Bullshit-Bingo: Die beliebtesten Management-Phrasen

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Seit mehr als vier Jahren zieht Michael Köttritsch beliebte Management-Phrasen durch den Kakao. Hier ist das "Best-of" seiner Kolumnen. Alle Sprechblasen auf einen Blick finden Sie hier.

(c) Pexels
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Kristallkugel per 3-D-Druck
Warum „disruptiv“ etwas für Wahrsager ist.

Da passen die Marketingleute ganz genau auf: Das Modewort „disruptiv“ darf auf keinen Fall exakt übersetzt werden. Niemals sollen die tatsächlichen Bedeutungen – störend, auflösend, Unruhe stiftend, zerreißend und zerstörend – zur Sprache kommen. Denn wer hört diese Zuschreibungen über die eigenen Produkte schon gern – außer man ist beispielsweise in der Rüstungsindustrie tätig?

Unglaublich, was heute alles als disruptiv verkauft wird: Anbieter ohne Zahl behaupten von ihren Produkten, sie seien imstande, das jeweilige Geschäftsfeld vollständig umzukrempeln. Gut, bei ganz wenigen mag das zutreffen. Doch ob etwas tatsächlich disruptiv ist (etablierte Unternehmen werden in den Bankrott getrieben, weil sie das weiterbetreiben, was sie in der Vergangenheit stark gemacht hat), lässt sich im Vorhinein nämlich ebenso wenig sagen, wie ob etwas innovativ ist (das können vielleicht nur Wahrsager).

Von der Digitalfotografie können wir heute beruhigt behaupten, sie sei disruptiv. Vielleicht demnächst auch vom 3-D-Druck. Wenn das so ist, dann lassen sich damit sicher auch Kristallkugeln herstellen.

(c) Pixabay
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Ist's denn die Möglichkeit?
Warum Möglichkeitsräume keine Utopie sind.

Mit den Räumen ist das so eine Sache: Da gibt es die Raumwunder, von denen Immobilienmakler und Autoverkäufer schwärmen. Es gibt die Raumgleiter, mit denen es sich schwerelos durch das All schweben und in fremde Galaxien eintauchen lässt. Es gibt Raum für Notizen in Magazinen, deren Autoren der Schmäh ausgegangen ist.

Und wo vom Raum für Notizen die Rede ist, sind auch Räume für Möglichkeiten nicht weit – sogenannte Möglichkeitsräume: Klingt gleich spaciger als schnöde bloße Möglichkeiten.

Doch was meint die Sprechblase Möglichkeitsräume? So etwas wie Handlungsspielräume und Imagination von Zukünften. (Streng zu unterscheiden von Utopien, die sich nicht darum kümmern müssen, was machbar ist.) In Möglichkeitsräumen wird herausgefunden, was gehen könnte. Ist's denn die Möglichkeit?, möchte man fragen.

Dem Online-„Duden“ ist der Begriff fremd, er schlägt als Alternative „Möglichkeitsform“ vor. Auch passend, denn Aussagen in der Möglichkeitsform (im Konjunktiv) zeigen, dass etwas möglich ist. Klassische Fälle für den Möglichkeitsraum also.

(c) Pixabay
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Totgesagte leben länger
Warum „gelebte Kooperationen“ kritisch sind.

Walter Kohl hat es in seinem Buch(-titel) „Leben oder gelebt werden“ treffend formuliert: Das Leben kann sehr aktiv oder sehr passiv verlaufen. Kohl weiß, wovon er spricht: Er hat als Sohn eines prominenten Vaters – ja, des deutschen Wiedervereinigungskanzlers – einiges am eigenen Leib gespürt.

Gelebt werden allerdings nicht nur die Leben anderer, sondern auch Beziehungen. Eine sehr beliebte Sprechblase ist die Rede von der „gelebten Partnerschaft“. Oder von der „gelebten Kooperation“.

Gelebt, das klingt so nach Lebendigkeit, Lebenslust und Lebensfreude. Aber ganz ehrlich: Wer darauf hinweisen muss, wie lebendig, lustig und freudig die Kooperation ist, sollte darüber nachdenken, ob es überhaupt noch etwas gibt, das einen mit dem anderen verbindet. Kooperieren heißt ja schließlich nichts anderes als zusammenarbeiten oder zusammenwirken.

Und überhaupt: Was wäre das Gegenteil von gelebten Kooperationen? Die ungelebten Kooperationen? Oder gar die toten Kooperationen? In diesem Fall hoffentlich nur die totgesagten Kooperationen. Denn diese leben bekanntlich länger.

