No-Stop-Shops weiterentwickeln

Porträt. Im Bundesrechenzentrum bringt Geschäftsführer Markus Kaiser seine Siemens- und Atos-Erfahrung ein, treibt den Umsatz nach oben, sucht neue Mitarbeiter und hat hohe Ansprüche.

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(c) Stanislav Jenis

Wenn es um die Betriebsamkeit im Haus geht, dann erinnert das Bundesrechenzentrum (BRZ) stark an die früheren beruflichen Stationen von Markus Kaiser bei Siemens und Atos: Die Sicherheitsschleusen beim Eingang sind im Dauerbetrieb – es herrscht reges Kommen und Gehen.

Seit Mai 2016 ist Kaiser Geschäftsführer des IT-Dienstleisters und E-Government-Partners der österreichischen Verwaltung. Und ist als solcher erfolgreich: Um voraussichtlich knapp 20 Prozent steigt der Umsatz 2017 im Vergleich zum vergangenen Jahr auf rund 290 Millionen Euro. Schließlich, sagt Kaiser, sei „die Digitalisierung auch im Public Sector stark“. Entsprechend sollen zu den bestehenden 1200 Mitarbeitern 100 weitere dazukommen: Juristen, Accountants, Software-Entwickler, Big-Data- und Blockchain-Spezialisten und solche für künstliche Intelligenz sowie Design-Thinking-Experten. Denn die Produkte ließen sich „nicht vom Schreibtisch des Legisten wegdesignen“.

Dabei gestalte sich die Suche nach neuen Mitarbeitern nicht gerade einfach: Umso erfahrener sie sein sollen, desto schwieriger. Und das, obwohl die 100-Prozent-Tochter der Republik leistungsorientiertes Gehalt anbietet. Und daneben inhaltlich „signifikante Themen, relevante Services und Verantwortung für sensible Daten – das alles motiviert“, sagt der 45-Jährige. Überhaupt gehe es darum, No-Stop-Shops wie etwa bei der antragslosen Familienbeihilfe oder der antragslosen Arbeitnehmerveranlagung weiterzuentwickeln. „Wir müssen weiterdenken, wo der Staat Serviceorientierung anbieten kann“, sagt der studierte Handelswissenschaftler. Das alles im Spannungsverhältnis von Datenschutz und Effektivität.

Einen Seitenhieb will sich Kaiser hier nicht verkneifen: User würden, was die Verknüpfung von Daten betrifft, Facebook und anderen sozialen Medien mehr erlauben als dem Staat. „Dieses Modell auf den Staat zu übertragen ergäbe eine andere Servicequalität.“ Er wünscht sich eine Wahlmöglichkeit für die Bürger, mit der sie festlegen können, welche Daten Behörden verwenden dürfen.

Zurück zu den Mitarbeitern: Der Wettbewerb sei groß, was umgekehrt aber ein gutes Zeichen sei, weil es zeige, „dass es dem Arbeitsmarkt gut geht“. Die gute Frage sei nur: Wie bekomme ich Talente, ohne sie im Osten zu „stehlen“?

Dafür müsste es so etwas wie einen 360-Grad-Ausbildungsschwerpunkt geben, sagt er, bei dem Unternehmen mit Schulen gemeinsame Ausbildungsprogramme, auch für Lehrlinge und Trainees, Aus- und Weiterbildung schaffen. Und letztlich „positive Berufsbilder“, denn es würden viele herausfordernde Aufgaben warten.

Bildung ist keine Einbahn

Von seinen Mitarbeitern verlangt Kaiser je nach Position vor allem Leidenschaft, Qualitätsbewusstsein (es gehe schließlich darum, dass die Daten sicher sind), Neugierde, Bereitschaft und Ehrgeiz, sich weiterzubilden. „Mitarbeiter müssen eigenverantwortlich sein. Dass sie auf dem Stand der Technik bleiben, ist nicht ausschließlich Aufgabe der Arbeitgeber“, sagte Kaiser schon bei einem „Presse“-Gespräch im vergangenen März. Andernfalls, sagt er, wäre jedes Unternehmen damit überfordert, „dass alle am Ball bleiben“. Weiterbildung heißt aber nicht zwangsläufig Schulung. Beim BRZ Day etwa präsentieren einzelne Abteilungen ihre Tätigkeit vor den Kollegen. „Es gibt so viel Wissen im Haus, und das stellen Mitarbeiter einander vor.“

Vor einem Dreivierteljahr hat der gebürtige Salzburger mit seinem Managementteam vier Kernaspekte der Führungskultur im Haus definiert: erstens die Lust, eine eigene Meinung zu bilden und diese auch zu artikulieren. Zweitens die gemeinsame Verantwortung für den Erfolg. Ein Punkt, der sich, wie Kaiser sagt, sehr gut mit individuellen Zielvereinbarungen unter einen Hut bringen lasse. Drittens lösungs- und nicht problemorientiert zu sein. Ob das umgesetzt werde, lasse sich anhand eines einfachen Beispiels zeigen: „Kommen die Mitarbeiter nur mit einer Analyse, um ein Thema zu besprechen, oder bringen sie gleich auch einen Lösungsvorschlag mit?“ Und schließlich viertens: den eigenen Handlungsspielraum zu nützen.

 

ZUR PERSON

Markus Kaiser (45) ist seit Mai 2016 Sprecher der Geschäftsführung des Bundesrechenzentrums (BRZ), die er gemeinsam mit Christine Sumper-Billinger bildet. Kaiser war zunächst im Siemens-Konzern in Österreich und international im Projektmanagement und später in leitenden Positionen tätig. Seit 2011 war er Mitglied der Geschäftsleitung von Atos Deutschland. Das BRZ mit rund 1200 Mitarbeitern ist der führende IT-Dienstleister und E-Government-Partner der Verwaltung.

 


[O09FN]

(Print-Ausgabe, 25.11.2017)

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