Wenn alles plötzlich anders ist

Sabine Bothe, Personalchefin bei A1, spricht im Interview über Veränderungen, die nicht nur auf die HR zukommen und warum A1 jetzt plötzlich mit Google konkurriert.

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Die Digitalisierung bringt unglaublich schnelle Veränderungen, alte Strukturen werden aufgebrochen und Unternehmen entstehen scheinbar aus dem Nichts. Bei der Personal Austria 2017 wird Sabine Bothe eine Keynote halten, in der sie erklärt, was diese Veränderungen mit sich bringen.

Sie sind seit fast 20 Jahren im Personalwesen tätig. War
HR immer schon Ihr berufliches Ziel und was gefällt Ihnen daran?

Ich bin in der HR durch Zufall gelandet. Nach meinem Jus‐Studium und der Promotion habe ich einen Teil meiner praktischen Ausbildung in HR bei der Deutschen Lufthansa absolviert. Dort hat es mich gepackt – nah am Business sein und einen echten Mehrwert bringen. Das ist für mich der Zauber von HR.

Die Digitalisierung stellt den Bereich vor große
Herausforderungen. Wie gestaltet A1 den digitalen Wandel?

Das stimmt, traditionelle Methoden funktionieren nicht mehr, die  Digitalisierung verändert die Lebensweise und das Denken. Produkte und Dienstleistungen werden auf den Kopf gestellt oder einfach ersetzt. Beispiele dafür sind Uber, WhatsApp, und airbnb.
Sie haben Strukturen aufgebrochen und Märkte erobert.
A1 steht dadurch plötzlich mit anderen Unternehmen in Konkurrenz, zum Beispiel Google. Auch die HR muss aktiver Treiber im Wandel sein. Sie muss mutig sein mutig sein und neue Wege beschreiten.

Für die Kampagne "Kunde braucht dich" haben Sie die Mitarbeiter intensiv einbezogen. Welche Vorteile bringt das mit sich?

Einerseits berücksichtigen wir dadurch das Wissen und die Persepektiven aller Kollegen. Andererseits können sie sich so eher mit der Veränderung anfreunden. Auch Hierarchien werden gelockert, weil wir alle Mitarbeiter gleichermaßen miteinbeziehen, auch die Führungsebene. Allerdings frisst das alles Zeit und Ressourcen, einfach weil mit mehr Leuten abgestimmt werden muss.

Wie kann man so viele Mitarbeiter wie möglich motivieren, mitzumachen?

Aus meiner Erfahrung ist es wichtig, Bedenken aktiv anzusprechen. Viele unserer Kollegen haben bereits mehrere Veränderungsprozesse erlebt. Die durchschnittliche Zugehörigkeit der Kollegen liegt bei 23 Jahren. Sie von Veränderungen zu überzeugen, bedarf Fingerspitzengefühl und Konsequenz. Aussagen wie „Das haben wir immer schon so gemacht.“ sind nicht selten.


Wie haben Sie den internen Kommunikationsfluss gestaltet? Können Sie Beispiele nennen?

Wir haben neue Dialog-­Plattformen eingeführt, wie zum Beispiel den Führungsdialog – hierzu werden rund 250 Führungskräfte eingeladen, um gemeinsam über das Thema Leadership zu sprechen.
Mitarbeiter können ihre Manager bei Book your Boss kennenlernen: eine Möglichkeit unsere CEO für 60 Minuten zu buchen und ihr alle Fragen zu stellen oder Nachmittagskaffee mit Sabine – ein ungezwungenes Treffen, zu dem sich alle KollegInnen (inkl. Betriebsrat) anmelden können, um bei gemütlicher Atmosphäre mit mir offene Anliegen zu diskutieren. Mit workplace by facebook haben wir die interne Kommunikation demokratisiert. Jeder soll mit jedem kommunizieren können. So rücken wir alle ein Stück näher aneinander.

Wie haben Sie sichergestellt, dass alle Teile des Unternehmens partizipieren konnten?

Mit Digitalisierung! Auch hier haben wir unterschiedliche Formate, wie zum Beispiel unser A1 Team TV live, wo aktuelle Themen vorgestellt werden und KollegInnen anonym Fragen stellen können oder unsere Team Meetings, die wir live in unserem Konferenzraum abhalten und für alle via Livestreaming und/oder Video on demand zur Verfügung stellen. Diese Formate dienen in erster Linie dazu, unsere KollegInnen über den aktuellen Status zu Projekten, dem Change‐Prozess oder ähnlichem zu informieren.

Der Change-­Prozess ist inzwischen abgeschlossen. Wie gestalten Sie das Controlling im Nachgang?

Unser Change-­Prozess ist noch nicht abgeschlossen – noch lange nicht.
Aber um die Wirksamkeit unserer Aktivitäten zu bewerten, haben wir einen sogenannten Culture Pulse Check eingeführt, der die Implementierung unserer neuen Guiding Principles misst. Die erste Messung ergab, dass 84 Prozent unserer KollegInnen unsere Guiding Principles kennen. Der nächste Culture Pulse
Check ist für Ende des Jahres geplant. Zusätzlich evaluieren wir gerade weitere Befragungstools. Damit können „weiche“ Themen messbar gemacht werden und wir sehen einen zeitlichen Verlauf.


Was raten Sie anderen Personalisten bei der Umsetzung von Veränderungsprozessen?

Mutig zu sein! Veränderung braucht neues Denken und
Handeln. Dementsprechend müssen neue Dinge ausprobiert werden, ohne zu wissen, wie die Organisation bzw. deren Akteure darauf reagieren. Das fällt nicht immer leicht und damit erntet man nicht immer Wohlgefallen.

Was haben Sie aus der Kampagne gelernt?

Es braucht Zeit zur Reflexion. Innehalten, Dinge wirken lassen und auch mal einen Schritt zurück machen – das ist nicht immer einfach. Wir müssen zuhören und verstehen, bevor wir handeln. Nur so merkt man, wie viel Veränderung bzw. Interventionen die Organisation gerade verträgt bzw. ob man die Organisation überfordert. HR "macht" nicht die Transformation, sondern agiert als Coach. Sie bremst, steuert oder treibt an – je nachdem, was der Prozess gerade erfordert. Und ganz wichtig: den Spaß nicht verlieren. Veränderungsprozesse sind kein Spaziergang. Dinge laufen mal nicht wie geplant, manches braucht länger, als einem lieb ist. Da hilft auch mal kräftig über sich selbst zu lachen, Fehler zuzugeben und auch kleine Erfolge zu feiern. Das gibt Energie.

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Sabine Bothe ist seit März 2016 Leiterin des Personalbereichs bei A1 Telekom Austria AG. Dabei ist sie für die Bereiche HR, Recruiting, Personalentwicklung, Weiterbildung und Performance Management verantwortlich.

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