Bewerbung: Man kann auch Finanzprobleme erwähnen

Wer es eilig hat, presst seinen Lebenslauf in die Schablone des Europass. Wer mit seinem CV auffallen möchte, macht sich mehr Gedanken. Es muss ja nicht gleich eine bedruckte Milchpackung sein.

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Illustratorin Elsa Martins druckte ihren Lebenslauf auf eine Milchpackung. Mit Erfolg.

Es kann dauern, bis der eigene Lebenslauf gebastelt ist. Stunden. Manchmal Tage. Oder noch länger. Und dann das: Sechs Sekunden nehmen sich Recruiter großer US-Unternehmen Zeit, darüber zu entscheiden, ob sie sich eine Bewerbung genauer ansehen, fand der New Yorker Jobvermittler The Ladders heraus.

Das ist frustrierend, auf der einen Seite. So viel Mühe, für so wenig Wertschätzung. Das ist motivierend, auf der anderen Seite. Denn die Mühe lohnt sich, will man aus der Masse herausstechen.

Das gelingt zunächst durch auffallende Optik. Die grafische Aufbereitung eignet sich, um berufliche Stationen, Zeitspannen und Kompetenzen darzustellen. Verspieltes Design geht zwar auf Kosten von Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit, ist aber eine hübsche Abwechslung zum täglichen Bewerbungseinheitsbrei.

Um einen derartigen Lebenslauf erstellen zu können, muss man nicht einmal Grafiker sein. Im Netz tummeln sich eine Reihe von Helferlein wie vizualize.me, resumup.com oder cuvitt.talentkey.io. Eine gute Vorlage lieferte Hagan Blount, der nicht nur Basics wie Ausbildung und Jobs lieferte, sondern auch Reisen oder Finanzprobleme darstellte.

Übertreiben

Mit einer kreativen Bewerbung kann man eine erste "Marke" setzen und den Erinnerungsfaktor steigern. Aber: Die Kreativität darf nicht zulasten der Übersichtlichkeit gehen. Zudem sollte der Lebenslauf zur Branche passen. Augenmaß ist vor allem bei und von Juristen oder Betriebswirten gefragt. Aber auch bei Technikern ist die kreative Gestaltung eines Lebenslaufs nicht üblich, manchmal sogar eher unpassend.

Die standardisierte (und daher auch langweilige) Variante, die sich für diese Fälle in den vergangenen Jahren dafür etabliert hat, ist der "Europass". Die Europäische Union liefert damit eine Vorlage, die "in der Schule, an der Universität oder im Rahmen von Lern- oder Ausbildungsaufenthalten im Ausland erworbenen Fähigkeiten klar und einheitlich darzustellen."

Entsprechend wurden auch die Augen der Personalisten in den vergangenen Jahren darauf geschult. Doch der Europass ist eben nicht mehr als eine gut strukturierte Form eines tabellarischen Lebenslaufs, mit der man sich in kurzer Zeit ein Überblick über die mögliche Eignung eines Kandidaten verschaffen kann.

Begeistern

Anderes gilt für Marketing- und Kreativjobs. Hier gilt: auffallen, überraschen, beeindrucken. Victor Petit (www.victorpetit.fr) pimpte seinen klassischen Lebenslauf mittels QR-Code, um sich für einen Job in einer Kommunikationsagentur zu bewerben. Scannte man diesen Code und platzierte man das Handy darauf, begann der Franzose aus seinem Leben zu erzählen in Bild und Ton.

Auch Robby Leonardi scheute keine Mühen. Er gestaltete seine Bewerbung als interaktives Computergame, in dem sich Recruiter durch "Levels", also sein Leben navigieren können.

Ein Musterbeispiel lieferte die portugiesische Illustratorin Elsa Martins, die sich mit einem auf Milchpackungen gedruckten Lebenslauf bewarb. Denn in Portugal, sagt sie, heiße es "dar o litro", was so viel bedeutet wie "100 Prozent geben". Das half ihr, ihren ersten Job zu finden.

Doch wer originell sein will, muss mit dem Tetra Pak doppelt aufpassen: In den USA werden häufig Bilder Vermisster auf Milchpackungen gedruckt.

(UniLive, 27.09.2017)

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