Bullshit-Bingo: Die beliebtesten Management-Phrasen

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Seit mehr als drei Jahren zieht Michael Köttritsch beliebte Management-Phrasen durch den Kakao. Hier ist das "Best-of" seiner Kolumnen. Alle Sprechblasen auf einen Blick finden Sie hier.

(c) Pexels
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Helikopterperspektive
Ganz schön abgehoben. Warum die Helikopterperspektive abgehoben ist.

Da sitzt man eben noch am Besprechungstisch, und schon wird er wahr – der Traum vom Fliegen. „Gehen wir gemeinsam in die Helikopterperspektive“, sagt das Gegenüber. Na dann, guten Flug.

Von oben sehen die Dinge immer ein bisschen anders aus: mehr Überblick, doch Distanzen erscheinen verzerrt. Wer schon einmal aus dem Helikopter oder von einem Berggipfel hinuntergeschaut hat, weiß das. Wer aus der Helikopterperspektive blickt, muss aufpassen, nicht von oben herab auf die Dinge zu schauen. Etwas bescheidener erscheint eine andere Phrase: einen Schritt zurücktreten.

Aber wenn wir schon von abgehobenen Dingen sprechen: Viel ist von den Helikoptereltern, die wie ein Gottseibeiuns über ihren Kindern rotieren, alle Probleme und Schwierigkeiten vorhersehen und vorauseilend ausräumen, die Rede. Die Kinder sind schnell daran gewöhnt, und in den Unternehmen – so hat es Dieter Rappold, Chef der Agentur Vi Knallgrau, kürzlich formuliert – geht die Sorge um, dass sie nach den Helikoptereltern auch Helikopterunternehmen verlangen. Auch diese Forderung scheint ganz schön abgehoben.

(c) Pixabay
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"Hallo von meiner Seite"
Kein Ding für Angela Merkel. Warum ein "Hallo von meiner Seite" wenig freut.

Sie sind tückisch, diese sprachlichen Bilder: Wer mit ihnen Geschichten erzählt, sagt (un-)gewollt mehr. Wer etwa von der einen und der anderen Seite spricht, dem sind Unterschiede und Abgrenzungen wichtig. Wie bei der Münze: Ihre Seiten sind fix verbunden, mögen sich aber nicht – einerseits Kopf, andererseits Zahl.

Der Klassiker: Zwei Personen präsentieren. Eine beginnt, die andere ist später am Wort. Und da zu Beginn nichts Verbindendes gesagt wurde, folgt eine Sprechblase: „Hallo auch von meiner Seite.“ Das grenzt ab.

Es ist seltsam, was es mit der „Seite“ auf sich hat: An jemandes Seite zu gehen erklärt die Anatomie. Doch dass das Vergnügen auf meiner Seite liegt und die Freude auf meiner Seite ist? Internetseiten sind jedenfalls nicht gemeint.

Apropos Homepage: Auf uni-protokolle.de wurde diskutiert, ob es „Von meiner Seite her“ oder „Von meiner Seite aus spricht nichts dagegen“ heißt. Wie wäre es mit „Ich bin dafür“?

Dafür ist sicher auch Sowohl-als-auch-Kanzlerin Angela Merkel. Ein ausgrenzendes Entweder-oder ist ja nicht ihr Ding. Oder haben Sie sie je „Ein Hallo auch von meiner Seite“ sagen hören?

(c) APA/dpa/Michael Kappeler
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"Ich bin ganz bei Ihnen"
Ich bin ganz bei mir. Warum "Ich bin bei Ihnen" Angst einflößt.

Menschen mit Berührungsangst können gar nicht anders. Selbst wenn sie die Meinung des Gegenübers teilen und wenn sie einverstanden sind: Sie müssen dagegen sein. Denn sie müssen sich schützen. Schützen vor jener Sprechblase, die Zustimmung ausdrücken soll: „Da bin ich ganz bei Ihnen.“ Stellen Sie sich das einmal bildlich vor. Dieses Ganz-bei-Ihnen-Sein drückt mehr als bloß inhaltliche Tuchfühlung aus.

Trotzdem hört man das „Da bin ich ganz bei Ihnen“ ständig. Auch von Menschen, die über die unterschiedlichen Distanzzonen Bescheid wissen: öffentliche Distanz – rund vier Meter –, wenn wir am Strand das Badetuch auflegen. Soziale Distanz – bis zu vier Metern – auf dem Bahnsteig. Persönliche Distanz – zwischen einem halben und einem Meter, also der Armlängenabstand – im Gespräch mit Kollegen. Und Intimdistanz, sie ist selbsterklärend.

Was das Körperliche betrifft, haben wir das mit der Distanz verstanden. Doch sprachlich hapert es bei vielen. Sie sind weiterhin ständig bei den anderen. Manchmal wünscht man sich, sie würden, bevor sie bei jemandem anderen sind, erst einmal zu sich kommen.

(c) Pixabay
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"Handel ist Wandel"
Was sich reimt, ist gut. Wieso "Handel ist Wandel" von Pumuckl sein könnte.

Das wusste schon Pumuckl – wir erinnern uns: der kleine, barfüßige Kobold mit grüner Hose, gelbem Shirt (damals hieß das Leibchen) und rotem Haar, der nur für den Tischler Meister Eder sichtbar war. „Was sich reimt, ist gut.“ Wenn die gereimte, apodiktische Behauptung dann noch dazu nicht zu widerlegen ist, umso besser. Die Sprechblase „Handel ist Wandel“ – erfüllt alle diese Kriterien.

„Handel ist Wandel“ ist ein Spruch, der gern von Führungskräften benutzt wird, um die „andauernd notwendige Veränderungsbereitschaft in Handelsunternehmen in prägnante Worte zu fassen“, definiert „Gabler Wirtschaftslexikon“ diese Sprechblase.

Ja, richtig, der Handel ist in ständigem Wandel – wie wir in dieser Ausgabe beschreiben. Übrigens: So wie auch alle anderen Branchen.

Pumuckl hat nicht nur Belangloses wie „Pumuckl neckt, Pumuckl versteckt, niemand entdeckt“, sondern auch wirtschaftsbezogen gereimt: „Oh die Stunde sei gesegnet, wo ein Schlosser mir begegnet.“ Reimt sich, ist folglich gut. Und inhaltlich richtig – oder gibt es jemanden, der noch nie auf Handwerker gewartet hätte?

(c) ORF
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"Ich weiß nicht"
Ich weiß, dass ich vieles weiß. Warum "Ich weiß nicht" nur ein billiger Trick ist.

Führungskräften, von denen erwartet wird und die von sich selbst erwarten, alles zu wissen, ist es hoch anzurechnen, wenn wie mit ruhigem Gewissen mitunter sagen: "Ich weiß es nicht." Besonders dann, wenn sie neu in einer Führungsposition sind, wie in unserer Online-Serie "Ich bin der neue Boss" beschrieben.

Ein ähnlicher Satz hat sich im Führungskräfte-Sprachgebrauch schon vor längerer Zeit als Sprechblase eingebürgert. Ihm fehlt nur das "es". Er lautet: "Ich weiß nicht." Im Manager-Sprech ist er Teil einer strengen Choreografie: Zuerst wird eine beliebige Aussagte platziert. Dann folgt: "Ich weiß nicht", um danach auf elegische Weise das eigene, umfangreiche Wissen darzulegen.

Der billige Trick, um Aufmerksamkeit zu heischen, hat einen umgangssprachlichen Bruder und heißt "keine Ahnung". Er tritt nach demselben Schema in Aktion. Der missratene, gewaltbereite Neffe tritt gelegentlich als "Schlag-mich-tot" in Erscheinung. Wer bitte meint, was er da sagt? Und warum sagt, wer das sagt?
Dazu sagen auch Psychologen "ich weiß nicht" – um danach auf elegische Weise das eigene, umfangreiche Wissen darzulegen.

(c) Pixabay
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"Aus gegebenem Anlass"
Max hat richtig Mist gebaut. Warum „aus gegebenem Anlass“ heute passend ist.

Regelmäßig finden sie sich im Posteingang: Mails mit dem Betreff „Aus gegebenem Anlass“. Im Text findet sich dann so etwas Ähnliches wie „weisen wir darauf hin, dass . . .“

Ja, was wollen Führungskräfte ihren Mitarbeitern damit sagen? Dass es nicht schadet, gelegentlich das eigene Gewissen zu erforschen? Oder soll es via digitalen Zeigefinger daran erinnern, nur ja brav zu sein?

Zwei Effekte haben „Aus gegebenem Anlass“-Mails jedenfalls. Erstens: Sie sind eine Art Pauschalanschuldigung. Jeder Einzelne fragt sich mehr oder weniger pikiert: „Was habe ich damit zu tun?“ Zweitens: Sie sorgen für Gerüchte, wer denn wieder richtig Mist gebaut hat. Denn irgendetwas muss ja schließlich passiert sein, und da will ein Schuldiger gesucht und gefunden werden. Denn gäbe es keinen Anlass, könnte und würde nicht darauf hingewiesen werden.

Beide Nebenwirkungen erspart sich, wer entweder den Anlass beim Namen nennt oder ganz unaufgeregt schreibt: „Wir erinnern daran, dass . . .“

Übrigens: Der gegebene Anlass, die Worthülse „aus gegebenem Anlass“ zum Thema zu machen, ist die 100. Folge dieser Kolumne.

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"Entschleunigen"
Entschleunigt, aber schnell! Warum Entschleunigung sehr stressig sein kann.

Wann, wenn nicht jetzt in der Urlaubssaison ist Zeit zu entspannen? Oder wie das neuerdings heißt: zu entschleunigen. Eine wunderbare Sprechblase. Ein wunderbares Modewort, das die Ratgeberindustrie antreibt, ihr Arbeitstempo zu beschleunigen, um potenzielle Entschleunigungskandidaten mit Entschleunigungstipps zu versorgen.

Zum Beispiel: Nein sagen lernen, langsam gehen, bewusst zuhören. Klar. Aber auch zehn Sekunden auf die eigene Nasenspitze schauen. Das entspannt angeblich. Und damit man auf diese Entspannung nicht vergisst, wird geraten, sich alle 60 Minuten per Wecker oder Handyalarm daran zu erinnern. Entschleunigen kann ganz schön stressig sein.

Auch für Manager gibt es eine Reihe von Entschleunigungstipps. Sieben von ihnen hat Hill-Managerin Monika Kanatschnig zusammengestellt: auf ein Ziel konzentrieren, kontinuierlich arbeiten, klare Sprache wählen, Entscheidung treffen, Rituale entwickeln, Sicherheit geben und bei jeder passenden Gelegenheit lachen. All das macht das Unternehmen nicht langsamer, aber effektiver. Also in diesem Sinn: Entschleunigt, aber bitte ganz schnell!

(c) pexels
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"Briefen"
Urlaubsgrüße und Goethe. Warum Briefen viel zu oft eine langatmige Sache ist.

Jetzt haben die Postkarten wieder Saison. Zwischen 40 und 50.000 Stück stellt die Post täglich zu, mit denen die Adressaten peinlich genau über Anreise, Unterkunft, Verpflegung und vor allem Wetter informiert werden. Versehen mit (ganz) lieben/herzlichen/vielen/sonnigen Urlaubsgrüßen. Helga Ursula Libowski hat dazu sogar ein 64 Seiten starkes Buch verfasst: „Der kleine Urlaubskarten-Ratgeber“.

Nicht nur sommers, sondern das gesamte Jahr hindurch sind hingegen Briefe gefragt. Und natürlich auch das Briefen bzw. Briefings. Ursprünglich war es die kurze (brief!) Instruktion, damit der Gebriefte seinen Job erfüllen konnte. Doch dann verwandelte der Wichtigtuereffekt die kompakte Unterweisung in eine langatmige Dauerinformationsveranstaltung in Form elendslanger Zusammenfassungen und scheinbar endloser Besprechungen – und damit das Briefing zur Sprechblase.

Die Kurzversion – und das macht sie anstrengend – benötigt wesentlich mehr Konzentration. Frei nach Goethe heißt das für die Urlaubszeit: „Ich schreibe Dir einen langen Brief, weil ich keine Zeit habe, eine kurze Postkarte zu schreiben.“

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"Geld in die Hand nehmen"
Zärtliche Umarmung. Warum man besser kein Geld in die Hand nimmt.

Wenn heute jemand Geld in die Hand nimmt, handelt es sich dabei entweder um

a) einen Manager oder Politiker, der Geld (in einem Koffer) überreicht bekommt, um etwas (nicht) zu tun,

b) einen Manager, der keine Ahnung von bargeldlosem Zahlungsverkehr hat oder

c) einen Grieche am Bankschalter oder Bankomaten. Drei unerquickliche Fälle.

Trotzdem wird die „Geld in die Hand nehmen“-Sprechblase gern eingesetzt. Neu ist die Wendung nicht, sie findet sich spätestens seit Gottfried Kellers „Der grüne Heinrich“ in den 1850ern. Seit wann sie aber besonders oft bemüht wird? Seit die sogenannte Krise im vergangenen Jahrzehnt ausgebrochen ist. Seit damals ist viel davon die Rede, wo und worin man nicht investieren könnte.

Es klingt vor allem nach Tatkraft, wenn Dinge in die Hand genommen, also erledigt werden. Zudem birgt „Geld in die Hand nehmen“ beinahe wörtlich in sich, was heute von Führungskräften wie Mitarbeitern gefordert wird: Hands-on-Mentalität.

Passend, was der Exbanker und Rolls-Royce-Fan Jürgen Büch dazu meint: „Ein reicher Mann kann sein Geld in die Hand nehmen, nicht aber in den Arm.“

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"Mehrwert"
Für die Fans von St. Marx. Warum Mehrwert nichts über den Mehrwert sagt.

Natürlich gibt es wissenschaftliche Erklärungen, warum die Mehrwertsteuer im Sprachgebrauch so und nicht Umsatzsteuer heißt. Mitunter allerdings hat man das Gefühl, die Mehrwertsteuer sei deswegen eine der wichtigsten Einnahmequellen des Staates, weil so viele Produzenten und Dienstleister ihre Produkte und Dienstleistungen unaufhörlich unter Hinweis auf deren Mehrwert anpreisen. Das Mobiltelefon, die Schulung, der Haarschnitt: alles mit Mehrwert.

Was dabei stets verschwiegen wird, ist der Bezugs- und Vergleichspunkt: Mehr Wert als was, Mehrwert bezogen worauf?

Mit ihrem (angeblichen) Mehrwert preisen sich mittlerweile auch viele Jobsuchende potenziellen Arbeitgebern an. Nur Fans von Karl Marx denken dabei an dessen (heftig kritisierte) Mehrwerttheorie, mit der er den Ursprung des Unternehmergewinns aus der Ausbeutung der lohnabhängigen Arbeiter nachzuweisen versucht.

Wie auch immer. Angesichts der Temperaturen fragt sich heute ohnehin nur, ob der (Achtung, schlechter Wortwitz!) Urlaub am Meer einen Mehrwert gegenüber dem Ausflug zum heimischen Badesee hat.

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"Sich austauschen"
Du wechselst ins Marketing? Warum „sich austauschen“ das neue Reden ist.

Der Austauschhandel ist beliebter als gedacht. Menschen, die etwas zu sagen haben, ergingen schon immer in gepflegtem Meinungsaustausch. Davon profitierten beide. Ganz im Gegensatz dazu, die Meinung gegeigt zu bekommen.

Mittlerweile hat der Austauschhandel einen neuen Geschäftszweig, der auch all jenen offen steht, die keine Meinung haben. Entsprechend wird kaum mehr miteinander gesprochen oder gar diskutiert. Die neue Sprechblase der Kommunikation heißt: „Da muss ich mich noch mit xy austauschen.“ Immerhin: Dieses Austauschen funktioniert noch ganz gut, wenn es um Erfahrungen geht.

