Kann ich etwas helfen?

Kolumne "Karrierewege". Um beruflich weiterzukommen, genügt oft ein wenig Hausverstand und die Bereitschaft zum Mitdenken. Dazu zählt auch, selbständig und unaufgefordert mitzuhelfen.

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Es gibt bekanntlich vier Wörter, die jeder Teenager kennen sollte. Und ich meine damit nicht: Whatsapp, Facebook, WLAN und Akku. Die Begriffe, die ich meine, lauten: Grüß Gott, Auf Wiedersehen, Bitte und Danke. Wer diese Wörter kennt und möglichst häufig verwendet, hat es leichter im Berufsleben.

Unlängst nahm ein befreundeter Geschäftsführer einen jungen Praktikanten zu unserem Geschäftstermin mit. Das Auftreten des jungen Mannes war tadellos: Ein freundliches Lächeln, eine deutliche Begrüßung und ein kräftiger Händedruck. Dennoch wirkte er nach einiger Zeit etwas verloren, denn irgendetwas fehlte.

Ich machte ihm einen Vorschlag: „Wann immer Sie nichts zu tun haben, gehen Sie zum nächsten verfügbaren Chef und stellen ihm folgende Frage: ‚Kann ich etwas helfen?‘“ Untätig in der Gegend herumzustehen, während alle anderen arbeiten, lässt den schlauesten Menschen wie einen Versager wirken.

Die meisten einfach qualifizierten Jobs sind in den letzten zehn bis zwanzig Jahren nach Osteuropa und Asien abgewandert und kommen so bald nicht wieder zurück. Wenn es nur darum, Arbeit nach Vorschrift zu erledigen, sind diese Mitarbeiter deutlich günstiger als hierzulande. Viele Unternehmen berichten jedoch, dass Mitarbeiter in Billiglohnländern ausschließlich die angeschaffte Arbeit erledigen und danach keinen Strich mehr leisten, der nicht explizit befohlen wurde.

Um den eigenen Arbeitsplatz zu sichern, genügt daher in vielen Fällen ein klein wenig Hausverstand und die Fähigkeit und Bereitschaft zum Mitdenken im Sinne des Unternehmens. Dazu zählt auch, selbständig und unaufgefordert mitzuhelfen, bis alle Arbeit erledigt ist oder Sie der Chef ausdrücklich in die Pause oder nach Hause schickt.

Müßiggang und Erholung sind natürlich wichtig, um sich körperlich zu erholen. Auch das Gehirn braucht seine Pausen und sogar Langeweile, um wieder auf neue Ideen zu kommen. Die besten Einfälle kommen ja meistens in einer ruhigen Minute und nicht im größten Arbeitsstress.

Mit Fleiß in den nächsten Urlaub

Doch der Sinn eines erfüllten Berufslebens ist nicht, eine maximale Anzahl an Pausen zu machen, die Arbeit mit Minimalanforderung zu verrichten und in Gedanken schon im Wochenende oder im nächsten Sabbatical zu sein. Wer beruflich weiterkommen will, muss seine Position mehr als ausfüllen.

Fleiß ist unserer Gesellschaft schon etwas aus der Mode gekommen und gilt als „uncool“ oder „Old School“. Im Gegenteil wird die Freizeit als höchstes Gut angesehen, und schon ein paar Mal musste ich von jungen Menschen hören: „Überstunden sind Freizeitraub.“ Natürlich ist es nicht notwendig, sich schon in jungen Jahren ins Burnout zu schuften. Doch wer wenig zu leisten bereit ist, darf sich nicht wundern, wenn er beruflich nicht von der Stelle kommt.

Viele Unternehmen sind ja mittlerweile gerne bereit, ihren verlässlichen Arbeitnehmern ein sehr großes Stück entgegenzukommen, wenn es um die Koordination ihrer Freizeitpläne geht. Selbst mehr als drei Wochen für einen langen Urlaub in der Südsee über Weihnachten sind dann kein Problem, wenn das Unternehmen unter dem Jahr auf die treuen Dienste seines Mitarbeiters zählen konnte. Es ist immer ein Geben und Nehmen. Wer auf seine Rechte pocht, muss vorher seine Pflichten erledigen.

Wenn Sie also spannende Pläne für Ihren nächsten Urlaub haben, reicht es häufig schon, wenn Sie Ihren Chef immer wieder fragen: „Kann ich noch etwas für Sie tun?“

 

Conrad Pramböck ist Berater und Speaker zu Gehalts- und Karrierethemen. Seine gesammelten Kolumnen finden Sie hier und im Buch "Karrierewege". Der Reinerlös des Buchverkaufs kommt Pramböcks Sozialprojekt "Ein Kinderlachen verdienen" zugute.

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