Wer wie lange krank ist

Langfristig werden die Krankenstandstage weniger. Der Gründe gibt es viele.

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Der Fehlzeitenreport des Wirtschaftsforschungsinstituts WiFo begann 2007 als kleine Fußnote. Heute ist er jährlich mit Spannung erwarteter Bericht. Hier die jüngsten Erkenntnisse:

  • Der typische Unselbstständige war 2016 12,5 Tage im Krankenstand. 2015 waren es noch 12,7 Tage. Grund war die etwas schwächere Grippewelle und die geringere Zahl an Atemwegsinfekten. In den anderen Krankheitsgruppen nahm die Zahl der Fehltage leicht zu.

  • Langfristig gehen die krankheitsbedingten Fehlzeiten deutlich zurück. Ihren Höhepunkt hatten sie 1980 mit 17,4 Tagen pro Kopf. Den Rückgang der Arbeitsunfälle dürfen sich die Unternehmen auf die Fahnen schreiben, die Zunahme der atypischen Beschäftigungen und das Erhöhen der Teilzeitquote als Krankenstandsverhinderer eher nicht.

  • Frauen sind länger krank: im Schnitt 13 Tage versus 12,1 Tage bei den Männern. Grund ist einerseits, dass die Zahl der Über-50-Jährigen Frauen unter den Beschäftigten stärker steigt als jene der Männer. Andererseits sind Frauen vermehrt in Branchen mit überdurchschnittlichen Krankenstandsquoten (wie Gesundheits- und Sozialwesen) beschäftigt. Gleichzeitig sind die Krankenstände in männerdominierten Branchen (wie Bauwesen und Warenherstellung) rückläufig. Zu Beginn der 1980er-Jahre lag die Krankenstandsquote der Männer noch um ein Viertel höher als jene der Frauen.

  • Junge Arbeitnehmer sind häufig krank, aber kürzer; 50+ sind seltener krank als Junge, dafür aber länger.

  • Kurzkrankenstände dominierten weiterhin: 2016 dauerten vier von zehn aller Krankenstände weniger als vier Tage. Ihr Gewicht (knapp neun Prozent aller krankheitsbedingten Fehlzeiten) ist aber gering.

  • 12,3 Prozent aller Fälle dauerten länger als zwei Wochen. Dennoch verursachte sie mit knapp 60 Prozent einen erheblichen Teil der Fehlzeiten.

  • Meist sind Muskel-Skelett- oder Atemsystem Schuld. Beide verursachen zusammen die Hälfte der Krankenstandsfälle und 42 Prozent aller Krankenstandstage. Verletzungen wurden mit nur mehr 16 Prozent weniger, psychische Erkrankungen erstmals seit zehn Jahren nicht mehr.

  • Arbeiter verbrachten mit im Schnitt 15,4 Tagen um 47 Prozent mehr Zeit im Krankenstand als Angestellte (10,5 Tage).

  • Salzburg ist seit Jahren mit 10,6 Tagen im Jahr das Bundesland mit den geringsten Fehlzeiten. Niederösterreich ist mit 13,6 Tage das mit den höchsten, gefolgt von der Oberösterreich (13,3 Tage) und Wien (12,5 Tage). Grund ist zum Teil die Wirtschaftsstruktur. Bundesländer mit industriellem Schwerpunkt haben eine höhere, solche mit einem großen Dienstleistungssektor eine tendenziell niedrigere Krankenstandsquote.
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