Oft wird der Austausch-Sager auch dann bemüht, wenn der Austausch weniger freundlich verläuft, er eine Anordnung oder Rüge zum Inhalt hat. Ja sogar für Beratungsgespräche wird er verwendet: „Da muss ich mich noch mit meinem Berater austauschen.“ Ein schlechter Tausch für den Berater: Er bekommt ein Problem und gibt dafür einen Rat . . .

Übrigens: Wenn eine Kollegin sagt, „ich tausche mich noch mit xy vom Marketing aus“, hat das nichts mit Job Rotation zu tun.

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"Das ist historisch gewachsen"
Achtung, Explosion! Warum historisch gewachsen wie Beton wirkt.

Die Formeln „Das war schon immer so“ und „Das haben wir schon immer so gemacht“ kommen in der viel beschworenen Dynamik des Wirtschaftslebens nicht gut an. Doch es gibt eine Ausweichvariante: „Das ist historisch gewachsen“. Diese Sprechblase hat Gewicht und beschämt: Hätte ich doch im Geschichtsunterricht besser aufgepasst.

Historisch gewachsen heißt, niemand kann mehr sagen, wie es dazu kam. Alle haben sich daran gewöhnt. Zwar ist kaum jemand restlos glücklich damit, aber die große Mehrheit ist sich (stillschweigend) einig, die Situation beizubehalten. Wer (als Führungskraft) trotzdem etwas verändern will, darf eben auch vor der Geschichte nicht haltmachen.

Zudem wirft historisch gewachsen die Frage auf, wie etwas anders als historisch wachsen kann. Selbst Organisationen oder Organismen, die exponentiell wachsen (geht das?), brauchten Zeit, um die aktuelle Größe zu erreichen. Mit anderen Worten: Auch sie haben ihre Geschichte, ihre Historie. Wachsen braucht eben Zeit.

Dass mitunter zu hören ist, etwas sei explosionsartig oder sprunghaft gewachsen, ist offenbar historisch gewachsener Sprachgebrauch.

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"Geht nicht, gibt's nicht"
"Quäl dich, du Sau". Warum "Geht nicht, gibt's nicht" nicht nur motiviert.

Weil gerade die Tour de France wieder rollt, eine kleine Motivation: „Quäl dich, du Sau“, schrie der deutsche Radprofi Udo Bölts 1997 seinen Teamkollegen Jan Ullrich auf der 18. Etappe an, um ihn (letztlich erfolgreich) zum Sieg zu treiben. Was Bölts sagen wollte: „Geht nicht, gibt's nicht!“ Mit anderen Worten: Leistung geht. Kreativität geht. Damit wird vielfach scheinbar Unmögliches möglich.

Die Sprechblase „Geht nicht, gibt's nicht“ wirkt zugleich als Totschlag-Phrase: Wer „Geht nicht, gibt's nicht“ zu hören bekommt, steht unweigerlich als fantasieloser Leistungsverweigerer da. Und wer will das schon.

Manchmal gibt's „Geht nicht“ doch. 2003 ging die Baumarkt-Kette Praktiker, die mit dem Slogan „Geht nicht, gibt's nicht“ geworben hatte, in Konkurs. Jens Korff erzählt in „Die dümmsten Sprüche aus Politik, Kultur und Wirtschaft“ von einem deutschen Konzern: Dessen Spitze sagte 1994 zu, in Saudiarabien in fünf Monaten eine Zementfabrik für 100 Millionen Mark zu errichten.

Ein „Geht nicht“ wollte man nicht hören. Ein Jahr und enorme Konventionalstrafen wegen des versäumten Termins später war der Konzern pleite.

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"Vision"
Wann beginnt die Zukunft? Warum wir Visionen oft schwer fassen können.

Die Parole wäre einfach: „Die Gegenwart gestalten!“ Doch wenige Führungskräfte bringen sie über die Lippen. Viele bemühen, wenn sie ihre Mitarbeiter bewegen wollen, lieber die Sprechblase: „Die Zukunft gestalten!“ Gern versehen mit dem Zusatz „aktiv“ – als würde „gestalten“ nicht genug Aktivität bedeuten.

„Die Zukunft (aktiv) gestalten“, klingt nach Weitblick und ist doch nur eine Sicherheitsvariante: Es bleibt unklar, wann diese Zukunft beginnt. Und die Parole verrät nichts über mittel- und langfristige Vorstellungen.

Dazu bedarf es nämlich einer Vision. Unangenehm, dass sich mit der Vision die nächste Sprechblase zu Wort meldet, die gern für alles und nichts (miss-)braucht wird. Dabei ist es so einfach, wie Managementberater Michael Hirt kürzlich in der „Presse“-Serie „7 Todsünden des Managements“ dargelegt hat: Im Unterschied zur Mission, dem Kernauftrag, beschreibt die Vision das Bild, wie die Welt aussieht, wenn ein Unternehmen seine Mission erfüllt hat. Die Vision gibt allen Beteiligten Klarheit über die großen Ziele, und sie sagt, bis wann sie umgesetzt werden sollen. Damit ist klar, wann die Zukunft beginnt: meistens in der Gegenwart.

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"Das Optimum optimieren"
Das Beste aller Zeiten. Warum selbst das Optimum optimiert wird.

Die Werbung zeigt uns vor, was wir wirklich zu wollen haben: Wir wollen das Beste. Natürlich und auch vollkommen zu Recht. Wir wollen das beste Netz zum Surfen und Telefonieren, das beste Eck vom Käse auf dem Teller oder das Beste oder nichts, wenn es um Fahrzeuge geht.

Die optimistischen unter den perfektionistischen Führungskräften lassen sich in ihrem Eifer zu einer ganz besonderen Sprechblase hinreißen: Sie versprechen, das Beste noch besser zu machen. Sie drücken es nicht nur ohrenfälliger, sondern geradezu optimal aus und sprechen davon, das „Optimum zu optimieren“.

Nein, es ist gar nichts dagegen einzuwenden, das schönste, größte, effektivste und effizienteste – kurz das bestmögliche Ding zu schaffen. Davon leben Wirtschaft und Gesellschaft.

Doch nur zu oft wird auch in diesem Zusammenhang versucht, die Kunden mit Phrasen einzulullen: Im Regelfall behaupten sie, im Zuge des Optimumoptimierens das Beste aller Zeiten destillieren zu wollen. Klingt gut, ist aber – trotz aller Bemühungen – vorerst vergebene Mühe. Denn wie will jemand vor dem Ende der Zeit wissen, was das Beste aller Zeiten war?

Wie auch immer: Eines haben die Optimumoptimierer jedenfalls längst erreicht: Dass das Beste für uns ganz normal geworden ist.

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"Synergieeffekte"
Wie der Schatz im Silbersee. Warum Synergieeffekte so schwer zu heben sind.

Das hat Aristoteles davon. Er hat in seiner Metaphysik Kompliziertes kompliziert ausgedrückt. In Erinnerung geblieben ist dennoch nur die Verknappung „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“

Ein Satz, der ganz offensichtlich weltweit inspiriert und dazu animiert, Teile zusammenzufügen. In der Hoffnung, dass eins plus eins mehr als zwei ergibt und Synergieeffekte gehoben werden können. (Richtig, sie werden „gehoben“ – wie ein Schatz.) Egal, ob Abteilungen zusammengelegt oder Konzerne verschmolzen werden, jedesmal schlägt die Stunde der Sprechblase „Synergieeffekte“. Als „sinnvoll“ und „positiv“ werden sie meist gelobt. Nur selten deuten die Unternehmenskommunikatoren in ihren Aussendungen an, worum es immer auch geht: um das Kostensparen.

In der Praxis sieht die Sache dann meist so aus: Erst werden die Synergiepotenziale bewertet. Es wird zusammengeführt und versucht, Synergieeffekte zu heben. Dann werden die einst Vermählten wieder geschieden: Man müsse Energien fokussieren, oder so ähnlich. Oder man hat sich mit den prognostizierten Synergieeffekten einfach überhoben.

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"Datenschieflage"
Ganz schräge Geschichte. Warum Datenschieflagen nichts Gutes verheißen.

Dass Dinge schiefgehen respektive schieflaufen können ist bekannt. Das kann und wird immer wieder passieren. Im Idealfall lässt sich aus den Fehlern lernen – abhängig von innerer Einstellung und/oder Unternehmenskultur.

Während in Deutschland vom Schiefstand gesprochen wird, wird hierzulande weniger gestanden als gelegen: Dinge liegen schief.

Schiffe geraten genauso in Schieflage wie das Bildungssystem oder die Arbeitswelt. Von finanzieller oder sozialer Schieflage ist die Rede. Neuerdings können sogar Preise in Schieflage geraten. Gemeint ist damit ein enttäuschendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ein wunderbares Beispiel für eine Sprechblase ist die Datenschieflage. Dieses Wort, das bislang nur einigen Datenbankexperten geläufig war, macht jetzt auch in anderen Kreisen die Runde – und bedeutet nichts anderes als Informationsdefizit oder: „Ups, das hätte ich Ihnen eigentlich sagen sollen.“ Doch das kommt selten so gut an wie: „Oh, hier handelt es sich offensichtlich um eine Datenschieflage.“

Wenn schon einmal die Daten schiefliegen, ist Vorsicht geboten: Da wird sicher noch einiges schiefgehen.

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"Das zahlt auf die Marke ein"
Ihr seid doch Erbsenzähler. Warum sich nicht alles auszahlt, was einzahlt.

Das Sparbuch hat es geschafft. Trotz Schlagzeilen um die Negativzinsen ist es wieder aus der Schusslinie. Es wird weiter – sofern vorhanden – Geld auf das Sparbuch gelegt. Oder anders gesagt: Es wird Geld eingezahlt. Einzahlung, so sagt die Betriebswirtschaftslehre, ist gleich Liquiditätszugang.

Niemand würde hingegen sagen: Dieses Geld zahlt auf mein Sparguthaben ein. Sehr wohl hingegen sagen Marketingleute: „Das zahlt auf das Image, das zahlt auf die Marke ein.“ Die Marke werde bekannter, beliebter, großartiger: Das hat etwas Altruistisches, Idealistisches, geradezu Heroisches. Und ist meist weder zu bestätigen noch zu leugnen, denn den Markenwert zu berechnen ist eine schwierige Aufgabe.

Doch um quantifizierbare Wertsteigerung geht es ohnehin nicht, wenn davon die Rede ist, dass etwas auf die Marke einzahlt. Vielmehr wird diese Sprechblase gern bemüht, um zu beruhigen, wenn andere das Gefühl nicht loswerden, Geld werde sinnlos verbraten, und sich fragen: „Können wir damit Geld verdienen?“ Wie unromantisch. Wie erbsenzählerisch. Nur weil irgendetwas auf etwas einzahlt, heißt das noch lang nicht, dass sich das auch auszahlt.

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"Evaluieren"
Mut kann man nicht kaufen. Warum Evaluierungen oft bloßes Zeitschinden sind.

Da nehmen Start-Upper wie etablierte Organisationen ihren ganzen Mut zusammen und probieren Neues. Begleitet von hohen Erwartungen. Die Sache läuft an – doch die Erwartungen erfüllen sich nicht. Was tun? Klar: evaluieren.

Was definitionsgemäß „sach- und fachgerecht beurteilen“ bedeutet, ist in der Praxis primär eine beliebte Methode, so viel Zeit wie möglich zu gewinnen. Eine böse Unterstellung? Gut möglich. Und wenn es eines eigenen Projektmanagements für die Evaluierung bedarf? Sehr wahrscheinlich.

Sicher ist, dass Evaluierungen sehr unterschiedlich angelegt sein können. Aussendungen verschiedenster Unternehmen und Institutionen zeigen, wie hierzulande evaluiert wird: laufend, kontinuierlich – das klingt vernünftig. Oder Evaluierungen sind: wissenschaftlich, ernsthaft, genau – ja wie denn sonst? Das lädt geradezu dazu ein, über das Gegenteil nachzudenken.

Anders geht der Finanzminister vor, wie er in einer Pressemitteilung verlauten ließ. Es sei seine Aufgabe, „durch Reformen intelligent zu sparen, Effizienzen in allen Bereichen zu steigern und Maßnahmen mutig zu evaluieren“. Also: nur Mut.

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"Arbeitgeber und -nehmer"
Die Macher sind gefragt. Warum Arbeitnehmer auch Arbeitgeber sind.

Früher war alles hierarchisch und direktiv: Die Gönnerhaften gaben Arbeit, die Bedürftigen nahmen sie – sehr altmodisch. Und heute? Menschen sind emanzipiert, sie begegnen einander auf Augenhöhe – sehr modern.

Begrifflich hat sich hingegen nichts verändert. Es gibt weiter (Achtung: Sprechblase!) Arbeitgeber und -nehmer. Zweitere führen die Arbeit(saufträge) hoffentlich auch ordentlich aus.

Klar, es gibt auch heute Menschen mit bahnbrechenden Ideen und revolutionären Erfindungen, die Menschen Arbeit geben, weil sie allein nicht alle Apple-Computer zusammenschrauben oder Facebook vorantreiben können.

Meist sind es die sogenannten Arbeitnehmer, die selbst Arbeitgeber sind, weil sie Dinge innerhalb ihres Jobs forcieren. Weil sie Aufträge lukrieren, Produkte und Dienstleistungen weiterentwickeln. Damit wird ihre Forderung an die Politik, Arbeitsplätze zu schaffen, eine Forderung an sich selbst.

Generell gilt bei der Arbeit: Die Macher sind gefragt. Doch auch hier ist auf die Feinheiten zu achten: Nicht schlecht, wenn sie die Arbeit machen. Ganz schlecht hingegen, wenn sie jemandem Arbeit machen.

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"Ergebnisorientiert"
Der Weg ist nicht das Ziel. Warum wir alle eh immer ergebnisorientiert sind.

Damit punkten Führungskräfte: Wenn sie sagen, wo es langgeht. Wenn sie sagen, was zu tun ist. Kurz: Sie punkten, wenn sie Orientierung geben.

Entsprechend wollen sie orientierte Mitarbeiter. Weniger problemorientiert als lösungsorientiert. Herausforderungen soll möglichst lösungsorientiert begegnet werden. Im Zweifel nicht lang überlegen, woher die Probleme kommen und nur ja nicht in „Problemtrance“ verfallen. Probleme sollten möglichst schnell vom Tisch. Egal wie, schließlich ist der Weg nicht das Ziel. Und ganz ehrlich: Zur Not findet sich immer ein Teppich, unter den das Problem gekehrt werden kann.

Noch besser als Lösungen aber sind Ergebnisse: Daher sollten Mitarbeiter vor allem – Achtung Sprechblase – ergebnisorientiert sein. Diese Eigenschaft, Ergebnisorientierung, wird gern in Jobausschreibungen genannt und von den zukünftigen Mitarbeitern verlangt. Schön. Doch berufliches Handeln ist in aller Regel immer auf ein konkretes Ergebnis ausgerichtet. Was also bitte macht ein Mitarbeiter, der nicht ergebnisorientiert ist? Er kann nicht einmal nichts tun. Denn sogar das brächte ein Ergebnis.

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"Ergebnisoffen"

Diese Partie ist geschoben. Warum ergebnisoffen nichts Gutes verheißt.

