach. Gründe machen leidensfähig, Zwecke begeistern.“ Wobei Vater davor warnt, Sinn und Zweck gleichzusetzen: Denn nicht jeder Zweck müsse sinnvoll sein.

Diese Fragen zu stellen und sich mit den Antworten auseinanderzusetzen sei vollends auch im Interesse der Unternehmen. „In erster Linie sind es die Kunden, die etwas von motivierten Mitarbeitern haben“, sagt Vater. Das genau sei die Kundenorientierung, von der so oft die Rede sei. Und das sei auch „alles andere als eine Wellnessgeschichte“. Denn glückliche und zufriedene Kunden wiederum sind gut fürs Geschäft, weshalb sich Investitionen in das, was Mitarbeiter motiviert, wieder rechnen würden, sagt Vater.

Er unterscheidet dabei in vier Stufen der Motivation. Belohnung für die Arbeit sei so etwas wie Motivation 1.0, Klima und Inhalt Motivation 2.0 bzw. 3.0.

Offenbar, weil im Moment alles 4.0 ist, bringt Vater Motivation 4.0 ins Spiel. Er versteht darunter die Wirkung der Arbeit. „Der Glaube an die Selbstwirksamkeit lässt uns länger an einer Sache dran bleiben und bringt mehr Erfüllung.“ Was wir bewirken, lässt sich relativ leicht mit einer Frage zeigen: Was würde passieren, würde weder ich noch jemand anderer meine Arbeit erledigen?

Vorsicht vor den Laien!

Und dann wartet Vater mit einer weiteren Überraschung auf. Er schlägt sieben Schritte zum professionellen Amateur und Dilettanten vor. Das, argumentiert er, seien Menschen, die ihre Arbeit liebten und sich an ihr erfreuten. „Amateure und Dilettanten sind nicht gefährlich, sondern unentbehrlich“, sagt Vater. Gefährlich seien die Laien, Menschen ohne Erfahrung und Fachkenntnisse.

► Akzeptieren Sie Ihr Anrecht auf Freude an der Arbeit.
► Verantworten Sie, ob es Ihnen gut oder schlecht geht.
► Klären Sie, weshalb Sie Ihre Aufgabe übernommen haben.
► Erkennen Sie, welche Zusammensetzung Ihr Kraftstoffmix aus Angst, Lust und Sinn hat.
► Begreifen Sie, worauf Sie stolz sein können.
► Überprüfen Sie, welche Bedeutung für Sie andere haben.
► Bewirken Sie Sinnvolles.

 

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Gerhard J. Vater:
„Wie aus Arbeit Freude wird“
myMorawa
160 Seiten
17,50 Euro

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