Am Image arbeiten heißt unkonventionell sein

Während Jobs, die mit Cybersecurity zu tun haben, hoch im Kurs sind, leiden Aufgaben im Objekt- und Personenschutz an schlechtem Image. G4S–Chef Matthias Wechner nennt Wege, wie das Image besser werden soll.

Die Presse: Sicherheit ist begehrt. Und doch gibt es Unterschiede: Geht es um Cybersicherheit, haben die Jobs ein gutes Image. Geht es um Personen- und Objektschutz, nicht. Für beide Bereiche ist es schwer, Mitarbeiter zu finden. Warum?

Matthias Wechner: Ich finde Sicherheit als Thema, als Branche, als Arbeitsplatz durchaus sexy. Doch es stimmt, es gibt Diskrepanzen. Wenn man von Cybersecurity spricht, ist meist unklar, was genau gemeint ist. Im Gegensatz zu Objekt- und Personenschutz. Prinzipiell: Sicherheit ist eine Emotion und schwer objektivierbar.

Woran liegt es, dass das Image nicht so gut ist?

Bewachung ist behaftet mit alten Rollenbildern. Das Bild des Bewachungsmitarbeiters hat sich in der Wahrnehmung nicht so schnell weiterentwickelt wie die Aufgaben, die heute zu erledigen sind. Die reichen bis in den Intelligence-Bereich hinein – und da reden wir noch nicht von IT-Sicherheit. Die Iran- und Syrien-Gespräche in Wien wurden von unseren Mitarbeitern gemeinsam mit der Exekutive gesichert. In Skandinavien und im angloamerikanischen Raum ist Sicherheit ein emotional sehr hochwertiges Gut, weil leider schon sehr viel passiert ist. Und ja, wir haben Mitarbeiter, die am unteren Ende der österreichischen Gehaltsskala angesiedelt sind und dennoch einen bestimmten Ausbildungsgrad und Sprachkenntnisse haben müssen, um etwa bei kritischen Infrastrukturen tätig sein zu können.

Wie lässt sich das Image verbessern?

Erstens müssen wir in Vorlage gehen und in unsere Mitarbeiter, also unsere Qualität, investieren. Zweitens brauchen wir Rahmenbedingungen. Ich hoffe auf die neue Bundesregierung, für die Sicherheitspolitik ein Schwerpunkt zu sein scheint, darauf, dass sie die rechtlichen Grundlagen für Mitarbeit und Ausbildung schafft.

Das ist in der Vergangenheit bereits mehrmals in Regierungsprogrammen gestanden, trotzdem sind wir wohl das einzige Land in Europa, in dem das Thema nicht geregelt ist. Neue Mitarbeiter werden nur ein einziges Mal vor Dienstantritt von der Behörde sicherheitsüberprüft. Was danach in den nächsten Jahren passiert – etwa eine Radikalisierung – bleibt völlig unbemerkt.

Was wünschen Sie sich von der Regierung?

Verbindliche Regeln mit Augenmaß und Blick auf diese Branche. Wir müssen Mitarbeiter nicht wie Polizeibeamte ausbilden, aber sie müssen handlungssicher sein und wissen, was sie tun dürfen. Und wir brauchen regelmäßige Sicherheitsüberprüfungen, etwa alle zwei Jahre. Gerade in Zeiten von Terror und Radikalisierung ist das wichtig.

Sie geben Ihren Mitarbeitern eine Basisschulung und bilden sie modular weiter. Doch Ausbildung allein ist offenbar nicht die Lösung. Polizei und Justizwache suchen ebenfalls. Was fehlt?

Employer Branding. Doch das braucht Zeit. Wir haben das als Branche lange Zeit versäumt, weil Mitarbeitergewinnung leicht war. Jetzt suchen wir Personal, das wir nicht bekommen. Umgekehrt haben wir in Österreich genug Menschen, die arbeiten wollen und sich auch für diese Aufgaben eignen.

Die Frage ist: Wie wird man ein attraktiver Arbeitgeber?

Durch Kommunikation nach außen zum Arbeitsmarkt und nach innen. Alle Mitarbeiter kennen Leute, die Arbeit suchen. Und es gibt keine bessere Werbung, als wenn ein Mitarbeiter sagt: „Schau, das ist ein tolles Unternehmen mit spannenden Aufgaben und fairer Bezahlung.“ Es braucht gut ausgebildete Führungskräfte, die auch interkulturelle Aspekte abdecken.

Doch bislang leidet die Branche an notorisch hoher Fluktuation.

Bindung kommt ganz stark über Kommunikation zustande. Nur über den Lohnzettel – der zweifellos wichtig ist – zu kommunizieren, ist zu wenig. Mit einer Initiative namens „Wechners Woche“ informiere ich die Mitarbeiter jeden Freitag persönlich über das, was ich tue und was sich im Unternehmen tut. Es braucht unkonventionelle Ideen: Ich habe nach langem Überlegen beim ORF-Format „Undercover Boss“ mitgemacht: Um unsere tollen Mitarbeiter vor den Vorhang zu holen und als Werbung für die vielen Berufsbilder im Unternehmen. Ganz wichtig: Employer Branding darf kein starres System sein. Als Dienstleister müssen wir bereit sein, uns schnell und laufend zu verändern.

Zur Person

Matthias Wechner (40) ist Chef von G4S Secure Solutions, dem größten Sicherheitsunternehmen des heimischen Markts. Der Tiroler ist promovierter Jurist, arbeitete am Verwaltungsgerichtshof, im Verteidigungs- und Innenministerium und kam 2008 zu G4S, dessen Alleinvorstand er seit 2011 ist.

[O490R]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.01.2018)

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