„Den Keiler gibt es nicht mehr“

Porträt. Vieles lasse sich digitalisieren, sagt Robert Bilek, Personaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung. „Wir stehen erst am Beginn.“ Doch persönliche Beratung sei nicht zu ersetzen.

Robert Bilek, Personaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung
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Robert Bilek, Personaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung
Robert Bilek, Personaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung – Mirjam Reither

Wer mit Robert Bilek ins Gespräch kommt, dem wird garantiert nicht langweilig. Beiläufig verwebt der 60-Jährige Anekdoten mit Fachlichem. Das sind in vielen Fällen Personalthemen, aber nicht nur. Schließlich ist der gebürtige Wiener seit 1999 Personaldirektor der Wiener Städtischen Versicherung.
Es sei weder leicht noch schwer, Mitarbeiter zu finden, sagt Bilek. Allerdings: Die Anforderungen seien einigermaßen hoch. Wer heute Versicherungskauffrau oder -mann werden möchte, finde ein lukratives Betätigungsfeld – Selbstinitiative, Freude an der Kommunikation und verkäuferisches Talent vorausgesetzt. Und, sagt Bilek, „es müssen Menschen sein, die Vertrauen aufbauen können“. Das sei etwas, das sich aber immer erst später herausstelle.
Und es komme auch auf ganz Basales an: breites Allgemeinwissen, gutes Benehmen, Grüßen. Das sei gerade im Service wichtig. Und hier steige das Niveau nicht gerade, stellt Bilek rückblickend fest. Woran das liege, könne er nicht eindeutig sagen.

Kunden heute gut informiert

Sicher sagen könne er aber, dass sich das Berufsbild des Versicherungsberaters in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert habe: Den schlecht beleumundeten „Keiler“ gebe es nicht mehr, die Ausbildung gewährleiste, dass qualifiziert und seriös beraten werde. Denn auch die Kunden seien heute besser informiert und anspruchsvoller. Entsprechend werden derzeit 150 Lehrlinge ausgebildet, was die Wiener Städtische zum größten Lehrlingsausbildner in der Branche mache. Und für Herbst werden weitere 100 17- bis 20-Jährige Lehrlinge gesucht.
Alle Bereiche und alle Berufsgruppen würden früher oder später von der Digitalisierung erfasst: „Wir stehen erst am Beginn“, sagt Bilek. Daher seien auch Wirtschafter, Juristen, Mathematiker gesucht. Dennoch glaubt er nicht, dass die Digitalisierung Mitarbeiter überflüssig machen wird. „Menschen legen Wert auf persönliche Beratung“, sagt er. Nicht unbedingt, wenn es um den Preisvergleich gehe, der finde im Internet statt. Aber etwa, wenn sich jemand mit dem Gedanken trage, eine Lebensversicherung abzuschließen – denn schließlich seien die Produkte über die Jahre immer komplexer und individueller geworden. Und erst recht im Schadensfall, „da muss jemand Trost zusprechen“.

Mentor Günter Geyer

Noch einmal zurück zu den Lehrlingen. Sie bekommen erfahrene Vertriebsmitarbeiter als Mentoren zur Seite gestellt. Auch Bilek hatte einen Mentor. Nicht irgendeinen: Günter Geyer, den langjährigen Generaldirektor der Wiener Städtischen. Der promovierte Jurist ist 1974, ein Jahr nach Bilek, zur Versicherung gestoßen. Was Bilek unter anderem an Geyer schätzt: „Er hat nie einen Unterschied gemacht, welche schulische Ausbildung jemand hat.“ Von dieser Offenheit profitierte Bilek: Er hatte in der siebenten Klasse die Schule abgebrochen. Vorausgegangen war ein Konflikt mit den Lehrern, weil er oft für seine sportlichen Aktivitäten freigestellt werden sollte. Bilek spielte damals in der Staatsliga Tischtennis, außerdem Fußball und stand auch in der Wiener Auswahl. Später legte er die Matura ab und begann, Jus zu studieren. Eine Karriere, die heute nicht mehr so einfach möglich wäre, räumt er ein.
Doch in den 1970er-Jahren funktionierte vieles noch anders: Damals, erzählt Bilek, betrieb die Wiener Städtische eine eigene Schule, „sogar mit Turnen“.

„Ergebnisse sind besser“

Mit viel Engagement, etwas, das er aus seiner Sportlerlaufbahn gut kannte, machte Bilek seinen Weg. Eigenengagement ist es auch, was er sich von seinen Mitarbeitern erwartet. Von patriarchalischem Führungsstil hält er nichts, nicht zuletzt, weil „die Jungen damit nichts anfangen können“. Er setzt auf den kooperativen: „Das ist oft langwieriger, mühsamer, aber die Ergebnisse sind besser.“ Und das schätzen auch die Mitarbeiter.
Nicht nur, weil er sich Namen und Gesichter gut merkt und viele der mehr als 3500 Mitarbeiter namentlich kennt, sondern weil er auch das Prinzip der offenen Tür lebt und sich für die Anliegen Zeit nimmt. Als Antwort gibt es Fachliches – nicht selten garniert mit einer Anekdote.

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