Lebensstile: Was bedeutet Glück?

Was macht Menschen wirklich glücklich? Das Zukunftsinstitut hat 18 zeitgeistige Lebensstile identifiziert. Jeder von ihnen jagt anderen Dingen nach.

Pixabay

1. Digital-Kreative. Früher nannte man sie Nerds, weil sie so in Technologie verliebt waren. Heute wissen sie, dass man gemeinsam weniger einsam ist. Ihre Freunde sind zumindest virtuell immer dabei. Wissen erwerben zu dürfen, macht sie wirklich, wirklich froh. Natürlich nicht jedes (sorry, Lehrer), sondern das, das sie interessiert. Ihr Lebensziel ist der „Serendipity-Moment“, eine unerwartete Entdeckung, die den großen Durchbruch bringt.

Pixabay

2. Neo-Hippies. Leistung ist egal. Viel wichtiger ist, das Leben auszukosten. Wer ihre Insta-Chronik verfolgt, staunt über die endlose Aneinanderreihung von Full-Moon-Partys, Kleidertausch-Happenings (Neo-Hippies sind Treiber der Sharing-Kultur) und kollektivem „Superbowl“- oder „Game of Thrones“-Schauen. Nichts fürchten Neo-Hippies mehr als allein zu sein. Glücklich ist, wer seine „Mädels“ oder „Bros“ hinter sich weiß. Sie geben Halt und Orientierung.

Pixabay

3. Proll-Professionals. „Bizeps und Botox“ beschreibt sie gut, auch Lebenslust und Luxus. Selbst wenn sie sich den gar nicht leisten können. Proll-Professionals wollen gesehen werden. Beachtung macht sie glücklich. Und eine Stellung in der Gesellschaft. Ihr Drang nach oben treibt sie auch im Job an. Wenn man sich nur genug anstrengt, denken sie, erreicht man alles.

Pixabay

4. Partyhopper. Ihre Mission heißt „Ich“. Wie verwirkliche ich mich – individuell und autonom (wie sie meinen), egoistisch und rücksichtslos (wie manch anderer meint)? Partyhopper sind Einzelgänger mit Groupies. Sie lieben das Risiko, den anonym-urbanen Raum und die Polygamie. Was sie richtig glücklich macht: auf Instagram oder Snapchat einen neuen Trend zu setzen. Die Arbeitswelt interessiert sie weniger.

Pixabay

5. Self-Balancer. Was tut mir gut? Yoga, selbstverständlich. Gesundheit ist wichtig. Der Job muss ein ausgewogenes Leben ermöglichen. Self-Balancer sind meist Wissensarbeiter, die sich mit einem einfachen, fast bescheidenen Lebensstil zufriedengeben. Glück heißt, mit sich selbst in Harmonie zu leben.

Pixabay

6. Vorwärtsmacher. Karriere machen. Weiterkommen. Erfolg haben. Auf den ersten Blick wirken Vorwärtsmacher (jung, selbstbewusst, bestausgebildet) wie knallharte Karrieristen. Personalisten lieben sie, sofern sie mit ihrem Eigensinn und ihrer Abneigung gegen Bürokratie umgehen können. Doch Vorwärtsmacher wollen mehr: Leistung steht für sie gleichwertig mit sozialem Engagement und Selbstentfaltung. Womit wir wissen, was sie glücklich macht: etwas bewegen zu können.

Pixabay

7. Moderne Nomaden. Durch die Welt ziehen und remote Projekte abarbeiten: Moderne Nomaden sind auftragsloyal und verlässlich, schon deshalb, weil sie sonst keine Folgeaufträge bekommen. Ihre Freundschaften schließen sie real auf dem Flughafen, auf dem Markt, im Tempel, und pflegen sie virtuell. Glück heißt, eine Couch (oder Hängematte) zum Schlafen zu haben und sich als wahrer Weltbürger zu fühlen. Mit 20 ist das großartig, mit 30 auch noch (das erste Baby ist im Tragetuch dabei). Ab Ende 30 fällt eine gewisse Rastlosigkeit auf. Dann hat man verlernt, Verbundenheit einzugehen. Auch dem Arbeitgeber gegenüber.

Pixabay

8. Mainstreamer. Bloß nicht auffallen. Mitlaufen. Sicher und geborgen in der Mitte der Gesellschaft zu leben, macht sie richtig glücklich. Mainstreamer haben den unverhohlenen Wunsch nach Durchschnittlichkeit. Das macht sie für Unternehmen interessant, weil sie sorgfältig wählen, welchen Trends sie nachlaufen (bloß kein Risiko). Sie sind ideale Barometer für Massenströmungen. Und auch sonst wunderbar angepasst.

Pixabay

9. Multiperformer. Glück ist, etwas aus sich gemacht zu haben. Erfolgreich, geachtet und anerkannt zu sein. Bei Multiperformern steht der Beruf im Mittelpunkt (selbst wenn sie Kinder haben). Sie lieben ihre Arbeit, trennen nicht zwischen Beruf und Freizeit, sind ehrgeizig und übernehmen gern Verantwortung. Kurz: die geborenen Manager. Dank angemessener Entlohnung erlauben sie sich manch kleinen oder großen Luxus.