Favorit hin oder her: Vor einem Fußballspiel ist in der Regel unklar, wie die Begegnung enden wird. Es sei denn, sie ist geschoben. Dennoch wird kein Spieler jemals sagen: „Wir gehen ergebnisoffen in die Partie.“ Sportler wollen ein Ergebnis, das sie als Sieger zeigt. Und nicht nur Sportler wollen das. Im Geschäftsleben ist es ganz ähnlich: Wer Verhandlungen aufnimmt, will ebenfalls seine Interessen verwirklicht sehen. Selbst wer inhaltlich keine Vorstellungen hat, will am Ende zumindest souverän dastehen.

Interessanterweise werden viele Gespräche angeblich ergebnisoffen geführt – eine wunderbare Sprechblase. Als wäre das etwas Besonderes. Doch wer „ergebnisoffen“ sagt, meint damit tatsächlich: Ich rede zwar jetzt, aber ich will gar kein Ergebnis erzielen.

Paradoxerweise steht damit aber das Ergebnis erst recht fest: Es soll viel geredet, aber wenig gesagt werden. Greifbares soll nicht dabei herauskommen.

Wenn das Gegenüber erst einmal das Gefühl hat, betonen zu müssen, dass hier auch wirklich ergebnisoffen gesprochen wird, dann ist höchste Vorsicht angesagt. Und wenn es ein Fußballer sagt, dann erst recht.

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„Aus persönlichen Gründen“
Einfach sagen, was Sache ist. Warum aus persönlichen Gründen unpersönlich ist.

Immer diese Fragen: Warum man den Job verlasse, oder warum man nicht beim Abendtermin aufgekreuzt sei. Die gängige Begründung: „Aus persönlichen Gründen.“ Mit dieser Sprechblase ist das Gegenüber in der Bredouille: Es weiß nicht mehr als zuvor, und jede Nachfrage lässt es indiskret erscheinen. Gleichzeitig lädt „Aus persönlichen Gründen“ zu Spekulationen ein.

Allerdings: Wer sich auf persönliche Gründe beruft, hat immer recht. Jeder Grund ist persönlich. Oder hat jemals jemand aus unpersönlichen Gründen abgesagt oder aus unpersönlichen Gründen gekündigt?

Interessanterweise unterstützt die Ratgeberliteratur den „Aus persönlichen Gründen“-Schmäh. Etwa, wenn es darum geht, ein Jobangebot oder eine Einladung nicht anzunehmen.

Aus Loyalität werden oft persönliche Gründe genannt, wenn Arbeitsverträge (vorzeitig) beendet werden. Doch damit steigt der oder die Ausscheidende schlecht aus: Vielleicht waren doch Inkompetenz, Durchsetzungsschwäche oder Überforderung die wahren Gründe? Daher: Einfach sagen, was Sache ist. Das ist weniger unpersönlich, als persönliche Gründe vorzuschieben.

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„Da bin ich jetzt ganz leidenschaftslos.“
Einen Liter Herzblut, bitte. Warum Leidenschaftslosigkeit tief blicken lässt.

Da gibt ein Mitarbeiter sein ganzes Herzblut (Achtung: Sprechblase! Es existiert also Blut, das nur im Herzen blubbert?) für ein Thema hin. Er versucht alles, verausgabt sich, tüftelt leidenschaftlich.

Wie auch immer: Da gibt also jemand sein Herzblut für ein Thema hin, präsentiert es seiner Führungskraft, bietet sogar noch liebevoll erarbeitete Alternativen an, und als Antwort kommt die nächste Sprechblase: „Da bin ich jetzt ganz leidenschaftslos.“ Danke. Was bitte soll das heißen? Gängige Interpretationsmodelle sagen:

a) Ich habe keine Ahnung. Daher tue ich so, also stünde ich über den Dingen, um mein Gesicht zu wahren.

b) Ich kann sehr wohl unterscheiden, was wichtig ist. Dieses Thema ist unwichtig. Lasst mich in Ruhe und sekkiert, wollt ihr Feedback, jemanden anderen.

c) Das Thema ist mir egal. Oder auf gut Englisch: „It is all the same to me.“
Immerhin: Die Leidenschaftslosigkeit lässt einen (wenig erfreulichen) Spielraum offen. Der mit leiser Ironie ausgesprochene Satz „Da bin ich total tiefenentspannt“ hingegen nicht. Er bedeutet: Hier funktioniert nichts, ich bringe nichts zustande. Ist aber auch egal.“

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"Sie müssen sichtbarer werden"
Lichtfahrer sind sichtbarer. Warum sichtbarer zu werden bedrohlich ist.

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass Feedback zu geben keine schlechte Idee ist und der Motivation der Mitarbeiter eher nicht schadet.

Laufend Feedback zu geben – nicht nur in den turnusmäßigen Mitarbeitergesprächen – ist aber gar nicht so einfach und darüber hinaus Nährboden für viele Sprechblasen. Eine dieser beliebten Feedback-Sprechblasen-Phrasen lautet: „Sie müssen sichtbarer werden.“

Doch was heißt sichtbarer werden? Wer nicht sichtbar, also unsichtbar ist, existiert (für die Führungskraft) so gut wie nicht. Oder heißt sichtbarer werden: Sie sind zu wenig anwesend, weil Sie zu viel im Homeoffice oder zu viel unterwegs sind? Dann sollte ein klärendes Gespräch folgen.

Oder heißt das: Sie liefern schlechte oder gar keine Leistung? Dann müssen die Gründe auf den Tisch.

Oder heißt das: Sie inszenieren sich beim unternehmensinternen Jahrmarkt der Eitelkeiten zu wenig? Dann gilt es, den lichtvollen Auftritt zu üben. Im Straßenverkehr gilt schon länger: Lichtfahrer sind sichtbarer! Doch wenn nur es nur auf die Show ankommt, stellt sich die Frage: Arbeite ich im richtigen Unternehmen?

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"Sinnstiftend"
Macht einmal was sinnloses. Warum Sinnstiftendes maßlos überschätzt wird.

Arbeit muss Sinn stiften – das ist die Prämisse dieser Tage, wenn es um Jobs geht. Genau dieses Sinnstiften hat sich zu einer gewaltigen Sprechblase aufgebläht.

Im Vorstellungsgespräch muss noch der Kandidat erklären, warum der Job für ihn ach so sinnstiftend ist. Sonst wird es nichts mit der Einstellung. Später im Job sind die Führungskräfte gefordert, ihren Mitarbeitern Tätigkeiten als sinnstiftend zu verkaufen. Sonst steht es schlecht um die Motivation.

Doch wehe, jemand gesteht ehrlicherweise, die eigene Arbeit sei nicht sinnstiftend. Wer das sagt, wird rasch stigmatisiert. Verbunden mit dem Selbstvorwurf, unfähig zu sein, die Situation zu verändern oder einen passenden Job zu finden.

Tatsächlich ist die Antwort auf die Sinnsuche eine höchst individuelle Sache. „Der Sinn fällt nicht vom Himmel“, sagte Extrembergsteiger Reinhold Messner. „Ich selbst stifte Sinn, indem ich mir mein Tun wichtig mache.“ Und indem ich Unsinn zulasse, müsste der Nachsatz heißen. Denn wer eine andere Fehlerkultur fordert, der sollte noch heute damit beginnen, mitunter auch Unsinn zu stiften. Das könnte sich schon morgen als höchst sinnvoll erweisen.

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"Vollste Zufriedenheit"
Das ist reinster Unsinn. Warum nur vollste Zufriedenheit zählt.

Jungen Journalisten wird eingebläut: Es heißt „vergangene“ nicht „letzte“ Woche. Wäre es tatsächlich die letzte, könnte ja danach keine weitere mehr folgen.

Mit den Adjektiven gilt es, sorgfältig umzugehen. Besonders wenn es um die Steigerung geht: ein bisschen tot (okay, scheintot), ein bisschen lebendig, dreieckig, schriftlich, stumm, kinderlos, unvergleichbar, unilateral gibt es nicht. Ein bisschen mehr davon auch nicht.

Ein Tummelplatz der Adjektive sind Dienstzeugnisse. Die Zeugnisschreiber haben – mithilfe der Gerichte ("Würfle dir dein Dienstzeugnis selbst“)?– sogar die Grammatik weiterentwickelt. Was im normalen Sprachgebrauch nicht funktioniert, ist hier sogar vorgeschrieben: Wer mit einem Mitarbeiter sehr zufrieden war, muss „vollste Zufriedenheit“ schreiben.

Was die Zeugnisschreiber können, das wollen andere auch. Für sie reicht das Optimum (also das Beste) nicht aus, es kommt nur die optimalste Lösung infrage. Einflussfaktoren schreiben sie entscheidendste Bedeutung zu und ganz Übermütige hoffen immer noch auf die letzteste Alternative. Nur sie erfüllt sie mit vollster Zufriedenheit – das ist natürlich reinster Unsinn.

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"Offener Dialog"
Lieber mehr Konfrontation. Warum der offene Dialog klar überschätzt wird.

So sollen Dialoge sein: offen. Ganz egal, worum es geht. Ganz egal, wer an dem Zwiegespräch beteiligt ist. Ganz egal, wie miteinander gesprochen wird. Hauptsache offen. Das klingt nach Vertrauen, Ehrlichkeit und Freiheit von Hintergedanken. Wenn es nur so wäre. Tatsächlich ist der offene Dialog nichts anderes als eine wunderbare Sprechblase. Was wurde nur aus der gepflegten Konfrontation, die vielfach motivierender und befruchtender ist als Plauderton?

Wenn es offene Dialoge gibt, gibt es dann auch geschlossene Dialoge? Analog zu offenen und geschlossenen Fragen.

Sie wissen: Bei Ersteren darf der Gefragte erzählen, bei Zweiteren gefälligst nur Ja oder Nein sagen. Geschlossen sind sonntags die (meisten) Geschäfte. Geschlossen sind Fenster (neuerdings die windows of opportunity) und Gesellschaften. Anders als die O(H)G, die offene (Handels-)Gesellschaft. Geschlossen werden Verhandlungen und Verträge.

Offen hingegen ist die Straße bei einem Mord („auf offener Straße erschossen“). In Seenot geraten Menschen nur auf offener See, und nie steht der Schlagabtausch für sich allein: Auch er ist immer offen. Offensichtliche Erklärungen dafür fehlen.

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"Marktbegleiter"
Nennen wir ihn Feind. Warum Marktbegleiter doch Konkurrenten sind.

Es gab Zeiten, in denen die Konkurrenz noch Konkurrenz genannt wurde. Es hieß, „die Konkurrenz schläft nicht“, wenn man sie nicht ganz ernst nahm und sich im Vorteil wähnte.

Es hieß, „Konkurrenz belebt das Geschäft“, wenn die anderen einen Coup gelandet hatten und das eigene Team wachgerüttelt werden musste.

Dann kam die – grundsätzlich sehr zu begrüßende– Zeit der verbalen Abrüstung. Doch sie brachte auch Sprechblasen mit sich: Auf einmal hieß die Konkurrenz nicht mehr Konkurrenz, sondern Mitbewerb.
Auch das klang vielen zu feindlich, und aus dem Mitbewerber wurde der Marktbegleiter. Nun, Begleiter – etwa in der Ballsaison – haben üblicherweise andere Anforderungen zu erfüllen.

Der sprachliche Kuschelkurs hat vielleicht auch damit zu tun, dass viele damit rechnen, dem einstigen Marktbegleiter nach der nächsten Unternehmensfusion gegenüberzusitzen. Da will man vorher nicht unbedingt „Feind“ gesagt haben.

Allerdings: Bei Fusionen geht es meist darum, Synergieeffekte zu erzielen. Sie kosten meist irgendwen den Arbeitsplatz. Und plötzlich werden aus Marktbegleitern wieder Konkurrenten.

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"Powerfrau"
Wer will schon die Böse sein? Kolumne "Sprechblase". Warum Powerfrau kein schönes Kompliment ist.

Genau lässt es sich nicht sagen, wer das Wort Powerfrau kreiert hat. Vor gut 20 Jahren taucht der Begriff – wie viele weitere Anglizismen – erstmals in Österreich auf. Vermutlich war es ein Mann, der Power mit PS, Leistung und vielleicht sogar stromlinienförmigen Silhouetten assoziierte.

Seither sind intelligente, erfolgreiche und emanzipierte Frauen vor dieser Sprechblase, der Zuschreibung Powerfrau, nicht mehr sicher.

Scheinbar ist das „Frau“ in Powerfrau wichtig. Nach dem Motto: Wer hätte gedacht, dass eine Frau das alles zustande bringt? Anders bei Männern. Schon einmal vom Powermann gehört? Niemals!

Tatsächlich haben die als Powerfrauen Bezeichneten oft wenig Freude mit dieser Kategorisierung. Denn diese Kategorisierung konterkariert jede Emanzipation. Und diskriminiert jene Frauen, die viel ihrer Power in Job und Familie investieren.

Zudem steckt in Powerfrau nicht nur das durchaus positiv besetzte Wort „Energie“, sondern auch „Macht“. Die ist per se zwar nicht schlecht, ruft bei vielen das Bild der schmallippigen, unsympathischen Herrscherin wach. Und wer will schon gern die Böse sein?

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"Sei einfach authentisch!"
Du hast kein Hutgesicht. Warum wir auch ganz authentisch lügen können.

So muss man heute sein: egal, ob als Mitarbeiter oder Führungskraft, ob als Produkt oder Unternehmen. Sie alle müssen authentisch sein. Und ist es jemand oder etwas nicht, lässt der Zuruf „Sei einfach authentisch!“ nicht lang auf sich warten.

Da ist schon etwas dran. Wer authentisch ist, strahlt eine ganz besondere Wirkung aus. Denn als authentisch gilt jemand, besagt eine Definition, dessen Schein und Sein als übereinstimmend empfunden werden: Authentizität wird als Stimmigkeit erlebt – und gern mit Echtheit oder Ehrlichkeit verwechselt.

Tatsächlich sagt Authentizität wenig über die Qualität des Tuns aus: Jemand kann auch ganz authentisch lügen. Eine Person muss nicht unbedingt authentisch sein, wenn sie lügt. Doch sie bleibt immer sie selbst – und damit echt. Sie kann ja auch gar nicht anders.

Manche Situationen sind zwar zum Aus-der-Haut-Fahren, aus seiner Haut aber kann niemand.
Tatsächlich authentisch ist, wer in verschiedenen Situationen unterschiedliche Rollen übernehmen und sie ausfüllen kann. Oder modern gesagt: Man ist in der Lage, verschiedene Hüte aufzusetzen. Ganz gleich, ob man ein „Hutgesicht“ hat.

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"Commitment"
Soulmusik war ihr Leben. Warum Commitment nicht immer positiv ist.

Anfang der 1990er-Jahre begeisterte der Film „The Commitments“: Dubliner Jugendliche verschrieben sich ganz dem Soul und gründeten eine Band. Heute muss man nicht von der Soulmusik begeistert sein: Allem Möglichen kann man sich „committen“. Klingt nicht so banal wie: „Ich fühle mich meinem Arbeitgeber verpflichtet.“ Lieber also: „Ich habe mich committed.“

Der Führungskraft mag das als Idealfall erscheinen, führt Commitment doch zu größerem Eifer und höherer Leistung. Mitarbeiter mit affektivem Commitment identifizieren sich so stark, dass Erfolge und Misserfolge wie eigene erlebt werden.

Normativ Committete verinnerlichen die Unternehmenswerte und sehen sich moralisch verpflichtet, im Unternehmen zu bleiben.

Die Freude der Führungskraft schwindet, wenn sie an rational Committete denken: Diese Mitarbeiter müssen im Unternehmen bleiben, weil für sie die Kosten zu hoch sind, es zu verlassen. Keine berauschende Perspektive. Ungünstig auch, wenn jemand behauptet: „Dazu müssen wir uns erst committen.“ Dann wird die nötige Entscheidung auf unbestimmte Zeit verschoben.

