Manager, werdet streitbarer

Gestik, Sprache & Co. Manager können von Politikern einiges lernen, wenn es um Rhetorik und Auftritt geht, sagt der Verhaltensbiologe Gregor Fauma. Mit einigen gravierenden Ausnahmen.

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Marin Goleminov

Es ist schon paradox: Die einen glauben, dass sie ganz selbstverständlich auf Titelblättern zitiert werden sollten, und sind bestens darauf und auf Statements in der „Zeit im Bild“ zur besten Sendezeit vorbereitet. Bloß sie werden selten bis nie gefragt. Das sind die Manager.

Die anderen werden ständig zu allem (Un-)Möglichen breitenwirksam interviewt. Sie wenden sich aber nicht an ihre Hunderttausend Rezipienten, sondern in erster Linie an ihren Apparat. Das sind die Politiker. Dieses Paradoxon beschreibt der Verhaltensbiologe Gregor Fauma, der an den Universitäten Wien und Krems lehrt und auch als Coach tätig ist.

Für die „Presse“ vergleicht er Sprache, Rhetorik, Gestik und Mimik der beiden Gruppen. Manager, sagt Fauma, werden von den Medien wesentlich besser behandelt. Mit ihnen wird nicht das Spiel des „Aufplattelns“ gespielt, sagt er. Umgekehrt, es sei auch nicht selbstverständlich, sie tatsächlich vor ein Mikrofon zu bekommen. Manager sind bei dem, was sie sagen, sehr vorsichtig: Als fehlersensitiv und risikoavers beschreibt sie Fauma. Die wenigsten wollen ihre Person in die mediale Schlacht werfen, sondern sie verstecken sich lieber hinter ihrer Funktion. Allerdings: „Wer nichts von sich preisgeben will“, sagt Fauma, „sollte nicht in die Medien drängen.“

Anders als Politiker würden sich Manager professionell für ihre Auftritte vor Mitarbeitern und in der Öffentlichkeit ausbilden lassen. Von externen Experten. Das sei etwas, wofür man auch Anerkennung bekomme.

Im Gegensatz zu Politikern. Ihnen kreide man mitunter sogar an, dass sie an sich arbeiteten. Zwar durchlaufen auch sie Rhetorik-, Sprech- und Auftrittsausbildungen. Veranstaltet werden die aber von ihrem Stab oder den Parteiakademien. „Sie kochen im eigenen Saft und bekommen Feedback von Kollegen oder gar Mitarbeitern.“ Doch, gibt Fauma zu bedenken, welcher Mitarbeiter kritisiere schon ehrlich? „Ein Lob des Mitarbeiters färbt schließlich immer auf den Mitarbeiter ab.“ Das sei ein Grund für die „Einsamkeit der Spitzenfunktionäre“. Und dafür, dass jede Partei ihre eigene Sprechkultur habe und Funktionäre rasch zugeordnet werden können: Da gebe es die Bekümmerten, die Traurigen, die Forschen oder die Aggressiven.

Doch auch Politiker hätten es schwer. Jene, die „sprechen, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist“, werden zwar als erfrischend erlebt, doch sie ernten gleichzeitig den Vorwurf, ungehobelt zu sein.

Bestellt oder gewählt

Was die Politik von Unternehmen lernen könne, sei strukturierte und integrierte Kommunikation. Tatsächlich sei aber der größte Feind für Politiker der eigene Partei-„Freund“, wie es Fauma formuliert. Jeder melde sich zu Wort. In Unternehmen hingegen sei klar: Einer spricht, keiner schert aus. Der kleine Unterschied sei eben, dass die Beteiligten hier bestellt und dort gewählt sind, sagt Fauma.

Manager könnten wiederum von Politikern lernen, die Öffentlichkeit zu suchen, mit mehr Leidenschaft in Diskussionen zu gehen und streitbarer zu sein. „Und das nicht nur, wenn sie vor ihresgleichen in der Industriellenvereinigung sprechen“, merkt Fauma kritisch an und zitiert ein englisches Sprichwort: If your heart is not in it, your words will fail.

Was die Körpersprache betrifft, beobachtet Fauma, dass sich die Politiker den Managern annähern. Sie werden weniger expressiv, betonen ihre emotionale Nüchternheit und reduzieren ihre Gestik. Eine Entwicklung, die viel über die Körpersprache der Führungskräfte erzählt.

 

Gregor Fauma ist Verhaltensbiologe, lehrt an den Universitäten Wien und Krems und ist als Führungskräftecoach tätig. Kürzlich erschien sein Buch „Unter Affen: Warum das Büro ein Dschungel ist!“.


[NW0JY]

(Print-Ausgabe, 07.10.2017)

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