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Tot stellen hilft todsicher
Warum „Ich werde auf Sie zukommen“ bedrohlich ist.

Dass es mindestens zwei Reaktionen auf Stress gibt, ist seit dem Jahr 1915 und Walter Cannons Forschung bekannt: Flucht oder Kampf. Schön zu zeigen am Beispiel „zukommen“: Wenn ein Fahrzeug auf uns zukommt, ist Flucht angesagt. Wenn wir feststellen, dass Arbeit oder Ungemach auf uns zukommt, wählen viele die Kampfvariante.

In den späten 1980er-Jahren konnte Jeffrey Allan Gray zwei weitere Reaktionen neben flight und fight nachweisen: freeze und fright – Bewegungslosigkeit und Totstellen. Das ist auch gut so. Denn wenn jemand ankündigt: „Ich werde Ihnen das zukommen lassen“, sind wir oft bewegungsunfähig – vor lauter Freude über das nahende Geschenk.

Das Totstellen wiederum erweist sich für die vierte Verwendungsform von „zukommen“ als günstig. Neuerdings sagt kaum jemand mehr: „Ich werde mich bei Ihnen melden.“ Sondern – ganz Sprechblase: „Ich werde auf Sie zukommen.“ Dabei hat der andere gar nicht vor, auch nur einen Schritt vor die Tür zu setzen, er wird bestenfalls anrufen oder mailen. Meist verbunden mit einem konkreten Ansinnen. Dann ist die beste Reaktion mitunter: tot stellen.

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Wagen Sie es: Lesen 4.0
Warum 4.0 das neue Zukunftszauberwort ist.

Es gibt einen ganz simplen Trick, das, was man gerade macht, futuristisch erscheinen zu lassen. Es sind nur kleine Zahlenspielereien, doch aus ihnen werden gewaltige Sprechblasen: einfach ein 4.0 hinten anfügen. Aus Industrie wird Industrie 4.0. Aus Kommunikation wird Kommunikation 4.0. Von Arbeit 4.0 ist schon längst die Rede, und Habits 4.0 sind für viele ohnehin ein alter Hut.

Tatsächlich weiß kaum jemand, was hinter all diesen 4.0s steckt. Am ehesten noch, wenn es um das Internet 4.0 geht. Jeder meint etwas anderes – alles klingt nach Zukunft. Und genau das macht den Zauber aus.

Früher versah man Visionen noch mit einer bestimmten Jahreszahl, die „Vision 2000“ etwa. Das Jahr sollte nah genug sein, um zu motivieren, und fern genug liegen, um nicht an der Unerreichbarkeit des Ziels zu verzweifeln. Und Versionsnummer wurden nur für echte Releases vergeben: Manche erinnern sich noch an das Betriebssystem MS-Dos 3.2 (lang vor der Windows-Zeit). Die MS-Dos-Version 4.0 hingegen war nicht gerade der Renner.

Übrigens: Was Sie gerade gelesen haben, ist die Sprechblase Version 104.0.

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Nicht mehr als ein Richtfeuer
Warum „dialogorientiert“ nur vage Absichten meint.

Mit der Kommunikation war es bis vor Kurzem denkbar einfach. Sie war offen, direkt, grenzüberschreitend oder mitunter politisch. Sie war monologisch oder dialogisch. Wichtig war: Am Ende des Kommunikationsprozesses teilten alle Beteiligten die zu vermittelnden Bedeutungen auch tatsächlich miteinander.

Seit Kurzem aber ist Kommunikation vor allem eines: dialog-„orientiert“. Mit anderen Worten heißt das: Es wäre schon schön, wenn wir uns dialogisch begegneten, wenn wir uns in abwechselnd geführter Rede und Gegenrede einigten.

Dialogorientiert aber bedeutet letztlich nicht mehr als: Wir versuchen es, wir orientieren uns möglichst danach. Misslingt das, ist es auch kein Problem. Denn so ganz interessiert es ja ohnehin niemanden, was das Gegenüber zum jeweiligen Thema sagen möchte. Außerdem ist Monologisieren (scheinbar) unkomplizierter.
Wer sich am Dialogischen nicht nur so beiläufig orientieren will wie ein Steuermann an irgendeinem Richtfeuer, findet in Mitarbeitergesprächen eine ideale Trainingsmöglichkeit.

