Studenten passen ihren Freundeskreis den Noten an

Gleich und gleich gesellt sich gern. Auch bei den Noten bleiben die Gruppen unter sich. Erfolgreiche ziehen Schwächere nicht mit.

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Studenten und Schüler umgeben sich gezielt mit Kollegen mit ähnlicher Leistung. Das zeigt eine Studie von Forschern aus Russland und Österreich unter Nutzern des in Russland weit verbreiteten sozialen Netzwerks "VKontakte". Erfolgreiche Gruppen können schwächere Mitglieder nicht "mitziehen", berichten sie im Fachblatt "Plos One".

Für den alten Stehsatz "Gleich und gleich gesellt sich gern" gibt es einen wissenschaftlichen Fachausdruck: Homophilie. Darunter wird die Tendenz verstanden, dass sich bevorzugt Gruppen bilden, die hinsichtlich Status, Herkunft oder Bildungsgrad ähnlich sind.

Die dahinterliegenden Mechanismen waren noch unklar. Ist Homophilie die Folge eines Sozialisierungsprozesses, durch den sich Personen an das Level der Gruppe anpassen? Oder passen die Personen eher ihr Umfeld an, selektieren also aus, wer am besten zu ihnen passt? Diesen Frage gingen die Wissenschaftler mit einem speziellen Datensatz nach.

Sie verfolgten die Veränderungen in den Online-Netzwerken von 655 Schülern eines Moskauer Gymnasiums und 5.925 Studenten der HSE auf der mit Facebook vergleichbaren, hauptsächlich in Russland genützten Plattform "VKontakte" über 42 Monate hinweg. Die Leistung der Schüler konnten die Forscher über fünf Trimester hinweg verfolgen, jene der Studenten über ein von der HSE seit dem Studienjahr 2014/15 veröffentlichtes Noten-Ranking.

Freunde mit gleichen Noten gesucht

Dabei zeigte sich, dass die Schüler und Studenten ihre Netzwerke entsprechend ihrer Leistung anpassen. Sie suchen sich Mitglieder mit ähnlichem Leistungsniveau aus. Es handlelt sich also um einen Selektionsprozess. Umgekehrt fanden die Forscher keinen Hinweis darauf, dass eine Online-Umgebung mit erfolgreicheren Kollegen schwächere Schüler oder Studenten dazu motiviert, sich zu verbessern.

Eigentlich würde man davon ausgehen, dass der Studienerfolg in einer digitalen Umgebung, in der sich prinzipiell jeder mit jedem befreunden kann, nicht so sehr ins Gewicht falle. Tatsächlich sei die Schul- oder Studienleistung hier aber ein wichtiger Faktor. Im Zeitverlauf werden die sozialen Kreise sogar immer homogener. Vor allem die Beobachtung, dass erfolgreichere Umfelder schwächere Studenten offenbar nicht "mitziehen", kann erklären, warum soziale Ungleichheiten so nachhaltig bestehen bleiben.

Oder: Der Mensch tut alles, um andere in "wir" und "die anderen" zu kategorisieren. Und benutzt dafür auch die Noten.

(APA/red.)

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