Pixabay

10. Progressive Eltern. Selbstverständlich die berufliche Leistung erbringen und ein erfülltes Familienleben führen: In beidem leben progressive Eltern konsequent ihre Vorstellung von Gleichberechtigung. Rollenklischees sind ihnen ein Gräuel. Das macht sie zu manchmal unbequemen Mitarbeitern. Ihre Taten aber verändern die Gesellschaft mehr als Worte.

Pixabay

11. Neo-Biedermeier. My home is my castle. Neo-Biedermeier besinnen sich auf das kleine Glück. Die Familie ist das Wichtigste auf der Welt. Frauen (sie machen zwei Drittel der Gruppe aus) stecken beruflich gern zurück, wenn es Mann und Kindern nützt. Auch sonst leben sie die schönen alten Werte des Biedermeiers. Zum Wohlgefallen ihrer Arbeitgeber sind sie fleißig, ehrlich, treu und bescheiden. Wenn sie auch noch einen sicheren Job haben und ein sicheres Heim, ist ihre Welt in Ordnung.

Pixabay

12. Urban Matchas. Insektenburger, Algencocktails und Schoko-Kebabs: Urban Matchas (sechs von zehn sind Damen) trendsetten fröhlich – und immer ein bisschen jünger gestylt, als sie sind – durchs Leben. Die Stadt ist ihr Revier. Sie probieren alles aus und zählen überall zu den Vorreitern. Obwohl gut gebildet, ist Karriere sekundär. Familie auch. Lieber verbringen sie ihre Zeit mit der gleichgesinnten Community. Was sie richtig froh macht, ist der heiße Hauch der Selbstverwirklichung.

Pixabay

13. Sinn-Karrieristen. Erfolg, das sind nicht Geld, Macht und Besitz, sondern immaterielle Werte. Sinn-Karrieristen verzichten gern auf Überfluss und alles, was Mutter Erde schadet. Sie arbeiten lieber ehrenamtlich in einer NGO als hoch bezahlt im Großkonzern. Ihr Herz schlägt für eine gesunde Umwelt und ein soziales Miteinander. Glück empfinden sie, wenn sie Antworten auf die Wie-, Was- und Warum-Fragen finden. Sinn eben.

Pixabay

14. Gutbürger. Die Welt im Kleinen verbessern: Täte das jeder, ginge es allen besser. Gutbürger sind jene 68er im Geiste, die nie auf die Barrikaden stiegen. Die heute in Strickjacke und Filzpatschen am Kamin ihre Zeitung lesen (manche sogar digital), nachhaltige Produkte kaufen, sich für eine gesunde Umwelt einsetzen und für Unterdrückte und Ausgebeutete. Einst eine Nische, ist ihre Grassroot-Bewegung heute ein Mainstream, der gut in NGO und politische Parteien passt. Was sie glücklich macht: die Früchte ihres Engagements zu sehen.

Pixabay

15. Free Ager. Sie haben schon viel erlebt. Die pragmatisch-gelassene Grundhaltung der Free Ager speist sich aus Lebenserfahrung, vielleicht sogar Weisheit. Altern ist kein Problem, sondern eine Chance. Statt pseudojugendlich, pseudocool und pseudofit wollen sie einfach nur neugierig, aufgeschlossen und zufrieden in die nächste Lebensphase schreiten. Für Arbeitgeber sind sie perfekte Role Models der künftigen demografischen Realität einer mehrheitlich reifen Gesellschaft. Was Free Ager froh macht: respektiert zu werden.

Pixabay

16. Nervösbürger. Rückwärtsgewandt, veränderungsunwillig und skeptisch: Die Lebensläufe von Nervösbürgern sind linear und frei von Überraschungen. Disziplin, Beständigkeit und Pflichtbewusstsein machen sie zu unauffälligen Stützen jedes Arbeitgebers (sofern er kein Innovator ist). Mehr als alles andere wünschen sich Nervösbürger die geordnete Welt von früher zurück. Ihr zentrales Streben gilt der Sicherheit – was sie zur leichten Beute jedes Versicherungsvertreters macht.

Pixabay

17. Golden Mentors. Mit 65 in Pension gehen? Bloß nicht. Golden Mentors wollen keinesfalls den Anschluss verlieren. Sie wollen ihr Wissen und ihre Perspektiven weitergeben und ihr Unternehmen vor Fallen bewahren, in die sie selbst getappt sind. Lebenslanges Lernen ist wichtig, weshalb man sie in der Pension oft an der Uni antrifft. Trotz aller Leistungswilligkeit finden sie ihr wahres Glück woanders: bei der Familie, besonders bei den Enkerln.

Pixabay

18. Forever Youngsters. Fitness zur Religion erhoben: Dem Stigma des Altseins entkommt man am besten durch eine gesunde, jugendliche Ausstrahlung. Also optimieren Forever Youngsters, was nur geht. Sie sind Experten in Gesundheitsfragen und eifrige Konsumenten von Anti-Aging-Präparaten, Nahrungsergänzungsmitteln und Wellnessurlauben. Letztere weniger zwecks sinnlichem Genuss, sondern zur spaßfreien Selbstoptimierung. Was sie wirklich glücklich macht, kostet ganz wenig: ein Kompliment über ihr jugendliches Aussehen.

Pixabay

Jeder dieser 18 Lebensstile hat seine Zeit. Die Tabelle zeigt, in welche Altersgruppe er am besten passt. Haben Sie sich darin schon wiedergefunden?

Kommentar zu Artikel:

Was macht Menschen wirklich glücklich?

Schließen

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.