Selbstorganisation: Wie Zen-Mönche Termine einhalten

Die Intuition weiß besser als der peitschende Verstand, wann wir genug Energie für welche Aufgabe haben. Und vergisst trotzdem keine.

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(c) Petra Winkler

Woher nimmt ein Zen-Mönch seine Gelassenheit? Nicht, indem er sich weniger vornimmt, befand der vielseitig aktive holländische Zen-Mönch Paul Loomans. Auch nicht, indem er von seiner Umwelt fordert, weniger von ihm zu verlangen. Gelassenheit kommt nur aus uns selbst heraus, stellte er fest und erarbeitete, dem buddhistischen Gedanken folgend, eine Anleitung.

► Eines nach dem anderen. Und jedes zu Ende bringen. Multitasking ist ungesund, weil es Körper und Geist keine Gelegenheit zum Entspannen gibt. Daher: Eine Sache nach der anderen erledigen, jede mit voller Konzentration. Im Anschluss folgt eine kleine Pause.

► Jede Tätigkeit akzeptieren und bewusst tun. Wir laufen ins Meeting und sind im Kopf schon zwei Tagespunkte weiter. Im Zen bekommt jede Tätigkeit Acht- und Aufmerksamkeit. Dazu benennt und vergegenwärtigt man sie sich, sagt sich etwa im Kopf „Ich gehe jetzt ins Meeting“. Das visualisiert man auch gleich, sieht sich etwa im Besprechungsraum vortragen. So entsteht natürliche Aufmerksamkeit für jede Handlung. Am Ende des Tages reihen sie sich wie Perlen einer Kette aneinander: große und kleine, schwere und leichte, bunte und einfärbige.

► Gedankenpausen für die Intuition. Die Räume zwischen den Perlen gehören kurzen Pausen, in denen man aufsteht und sich bewegt. Zeitinseln nennt Loomans sie. Dabei reflektiert man das eben Erledigte und gibt der hilfsbereiten Intuition Gelegenheit, Details zu melden, die einem sonst nicht aufgefallen wären („Das hätte ich fast vergessen“). Körper und Geist regenerieren und sammeln Kraft für die nächste Perle.

► Unterbrechungen bekommen volle Aufmerksamkeit. Auch Zen-Mönche ärgert es, wenn sie aus ihrer Konzentration gerissen werden. Der Respekt gebietet ihnen, sich von ihrer Tätigkeit zu lösen und dem anderen zuzuwenden – wieder mit voller Konzentration. Auch eigene Gedanken, die plötzlich auftauchen, sind Unterbrechungen: auf einen Termin nicht zu vergessen etwa. Das kann man jetzt notieren oder der wohlmeinenden Intuition anvertrauen: indem man den Gedanken visualisiert und sicher sein darf, dass er im richtigen Moment hochkommt.

► Nagende Ratten. Schon wieder die Steuererklärung liegen lassen? Aufgaben, die man scheinbar zufällig immer vergisst, nennt Loomans nagende Ratten. Zu ihnen hat man noch keine positive Beziehung hergestellt hat. Daher: visualisieren, mit anderen darüber sprechen, sich damit auseinandersetzen. Was weiß man schon? Wo kann man anfangen? Schon hat die Intuition einen Ankerpunkt.

► Emotion vor Verstand. Gefühle wollen wahrgenommen werden, nicht unterdrückt. Sonst finden sie immer stärkere Ausdrucksmittel. Zen-Mönche horchen in sich hinein: Welche Muskeln sind angespannt? Welche Gedanken kommen dabei hoch? Dann „bemerken“ sie diese, lassen sie vorbeiziehen und horchen erneut in sich hinein. Bis nichts mehr kommt. Dann arbeiten sie weiter.

► Der Intuition das Kommando. Könner mit einiger Übung überlassen irgendwann ihrer Intuition die Entscheidung, wann sie was erledigen. Besser als der peitschende Verstand kennt sie den aktuellen Energiepegel und vergisst auch keine Aufgabe. Auch Zen-Mönche verwenden übrigens Hilfsmittel: Auch sie schauen morgens als Erstes in ihren Terminkalender.

(Print-Ausgabe, 23.09.2017)

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