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"Lernkurve"
Ein Hoch dem Kurvengeist. Warum die Lernkurve scheinbar immer steil ist.

Die Lernkurve ist steil, aber zu bewältigen.“ Das ist ja einmal eine Ansage. So wollen wir in das neue Jahr gehen. Mutig. Entschlossen. Leistungsbereit.
Der eingangs zitierte EU-Kommissar Günther Oettinger ist nicht der einzige Kurvengeist. Auch Manager unterziehen die Lernkurve gern der Kurvendiskussion: Die einen sehen ihre Organisation am Anfang der Lernkurve, anderen ist sie zu flach, wieder andere unterstellen, die Lernkurve fehle ganz.

Der Begriff Lernkurve ist eine wunderbare Sprechblase – sie klingt gut und kaum jemand verwendet sie korrekt. Lernkurve drückt das Verhältnis von Lernaufwand zum Lernergebnis aus. Daher kann sie flacher oder steiler sein: Menschen oder Organisationen lernen langsamer oder schneller.
Wer keine Lernkurve hat, lernt nichts – und das ist selten gut. Und bewältigt kann die Lernkurve auch nicht werden, spiegelt sie doch die aktuelle Situation wider. Es gilt, vorsichtig zu sein, nicht aus der Kurve zu fliegen.

Dabei sind Kurven aufregend, wie Dirigent Franz Welser-Möst in einem „Presse“-Interview sagte: „Wege sind manchmal kurvenreich, aber gerade die Kurven machen das Leben aus.“

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"Enden wollend"
Fragen wir das Jahr 2017. Warum „enden wollend“ freien Willen voraussetzt.

Das neue Arbeiten war im zu Ende gehenden Jahr 2017 ein großes Thema. Es wird uns ganz sicher auch 2018 begleiten. Einer der zentralen Punkte bei allen Modellen: Erbringen die Mitarbeiter die vereinbarte Leistung, und erzielen sie das gewünschte Ergebnis? Wie viele Freiheiten wagt man ihnen einzuräumen? Das hat mit Vertrauen zu tun. Und dem freien Willen, den man seinen Mitarbeitern zugesteht.

In der Theorie funktioniert das sehr gut. In der Praxis sind diese Gedanken noch nicht überall angekommen. Wenn es darum geht, das neue Arbeiten umzusetzen, ist die Begeisterung der Führungskräfte vielfach enden wollend.

Und das ist sie, die Sprechblase zum Jahresabschluss – (nicht) enden wollend ist eine ganz besondere Phrase. Denn sie unterstellt Begriffen einen eigenen Willen – den sie nun wirklich nicht haben: der Begeisterung etwa, dem Traum, sehr oft auch dem Applaus. Dabei sind diese viel eher nur endlich oder scheinbar endlos.

Wir konnten das Jahr 2017 natürlich nicht fragen. Doch wahrscheinlich wollte es ohnehin in wenigen Tagen freiwillig enden. Dann stimmt es tatsächlich: Es ist enden wollend.

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Activity
Heute spielen wir "Activity". Warum im Business so vieles nicht darstellbar ist.

Bis vor Kurzem gab es zwei Möglichkeiten: Man konnte sich vorstellen, dass etwas möglich ist und funktioniert - oder eben nicht. Diese Zeiten sind vorbei, dafür hat sich eine ganz besonders schöne Sprechblase aufgebläht. Heute ist ein Vorhaben darstellbar - oder eben nicht.

Wenn kein Geld für eine bestimmte Investition verfügbar ist, dann ist das Projekt „finanziell nicht darstellbar“. Was genau genommen natürlich nicht stimmt, denn Wirtschaftswissenschafter haben sich etwas einfallen lassen: Berechnungen, Modelle, Visualisierungen.

Umso besser ist, wenn behauptet wird, etwas sei tatsächlich darstellbar. Obwohl: Das alles erinnert schon ein wenig an eine Runde "Activity". Bei diesem Spiel müssen Begriffe erklärt, gezeichnet und eben auch (pantomimisch) dargestellt werden. Unvergesslich ist jener Abend, an dem Sprechblase-Leser Josef G. den Begriff Laufmaschine darzustellen hatte, in der Hektik des Spiels aber Laufmasche las und darüber verzweifelte.

Übrigens: "Activity" ist immer noch ein tolles Geschenk. Es muss ja nicht immer ein gutes Buch sein.

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"Change Management"
Auftauen und wieder einfrieren. Warum Change Management und Lustwandeln wenig verbindet.

Der gute Heraklit von Ephesos soll es ja schon vor rund 2500 Jahren gewusst haben: Panta rhei, alles fließt, und nichts ist so beständig wie der Wandel. Was nichts anderes heißt als: Jede und jeder ist von Natur aus täglich im und mit Change Management beschäftigt. Meist, ohne es zu wissen.

Das wiederum war den Managern und Beratern bewusst, die den Begriff Change Management zur Sprechblase aufbliesen. Nicht für die kleinen Unternehmen, die Lustwandler unter den Veränderern. Denn sie passen sich intuitiv kontinuierlich an geänderte Anforderungen und Umstände an. Große Unternehmen aber hatten in den vergangenen Jahren mit anderen Problemen zu kämpfen: Sie konnten ihre Organisationen nicht so lustwandlerisch adaptieren und mussten plötzlich große Einschnitte vornehmen. Radikale Einschnitte, die mit viel Angst und Widerstand verbunden waren.

Dafür wurden Modelle entwickelt. Bekannt ist jenes von Kurt Lewin. Es besagt: unfreeze – change – freeze. Den ungeliebten Zustand auftauen, verändern und dann schnell wieder einfrieren. Dabei kennen wir das ja schon lange von Lebensmitteln: Auftauen und dann wieder einfrieren ist gar keine gute Idee.

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"Crashkurs"
Als hätten wir noch nie Schnee gesehen. Warum ein Crashkurs eigentlich einer Katastrophe gleichkommt.

Noch lässt der Schnee in weiten Teilen Österreichs auf sich warten. Schade, denn der erste Schnee hat etwas Bezauberndes – besonders in der Stadt. Er ist (zumindest für kurze Zeit) schneeweiß und auf den Straßen herrscht Aufregung. Ganz so, als hätte man hierzulande noch nie mit Schnee zu tun gehabt. Die Folge: Unfälle. Oder Crashes, wie man sagt. Was uns zur dieswöchigen Sprechblase führt: dem Crashkurs, nicht zu verwechseln mit dem Kollisionskurs.

Paradox ist das Wort Crashkurs jedenfalls: In kürzester Zeit sollen in einem Crashkurs Wissen, Fähig- und Fertigkeiten vermittelt werden. Tatsächlich aber sind viele Crashkurse das, wonach sie klingen:

Bruchlandungen. Es wird zerstört, was aufgebaut werden soll. Ob wirklich etwas gelernt wurde, zeigt der (Arbeits-)Alltag als Crashtest.

Ins Schleudern kommen viele nicht nur beim Elchtest. Auch Eis ist vielfach Ursache für Crashes. Damit beim Hantieren mit Eis an der Cocktailbar Unfälle vermieden werden können, hier zum Abschluss noch ein Crashkurs für Baristas: Bei den zerkleinerten Eiswürfeln handelt es sich nicht um crashed, sondern um crushed ice.

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"Ganzheitlich"
Fuchs, du hast das Ganz gestohlen. Warum im Moment alles ganzheitlich oder gar nicht ist.

Wer gute Freunde hat, darf im November darauf hoffen, zu einem Ganslessen eingeladen zu werden. Begleitet wird das Mahl vielfach nicht nur von gutem Rotwein, sondern auch von Wortspielen rund um Gans und ganz. Viele der verbalen Akrobatikversuche sind allerdings – so wie dieser – Gans und gar nicht lustig.

Sie laden aber dazu ein, einen Blick auf das Wort „ganzheitlich“ zu werfen, das im Moment inflationär als Sprechblase verwendet wird.

Noch vor Kurzem hätten weder Manager noch Marketingleute das Wort in den Mund genommen, weil es irrig mit Esoterik konnotiert war. Das hat sich mittlerweile gänzlich umgekehrt. Kaum etwas bleibt verschont: Mit einem neuen Pass lässt sich Wien „schnell, ganzheitlich und modern erleben“, der Finanzverwaltung wird fehlendes „ganzheitliches Risikomanagement“ vorgeworfen, ein Sojaproduzent verfolgt eine „ganzheitliche Eiweißstrategie“, ein Ölkonzern lobt sein „ganzheitliches Supply-Chain- Management“, ein Berater hilft, einen „ganzheitlichen Wachstumsansatz“ umzusetzen und Österreich bietet „das ganzheitliche Winter-Erlebnis“. Fehlt nur noch der Schnee, der das Land in ganzheitliches Weiß hüllt.

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"Puls der Zeit"
60 Schläge pro Minute. Warum derzeit allerorts am „Puls der Zeit“ herumgedoktert wird.

Woran zeigt sich, dass der Weihnachtswahnsinn schon Anfang November beginnt? An den Prospekten der Juweliere, die sich dramatisch gehäuft in den Postkästen finden. Die Juweliere fühlen sich mit ihrer Uhrenwerbung ganz bestimmt sprichwörtlich am Puls der Zeit.

Auffallend ist, dass immer häufiger der Frage nach der Uhrzeit nicht der Blick auf das linke Handgelenk folgt, sondern das Gegenüber mehr oder weniger erfolgreich in Hand-, Hosen- oder Sakkotasche zu kramen beginnt. Nicht nur in Armbanduhren, auch in Mobiltelefonen pulsiert also die Zeit – ganz ohne dass in ihnen Blut fließt.

Die Zeit – so lautet die gern verwendete Sprechblase – hat also einen Puls. Wie hoch der wohl ist? 60 Schläge in der Minute vielleicht? Und wie hoch ist dann der Ruhepuls?

Doch der Puls der Zeit könnte sich ohnehin bald ändern. Denn es gibt zahllose Unternehmen, die über sich nicht nur sagen, am Puls der Zeit zu sein, sondern in ihren Selbstbeschreibungen behaupten: „Wir arbeiten am Puls der Zeit.“ Es wird also eifrig am Puls herumgedoktert. Sehr erfolgreich scheinen sie nicht zu sein. Die Zeit vergeht nach wie vor zu schnell.

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"Pragmatisch"
Das ist zwingend alternativlos. Warum „pragmatisch“ das Zaubersalz für gute Entscheidungen ist.

Die pragmatisierten Beamten waren in der Vergangenheit ein dankbares Feindbild. Ganz anders als die Pragmatisierten sind die Pragmatischen heute die Helden der Führung. Wer als seriöser Manager gelten will, handelt – ganz richtig – pragmatisch.

Das macht Schule, plötzlich ist alles Mögliche pragmatisch: Bücher beantworten pragmatische Fragen, in der Medizin wird pragmatische Diagnostik geboten, pragmatisches Wissen wird mit kontinuierlichem Verbesserungsdenken kombiniert und Behörden der wenig pragmatische Umgang mit Gesetzen vorgeworfen. Eine Kosmetikkette bietet sogar pragmatischen Nachkauf von Pflegeprodukten an. Zum Vergleich: Vor mehr als 200 Jahren war es lediglich eine Sanktion, die pragmatisch war und die habsburgische Erbfolge neu regelte.

Das Wort pragmatisch, das nichts anderes als sachbezogen bedeutet, hat also das Zeug zur Sprechblase. Denn wer pragmatisch vorgeht, so scheint es, handelt automatisch weise. Oder wie man in Deutschland sagen würde, zwingend alternativlos.

Als wäre „pragmatisch“ allein nicht aussagekräftig genug, wird es neuerdings mit anderen Adjektiven verbunden: Sicherheitsexperten fordern da einen pragmatisch-realistischen Zugang, der Finanzminister wird als pragmatisch-optimistisch, ein bekannter Philosoph als liebevoll-pragmatisch bezeichnet, und ein Architektenteam beschrieb sein Modell als radikal-pragmatische Antwort auf alle möglichen Herausforderungen.

Übrigens: Die Beamtenpragmatisierung wurde vor genau 100 Jahren eingeführt. Sie sollte die Beamten widerstandsfähig gegen permanente Bestechungsversuche machen und sachbezogene und rechtmäßige Entscheidungen ermöglichen – damals eine durchaus berechtigte Begründung.

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"Active Sourcing"
An der Grenze zum Stalking. Warum Active Sourcing nur ein Teil des Recruiter-Glücks ist.

High Potentials und Arrivierte wissen es meist ohnehin: Sie sind großartig. Außerdem gibt es jetzt auch den Beweis ihrer Klasse – von dritter Seite. Dann, wenn sie active gesourct werden. Active Sourcing, wörtlich übersetzt: aktive Beschaffung, ist das neue Lieblingswort der Personalisten.

Der Trend aber ist letztlich gar nicht so neu. Allerdings klingt Active Sourcing in den Ohren vieler – ganz im Sinn einer Sprechblase – besser als „Direktansprache“. Darum geht es: die aktive Suche nach Kandidaten, deren Profil zum Unternehmen passt.

Die Active Sourcer haben es dabei nicht leicht. Die Konkurrenz auf dem Markt ist groß. Zudem vollführen sie ständig einen Balanceakt, sich nicht des Stalkings schuldig zu machen. Denn da hört sich der Spaß auf.

Gut, die Zeiten des passiven Sourcing, des Wartens auf Bewerber, sind in vielen Branchen vorbei: Mittlerweile sind es die Unternehmen, die sich bei Kandidaten bewerben. Doch Active Sourcing ist nur ein Teil dessen, was unter Talent Relationship Management fällt. Aber das klingt zu technisch, zu wenig aktiv. Apropos aktiv: Manche Personalabteilungen sprechen tatsächlich davon, dass sie „proaktives Active Sourcing“ betreiben.

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"Candidate Experience"
Zu viel Zucker ist ungesund. Warum Arbeitgebern Candidate Experience so wichtig ist.

Süße Verlockungen funktionieren fast immer. Auf der Speisekarte im Restaurant oder im Supermarkt bei der Kassa. Auch Arbeitgeber setzen das Prinzip ein. Sie legen süßen Köder aus, und die Bewerber erzählen im Idealfall über ihre positiven Erfahrungen, ihre Candidate Experience.

Spötter haben die Candidate-Experience-Sprechblase längst in „candy date experience“ umbenannt. Jeder Kontakt des Bewerbers soll zum süßen Rendezvous werden. Zucker ist ja bekanntlich klebrig: Der Kandidat soll im Unternehmen picken bleiben. Und wenn es mit dem Job doch nichts wird, soll wenigstens die Nachred' stimmen. Schließlich haben wir erstens Fachkräftemangel – was noch immer nicht bewiesen ist. Zweitens haben wir Social Media, in denen Arbeitgeber relativ schnell angepatzt sind – was durch Shitstorms vielfach bewiesen ist.

Zuckerln zu verteilen, macht aber noch lang kein positives Bild in der Candidate Experience: Wichtiger ist, als Unternehmen im Bewerbungsprozess ansprechbar zu sein, Fristen einzuhalten, ehrlich statt schönfärberisch zu sein und Hinweise zu geben, warum jemand anderer den Job bekommt. Klingt das zu gesalzen? Nun, zu wenig Salz ist ungesund, zu viel Zucker auch.

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"Zeitnah"

Das Ende ist am zeitnächsten. Warum sich „as soon as possible“, kurz „asap“, sogar steigern lässt.

