Die Interdisziplinarität treibt ihn an

Porträt. Erst absolvierte er in seiner Heimat Vorarlberg eine Lehre als bautechnischer Zeichner, heute ist Wolfgang Müller einer der gefragtesten Rechtsanwälte im Baurecht in Österreich.

(c) Stanislav Jenis

Anfangs hatte es nicht nach einer großen Karriere in Wien ausgesehen. Schon gar nicht nach einer juristischen. Eher nach einer in der Baubranche. Sein Vater Bauingenieur, war Wolfgang Müller schon als Kind immer wieder auf Baustellen. Doch die HTL für Tiefbau schmiss er und begann im Ingenieurbüro IFL eine Lehre als bautechnischer Zeichner. „Als einer der ersten Lehrlinge, die in CAD ausgebildet wurden“, sagt der 43-Jährige heute.

„Interdisziplinarität war meine Triebkraft“, erzählt er über seine Lehrzeit, auch wenn er das Wort damals noch nicht kannte. Denn was er in dieser Zeit schnell erkannte: Die Juristen und die Bauexperten aus seinem Büro sprachen nicht dieselbe Sprache. Da gebe es ein Geschäft zu holen, war ihm rasch klar und ebenso seine Berufsvorstellung: „Ich möchte Anwalt für Bauprojekte werden.“

Müller absolvierte nicht nur die Lehrabschluss-, sondern auch die Studienberechtigungsprüfung und übersiedelte mit 20 Jahren nach Wien, um – berufsbegleitend – am Juridicum zu studieren. Heute ist er einer der gefragtesten Rechtsanwälte im Baurecht in Österreich, der als Partner bei Wolf Theiss Rechtsanwälte die Praxisgruppe Real Estate & Construction leitet und Bauunternehmen berät, nicht die Bauherren. Man könne nicht beide Seiten vertreten, sagt er. Zudem seien Bauunternehmen treue Kunden, sagt der begeisterte Skifahrer und Jäger.

Gern arbeitet er für die großen Anbieter, ebenso reizvoll ist für ihn die Arbeit mit Mittelständlern, die über keine eigene Rechtsabteilung verfügen. Weil, sagt er, da könne er die Sachverhalte selbst ins Juristische übersetzen. Denn die Interdisziplinarität treibt ihn auch heute an oder die „Hybridtätigkeit zwischen Technik und Recht“, wie er sagt.
Die Lehre wäre für ihn rückblickend betrachtet keine „verlorene Zeit“, im Gegenteil. Einerseits, weil mit ihr spannende Tätigkeiten einhergehen, andererseits, weil sie kein Abstellgleis sei und auch ein Studium im Anschluss möglich sei.

Wichtiger Praxisbezug

Und wenn schon keine Lehre, eine Berufsausbildung in einem nicht juristischen Feld sei für Juristen von Vorteil. Er verstehe schon, Studierende „fühlen sich unter Druck, schnell zu studieren. Sie wollen keine Zeit verschwenden.“ In Wahrheit sei diese Zeit aber gut angelegt, ganz gleich, ob sie beispielsweise in eine technische oder kaufmännische Zusatzausbildung investiert sei. Doch selbst die relativ kürzeren Studiendauern an den Fachhochschulen hätten das nur wenig verbessert.

Entsprechend achtet er bei seinen Mitarbeitern auf duale Ausbildung: Einige sind ausgebildete technische Zeichner, andere verfügen über die Baumeister-Gewerbeberechtigung oder haben FH-Studien wie Bauingenieurswesen bzw. Baumanagement absolviert. Der dualen Bildung trägt Müller auch Rechnung, wenn es um Weiterbildung geht. Neben juristischen Themen ist ihm Praxisbezug wichtig. Er organisiert Austauschprogramme, bei denen seine Mitarbeiter meist für zwei Monate bei Kunden etwa in Hochbau-, Tunnel- oder Kraftwerksprojekten vor Ort mitarbeiten. Sie sollen, sagt er, die Vorgänge verstehen, und die Mandanten würden dieses Verständnis auch erwarten.

Nur selten muss er nach Mitarbeitern suchen, meist werde er gefunden. Zum Teil würde sich Studierende bereits initiativ bei ihm bewerben, bevor sie ihr Studium abgeschlossen haben. Und dann höre er auf sein Bauchgefühl: Hat der Bewerber konkrete Vorstellungen, die Absicht, Rechtsanwalt zu werden und den Willen, sich zu spezialisieren? Diese Klarheit ist Müller wichtig.

Laufend „online halten“

Ebenso hält er es mit der Kommunikation im Team. Er lege Wert darauf, dass Dinge klar angesprochen werden, „auch wenn das im Moment vielleicht unangenehm ist“. Das heiße auch, dass sich er und seine Mitarbeiter laufend wechselseitig „online halten“, wie es ihnen miteinander gehe. So, sagt er, entstehe Vertrauen.
Deswegen könne er den Mitarbeitern vertrauen und ihnen zutrauen, rasch direkt mit den Mandanten zu arbeiten. Er aber sei im Hintergrund immer da und begleite sie – „und das sage ich auch den Kunden“. Denn heute geht es ihm darum, die Karrieren seiner Mitarbeiter zu fördern.

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