Zankapfel Frauenquote: Frauen dafür, Männer dagegen

Was halten Frau und Herr Österreicher von der Frauenquote? Die neue Kienbaum-Studie ergibt: Die Meinungen gehen klar auseinander.

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Nach dem Vorbild der deutschen Rechtslage wird in Österreich ab 2018 eine verpflichtende Frauenquote für Aufsichtsräte eingeführt. Betroffen sind Unternehmen mit mehr als sechs Mitgliedern im Aufsichtsrat wenn das Unternehmen mehr als 1000 Mitarbeitende beschäftigt und die Belegschaft zu mindestens 20 Prozent aus Arbeitnehmerinnen bzw. Arbeitnehmern besteht.

Kurz vor Einführung der Frauenquote in Österreich gehen die Meinungen von Frauen und Männern zur Quote allerdings noch weit auseinander: Die klare Mehrheit der Frauen befürwortet die Einführung einer Frauenquote, während die Männer nahezu geschlossen gegen sie votieren. Gleichzeitig hält jedoch rund die Hälfte der Quoten-Gegner eine freiwillige Selbstverpflichtung für das eigene Unternehmen durchaus für sinnvoll.

Das ergibt die aktuelle Studie der Personal- und Managementberatung Kienbaum, bei der 62 Vorstandsmitglieder, Aufsichtsräte und Personalleiter österreichischer Großunternehmen befragt wurden.

Männer fürchten um ihre Karrierechancen

„Je nach Geschlecht unterscheiden sich die Ansichten bezüglich der Frauenquote fundamental. Von einer Akzeptanz der Quote durch beide Geschlechter ist Österreich noch weit entfernt“, sagt Alfred Berger, Leiter der Studie bei Kienbaum in Wien.

Frauen sehen in mehr weiblichen Aufsichtsräten und Vorständen eine Chance für ein breiteres Spektrum an Sichtweisen. Ein Teil der männlichen Befragten allerdings fürchtet, dass bei der Einführung einer Frauenquote nicht mehr die Leistung im Vordergrund steht, wenn es um die Besetzung einer Stelle geht. Zumindest im Hinblick auf das Gehalt schätzen zwei Drittel der Studienteilnehmer, dass die Geschlechter schon heute gleich behandelt werden.

Aktuelle Situation in Top-Unternehmen ist noch weit von der Quote entfernt

Im Topmanagement der österreichischen Wirtschaft gibt es derzeit noch sehr wenige Frauen: Nur 34 der 200 Top-Unternehmen erreicht aktuell die Zielquote von 30 Prozent. Wie die Kienbaum-Studie zeigt, sind einige österreichische Unternehmen jedoch zumindest in ihren Grundzügen bereits auf Frauenförderung und Familienfreundlichkeit eingestellt: Teilzeitmodelle, die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten und Programme zur Wiedereingliederung nach der Elternzeit gehören bei rund der Hälfte der von Kienbaum untersuchten Unternehmen schon zum Standard. Weitergehende Maßnahmen wie eine betriebliche Kinderbetreuung oder eine Führungsposition in Teilzeit bieten die österreichischen Firmen hingegen derzeit nur selten an.

In befragten Unternehmen klafft große Lücke

Trotz solcher Maßnahmen und Angebote hinken die befragten Unternehmen bei der Frauenquote in den Aufsichtsrat- und Führungspositionen noch deutlich hinterher: Nur zwischen neun und 16 Prozent der Positionen sind derzeit mit Frauen besetzt. Dabei halten die für die Studie befragten Führungskräfte je nach Gremium durchschnittliche Quoten zwischen 24 und 27 Prozent für wünschenswert. Diese Werte liegen jedoch weit entfernt von der aktuellen Situation: Der Gap zwischen aktuellem und Ziel-Wert beträgt im Schnitt elf Prozentpunkte im Aufsichtsrat und 15 Prozentpunkte im Vorstand.

Die Lösung liegt im ganzheitlichen Kulturwandel

Um zu überprüfen, über welche Kompetenzen Aufsichtsräte überhaupt verfügen sollten, hat Kienbaum die ATX-Unternehmen anhand von sechs Kompetenzfeldern untersucht: Die österreichischen Unternehmen sind nach dieser Analyse in den Kompetenzfeldern Diversität und HR noch eher schlecht aufgestellt. Auf einer Skala von null bis vier werden für diese Kompetenzen im Durchschnitt nur 1 bis 1,5 Punkte vergeben. „Es besteht die Notwendigkeit für einen grundlegenden Wandel, der auch mehr genderbezogene Diversität umfassen muss. Dabei geht es nicht nur darum, künftig mehr Frauen zu rekrutieren, sondern es ist vielmehr notwendig, einen grundlegenden Kulturwandel anzustoßen für mehr Diversität im Unternehmen und speziell in Führung und Aufsicht. Hierbei ist das Empowerment der Frauen besonders wichtig“, sagt Alfred Berger von Kienbaum.

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