Bei bildungsnah und bildungsfern ist es einfach: Die einen sind die G'scheiten, die anderen na ja. Ähnlich zentrumsnah und zentrumsfern: Erstere Häuser sind teuer, zweitere hoffentlich im Grünen. Was aber bedeuten zeitnah und zeitfern? Mit der Zeit ist es kompliziert: Sie ist immer und überall, vergeht ohne unser Zutun und lässt sich bestenfalls mit definierten Zeitpunkten und -räumen festmachen.

Zeitfern ist ungebräuchlich. Gut. Zeitnah hingegen nicht. Zeitnah klingt präzise und ist doch eine Sprechblase. Denn wann und wie sich Zeitnähe realisiert, bleibt so diffus wie die gängigen Pseudopräzisierungen „eh gleich“ oder „einen Augenblick noch“. Den bezeichnendsten Satz in diesem Zusammenhang formulierte der ehemalige Deutsche-Bank-Vorstand Josef Ackermann: „Wir werden unseren Kurs der zeitnahen Transparenz fortsetzen.“ Geradezu verständnisnah, oder?

Sind Unterlagen abzugeben oder Projekte abzuschließen, wird zeitnah gern ins Neudeutsche übersetzt: Dann heißt es „asap“. Dabei kann auch dieses „so bald wie möglich“ eine gefühlte Ewigkeit dauern. Druck und Dringlichkeit lassen sich erhöhen – mit dem Superlativ „asapst“. Damit ist das Ende am zeitnächsten.

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"Das Zeitfenster"

Dieses Fenster lässt sich nicht kippen. Warum Zeitfenster auch ganz schnell wieder zugehen können. 

Schon wieder Samstagmorgen – dabei wäre im Büro noch so viel zu tun. Schon wieder Sonntagabend – dabei gäbe es noch so viele Pläne für das Wochenende. Zeit ist kostbar, sie verfliegt und zwingt uns ganz brutal, Prioritäten zu setzen, mit wem und womit wir unsere Zeit verbringen.

Interessant ist, dass sich kaum noch jemand Zeit für jemanden nimmt und dass anderen kaum noch Zeit geschenkt wird. Aber nein, das klingt viel zu schnörkellos. Viel lieber wird eine Sprechblase befüllt und – ein Zeitfenster aufgetan.

Diese Art Fenster ist schon praktisch: Denn sie lässt sich sehr leicht auch wieder schließen. Stichwort Prioritäten. Dann ist man schnell wieder weg vom (Zeit-)Fenster.

Zeitfenster haben viele Vorteile: Sie müssen nicht geputzt werden, mangels Kippmechanismus kann sich nichts spießen, und es gibt auch keine Fensterbank. Daher auch keine Fensterblumen, die es zu gießen gilt.

Zeit ist kostbar. Da ist es besonders bitter, wenn ein Zeitfenster aufgeht und man sich im Gespräch zu weit aus dem Fenster lehnt oder überhaupt zum Fenster hinausredet.

Übrigens: Danke, dass Sie sich Zeit fürs Lesen genommen haben!

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"Glaubwürdigkeit"

Als Vorbilder glatt gescheitert. Warum es nicht einfach ist, in allen Lebenslagen glaubwürdig zu sein. 

Es ist eines der modernen Zauberwörter: das Wort glaubwürdig. Unternehmen müssen glaubwürdig sein, Manager sowieso. Sie beanspruchen für sich, dass man ihnen glauben könne. Doch mehr als eine Sprechblase ist diese Glaubwürdigkeit nur, wenn gelebt wird, was versprochen wird.

Unternehmen, die sich rühmen, Familien zu fördern, gleichzeitig aber nicht ansatzweise darüber nachdenken, Besprechungen so anzusetzen, dass Eltern ihre Kinder zum Kindergarten bringen oder von der Schule abholen können, haben das Prinzip Glaubwürdigkeit nicht verstanden.

Ein Beispiel gescheiterter Glaubwürdigkeit wiederholt sich jeden Herbst bei den Kollektivvertragsverhandlungen: Die Einigung fällt regelmäßig erst nach einem zähen Marathon (!) und wird in den frühen Morgenstunden (!) bekannt gegeben.

Die Arbeitnehmer hingegen werden geradezu beschworen, die tägliche Höchstarbeitszeit nicht zu überschreiten (kein Marathon) und lieber nur von neun bis 17 Uhr (keine Nachtarbeit) zu arbeiten. So schön das Verhandlungsergebnis für die Arbeitnehmer sein mag, in Sachen Glaubwürdigkeit sind ihre Vertreter als Vorbilder glatt gescheitert.

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"Eine Aufgabe anvertrauen"

Mut zum gesunden Misstrauen. Warum ein Glaserl Sturm und die Vertrauenskultur vieles verbindet.

Es gibt Dinge, die sind sicher. Etwa: Im Herbst gibt es Sturm. Nicht so sicher ist, ob das Sturmglas nach dem ersten Schluck halb voll oder halb leer ist. Beim Geschmack ist alles unsicher, er ist nicht messbar.

Beim Vertrauen ist das ähnlich. Trotzdem heißt es in Unternehmen inflationär „Ich vertraue dir“ oder „Ich vertraue dir diese Aufgabe an“. Diese Sprechblase geht leicht über die Lippen, sie gibt Sender wie Empfänger ein gutes Gefühl. Doch kaum jemand weiß, was Vertrauen ist – es ist ja nicht messbar. Dabei ist klar: Es resultiert aus verlässlichem Verhalten. Garantie, dass gewährtes Vertrauen belohnt wird, gibt es nicht. Daher ist Vertrauen ohne Mut undenkbar: Wer vertraut, riskiert bewusst, enttäuscht zu werden.

Dennoch rühmen sich viele Unternehmen, die alles messen wollen, ihrer Vertrauenskultur. Sie findet sich oft in Visionen, Missionen und Wertkatalogen wieder. In der Umsetzung heißt es ebenso oft, dass jede Kleinigkeit von höchster Ebene abgesegnet werden muss. Auch das ist gelebte Vertrauenskultur. Das Wort sagt ja nichts darüber aus, wie groß das Vertrauen ist. Es ist so unsicher wie die Sache mit dem Sturmglas, das voller oder leerer ist. Sicher ist nur der seltsame Nachgeschmack.

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"Wir sind auf einem guten Weg"

Gut unterwegs auf dem roten Teppich. Warum "Wir sind auf einem guten Weg" oft gar nichts Gutes bedeutet.

Aus der Managementperspektive ist nicht der Sommer, sondern der Herbst die heiße Jahreszeit. Aufträge und Bestellungen müssen jetzt fixiert werden. Schließlich sind die Budgetgespräche schon angebrochen oder beginnen in Kürze. „Wir sind auf einem guten Weg“, heißt es in diesen Tagen immer wieder. Entweder weil die Lage tatsächlich so sensationell ist. Oder weil sie so aussichtslos ist, dass Zweckoptimismus als einzige Option gesehen wird. Oder weil gesetzliche Vorschriften die Wahrheit auszusprechen nicht zulassen. Die Aussagekraft vom Guten-Weg-Sager hat also nur Sprechblasen-Qualität.

Mit dem guten Weg ist es so eine Sache: Wer gerade auf einer Geröllhalde wandert, für den mag schon die geschotterte Forststraße ein guter Weg sein. Wem üblicherweise rote Teppiche ausgerollt werden, der wird den nackten Asphalt hingegen kaum als gut erleben. Gut ist also relativ.

Doch selbst der subjektiv beste Weg bringt nichts und entzaubert die Phrase als hohlen Managementsprech: Denn was nützt es letztlich, auf einem guten Weg zu sein, ohne auch gut unterwegs zu sein. Und nur darauf kommt es an – nicht nur vor den Budgetgesprächen.

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"Buzzword-Bingo"

Al Gore war doch schlauer. Warum ein Buzzword-Bingo mitunter sogar lehrreich ist.

Im Jahr 1996 soll es geschehen sein: Studierende am MIT (Massachusetts Institute of Technology) störten sich schon seit längerer Zeit an Al Gores Worthülsen. Anlässlich einer Rede des US-Vize-Präsidenten in ihrem Haus erfanden sie etwas besonders Lustiges: ein Buzzword-Bingo. Statt wie beim Bingo Zahlen schrieben sie sprachliche Leerformeln auf. Verwendete Gore sämtliche Worte, die in einer Reihe, Spalte oder Diagonale einer Spielkarte standen, sollte der Hörer winken. Aufzustehen und „Bullshit“ zu rufen, empfanden die Studierenden dann doch als zu unhöflich. Gore erfuhr scheinbar davon, verzichtete auf Phrasen und ließ das Spiel ins Leere laufen.

Weil dies hier die 50. Ausgabe der „Sprechblase“ ist, sollen Schlagwörter auch einmal gelobt werden: Immerhin passiert es selten, dass ein Vortragender selbst zum Buzzword-Bingo einlädt. Henrik Schneider, Strafrechtsprofessor an der Universität Leipzig, lobte im vergangenen Sommersemester sogar ein Lehrbuch als Preis aus.

Das Spiel, begründete er, diene der Konzentration: „Insbesondere neue, fachspezifische Begriffe sollen so einfacher und schneller verarbeitet werden.“ Na bitte.

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"Der Vordenker"

Ich hab meine Bedenken. Warum Vordenker die beliebtesten Denker sind.

Nicht nur in Alpbach wurde in diesen Tagen viel gedacht. Mit dem Denken ist es so eine Sache. Man kann es einfach so tun. Oder querdenken, vordenken und nachdenken. Entsprechend gibt es die Querdenker, die eigenständig und originell denken und deren Ideen und Ansichten oft nicht verstanden oder akzeptiert werden.

Und es gibt die allerorts gepriesenen Vordenker, die als Erste denken, was später auch andere denken. Ihr Denken bestimmen das Denken und die Meinung anderer. Wer heute kein Vordenker ist, hat etwas falsch gemacht – oder sich geschickt einer Sprechblase entzogen.

Was aber geht in den Köpfen der Nachdenker vor? Denken sie das nach, was ihnen die Vordenker vorgedacht haben? Sind ihre Gedanken also gar nicht eigenständig und lassen sie sich nur fremdes geistiges Eigentum durch den Kopf gehen? Dagegen wird man wohl Bedenken haben müssen. Immerhin ist es besser, so ein Nachdenker zu sein, als gar nicht zu denken.

Aber mit dem Denken ist es so eine Sache. Das besang Juliane Werding bereits 1975 mit „Wenn du denkst, du denkst, dann denkst du nur, du denkst“. Was sie sich wohl dabei gedacht hat?

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"Pro bono"

Kostenlos ist glanzlos. Warum „pro bono“ das neue „gratis“ ist.

"Sprechblase"-Leser Markus N. vermittelt seit Jahren in höheren Schulen, wie Verhandeln für beide Seiten gedeihlich und erfolgreich erfolgen kann. Geld verlange er dafür keines. Sein Tun erfolge, so klärten ihn Sprechblasenerzeuger auf, keinesfalls gratis, sondern jedenfalls pro bono – auf Neudeutsch: ohne Bezahlschranke.

Rechtsanwälte sind vom Pro-bono-Gedanken nicht unbedingt begeistert, denn den Pflichtverteidiger zu geben ist nicht immer nur angenehm. Die Mediziner handeln meist aus Überzeugung pro bono, weil sie Hippokrates und dem geleisteten Eid verpflichtet sind.

In der Wirtschaft wird zumeist zwischen Ehrenamt und pro bono unterschieden. Denn bei Pro-bono-Tätigkeiten sind es meist spezielle Fertigkeiten, die eingebracht werden. Oder es handelt sich um eine Form des Etikettenschwindels: Denn nicht alle Versicherungsmakler, Personalberater etc., die den Wortlaut „pro bono“ im Firmennamen führen, arbeiten auch in diesem Sinn.

Der alte Römer Cicero fragte im Jahr 80 vor Christus: „Cui bono?“ – „Wem zum Vorteil?“ Diese Frage darf man auch heute stellen. Besonders dann, wenn etwas pro bono passiert.

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"Führungsspanne"

Frau Adler kann mehr. Warum Führungsspanne eine heikle Sache ist.

Zwei Meter beträgt die Spannweite eines Steinadlers. An die Schwingen des sprichwörtlichen Königs der Lüfte haben wahrscheinlich jene Sprechblasen-Entwickler gedacht, die den Begriff Führungsspanne aus dem Wörterhorst entließen: Die Führungs- oder Kontrollspanne beschreibt die Zahl der Mitarbeiter, die einer Instanz direkt untergeordnet sind. Je nach hierarchischer Ebene sind das drei bis 25 Mitarbeiter.

Keine Frage: Führen ist wichtig. Typabhängig auch das Kontrollieren. Der Begriff an sich aber ist nicht nur umstritten und sagt wenig über Führungsqualitäten aus. Jedenfalls aber ist er offenbarend: Er zeigt, wie die Blicke im Unternehmen ausgerichtet sind – vertikal. Die Mitarbeiter müssen nach oben sehen, die Führungskräfte schauen nach unten. Wer auf die Führungsspanne fokussiert, kann sich kaum mit den Menschen im Unternehmen verbinden und ein Gefühl dafür entwickeln, was Mitarbeiter denken, fühlen und tun.

Führungsmachos seien zudem aus einem anderen Grund vor dem Gebrauch der Führungsspanne gewarnt: Steinadlerweibchen bringen dank 20 Zentimeter größerer Spannweite deutlich mehr unter ihre Fittiche.

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"Jung und dynamisch"

Vergesst dieses Duo! Warum „Jungdynamiker“ höchst uninspiriert sind.

Die zwei sind so gemein wie Tom und Jerry, so legendär wie Modern Talking und so unzertrennlich wie das sprichwörtliche „dynamische Duo“ Batman und Robin: die Eigenschaftswörter jung und dynamisch.

Sie verschrecken in Stellenanzeigen nicht nur die älteren Jobsuchenden, sondern sind ganz offen diskriminierend. Sie ringen uns ein Lächeln ab, wenn der vor zwanzig Jahren gegründete Chor mit ihnen wirbt. Jung und dynamisch sind nichtssagend – und damit eine echte Sprechblase.

Das vielzitierte dynamische Umfeld eines Unternehmens könnte genauso gut heißen, dass die Fluktuation hoch ist. Und welcher Marktteilnehmer würde heute behaupten, dass seine Branche nicht bewegt ist, sondern vielmehr statisch?

Jung oder zumindest jung geblieben sind heute ohnehin alle Menschen. Trotz der hohen Lebenserwartung will niemand alt werden. Noch nie wollten so wenige 20- bis 30-Jährige erwachsen werden wie heute.

Eines muss man den „Jungdynamikern“ lassen. Sie gehen offen mit ihrer Uninspiriertheit um. Denn: Ihnen sind augenscheinlich keine treffenderen Zuschreibungen eingefallen.

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"Multi-Tasking"

Effizienz war gestern. Warum Multitasking unser Leben bremst.

Musik hören, die aufpoppenden Social-Media-Nachrichten im Auge behalten, mit den Kolleginnen scherzen, diese Sprechblase schreiben – alles gleichzeitig. So ähnlich soll Multitasking funktionieren.

Multitasking klingt cool, das klingt nach digital native. Das Dumme ist nur, es funktioniert nicht so recht. Wer Multitasking verlangt oder betreibt, um Zeit zu sparen, wird Opfer einer Sprechblase. Multitasking ist einer der wichtigsten Gründe für Ineffizienz, die ständigen Unterbrechungen erhöhen die Nettoarbeitszeit.

Denn das menschliche Hirn, so zeigt die Forschung, kann höchstens zwei konkurrierende Handlungsziele verfolgen. Und selbst das nicht gleichzeitig: Das Hirn wechselt zwischen den beiden Tätigkeiten hin und her. Auch Frauen schaffen entgegen der landläufigen Meinung nicht mehr.

