Digitalisierung: Die „digital natives“ gibt es nicht

HR-Management. Personalabteilungen sollten sich darauf konzentrieren, eigene Mitarbeiter weiterzubilden und sich nicht an den vermeintlichen „digital natives“ festklammern, sagt Tim Cole, Keynote-Speaker bei der Personal Austria.

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Wer in den kommenden fünf bis zehn Jahren zu den digitalen Gewinnern gehören werde, lasse sich ganz einfach daran erkennen, sagt Tim Cole, „dass es ihn noch gibt“. Anders als Unternehmen wie Nokia oder Blackberry, die durch Fehlentscheidungen, Zögern und Unentschlossenheit ausgelöscht wurden. Tim Cole, deutsch-amerikanischer Internetpublizist, der sich intensiv mit Onlinewirtschaft, Arbeitsorganisation und Technologieeinsatz in Unternehmen beschäftigt, wird einer der Keynote-Speaker bei der heurigen Personal Austria in Wien (8. und 9. November) unter dem Motto „Re://Boost_HR - discover smarter solutions“ sein.

Die Digitalisierung habe auch weitreichende Auswirkungen auf die HR. Erfolgreich werde sein, sagt Cole, wer „frühzeitige und nachhaltige Beziehungspflege“ betreibe. „HR darf nicht erst dann tätig werden, wenn eine Stelle aktuell zu besetzen ist. Idealerweise hat HR einen Pool an potenziellen Kandidaten längst gefunden und sich mit ihnen vernetzt.“ Doch der Arbeitsmarkt von morgen werde leer gefegt sein. Deshalb müsse HR seine Bemühungen viel stärker darauf konzentrieren, verborgene Schätze im eigenen Unternehmen zu bergen: Mitarbeiter, die bereit und in der Lage sind, sich durch Qualifizierungsmaßnahmen weiterzubilden und eine freie Stelle zu besetzen, für die sie bisher eigentlich gar nicht infrage kamen. Das bedeute für die HR-Abteilungen auch viel internen Kommunikationsaufwand, die geeigneten Mitarbeiter herauszufiltern.

Offene Türe zum Chefzimmer

Überhaupt bleibe Kommunikation ein Thema: Denn per se verändere die Digitalisierung interne Kommunikationsflüsse nicht, sagt Cole. „Sofern nicht gleichzeitig die Umstellung von einer hierarchischen ,Wir da oben, ihr da unten‘-Denkweise zu netzwerkartigen Strukturen vollzogen wird.“ Künftig, sagt Cole, „muss die Tür zum Chefzimmer immer offen sein."

Daneben wird HR auch an der Kommunikation nach außen arbeiten müssen. Viele Unternehmen hätten die Bedeutung von Employer Branding noch nicht verstanden. „Employer Branding ist ja kein Projekt, das ein halbes Jahr dauert und dann abgeschlossen ist“, sagt Cole. „Die Marke muss gelebt werden. Sonst ist sie nicht glaubwürdig. Das merken die Bewerber ganz schnell."

Noch eine Empfehlung für HR-Abteilungen spricht Cole aus: sich nicht am Begriff „digital natives“ festklammern. „Es gibt keine ,digital natives‘, sondern nur Menschen, die dem Neuen gegenüber aufgeschlossen sind und solche, die alles Neue ablehnen.“ Es gebe unter den sogenannten digital natives viele, die ein „gebrochenes Verhältnis“ zu Digitalität und technischer Innovation hätten. „Und es gibt Alte, die machen den Jungen auch in der digitalen Arbeitswelt noch etwas vor.“ Es gehe weniger um Sprache als um Aufgeschlossenheit, Offenheit, Glaubwürdigkeit und Flexibilität. Ja, meint er, daran hapere es in vielen Personalabteilungen.

Denn auch dort gebe es Mitarbeiter, die der Digitalisierung nicht viel abgewinnen können. Und genau diese laufen Gefahr, in Zeiten von Online-Jobbörsen überflüssig zu werden. Für den Personaler, der nur routinemäßig seinen Job abarbeitet, gelte: Er wird irgendwann von einer Maschine ersetzt. „Viele Tätigkeiten in HR sind automatisierbar. Was übrig bleibt, sind die anspruchsvollen Tätigkeiten, die Empathie, Fantasie und Flexibilität erfordern“, sagt Cole. „Aber das sind ja auch die Jobs, die am meisten Spaß machen.“ (red.)

www.personal-austria.at

ZUR PERSON

Tim Cole ist Internetpublizist und wird einer der Keynote-Speaker bei der heurigen Personal Austria in Wien (am 8. und 9. November) sein.


[NR1QB]

("undefined", Print-Ausgabe, 12.08.2017)

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