Auf der Jagd nach dem Entrepreneurship-Gen

Unternehmertum. Wird man zum Entrepreneur geboren? Oder lernt man es? Die Wissenschaft sieht eine genetische Prädisposition, die von der Umwelt ausgeformt wird. Oder unterdrückt.

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Die Brüder Richard und Maurice McDonald hatten wirklich gute Ideen: wie man Hamburger rationell zubereitet, wie Selbstbedienung teuren Service spart. Ihr Schnellimbiss florierte, es ging ihnen gut. Mehr wollten sie nicht. Da trat der Milkshake-Mixer-Verkäufer Ray Kroc auf den Plan, erkannte das Potenzial, kaufte den Brüdern die Rechte ab und skalierte das Konzept. Heute scheffeln weltweit 37.000 McDonald's-Filialen Millionen.

Richard und Maurice McDonald waren Innovatoren, Ray Crok war ein Entrepreneur. Genau die stehen derzeit hoch im Kurs. Das Land braucht Menschen, die Chancen erkennen, Risken eingehen, Unternehmen großziehen. Das ist mehr, als sie „nur“ zu verwalten.

Nikolaus Franke, Akademischer Leiter des Professional MBA Entrepreneurship & Innovation an der WU Executive Academy, definiert diese als wichtigste Eigenschaften eines Entrepreneurs:

Risikoakzeptanz.

Geht vernünftig mit Risiko um, kann es kalkulieren und eingehen, wenn die Chance größer als die Gefahr ist.

Kreativität.

Erkennt Geschäftsideen, erschafft Neues.

► Leistungsmotivation.

Zieht Befriedigung aus seinem Werk, will Fußabdrücke hinterlassen.

Unabhängigkeit.

Trifft gern Entscheidungen, trägt Verantwortung, ordnet sich ungern unter.

Ambiguitätstoleranz.

Kommt mit Unsicherheit zurecht.

Leadership.

Kann andere mitnehmen, begeistern, gegen Widerstand überzeugen.

Solche Entrepreneure bildet Franke aus. Seine Schlüsselfrage: Gibt es ein Gen für Entrepreneurship, oder ist alles lernbar?

„Wenn ich 100 meiner Studenten frage, ob zumindest einer ihrer Elternteile selbstständig ist, heben mehr als die Hälfte die Hand“, erzählt er. In Österreich beträgt die Selbstständigenquote aber nur neun Prozent. Eine Systematik ist also erkennbar, aber für diese Häufung in der Ausbildungswahl können sowohl die Gene als auch das Rollenvorbild der Eltern verantwortlich sein.

Eine bessere Antwort gaben Zwillingsstudien. Hier wird analysiert, ob von eineiigen Zwillingen mit identischem Genmaterial beide Entrepreneure werden – oder nicht. Ist diese Übereinstimmung höher als bei zweieiigen Zwillingen, sind wohl die Gene der Grund. Denn wenn beide Zwillingstypen bei ihren Eltern aufwachsen, kann man unterschiedliche Rollenvorbilder als Ursache ausschließen.

Das Ausmaß der genetischen Prädisposition drückt der Heritabilitätswert aus. Ein Wert von eins besagt, dass eine Eigenschaft vollständig in den Genen angelegt ist, ein Wert von null, dass ausschließlich Umwelteinflüsse wirken.

WU Prof Nikolaus Franke
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WU Prof Nikolaus Franke
© Stephan Huger

Frankes Ergebnis: Je nach untersuchter Entrepreneurship-Eigenschaft lag der Heritabilitätswert zwischen 0,4 und 0,6. „Die Erbanlagen spielen also tatsächlich eine große Rolle“, interpretiert Franke. Ein Entrepreneurship-Gen per se gibt es jedoch nicht. Die Genstruktur prägt Fähigkeiten (wie Intelligenz) und Eigenschaften (wie Risikoakzeptanz), und diese wiederum prägt die Wahrscheinlichkeit, unternehmerisch aktiv zu werden. Genetisch angelegt ist jedoch nur ein Teil des Potenzials. Ob es realisiert wird, hängt von der Umwelt ab.

„Rät diese einem Talent ab, sich unternehmerisch zu betätigen, geht es verloren“, bedauert Franke. Sein Appell: Will Österreich mehr Entrepreneure, muss es das Potenzial besser ausschöpfen als bisher. Und das beginnt nicht erst an der Uni.

Zur Person

Nikolaus Franke (51) ist akademischer Leiter des Professional MBA Entrepreneurship & Innovation der WU Executive Academy, Leiter des Instituts für Entrepreneurship & Innovation an der Wirtschaftsuniversität Wien, des WU Gründungszentrums und der WU User Innovation Research Initiative.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2018)

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