Die gute Nachricht ist: Durch Multitasking lässt sich die Aufmerksamkeitsspanne trainieren. Allerdings: Trotz aller Liebe zur Arbeit werden samt allem Trainingsaufwand manche Tätigkeiten nie zusammenpassen. Zum Beispiel am Strand vom Joballtag abschalten und den DienstLaptop zum Mails-Checken einschalten.

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"Der Zug ist abgefahren"

Vorsicht, Zug fährt ab. Warum das Leben doch mitunter ein Spiel ist.

Wer Managern zuhört und auf ihre Sprechblasen achtet, stellt – mehr oder weniger beruhigt – fest: Egal, wie alt Manager sind, in ihnen steckt doch noch immer auch ein Kind.

Noch etwas lassen diese Sprechblasen erahnen: womit sich das Kind in der Frau oder im Mann möglicherweise gern beschäftigt (hat). Mehrere Typen lassen sich ableiten:

► Typ Fahrdienstleiter. Manager lieben es, wenn sie Projekte aufgleisen und ihre Ideen auf Schiene bringen können.

► Typ Niki Lauda. Sie sprechen laufend vom Gas geben. Es ist ihnen wichtig, die PS auf die Straße zu bringen. Und sie sehen sich laufend in der Poleposition.

► Typ Bruchpilot. Sie sind etwas weniger optimistisch und sehen alles Mögliche im Sink- oder gar Sturzflug.

Übrigens: Aus der Mädchenwelt (immer diese Stereotype) haben es weniger Begriffe in die Managementsprache geschafft. (Vielleicht ändert sich das, wenn mehr Frauen Spitzenpositionen bekleiden.) Eines dieser Beispiele hat noch dazu eine sehr zweifelhafte Konnotation: das Wort „frisieren“. Seltsam, dass es Zahlen und Bilanzen assoziieren lässt. Eine haarige Sache.

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"Teamgeist"

Ja, ich bin teamunfähig. Warum der Teamgeist oft ein Schreckgespenst ist.

Rund um die Finalspiele der Fußball-WM wird ein Wort besonders strapaziert: der Teamgeist. Ihn werden die Kommentatoren als Grund für den Titelgewinn identifizieren. Darauf lässt sich sicherer wetten als auf die Siegermannschaft.

Auch in der Wirtschaft geistert der Teamgeist seit langer Zeit als Sprechblase herum. In nicht weniger als 70 Prozent der Stellenanzeigen wird Teamgeist von den Bewerbern verlangt. Das ist letztlich reine Platzverschwendung: Erstens gibt es kaum Jobs, die ohne Kooperation erfüllt werden können. Zweitens wird kaum jemand von sich behaupten, teamunfähig zu sein.

Selbst Peter Drucker meinte einmal, Teamgeist sei Ungeist und Teams würden mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Ausgerechnet Drucker, der den Teamgedanken etabliert hatte, um die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter zu stärken. Tatsächlich verleiten Teams oft eher zu Kompromissen, Mittelmaß und Denkfaulheit. Auch das ist Teamgeist.

Eine positive Teamgeisterstunde schlägt, wenn im Team ein Geist weht, der Eifersucht hemmt und Ehrgeiz fördert. So wie bei einem gelungenen Brainstorming.

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"Virus"

Als ich lernte, den Virus zu lieben. Warum beim viralen Seeden jeder schnell vom Opfer zum Täter wird.

Es gibt fleißige und faule Sprechblasen. Die fleißigen verschleiern, was sie aussagen wollen, und bauen Wortungetüme auf. Die faulen machen sich nicht einmal diese Mühe: Sie sagen, was Sache ist. Viral seeden ist so eine faule Sprechblase.


Wie ein Virus sollen sich die Saatkörner der Werbe- bzw. Marketing-Botschaften eines Unternehmens ausbreiten. Ähnlich der Mundpropaganda sollen Konsumenten animiert werden, Informationen über Produkte und Dienstleistungen untereinander weiterzugeben. Nur dass es beim viralen Seeden über elektronische Kanäle wie Social Media funktioniert. Das Ziel ist klar: die exponentielle Verbreitung von Werbeinformationen.


Früher einmal, da waren Viren das Böse schlechthin. Medizinern schlotterten die Knie, Netzwerkadministratoren stand der Angstschweiß auf der Stirn. Die Opfer bezahlten mit dem (Daten-)Tod. Nur die Pharmaindustrie und die Virenschutzprogrammierer verdienten an den Viren. Jetzt ist das anders. Inhalte werden geliked und geteilt, den Viren wird bei ihrer Verbreitung gleichsam der rote Teppich ausgerollt. Aus den Opfern, die gestern noch über die Viren geklagt haben, sind heute Täter geworden.

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"Wertschätzung"
Bitte etwas mehr Selbstbedienung. Warum Wertschätzung nicht immer nur eine Bringschuld ist.

Wir fühlen uns nicht wertgeschätzt, klagen Mitarbeiter mancherorts? Ja, sapperlot, haben wir es nur mit unfähigen Führungskräften zu tun? Oder sind es vielleicht die Mitarbeiter selbst, die eine riesige Sprechblase füllen? Wertschätzung, das ist für viele Arbeitnehmer ein Sammelbegriff für Streicheleinheiten aller Art. Es ist für viele mehr ein Gefühl, denn tatsächlich lässt sich der Begriff nur schwer abgrenzen.

Wertschätzung ist, den anderen so anzuerkennen, wie er ist – mit seinen Stärken und Schwächen. Das bedeutet Respekt, Wohlwollen, Interesse und Freundlichkeit. Wertschätzung zeigt sich demnach nicht nur in den Worten, sondern vor allem in der Haltung der Führungskräfte (und besonders in Change-Prozessen).

Das Problem mit der Wertschätzung aber ist, dass sie Mitarbeiter abhängig macht. Es macht angewiesen auf die Führungskräfte. Wie soll es Vorgesetzten gelingen zu erklären, welches Handeln sinnvoll ist, wenn der Einzelne selbst den Sinn nicht erkennen kann? Dass sich Menschen oft nur über den Wert definieren, der ihnen von anderen zugemessen wird. Der Wert der Wertschätzung liegt aber in der Selbstwertschätzung.

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"Win-win-Situation"
Die charmante Beruhigungspille. Warum es nicht immer ein Gewinn sein muss zu siegen.

Verlieren ist nicht gut. Als Verlierer dazustehen noch unangenehmer. Weil Geschäftsbeziehungen meist langfristig angelegt sein sollen wäre es ja geradezu unverantwortlich, das Gegenüber zu brüskieren – auch wenn man es noch so sehr über den Tisch zieht. Also bedienen sich Findige der Win-win-Situation und missbrauchen sie als Sprechblase. Win-win, das klingt nach Gerechtigkeit. Aber was ist schon gerecht? Viele sogenannte Win-win-Situationen sind zumindest für eine Seite ein Hohn.

Tatsächlich tritt eine Win-win-Situation dann ein, wenn die Parteien mehr Nutzen aus der Vereinbarung ziehen, als gäbe es gar keine Übereinkunft. Legendär sind die beiden, die sich um eine Orange stritten und einen Kompromiss zustande brachten: Sie schnitten die Orange in der Mitte durch – und standen beide als Verlierer da. Sie hatten sich nicht wie bei der Mediation die Zeit genommen, ihre Interessen zu ermitteln: Der eine wollte nur die Schale, der andere nur das Fruchtfleisch.

Interessen zu erforschen braucht Zeit, die sich viele nicht gönnen. Bloß von einer Win-win-Situation zu sprechen, wirkt als Beruhigungspille viel schneller.

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„Wenn du willst, kann ich dir das forwarden“
Intelligente Seiten sind besser als Mails. Warum Forwarden und das In-Cc-Setzen hellhörig machen sollten.

Das papierlose Büro wird seit 30 Jahren diskutiert. Trotz Computer, Tablets und Co. ist es nach wie vor Utopie. Immerhin: Es wird heute deutlich weniger ausgedruckt. Dafür werden mehr E-Mails verschickt.

Um sie haben sich einige Sprechblasen entwickelt: „Wenn du willst, kann ich dir das forwarden“, ist so eine. Sie heißt nichts anderes, als jemandem anderen ein Problem umzuhängen. Ganz ähnlich: „Wenn du willst, setze ich dich gern in Cc.“ Und schon gibt es einen Mitwisser mehr.

Doch Vorsicht! Diese Sprechblase ist nicht zu verwechseln mit: „Wenn du willst, kannst du mich gern in Cc setzen.“ Das drückt Misstrauen aus, gepaart mit dem Wunsch nach Kontrolle, wer wann was in welchem Wortlaut zu lesen bekommt.

Letztlich füllen viele dieser Mails nur den virtuellen Papierkorb, was immerhin (umweltschützend) den physischen entlastet. Doch Papier hat viele intelligente Seiten – „Die Presse“ zum Beispiel. Außerdem fanden die Wissenschaftler Abigail Sellen und Richard Harper in ihrer Studie „The Myth of the Paperless Office“ heraus: Computer lenkten nur ab, hingegen fördere es die Konzentration, während einer Sitzung papierene Unterlagen vollzukritzeln.

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"Work-Life-Balance"
Halbe Sache: Das neue Halbe-Halbe. Warum Work und Life nicht ausbalanciert werden können.

Work-Life-Balance. Von dieser Sprechblase haben viele schon gehört. In der Theorie zumindest. In der Praxis weiß ja niemand so genau, warum das Leben gerade dann pausieren soll, wenn gearbeitet wird.

Erstaunlich, dass sich ausgerechnet Unternehmen auf diesen Terminus einlassen, der bereits Mitte der 1980er-Jahre geprägt wurde. Mehr noch: Sie schmücken sich immer noch damit und flechten ihn nach wie vor in ihre Corporate-Health- und Employer-Branding-Auftritte ein. Offen bleibt in aller Regel, wie diese Balance im Detail aussieht: Heißt das Halbe-Halbe zwischen Arbeit und Freizeit (was mit „life“ offensichtlich gemeint ist) – also noch mehr Arbeit? Wird täglich abgerechnet, oder in längeren Durchrechnungszeiträumen?

Unter dem Strich bleibt also jeder selbst für sich verantwortlich, sein Leben (bestehend aus verschiedensten bezahlten und unbezahlten Beschäftigungen) zu organisieren: Kein Unternehmen wird das übernehmen – entgegen allen Ankündigungen.

Übrigens: Die antiken Römer hatten – begrifflich – eine klare Work-Leisure-Balance: „otium“ war für sie die Muße; die Negation, also „negotium“, bedeutete für sie Geschäft.

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„Mensch im Mittelpunkt“
Im Mittelpunkt der Faktor Mensch. Warum bestimmte Personen im Betrieb nichts zu suchen haben.

Damit, dass „die Menschen bei uns im Mittelpunkt stehen“, rühmen sich viele Unternehmen. Das klingt gut. Da fühlt sich jeder Mensch angesprochen. Jeder möchte Mensch sein und bleiben und nicht zur Nummer werden. Das hat Wolfgang Ambros bereits in den 1970er-Jahren besungen.

Doch andersherum: Auf wen sonst soll es ankommen, wer sonst soll im Mittelpunkt stehen als Menschen? Sie denken sich Produkte aus, überwachen die Produktion, kaufen und konsumieren. Da ist es ein wenig seltsam, wenn der „Faktor Mensch“ (!) so betont werden muss. Das nährt den Verdacht, dass die „Mensch im Mittelpunkt“-Geschichte für manchen Manager eine Phrase, eine Sprechblase ist.

Sprechblasen produzieren auch viele Bewerber für Jobs in der Personalabteilung. Nach ihrer Motivation, gerade in diesem Feld arbeiten zu wollen, befragt, ist eine der meistgehörten Antworten: „Weil ich gern mit Menschen zu tun habe.“ Michael Heuser von der Fachhochschule der Wirtschaft brachte es kürzlich auf den Punkt: Wer nicht gern mit Menschen arbeite, solle nicht in der Personalabteilung werken. Mehr noch: Wer nicht gern mit Menschen arbeite, habe in einem Unternehmen gar nichts verloren.

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"Expertise"
Es geht noch viel besser als gut. Warum Experten nicht immer eine Expertise zur Hand haben.

Dass sich für das englische Wort Marketing keine deutsche Entsprechung etablieren konnte, überrascht wenig: Stimmung und Werbung zu machen beherrschen die englischsprachigen Kollegen ganz einfach am besten. Sie haben für die Fülle an überschwänglichen Eigenschaftswörtern eine eigene Bezeichnung gefunden: Extreme Adjectives. Eigenschaftswörter, die sich nicht mit einem „very“ nuancieren lassen: „Sehr lustig“ wird zu „hilarious“, „sehr groß“ zu „huge“ oder „sehr spannend“ zu „fascinating“.

In diesem Überschwang wimmelt es im Englischen nur so vor „experts“. Längst haben die Experten auch im Deutschen Einzug gehalten. Ganz unabhängig davon, ob sie selbst ernannt oder (von anderen Experten) anerkannt sind. Experten verfügen – möchte man meinen – über Expertise. Klingt logisch, ist aber eine Sprechblase. Denn Expertise ist nicht gleich Fachverstand, sondern bloß ein Gutachten.

Das Gutachten soll hier keinesfalls schlechtgeredet werden. Im Vergleich zur Expertise verkauft es sich allerdings unter Wert. Denn im Englischen würde es sich nie nur mit dem Wortbestandteil „gut“ zufriedengeben. Stattdessen käme ein Extreme Adjective zum Einsatz – awesome, nicht wahr?

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"Quick Wins"
Zeit gewinnen: Es kann funktionieren. Warum Quick Wins immer auch ein Grund sind nachzufragen.

Effectuation ist ein Zugang, den besonders Entrepreneure gern wählen: In kleinen Schritten vorwärtsgehen, mit den Ressourcen arbeiten, die gerade zur Verfügung stehen, nur leistbare Verluste riskieren. Erfolge bestärken, weiter zu effektuieren. Schnellboote heißen die Vehikel, mit denen Kapitän und Crew dem Erwünschten näherkommen wollen.

Ein anderes Konzept steckt hinter Quick Wins. Das sind Erfolge, die schnell und mit geringem Aufwand eingefahren werden. Sie können helfen, Akzeptanz für Neues zu schaffen. Manager, die es ernst meinen, nützen die dank Quick Wins gewonnene Zeit und Energie, um im Hintergrund an längerfristigen Konzepten zu arbeiten.

Doch Vorsicht, Sprechblase: Oft werden kosmetische Maßnahmen als Quick Wins verkauft. Und in manchen Fällen drängt sich der Verdacht auf, Quick Wins würden nur der Werbung in eigener Sache dienen.

Den Zweck von Quick Wins zu hinterfragen, ist daher sinnvoll. Denn wer nur das Quick sieht, wird das Win für das Unternehmen leicht verfehlen. Dann gewinnt nur der Kapitän, die Crew geht baden.

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„Wir müssen das eintüten.“
Kommt nicht in die Tüte. Warum manche Phrase, nicht
aber ein Stanitzel entbehrlich ist.

Wir müssen den Sack zumachen“, antworten Fußballer vor dem Seitenwechsel gern wenig inspiriert auf ebenso einfallslose Reporterfragen. Sie wollen damit das Programm für die zweite Halbzeit skizzieren. Doch wer hat jemals Kicker mit einem Jute- oder Plastiksack über den Platz laufen gesehen? Überhaupt: Wie wäre der Sack zuzumachen? Das Gerede kann einem ganz schön auf den Nerv gehen.