Sie haben doch vor, im heurigen Jahr Mitarbeitergespräche zu führen, oder?

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Eine Frage der Energie
Warum nicht nur Physiker Quantensprünge lieben.

Soll das besonders Besondere beschrieben werden, muss häufig der Quantensprung herhalten. Politik, Wirtschaft und Technik bemühen ihn geradezu inflationär. Schließlich schwingen in diesem Begriff „weit, groß, gewaltig“ mit. Tatsächlich aber gelingt das besonders Besondere der Politik selten, der Wirtschaft gelegentlich, dafür der Technik oft.

Dabei hat der Quantensprung entgegen der landläufigen Verwendung nichts mit einer Rekordjagd zu tun. Oder mit Skispringern bei der Nordischen Ski-WM, die mit möglichst weiten Sätzen Medaillen gewinnen wollen. Beim ursprünglichen Quantensprung geht ein mikrophysikalisches System von einem Quantenzustand in einen anderen über – indem es Energie oder Teilchen emittiert oder absorbiert. Räumlich gesehen ein winzig kleiner Vorgang.

Zur Ehrenrettung der Quantensprung-Aficionados sei gesagt: Das Q-Wort zu verwenden ist dann zulässig, wenn eine qualitative Änderung beschrieben wird. Vorausgesetzt, es ist viel Energie im Spiel und die Veränderung erfolgt abrupt.

So gesehen muss man kein Quantenphysiker sein, um gelegentlich von einem Quantensprung zu sprechen.

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Jetzt sag doch auch mal was
Warum es so schwer ist, sich zu entscheiden.

Der März ist ein guter Monat für Entscheidungen. Das besagt jedenfalls das von Hans Rudolf Jost („Best of Bullshit“) formulierte 5/12-er-Prinzip.

Es besagt, Entscheidungen vorbehalt- und rücksichtslos in folgenden fünf der zwölf Monate zu treffen: März, April, Mai, Juni und September. Die anderen sieben wären vollkommen ungeeignet: Jänner – zu früh, weil zu kurz nach Jahresbeginn. Februar – alle sind auf Skiurlaub. Juli und August – alle sind auf Sommerurlaub. Oktober – jetzt müsste man mit jeder Entscheidung erklären, warum Budgetziele nicht einzuhalten sind. November – Stress: Jetzt muss das Budget erstellt werden. Dezember – Weihnachtsfeier- und Jahresabschlussdrama, also keine Zeit für nichts.

Tatsächlich ist es mit dem Entscheiden nicht so einfach. Führungskräfte beklagen, dass ihre Mitarbeiter nichts entscheiden wollen: Ihnen fehlt mitunter schlicht der Handlungsspielraum.

Mitarbeiter wiederum beklagen, dass Führungskräfte sie nicht entscheiden lassen: Dabei sind es in vielen Fällen die Mitarbeiter, die sich vor den Konsequenzen fürchten, jetzt doch auch einmal etwas Entscheidendes gesagt zu haben.

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Ganz analog netzwerken
Warum Get-togethers zu Kurzschlüssen führen.

Natürlich könnten die p.t. Gäste ganz einfach zu einem Zusammenkommen zusammenkommen. Doch das klingt bei weitem nicht so weltgewandt wie bei einem Get-together (natürlich After-Work) zu meeten.

Diese Get-togethers pflegen dann entweder „entspannt“ oder doch „kritisch-konstruktiv“ angelegt zu sein – je nachdem, in welchem Kontext sie stattfinden. Letztendlich aber treffen einander Menschen, von denen die eine Hälfte keine Lust auf das Get-together hat. Die andere Hälfte, so schrieb ein Kollege einmal, betrinke sich und feiere die eigene Großartigkeit.

Gerne werden Get-togethers zum Netzwerken genutzt. Ganz analog. Ganz ohne Facebook und die anderen sogenannten sozialen Netzwerke. Darum sprechen manche Get-together-Experten auch von Socialisen. Outdoor-Begeisterte bilden Seilschaften und die besonders Technikaffinen beschließen gleich, sich kurzzuschließen. Da sage noch jemand, ein Get-together sei harmlos und ungefährlich: Bei einem Kurzschluss können ordentlich die Funken sprühen. Gar nicht davon zu reden, was bei Kurzschlusshandlungen alles herauskommen kann.

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Den Bauch entscheiden lassen - aber richtig
Warum die Intuition für unfehlbar gehalten wird.

