Kompetenzlücken schließen - ein weltweites Problem

Auch in Österreich herrscht Langzeitarbeitslosigkeit - gleichzeitig suchen Firmen nach ausgebildeten Arbeitskräften. Das Problem und die Lösung.

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Eine Skills Gap, oder das ungemütliche Wort Kompetenzlücke, ist schwer zu überbrücken. Sie entsteht, wenn Arbeitslosigkeit steigt, während viele Firmen über den andauernden Fachkräftemangel jammern. Woran liegt das?

Sie sind fertiger Student oder Lehrling? Sie haben erste Arbeitserfahrung gesammelt? Super. Allerdings reicht das heutzutage nicht mehr, um sofort nach der Uni oder Ausbildung eine feste Stelle zu finden. Vielleicht fehlen Ihnen wichtige Fähigkeiten, die Arbeitgeber heutzutage suchen. Welche sind das überhaupt?

Diesem Problem haben sich die britischen Firmen CPI und Pearson angenommen. In ihrem aktuellen Education and Skills Survey wird klar, dass viele Arbeitgeber daran zweifeln, dass Studenten die Fähigkeiten mitbringen, die der Arbeitsmarkt verlangt.

Josh Hardie, stellvertretender Direktor von CBI, ist davon überzeugt, dass die beste Wachstumsstrategie eines Landes die Verbesserung der Fähigkeiten und des innovativen Denkens ist.

Das Education and Skills Survey 2017 von CBI und Pearson

CBI ist eine britische Organisation, die sich mit unternehmerischen Fragen beschäftigt. CBI gibt Firmen auf nationalem und internationalem Boden die Möglichkeit, ihre Anliegen anzubringen und arbeitet mit politischen Entscheidungsträgern zusammen.

Pearson, ein Verlagsservice und Bewertungsportal für Schulen und Firmen, aber auch Ansprechpartner für Studenten, ist der Sponsor der Studie.

CBI und Pearson bringen jedes Jahr eine solche Studie heraus, mit dem Ziel, die Probleme in Ausbildung und Beruf zu besprechen und gleichzeitig Lösungen dafür zu finden.

Qualifikationslücke oder sogar -krise?

Fast zwei Drittel (61 Prozent) der Unternehmen in Großbritannien sind sich unsicher, ob Universitätsabsolventen ihren hohen Ansprüchen gerecht werden. Andererseits erwarten 74 Prozent, mehr Fachkräfte einzustellen. Der Kampf um Jobs ist groß, der um Fachkräfte allerdings ebenso. Noch etwas trägt zur Krisenstimmung bei: Karriereberater geben jungen Jobsuchenden unzureichenden Rat, so die Studie.

Fehlende Fachkräfte: Nicht nur in Großbritannien

Fachkräftemangel ist auch in Österreich kein Fremdwort. Laut dem Hays Global Skills Index 2016 stehen auch hierzulande unbesetzte Positionen andauernder Arbeitslosigkeit gegenüber. Die hohe und immer wachsende Langzeitarbeitslosigkeit in Österreich wird von Hays besonders betont. Ein Talent Mismatch, wie Hays es nennt, ist in Österreich eher ein geringeres Problem. Der Index hierfür - niedrigere Werte stehen für geringeren Mismatch - ist bei 3.6 von 10.

Flexible Ausbildungen in Österreich?

Österreich könnte allerdings flexibler sein, was Ausbildungsmöglichkeiten und die dadurch gewonnenen Kompetenzen betrifft, so Hays. Österreich sei auf diesem Gebiet nur Durchschnitt. Das sei ausbaufähig.

Belastbarkeit von Studenten

Ein weiterer Blick nach Großbritannien: Dortige Arbeitgeber stufen Absolventen als nicht genug belastbar ein, so die CBI/Pearson-Studie. „Ein Drittel der befragten Firmen haben ihre Unzufriedenheit mit dem Verhalten von jungen Arbeitssuchenden ausgedrückt, ihnen fehlt es besonders an Belastbarkeit“, heißt es in der Studie.

Wonach suchen Arbeitgeber?

Das sind die Top Skills, die Firmen laut CBI/Pearson gerne in Jobeinsteigern finden würden:

  • Führungspotenzial: Die Fähigkeit, ein Team mittels innovativem Denken, Neugier und Sachverstand effektiv anzuleiten.
  • Selbständiges Arbeiten: Die Fähigkeit, ohne zu viel Anleitung zu arbeiten und Zeit selbst einzuteilen.
  • Belastbarkeit: Die Fähigkeit, hart zu arbeiten und sich selbst zu motivieren, selbst wenn es mal anstrengender wird.
  • Kulturelles Bewusstsein: Sich der eigenen kulturellen Werte und Einstellungen bewusst zu sein und sie am Arbeitsplatz anzuwenden.
  • Kundenbindung: Die Fähigkeit, Kunden über die eigene Firma zu informieren, um sie zu binden.

Digitale Kompetenzlücke - Lösungsansätze in Tirol

Gerade in Österreich hat die Kompetenzlücke zusätzlich einen digitalen Charakter. Die Nachfrage nach Spezialisten im Bereich IT und Big Data ist groß, allerdings fehlt es an ausgebildeten Fachleuten. Deshalb bietet die FH Kufstein Tirol ab kommendem Wintersemester einen neuen Studiengang namens "Smart Products & Solutions" an, der traditionelle Technikdisziplinen, IT und Wirtschaft umfasst. Thomas Madritsch, Geschäftsführer der FH, sieht im neuen Studiengang die Lösung für das Schließen der Kompetenzlücke: "Die physische und die digitale Welt wachsen immer mehr zusammen, daher ist es unsere Aufgabe als innovative Fachhochschule, genau die Skills auszubilden, die Unternehmen heute und vor allem in Zukunft brauchen."

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