Nimm dein Leben wieder in die Hand

Porträt. Personalberaterin Manuela Lindlbauer zieht sich aus der operativen Geschäftsführung ihrer Personalberatung zurück. Sie hat sich das reiflich überlegt.

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Die Presse

Viele waren erstaunt. Manche dachten, sie wäre krank. Andere beneideten sie nur. Manuela Lindlbauer (46) zieht sich aus der operativen Geschäftsführung ihres „Babys“, der Lindlpower Personalberatung, zurück. Es ist gut in den Händen zweier profilierter Geschäftsführer aufgehoben, sie behält die Eigentümerfunktion.

Bleibt die Frage nach den Gründen. „Ich habe all mein Herzblut hineingesteckt“, sagt sie, „aber jetzt brauche ich Abstand. In meinem Alter werden solche Gedanken wichtiger.“ 15 Jahre durcharbeiten, das war anstrengend. Einen einzigen Krankenstandstag habe sie sich gegönnt, trotz Kind und Familie. Nervenaufreibend war das. Es ging an die Substanz. Sie brauche „ein bisschen Luft“. Das werde auch der Firma guttun. „Man muss wissen, wann es genug ist.“

Loslassen und zurücklehnen

Jetzt gönne sie sich eine Überlegungsphase. Treffe viele Menschen („am liebsten solche, die out of the box denken“), höre sich deren Gedanken an. Sie kenne sich gut genug, dass diese Phase nicht allzu lang dauern werde, „nicht bei meiner Persönlichkeitsstruktur“, sagt sie, ganz Personalberaterin. Und dann gäbe es ja noch ihre Zeitarbeitsfirma LP Experts und die von ihr initiierte Managerinnendatenbank Female Experts.

Gerade lerne sie, was sie sich als Chefin nie leisten konnte: loslassen. So leicht sei das gar nicht. Entscheidungen fielen nun ohne sie. Einer ihrer Geschäftsführer habe augenblicklich den Telefonanbieter gewechselt, erzählt sie. „Das war ein komisches Gefühl. Ich wäre nie auf die Idee gekommen.“ Sie schluckte, nahm es zur Kenntnis – und lehnte sich zurück. So werde das jetzt immer sein.

Lindlbauer war 20 Jahre alt, als es sie von Linz nach Wien zog. Fast ist sie stolz darauf, nicht studiert zu haben: „Meine Assistentin und ich waren die einzigen Nichtakademiker im Unternehmen.“ Nach der Matura ging sie als Animateurin zum Club Med, „das hat mich geprägt.“ In Wien rutschte sie in die Immobilienbranche und verkaufte Häuser, „mit Herz und Seele. Ich bin eine Vertriebspersönlichkeit. Ich mag das.“ Ihre Vorgesetzten mochten sie weniger, ihr wurde gekündigt: „Ich war wohl zu wenig Mainstream. Zu direkt, zu wenig obrigkeitshörig.“

Kein Verständnis für Nichtstun

Dasselbe hörte sie im nächsten Job als Marketingassistentin. Der Zufall führte sie zur Zeitarbeit, ins Gründerteam der heimischen Manpower-Gruppe. „Es hat gar nicht in mein Konzept gepasst. Aber ich dachte, bevor ich arbeitslos bin, mache ich das.“

Für Nichtstun habe sie nämlich überhaupt kein Verständnis: „Viele reden sich schön, wie schwierig die Wirtschaft ist. Die Firmen sind schuld, dass sie keinen Job finden. Oder die Politik. Oder die EU. Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder, der einen Job will, auch einen findet. Bis auf eine wirklich kleine Gruppe, die es tatsächlich nicht in der Hand hat.“

Auch das Intermezzo in der Zeitarbeit währte nicht lang. Dieselben Gründe: „Ich habe nicht hineingepasst.“ Nunmehr HR-fit, bewarb sie sich bei großen Personalberatungen – und blitzte ab: „Ich kam aus der Zeitarbeit. Das war unter deren Niveau.“

Hätte man sie engagiert, sie hätte sich wohl nie selbstständig gemacht. Am Küchentisch gründete sie ihre Personalberatung. Die ersten Gespräche führte sie im Café Landtmann: „Die Kellner waren damals mein soziales Netz.“

Was die Personalberater nicht anerkannten, akzeptierte der Markt sofort: In kurzer Zeit etablierte sie sich, eröffnete ein Büro in der Wiener City und ein zweites in Linz. Nun war sie in ihrem Element, verkaufte und netzwerkte von früh bis spät. Die Personalberatung wuchs, wegen der stetigen Nachfrage bald auch die Zweitfirma für Zeitarbeit. Dass sie auch am 23. Dezember bis elf Uhr nachts im Büro sitzen musste, nahm sie als selbstverständlichen Preis für den Erfolg.

Zeit für eine Pause

Sie habe gutes Geld verdient, sagt Lindlbauer. Sie scheue sich auch nicht, darüber zu sprechen. Geld sei wichtig, denn es ermögliche ihr den Luxus, sich dank ihrer Geschäftsführer nun die Freiheit zu erkaufen. Ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen. Denn, findet sie: „Das habe ich mir verdient.“

 

ZUR PERSON

Manuela Lindlbauer (46) zieht sich aus der operativen Geschäftsführung ihrer 2002 gegründeten Lindlpower Personalberatung auf ihre Eigentümerfunktion zurück. Sie gönnt sich eine Pause, in der sie sich auch ihrem 2012 gegründeten Zeitarbeitsunternehmen LP Experts und der von ihr initiierte Managerinnendatenbank Female Capital widmen wird. Die Linzerin zog mit 20 Jahren nach Wien, wo sie erst nach einigen Anstellungsverhältnissen ihre Talente für Verkaufen und Netzwerken ausleben konnte.


[O12PZ]

(Print-Ausgabe, 02.12.2017)

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