Manche Führungskräfte legen auf die Feststellung Wert, weniger Bauchmenschen zu sein als sehr rational zu entscheiden. Das ist gut, wenn es um Rechenaufgaben geht.

Manche Führungskräfte legen auf die Feststellung Wert, weniger Kopfmenschen zu sein als auf den Bauch zu hören. Das ist gut, wenn es um Essensbestellungen geht.

Nur Bauch- oder Kopfentscheidungen zu treffen ist sicher nicht die optimale Lösung. Besser erscheint die Mischung gemäß der paradoxen Entscheidungsregel: Alle verfügbaren Fakten rational durchdringen und dann intuitiv entscheiden.

Auffallend ist, dass die Rationalität schlecht beleumundet ist, der Intuition hingegen gehuldigt wird. Das ist insofern nachvollziehbar, als das Denken an sich anstrengend ist – und daher vom Menschen nach Möglichkeit wie alles Anstrengende ver- und gemieden wird.

Dass die Intuition allerdings gleichsam unter dem Schutz eines Unfehlbarkeitsdogmas steht, geht dann aber doch zu weit. Schließlich wird scheinbar immer „intuitiv richtig“ gehandelt. Oder hat jemand jemals zugegeben, intuitiv falsch gehandelt zu haben?

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Ein Kampf mit harten Bandagen
Warum es gefährlich wird, wenn der Chef das Handtuch wirft.

Mitunter wird es im Wirtschaftsleben so eng, dass Führungskräfte ihr Mandat zurücklegen. Salopp heißt es dann: Geschäftsführer X oder Manager Y „wirft das Handtuch“. Das tun sie vielleicht wirklich – zu Hause oder im Fitnesscenter, wenn sie ein gebrauchtes Handtuch im Schmutzwäschekorb entsorgen.

Tatsächlich kommt die Phrase vom geworfenen Handtuch aus dem Boxsport und hat eine ganz andere Bedeutung: Es ist nicht der Boxer, der das Handtuch wirft, sondern sein Betreuer. Erkennt Letzterer, dass sein Schützling so schwer angeschlagen ist, dass er nicht mehr weiterkämpfen oder von sich aus aufgeben kann, weil der Gegner „mit harten Bandagen kämpft“ (ebenfalls ein Boxerausdruck), wirft er ein Handtuch in den Ring. Im Box-Englisch lautet die Phrase unmissverständlicher als im Deutschen „to throw in the towel“. Der Referee bricht daraufhin den Kampf ab.

Der angezählte Manager ist also gar nicht in der Lage, selbst das Handtuch zu werfen. Es ist vielmehr der Aufsichtsrat, der die Führungskraft per Handtuchwurf aus dem Ring entlässt. Wirft der Chef das Handtuch, wird es hingegen für die Mitarbeiter gefährlich: Dann sind sie ihren Job los.

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Copy and paste für Fortgeschrittene
Warum Best Practices oft genauso wenig helfen wie Benchmarks.

Von den Besten lernen. Das klingt gut: eifrig und fast ein wenig demütig. Also wird die Suche nach Best Practices eröffnet, nach gelungenen Lösungen in anderen Unternehmen.

Doch diese Art, mit Copy and paste Modelle zu übernehmen, ist nichts für Anfänger. Denn nur selten sind Best-Practice-Beispiele über die spezielle Situation hinaus gültig. Dazu kommt: Was in der Vergangenheit funktioniert hat, könnte in der Gegenwart ein gravierender Fehler sein.

Wer nach Best Practice sucht, offenbart seine Haltung: Sie ist zurückblickend, nicht vorausschauend. Natürlich: Es ist sinnlos, Vorhandenes nochmals zu entwickeln. Zudem gebührt jenen Respekt, die ein Best Practice erarbeitet haben. Aber: Genuin Neues fördern Best Practices kaum.

Damit verhalten sie sich ähnlich wie Benchmarks, der Kennzahlenvergleich mit anderen Unternehmen. Ursprünglich dazu gedacht, Schwachstellen im eigenen Haus sichtbar zu machen, sorgt Benchmarking mittlerweile für Nivellierung und Annäherung an den Durchschnitt. Denn wer nach Benchmarks ruft, meint vielfach nur: „Schauen wir von der Konkurrenz ab. Das ist einfacher, als uns selbst den Kopf zu zerbrechen."

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Auch mit Schrott lässt sich verdienen
Warum wir Suboptimales nicht lieben und es trotzdem normal ist.