Ähnlich ergeht es „Sprechblase“-Leser Manfred K., wenn er Ohrenzeuge einer anderen Sprechblase wird: „Wir müssen das eintüten.“ Auch hier ist gemeint, einen Abschluss zu erzielen, einen Prozess zu beenden und möglichst einen Treffer zu landen.

Egal, wie dieses Eintüten funktioniert, es hat mit Einwickeln, Einsacken oder Paketschnüren gemeinsam, dass der handliche Inhalt perfekt hergezeigt werden kann: „Schaut nur, was ich hier eingetütet habe. (Ich bin erfolgreich und schäme mich auch nicht dafür.)“ Ein Nachgeschmack bleibt: Denn den selbstgerechten Eintütern ist schließlich auch zuzutrauen, das Gegenüber genüsslich in der Pfeife zu rauchen.

Fest steht: In eine Tüte braucht uns nichts zu kommen. Angesichts der milden Temperaturen nicht einmal eine Eiskugel. Die gehört ins Stanitzel.

 

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Strategieflut
Banalitäten mit der Aura tiefer Einsicht. Warum nicht alles, was großartig klingt, gleich auch eine Strategie ist.

Was heute nicht alles strategisch ist: Entscheidungen, Vorgaben, der Einkauf. Und natürlich Papiere. Über ihnen haben Auserwählte oft monatelange gebrütet. „Der Strategieschleier ist nach wie vor ein Instrument erster Wahl, um selbst traurigsten Banalitäten die Aura tiefer Einsicht zu verleihen“, macht „Sprechblase“-Leser Michael S. seinem Ärger Luft.

Recht hat er, denn viele sogenannte Strategien haben weder mit grundsätzlichem, langfristigem Verhalten zu tun, noch umfassen sie Wesentliches: das Ausmaß der Umweltbeziehungen, Ressourcen und damit verbundene Fähigkeiten, Wettbewerbsvorteile der Unternehmung sowie Synergien als Resultat strategischen Entscheidens. Das ist nicht einfach: Nicht lineare Zeiten verlangen nicht lineare Zugänge, die Spontaneität und parallele Entwicklungen zulassen, Ängste reduzieren und Ressourcen für Experimente enthalten.

In dieser Strategieflut empfinden Mitarbeiter oft Unbehagen: (Neue) Strategien zwingen dazu, eigenes Verhalten zu ändern, Kompetenzen zu erwerben und gegen das Bauchgefühl zu entscheiden. Daran lässt sich arbeiten. Doch manch neue Strategie ist bloß ein Ausdruck der Selbstverwirklichung. Das ist dann meist keine gute Strategie.

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"Begegnung auf Augenhöhe"
Anlügen auf Augenhöhe. Warum es nicht immer günstig ist, sich Aug in Aug gegenüber zu sein.

Auf Augenhöhe begegnen. Das ist aktuell die Zauberphrase. Überwunden scheint die Zeit, in der die Mächtigen nicht aufzublicken brauchte, obwohl sie saßen, und die Untergebenen zu stehen hatten. Da schwingt viel Psychologie mit: Wer sich eine andere Person größer als sich selbst vorstellt, empfindet sich als unterlegen.

Das wissen alle Beteiligten: Große und Kleine, Führungskräfte und Mitarbeiter. Sie alle haben kräftig an der Sprechblase von der Begegnung auf Augenhöhe gearbeitet. Augenhöhe hat etwas: Die einen fühlen sich wertgeschätzt, die anderen erleben sich sozial kompetent. Ach was, wir sind alle gleich, wir sind ja alle nur Menschen.

Dabei hindert die Begegnung auf Augenhöhe – rein körperlich – nicht daran, dem anderen ins Gesicht zu lügen oder das Gegenüber mit den Worten: „Ich seh dir in die Augen, Kleines“ zu bevormunden.

Echte Begegnung auf Augenhöhe ist nicht gleichmacherisch, sie respektiert Unterschiede. Es sind die Körpersprache, die Art des Redens, Zuhörens und Mitdenkens, die entscheiden. Genau das zu sehen, wird oft erst möglich, wenn man sich nicht Aug in Aug gegenübersteht, sondern den ganzen Menschen im Blick hat.

 

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"Empathie"
Hauptsache ein bisschen Pathos. Warum Sympathie passiert und Empathie mitunter viel Arbeit ist.

Aristoteles wusste in seinen Reden zu überzeugen: Er setzte auf Pathos, den emotionalen Appell an sein Publikum. Heute würde es Aristoteles vermutlich „call to action“ nennen. 2014 müssen sich Redner (Aristoteles würde sie nun als Keynote Speaker bezeichnen) genau überlegen, ob sie pathetisch sein wollen.

Pathetisch ist nicht mehr angesagt. Genauso wenig wie sympathisch. Zu beliebig wurde das Wort verwendet. Dabei kann man sich Sympathie nicht aussuchen: Sie ist die spontane, gefühlsmäßige Zuneigung aufgrund ähnlicher Einstellungen und Zugänge. Sie entsteht – oder nicht.

Anders ist das mit einem Wort, das auch nach Pathos klingt: Empathie ist aktuell begehrt. Manager weisen laufend darauf hin, wie empathisch sie sind. Sie stehen regelrecht unter Druck, sich in andere hineinzuversetzen und deren Motive nachvollziehen zu können. Tatsächlich. Es gibt Führungskräfte, die empathisch handeln. Für andere aber ist Empathie nur Bestandteil des Werbetexts in eigener Sache – und damit eine Sprechblase. Für diese zweite Gruppe gibt es eine gute Nachricht: Empathie kann man sich erarbeiten. (Selbst-)Reflexion vorausgesetzt.

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Nespresso Kaffeekapseln

„Innovation“
Kaffee in Kapseln – zunächst ein Flop. Warum es ein Glücksfall ist, wenn eine Idee zur Innovation wird.

Innovationen braucht unsere Wirtschaft. In diesem Punkt sind sich alle einig. Zu Recht. Schließlich geht es um den Standort Österreich.

Stimmte, was die Werbung den Kunden erzählt, wäre nichts als Freude angesagt: Kein Angebot, das nicht als „innovativ“, kein Produkt, das nicht als „Innovation“ angepriesen wird. Schön wär's. Doch in den meisten Fällen ist die Rede von der Innovation leider nur eine Sprechblase.

Denn es ist regelrecht ein Glücksfall, wenn aus einer Produktidee, einem neuen Verfahren oder der neuen Dienstleistung tatsächlich eine Innovation wird. Dazu muss eine Neuheit nämlich eine erfolgreiche Anwendung finden und den Markt durchdringen: Diffusion nennen das die Experten, die sich am Donnerstag zum 11. Forum Innovation (pfi.or.at) treffen.

Diffus, wenn nicht sogar ein Flop war, was heute als Innovation bezeichnet werden darf: das Kaffeekapsel-System. Eric Favre hatte das Nespresso-System bei Nestlé erfunden und 1976 zum Patent angemeldet. Erst deutlich später kam das Produkt wenig erfolgreich auf den Markt. Erst als Ende der 1980er-Jahre das Marketing grundlegend geändert wurde, begann – what else? – die Erfolgsgeschichte.

(c) dpa/Marcus Brandt (Marcus Brandt)
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"Paradigmenwechsel"
Unser Leben im 45-Minuten-Takt. Warum nicht jede Veränderung gleich ein Paradigmenwechsel ist.

Früher mussten Chefs zum Einstand im Unternehmen umrühren und sich zum Amtsantritt beweisen. Mittlerweile basteln auch etablierte Führungskräfte laufend an der Organisation – getrieben von der Dynamik ihrer Umwelt und des Markts.

Nun haben Veränderungen aber ein Imageproblem, weil „Change“ vielfach ein Synonym für Einsparung und Kürzung ist. Die Führungskräfte reagierten und bliesen eine Sprechblase auf: Veränderung heiße neuerdings Paradigmenwechsel. Klingt großartig und lässt selbst jede kosmetische Behandlung als Heldentat erscheinen.

Ein Paradigma, schreibt Ruth Seliger in ihrem Buch „Positive Leadership“, „ist wie die Grammatik einer Sprache: Man denkt nicht über sie nach, man verwendet sie, man denkt und spricht mit und in ihr.“ Es sei wie ein blinder Fleck, den man meist erst erkenne, wenn er sich verändere. So einschneidend ist ein Paradigmenwechsel. Ein wenig mehr an Wertschätzung etwa revolutioniert das Thema Führung daher lange noch nicht.

Paradigmenwechsel also passieren ganz selten. Dabei seien sie so notwendig wie der Seitenwechsel im Fußball, schrieb ein Kollege. Richtig: Aber bitte nicht im 45-Minuten-Takt.

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„Wir müssen unsere Hausaufgaben machen“
Mein Zuhause ist, wo ich gerade bin. Warum Hausaufgaben nicht nur Schülerkram sind.

Wie sehr man doch oft das Unerreichbare ersehnt: Wer zur Schule geht, wünscht sich, erwachsen zu sein und über eigenes Geld zu verfügen. Doch kaum der Schule entwachsen, verklärt sich der Schulalltag. Nur so ist es zu erklären, dass sich berufstätige Menschen der Sprechblase „wir müssen unsere Hausaufgaben machen“ bedienen. Die Selbstbewussteren behaupten sowieso, längst „ihre Hausaufgaben gemacht zu haben“.

Unklar ist, wo diese Hausübungen gemacht werden sollen: zu Hause im Wohnzimmer? Oder ist das Büro das neue Zuhause, weil ohnehin kaum Zeit bleibt, die sogenannten eigenen vier Wände zu bewohnen? Jenen, die Hausaufgaben verlangen, ist das egal. Hauptsache, sie werden erledigt.

Die Schule wirkt stark in das Berufsleben hinein. Das zeigt sich auch an der Fehler(un)kultur. Wie in der Schule werden Leistungen im Job an den Ausrutschern gemessen. Klar, es gibt dumme Fehler. Solche, die aus Schlamperei passieren etwa. Es gibt aber auch die wertvollen: Solche, aus denen sich lernen lässt und die belegen, dass jemand Neues probiert hat.

Wenn die Aufgabe lautet, Neues zu wagen, dann sind sogar Hausübungen sinnvoll. Büroübungen erst recht.

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Die C-Level Blase
Gedankliche Geisterfahrer: Warum CEOs ganz attitüdebefreit auch ein bisschen GF sein sollten.
 
Spiele für Manager verbinden Kooperation und Konkurrenzsituationen mit Lernerlebnissen, Spaß und Ernst. Serious Gaming nennen das die Amerikaner. Der dazugehörige CGO (Chief Gaming Officer) ist anders als der CLO (Chief Learning Officer) aber noch nicht einschlägig bekannt.

So klar ist es mit den C-Level-Bezeichnungen nicht. Die Kürzel CPO und CSO stehen für jeweils sechs verschiedene Funktionen, CAO und CDO tauchen in fünf, CBO und CRO in vier unterschiedlichen Zusammenhängen auf. Einige Bezeichnungen sind bloß Bubbles, wie es auf Neudeutsch heißt. Genau solche Sprechblasen sollen in dieser Kolumne regelmäßig platzen.

Eindeutig ist übrigens der CEO als oberster Chef. Dass sich in Österreich viele Manager Chief Executive Officer nennen, mag ein Indiz für die Exportorientierung ihrer Betriebe sein. Sie könnten sich genau so gut Managing Director nennen oder attitüdebefreit bei GF für Geschäftsführer bleiben.

In Wien wird gelegentlich behauptet, ein „GF“ auf dem Kennzeichen stehe für Geisterfahrer. Übertragen passt das Bild: Gerade der GF, aber auch der CEO, ist gefordert, eingefahrene (Denk-)Pfade zu verlassen. Mitunter inspiriert durch ein Managementspiel.

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„Ein Stück weit“
Darf es „ein Stück weit“ mehr sein? Warum „ein bisschen“ nach wenig klingt und trotzdem ehrlich ist.
 
Es klingt nicht berauschend, wenn sich Partner in Verhandlungen „ein bisschen“ angenähert haben. Wer „ein Stück weit“ weitergekommen ist, feiert zwar inhaltlich keinen größeren Erfolg, wirkt aber gleich viel optimistischer. Reframing nennen das die Experten, und alle Beteiligten fühlen sich besser. Auch wenn niemand weiß, wofür in der „Ein Stück weit“-Phrase dieses „weit“ stehen soll.

Es stimmt schon, die Synonyme „ein wenig“ und „teilweise“ hören sich eben nach wenig an. Ein „Stück“ ist scheinbar mehr: Es könnte sich um ein schönes Stück handeln oder, weil es so klein und daher eine Zumutung ist, um ein starkes Stück. Letztlich bleibt es „ein bisschen“. Oder würde ein Wurstverkäufer jemals sagen: „Darf es ein Stück weit mehr sein?“

Deutsche Politiker haben die „Ein Stück weit“-Inflation ausgelöst. Einer von ihnen sagte über den Rücktritt des früheren deutschen Bundespräsidenten Horst Köhler: „Ich bin mehr als überrascht und auch ein Stück weit betroffen.“ Also auch das geht.

Doch zurück zum Verhandeln. Wer „ein Stück weit“ gekommen ist, sollte das große Ganze nicht aus den Augen verlieren. Sonst bleibt am Ende nichts als – ein Stückwerk.

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„Veränderung beginnt im Kopf"
André Heller hat natürlich recht. Wo Veränderung beginnt, ist klar. Unklar bleibt oft, wie sie aussieht.
 
"Die wahren Abenteuer sind im Kopf“, sang André Heller. „Veränderung beginnt im Kopf“, sagen die Manager im Chor. Alle haben sie recht. Letztere wissen sogar die Wissenschaft auf ihrer Seite, die belegt, dass allein der Gedanke an Veränderung unser Handeln beeinflusst. In den Köpfen muss noch viel passieren, damit sich die Arbeitswelt verändert. Das hat das Symposium „Das neue Arbeiten“ in Wien gezeigt.

Die Aussage, dass Veränderung im Kopf beginnt, stimmt. Sie ist allerdings nicht mehr als eine No-na-net-Phrase – darum platzt sie ja auch in der Sprechblase. Wo soll denn Veränderung sonst beginnen als im Kopf, wo jede Idee entsteht? Im Bauch vielleicht? Nein, das Bauchgefühl ist letztlich nichts anderes als ein Kopfgefühl: Der kluge Kopf traut sich bloß nicht allein zu entscheiden und beratschlagt lieber mit dem Kollegen weiter unten.

Wer als Manager mutig ist, sagt nicht, dass Veränderung im Kopf beginnt, sondern verrät, wo Veränderung hinführt. Das ist viel verlangt. Manchmal ist es schon großartig, wenn ausgesprochen wird, wie die ersten Veränderungsschritte aussehen sollen. Allein das wäre eine große Veränderung.

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„110 Prozent Einsatz"
Geben wir heute einmal 111 Prozent. Warum wir Zahlenspielern gegenüber vorsichtig sein sollten.
 
Jetzt im Herbst, da es darum geht, die Ernten in Gestalt von Aufträgen einzufahren, fordern Führungskräfte 110 Prozent Einsatz. Und die Mitarbeiter sagen wie selbstverständlich mindestens 110 Prozent zu.

Dabei müssten beiden Seiten wissen, dass sie nichts anderes als eine Sprechblase von sich geben. Mehr leisten als 100 Prozent geht nicht. Und ginge es, warum sollte sich jemand mit 110 Prozent zufriedengeben und nicht mindestens 111 Prozent oder gleich 200 Prozent verlangen?

Richtig, Grenzen sind da, um überwunden zu werden, doch manchmal geht es einfach nicht: Optimaler als optimal kann eine Sache nicht sein, einziger als einzig auch nicht. Und von minimalstem Aufwand und maximalstem Ergebnis soll erst gar nicht die Rede sein. Vor mehr als hundert Jahren hat der italienische Ökonom Vilfredo Pareto schließlich schon herausgefunden, dass es im Schnitt 20 Prozent der Kunden sind, die für 80 Prozent des Umsatzes sorgen.

