„Sitzen ist das neue Rauchen“

Gesundheit. Arbeiten im Gehen, Meetings im Stehen. Gesundheitsmanager Hans Holdhaus übersetzt Methoden aus seiner Arbeit mit Hochleistungssportlern in die Arbeitswelt.

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Der "Treadmill-Desk" bei Rewe International – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Gesund ist, jeden Tag 10.000 Schritte zu gehen. Was tatsächlich passiert, ist nicht so gesund: Nur rund zehn Prozent dieses Wegs legen Österreicher im Schnitt pro Tag zurück. „Raus aus dem Sessel“, fordert daher Hans Holdhaus, stellvertretender Direktor im Institut für medizinische und sportwissenschaftliche Beratung (IMSB Austria). Mehr noch: „Sitzen ist das neue Rauchen.“

Alles, nur keine Tretmühle

Diese Formel haben die Mitarbeiter von Rewe International in Wiener Neudorf ernst genommen. Seit Dezember gibt es in der IT- und der Rechnungswesen-Abteilung zwei spezielle Schreibtische, die es ermöglichen, Arbeit und Bewegung zu verbinden.
Treadmill Desk – wörtlich: Tretmühlentisch – ist der etwas unglückliche Name für das Gerät, das Laufband und Computerarbeitsplatz verbindet. Im Schritttempo unterwegs, können Mitarbeiter körperlich aktiv sein und dabei am Computer arbeiten. Das ist nicht für Tätigkeiten, die hohe Konzentration erfordern, aber E-Mails zu lesen und zu schreiben, gelingt nach kurzer Gewöhnung sehr gut.
Ein Pilotprojekt sei das, sagt Rewe-Personalentwickler Philipp Dolleschal. Schon jetzt zeige sich, dass einige der 300 IT- und 17 Rechnungswesen-Mitarbeiter täglich gehend arbeiten.

Methoden aus dem Hochleistungssport

Die Anregung zu den „bewegten Arbeitsplätzen“ kam von Hans Holdhaus. Er assistiert Unternehmen, ihre Mitarbeiter in Fragen der Gesundheit, Bewegung, Ernährung und Stressmanagement zu unterstützen. Dabei wendet er dieselben Methoden an, die er auch in der Arbeit mit Hochleistungssportlern im High Performance Center in der Südstadt einsetzt. Aus den Untersuchungsergebnissen entwickelt er dann mit und für die Mitarbeiter ganzheitliche, individuelle Gesundheitskonzepte. Auf Wunsch auch mit Hightech-Unterstützung: Der Vitalmonitor liefert Gesundheits- und Stressstatus in Echtzeit aufs Handy und gibt Handlungsempfehlungen.
Generell, sagt Holdhaus, sollten sich Unternehmen und Mitarbeiter beim Thema Gesundheit nicht überfordern und Projekte auf mehrere Jahre ausrichten. Es gelte: „Einladen, nicht pushen“, sagt Holdhaus. Einmal ins Unternehmen eingebettet werde das Thema schnell zum verbindenden Faktor. Besonders, wenn auch die Manager mitmachen. Und es zahle sich auch finanziell aus: Ein investierter Euro bringe 2,8 bis 6 Euro zurück.

Fitness muss nicht teuer sein

Doch nicht alles muss etwas kosten, sagt Holdhaus und liefert einige „kleine kostenlose Inputs mit großer Wirkung“:

  • Lieber eine Stehung statt einer Sitzung abhalten.
  • Ein Wasserglas statt des Krugs auf den Schreibtisch stellen – und öfter zur Wasserleitung gehen.
  • Einmal kurz aufstehen, wenn das Telefon läutet.
  • Und: Pausen einlegen und ein paar Schritte gehen. „Die Mittagspause am Arbeitsplatz ist Gift.“

Tipp: Betriebliches Gesundheitsmanagement, Konferenz, 1./2. Juni, Wien, businesscircle.at

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