Wer suboptimale Ergebnisse liefert, der sollte an sich nicht unzufrieden sein. Klar, perfekt war es nicht, sonst wäre es ja optimal gewesen. Die Qualität lag eben mehr oder weniger unter dem Optimum. Es gibt also Luft nach oben oder Potenzial, wie man so sagt. Immerhin aber ist das Ergebnis nicht gänzlich hoffnungslos – sollte man meinen.

Wäre da nicht der beschönigende Sprachgebrauch: Wer Suboptimales abliefert, hat schlecht gearbeitet und hat nichts anderes als Schrott produziert. Nun lässt sich auch mit Altmetall Geld verdienen, ganz so einfach aber ist es nicht. Glänzen lässt sich damit kaum.

Der deutsche Ex-Kanzler Gerhard Schröder hat den Begriff „suboptimal“ nach einem nicht so geglückten TV-Auftritt im Jahr 2005 populär gemacht. Seitdem sind die Adjektive „schlecht“, „miserabel“ und „grottig“ arbeitslos. Dabei ist „suboptimal“ in der wissenschaftlichen Literatur schon länger geläufig, seit 2004 hat ihn auch der „Duden“ in sein Repertoire aufgenommen.

Das Suboptimale scheint ganz normal zu sein, wie es Jörg Lau einmal in der „Zeit“ formuliert hat: „Die Aussöhnung mit dem Suboptimalen ist die Ankunft in der Wirklichkeit.“

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Im besten Fall wird es ein Bauchfleck
Warum es ganz und gar schlecht ist, gut aufgestellt zu sein.

Wie soll der Titelgewinn gelingen? Mit einem 4-4-2-, einem 4-2-4- oder doch einem 5-3-2-Spielsystem? Nicht einmal mehr die Fußballtrainer sprechen gern von der Aufstellung. „Wir sind gut aufgestellt“, sagen sie schon gar nicht. Aufgestellt, das erinnert an stehen und Stehfußball (der ist fürchterlich anzusehen) oder an eine Stehpartie (langweiliger geht es nicht).

Auf den Punkt bringt es die Umgangssprache: Wenn „es jemanden aufstellt“, dann landet er oder sie im besten Fall einen Bauchfleck. Die Ehrenrettung des Wortes „stellen“ ist beinahe unmöglich. Immerhin können sich für „Stellung“ die Freunde der allgemeinen Wehrpflicht begeistert. Dennoch, es geht noch schlimmer: Sitzungen sind fast immer sind maximal undynamisch, jede Stehung bringt bessere Ergebnisse.

Manager hingegen lieben die Formulierung „Wir sind gut aufgestellt“ und wiederholen sie mantraartig in der Hoffnung, sie möge sich wie eine Zauberformel erfüllen. Tatsächlich wollen Manager (genauso wie Fußballtrainer) gar nicht, dass ihr Unternehmen gut aufgestellt ist. Sie wollen viel mehr, dass ihre Mitarbeiter herumwieseln und -wuseln und das Unternehmen vorwärtsbringen.

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Nimm mich bitte ernst
Warum es Pech ist, nur Sparringpartner zu sein.

Von den Personalisten wird es verlangt. Von den Organisationsentwicklern und Controllern sowieso und von den Vertrieblern wahrscheinlich auch: Sie alle sollen Sparringpartner der Geschäftsführer sein.
Aus dem Boxsport kommend, schlug der Sparringpartner im Management so schmerzhaft wie ein rechter Haken zu. Nur wer als Sparringpartner wahrgenommen wird, hat es geschafft. Wer Sparringpartner ist, darf sich ernst genommen fühlen – wird zumindest suggeriert.
Die Frage ist nur, ob es so erstrebenswert ist, nur Sparringpartner zu sein. Denn Sparringpartner dienen lediglich zum Trainieren. Wenig verwunderlich verwenden Boxer beim Sparring im Gegensatz zum Wettkampf spezielle, schlagabsorbierende Handschuhe.
Sparringpartner sind wie Freunde, Trainer oder Coaches – Menschen, mit denen man etwas ausprobieren kann, um sich weiterzuentwickeln. Keine Frage – Sparringpartner sind wichtig, die Arbeit mit ihnen ernsthaft.
Wer aber im Unternehmen ernst genommen werden will, muss den Anspruch erheben, mehr zu sein als nur das Gegenüber für eine Trainingspartie.

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"Extrameile"
Mehraufwand oder lohnender Umweg. Warum Siebenmeilenstiefel auf der „Extrameile“ nicht helfen.