Zurück zu den 110 Prozent: Die werden im Sport genau so gern gefordert wie in der Wirtschaft. Dort gibt es sogar 1000-prozentige Chancen. Und wenn man sie realisiert, fährt man eines Tages sogar zur Fußball-WM.

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„Am Ende des Tages“
Wann genau ist das Ende eines Tages? Warum Leistung und Zahlen auch untertags zählen.
 
Leistung und Zahlen sind es, die „am Ende des Tages“ zählen, sagen Führungskräfte. Das klingt ernst und objektivierbar. „Am Ende des Tages“ ist aber nur eine weitere Phrase aus dem Managementleben, die in der „Sprechblase“ platzen soll.

Genau genommen entspringt „am Ende des Tages“ einer misslungenen Übersetzung des Englischen „at the end of the day“, was nichts anderes als „schließlich“ heißt. Damit gesellt sich „am Ende des Tages“ zu „das macht Sinn“. Wenig sinnvoll also.

Wenn „am Ende des Tages“ alles passen soll, was ist dann mit all den Produkten, die am Nachmittag gefertigt, den Dienstleistungen, die zu Mittag erbracht und den Dingen, die in der Früh erledigt werden müssen? Und wann ist das Ende des Tages genau? Um Mitternacht oder nach exakt acht Arbeitsstunden, wie es das Arbeitsrecht grundsätzlich vorschreibt?

Mitarbeiter und Manager sehnen sich nach flexibleren Arbeitszeiten, um nach Bedarf in der Nacht oder auch einmal am Wochenende Teilen ihrer Arbeit nachzugehen. Da wird die Forderung, mit allem nur ja am Ende des Tages fertig zu sein, wohl zur Unzeit erhoben. Doch diese Formulierung ist ein Kapitel für sich.

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Negative Worte
„Bad Bank“ kann so harmonisch klingen. Warum man Worterfindern kein einziges Wort glauben sollte.
 
Auf Neudeutsch werden sie No-go genannt: Formulierungen, in denen „nicht“, „nein“ oder Worte mit „un-“ vorkommen. Das ist so negativ. Gute Wirtschaftsleute haben „miserabel“, „schlecht“ oder „böse“ längst aus ihrem aktiven Wortschatz gestrichen.

Sie sprechen niemals von einer „Bad Bank“. Das sind jene Institute, mit denen die Folgen der Bankenkrise beseitigt werden sollen. Über sie werden nicht einlösbare Kreditforderungen und „toxische“ Wertpapiere abgewickelt, deren Ausfall Banken gefährden.

Weil sich „böse Bank“ in den Ohren der Kunden noch schlimmer als „Bad Bank“ anhört, zauberten Worterfinder in den Banken das Synonym „Abbaueinheit“ aus dem Sparschwein. Abbau klingt nach Bergbau und wertvollen Rohstoffen, Einheit nach Harmonie: Die Kreation „Abbaueinheit“ ist ein Verschleierungsvolltreffer und damit ein Fall für diese „Sprechblase“.

An so einer „Abbaueinheit“ bastelt die Hypo Alpe Adria und sucht Harmonie und Einheit mit den Steuerzahlern: Die Bank ließ ausrichten, die „Abbaueinheit“ werde gebildet, um „den Staatshaushalt nicht über Gebühr zu belasten“. Diese Gebühr für sich ist hoffentlich nicht ungebührlich hoch.

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„Die schwarze Null"
Heuer schreiben wir eine grüne Null. Warum Farbenspiele rund um das Ergebnis verwirren können.
 
In vielen Betrieben ist es längst mit dem Weihnachtsfrieden vorbei. In den Finanzabteilungen herrscht hektisches Treiben. Weil um jeden Preis eine „schwarze Null“ erreicht werden soll, werden im letzten Moment abgeschlossene Geschäfte bewertet und Aufträge gebucht.

Mit ihrer Rede von der „schwarzen Null“ wollen Führungskräfte begeistern und wachrütteln. Warum „rote Zahlen“ der Albtraum jeder Geschäftsführung sind und ausgerechnet „schwarze Zahlen“ motivieren sollen, bleibt unklar. Immerhin werden mit dem Schwarzen Freitag gleich einige dramatische Kursstürze an den Börsen assoziiert.

Unklar bleibt der Unterschied zwischen der „roten“ und der „schwarzen Null“. Definition gibt es keine. Nur ein vages Gefühl, ob das Ergebnis knapp positiv oder negativ ist.

Die rot und schwarz eingefärbten Nullen bleiben also Sprechblasen, die vieles, aber nichts Genaues bedeuten. Denn genau genommen ist die Null vom Erfolg und dem Misserfolg gleich weit entfernt – den Bruchteil eines Euros. Die Null aber ist und bleibt null und nichts anders. Vielleicht befindet sich die Null im Cylindre beim Roulette genau deshalb auf einem grünen Feld.

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„Über den Tellerrand schauen"
Das Leben ist ein Kaffeekränzchen. Warum es mehr braucht, als bloß über den Tellerrand zu blicken.
 
Natürlich: Auch die Angloamerikaner lassen sich nicht gern taxieren, kategorisieren und in Schubladen stecken. Aber es hilft nichts: Unser Gehirn benötigt das Kasterldenken, um das Gegenüber einordnen zu können.

Die Angloamerikaner sitzen der gängigen Phrase gemäß also in größeren oder kleineren Schachteln: Sie müssen „thinking outside the box“ betreiben, wollen sie unkonventionellen und kreativen Gedanken nachhängen.

Bei uns klingen sogar die Sprechblasen kulinarischer, bei uns ist das Leben ein Kaffeekränzchen. Wir sind in Häferln und auf Tellern eingeordnet: Denn wer bei uns querdenken will – ganz gleich, ob echter Querdenker oder bloß Quereinsteiger – muss der Phrase folgend wie der Milchschaum auf der Melange schwimmen, um „über den Häferlrand blicken“.

Letztlich aber ist es nicht damit getan, „über den Tellerrand zu schauen“. Es geht darum, den Tellerrand zu überwinden. Dazu ist viel Energie nötig, und dazu sollten auch die richtigen Werkzeuge zur Hand sein. Denn schließlich will jeder ein (Achtung abgedroschene Phrase!) möglichst großes Stück vom Kuchen bekommen. Darum geht es schließlich im Leben – nicht nur beim Kaffeekränzchen.

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„Kostenmaßnahme"
Das Sparbuch war schon mal beliebter. Warum „Kostenmaßnahme“ eine so gelungene Wortkomposition ist.
 
Im Prinzip ist das Wort „sparen“ positiv besetzt. Wir wollen Energie sparen, was uns dank neuer Techniken immer besser gelingt, um die Umwelt zu schützen. Wir wollen Zeit sparen, um die uns wichtigen Dinge länger genießen zu können. Und wir wollen vor allem Geld sparen, was angesichts niedriger Sparbuchzinsen immer weniger gelingt.

Wie stark sich ein Wort verändert, wenn es um drei Buchstaben länger wird, zeigt das Verb „ein-sparen“. Während Private sparen wollen, sind Unternehmen vielfach gezwungen, einzusparen. Beim Sparen bleibt etwas übrig (schönere Umwelt, Zeit, Geld). Beim Einsparen geht etwas verloren. Deshalb ist das Einsparen vor allem bei Mitarbeitern unbeliebt, weil es oft Personal (oder Polizeidienststellen) ist, das eingespart werden muss.

Diese Fakten werden ungern angesprochen. Manager haben daher eine Sprechblase entwickelt: Sie reden von „Kostenmaßnahmen“ – eine gelungene Komposition. Ja, es geht zwar um Kosten, doch in „Maßnahme“ steckt viel Gestaltungs- und Verbesserungswille. Es enthält auch das „Maß nehmen“, was Augenmaß verheißt. Letztlich bedeuten „Kostenmaßnahmen“ trotzdem nichts anderes als einsparen.

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„Überqualifiziert"
Dann beuten Sie mich doch aus. Warum „überqualifiziert“ eine sehr relative Einordnung ist.
 
Die jüngste Arbeitslosenstatistik war alles andere als erfreulich. Viele derer, die sich zuletzt vergeblich um Arbeit bewarben, haben in ihren Bewerbungsgesprächen diesen Satz gehört: „Sie sind überqualifiziert.“

Selbst Personaler gestehen, dass er meist nur eine Verlegenheitsantwort und damit eine „Sprechblase“ ist. Natürlich könnte man wie in der Schnulze „Ein unmoralisches Angebot“ antworten: „Dann beuten Sie mich doch aus.“ Oder: „Da bin ich nicht überfordert.“ Oder: „Ich bringe also alle Qualifikationen mit – ja, sogar noch mehr.“

Es lohnt sich, dieses „überqualifiziert“ zu hinterfragen. Spießt es sich beim Gehalt? Oder wird vermutet, dass der Job nur eine Übergangslösung ist? Oder befürchtet, dass der Bewerber Qualifikationen mitbringt, die nicht gebraucht werden, und Langweile droht? Dann hat er sich tatsächlich für den falschen Job beworben. Nicht nur diesfalls darf der Bewerber erwarten, dass sich der Personalist qualifiziert verhält und das auch ausspricht.

Übrigens: Bei Migranten sind die Personalisten offenbar weniger kritisch. Knapp ein Drittel der in Österreich beschäftigten Migranten wird eingestellt, obwohl sie von ihrer Ausbildung her überqualifiziert sind.

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„Sich-selbst-Erfinden“
Die permanente Wiedergeburt. Warum Abschauen das neue „Sich-selbst-Erfinden“ ist.
 
Daniel Düsentrieb, das ist ein Erfinder. Sich selbst erfand er nie neu. Er blieb seit seiner „Geburt“ 1952 der Alte. Ob das angesichts manch seiner Ideen so gut ist, bleibt dahingestellt.

Außerhalb der Disney-Welt stehen Unternehmen und Menschen unter Druck, sich ständig „selbst neu zu erfinden“, die permanente Wiedergeburt zu leben und mitzuhelfen, eine gewaltige Sprechblase zu füllen: Wer ein neues Produkt anbietet, der hat sich scheinbar bereits selbst neu erfunden.

Etwas zu erfinden ist einmalig, etwas neu(erlich) zu erfinden daher unmöglich. Menschen aber können sich in unbekannten Situationen neu orientieren. Sie können sich selbst finden, neue Seiten an sich entdecken. Doch die totale Veränderung, die „sich selbst neu erfinden“ impliziert, ist unrealistisch. Sie hieße, alles Bisherige zu zerstören. Meist müssen wir zufrieden sein, wenn kleine Schritte gelingen.

Wie hilflos selbst die Sich-selbst-neu-Erfinden-Gurus sind, zeigen ihre Hinweise, sich im Internet Ideen zu holen, frei nach Düsentrieb: „Besser gut abgeschaut als schlecht selbst gebaut.“ Suchenden muss klar sein: Alles, was im Internet zu finden ist, hat irgendwer bereits erfunden. „Sich selbst neu erfinden“ geht eben leider nicht.
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„Proaktiv"
Der Superlativ ist niemals genug. Warum es keine Auszeichnung ist, ein aktiver Mensch zu sein.
 
Es gibt Adjektive, die können sinnvollerweise nicht gesteigert werden: einzig etwa. Menschen oder Dinge werden nicht einzigartiger, nur weil sie superlativisch als die „einzigsten“ tituliert werden. Daneben gibt es Eigenschaftswörter, die gleichsam übersteigert werden: Aus aktiv wurde proaktiv. Wer proaktiv ist, gilt als aktiv und ist obendrein pro, also für etwas. Das impliziert Dynamik, Energie und Entschlossenheit.

Tatsächlich ist proaktiv eine Worthülse und damit ein Fall für die „Sprechblase“. Bewerber müssen auf ihre Aufgaben proaktiv zugehen, verlangen Stelleninserate. Wer lediglich aktiv ist, wirkt beinahe schon passiv. Auch in Politik und Unternehmen reicht Aktivität nicht aus: Alles muss proaktiv sein – vieles davon endet in Aktivismus oder Aktionismus.

Viktor Frankl hat das Wort proaktiv eingeführt, damit aber etwas ganz anderes gemeint: Verantwortung für sich, sein Leben und seine Handlungen zu übernehmen. Davon sind vorgeblich proaktive Mitarbeiter und Führungskräfte oft weit entfernt.

Die abschließende Empfehlung ist zwar nicht ganz neu, aber dringend: Proaktiv sollte nicht in den aktiven Wortschatz übernommen werden.

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„Etwas auf dem Radar haben“
Im Sinn der Fluglotsen. Warum „etwas auf dem Radar haben“ viele Bedeutungen hat.

Unglaublich, wie viele Techniker es in Österreichs Unternehmen gibt. Selbst in technikfernen Betrieben wird mit Radio Detection and Ranging, also Radar, wie selbstverständlich hantiert. „Ich habe das auf dem Radar“, lautet die dazugehörige Sprechblase.

Im günstigsten Fall bedeutet „Ich habe das auf dem Radar“ – ganz im Sinn der Fluglotsen – ich habe diese Sache oder jene Aufgabe im Blick. Das klingt gleich viel aufregender als „ich arbeite daran“. Diese Sache oder Aufgabe findet sich dann längst auf der Agenda. Und falls nicht, wird das Anliegen bestimmt gleich auf die Agenda gesetzt. Agenda klingt schließlich viel gebildeter als die aus dem Englischen übernommene To-do-Liste.

Zurück zu „Ich habe das auf dem Radar“. Die Phrase kann auch anderes bedeuten. Etwa, „Hoppla, danke für die Erinnerung. Das hätte ich glatt vergessen.“ Auch auf eine dritte Variante sollte das persönliche Radar eingestellt sein: „Du nervst! Halte mich nicht auf. Komm wieder, wenn ich nichts Wichtiges zu tun habe.“ Also nie.

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„Das wurde mir so nicht kommuniziert“
Lasst mich ruhig dumm sterben. Warum zwar viel geredet, aber selten etwas gesagt wird.

Es ist nicht besonders modern, etwas „zu sagen“. Wer sich mitteilen will, wählt andere Verben. Es wird getextet, gepostet, getwittert und vor allem „kommuniziert“. Kommunikation, das sagen unzählige Studien, sei verantwortlich für die Begeisterung und das Engagement der Mitarbeiter und letztlich entscheidend für die Produktivität eines Unternehmens.

Unangenehm ist es, wenn man als Mitarbeiter feststellt: „Das wurde mir so nicht kommuniziert.“ Wer sich dieser Sprechblase bedient, lässt meist Entrüstung mitschwingen, nach dem Motto: „Ja, ja, lasst mich hier ruhig dumm sterben.“ Mitunter aber drückt es nichts als das umformulierte Eingeständnis aus, „Ich habe keine Ahnung, ich bin nicht auf dem Laufenden“. Oder, wie es im Büro-Englisch heißt, „Ich bin nicht ,in the loop‘“.

Wem etwas „so nicht kommuniziert“ wurde, der sollte eine Schleife ziehen und das Thema bereden. Doch auch hier gilt Vorsicht: Oft wird bei diesen Gelegenheiten mehr geredet als tatsächlich gesagt. Wie gesagt, „sagen“ ist nicht sonderlich modern.

In der Zwischenzeit basteln andere schon an der nächsten Mitteilung. Ganz geschäftig heißt das dann: „Wir adressieren das gerade.“

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In 14 Tagen gibt es neue Sprechblasen aus der Management-Sprache.

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