Von Mitarbeitern wird oft verlangt: „Du musst die Extrameile gehen.“ Dabei könnten Führungskräfte animierendere Worte finden, wenn sie Zusatzleistungen fordern. Sie könnten, statt ihre Hoffnungsträger auf die „Extrameile“ zu schicken, ihnen vor dem nächsten Aufstieg auf der Karriereleiter noch eine Seitwärtsbewegung auf gleicher Ebene empfehlen. Dieser Zwischenschritt kann ein lohnender, lehrreicher Umweg zu mehr inhaltlicher Breite sein. Und er will ausgekostet werden. Siebenmeilenstiefel bringen auf dieser „Extrameile“ nichts.

Unklar ist, welche Wegstrecke die „Extrameile“ beschreibt. Geht die Phrase tatsächlich auf das Matthäus-Evangelium zurück („Und wenn dich jemand zwingt, eine Meile mitzugehen, mit dem geh zwei.“), dann sind es (zweimal) 1482 Meter. Die Distanz bemisst sich an der römischen Meile. Oder ist die internationale Meile gemeint? Sie entspricht 1609 Metern. Arm dran war, wer zur Zeit der Donaumonarchie eine (Post-)Meile absolvieren musste. Sie maß 7585 Meter.

Übrigens: Die „Extrameile“ ist der Phrase entsprechend zu „gehen“. Ein feiner Dienstwagen hilft da nicht.

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„Interessante“ Themen
„Nein“ mit elf Buchstaben. Warum uns „interessante“ Themen meist gar nicht interessieren.

Es ist eines der großen Missverständnisse, dass unsere Gespräche dann lebendiger werden, wenn wir viele Eigenschaftswörter einbauen. Unsere Geschichten leben vielmehr von Beispielen. Von treffenden Beispielen, um ein zutreffendes, aber überflüssiges Adjektiv einzustreuen.
Ein ganz hinterhältiges Adjektiv ist das Wort „interessant“. Es klingt wunderschön, wirkt aber wie ein Todesurteil: Vorschläge, die von Vorgesetzten mit einem „interessant“ quittiert werden, haben keine Chance, je umgesetzt zu werden. „Interessant“ ist nichts anderes als ein „Nein“ – aber eben mit elf statt vier Buchstaben.
Ein Nein auszusprechen, das kostet eben ein bisschen mehr Überwindung. Ein „Nein“ ist verbindlich; „interessant“ hingegen schmeichelt dem Adressaten – beinahe so wie eine Katze. Aber auch anschmiegsame Katzen können sehr hinterhältig sein.
Übrigens: „Interessant“ hat einige Geschwister. „Spannend“ zählt dazu. Wer ein „spannend“ als Antwort erhält, ist mit seinem Ansinnen längst durchgefallen. Auch „nett“ gehört zu dieser Familie: Ein nettes Gespräch mit einem netten Gegenüber finden wir zumeist nur – sehr interessant.

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„Offen und ehrlich“
Ganz konkret: Alles andere ist gelogen. Warum wir niemals etwas „offen und ehrlich“ sagen sollten.

Die Gespräche verlaufen zäh. Mühsam kommen sich die Gesprächspartner entgegen. Als endlich nur noch wenig zur Einigung fehlt, passiert es: „Ich sage Ihnen das jetzt ganz offen und ehrlich . . .“

Meist gehen die Gespräche an diesem Punkt weiter. Doch wer diese Phrase zu hören bekommt, sollte aufstehen und gehen. Was soll dieses „offen und ehrlich“ bedeuten? Streng genommen gibt es nur eine Antwort: Alles andere, was ich bislang erzählt habe, war taktisch angelegt und vor allem – gelogen. (In vielen Fällen wird das eine recht ehrliche Antwort sein.)

Natürlich: Abgesehen von Gesprächen zwischen Freunden, die an sich offen und ehrlich sein sollten, wird „offen und ehrlich“ meist nur aus dramaturgischen Gründen eingesetzt. Trotzdem will die Botschaft richtig verstanden sein: Es ist jede Information wichtig, die vor dem „offen und ehrlich“ ausgesprochen wurde. Alles danach ist zu vernachlässigen.

Genau umgekehrt funktioniert eine andere Phrase. Sie lautet, geschickt in der Endphase eines längeren Monologs platziert: „Ich formuliere es jetzt ganz konkret . . .“ Richtig: Jetzt zählt, was nach „konkret“ kommt. Alles davor war nur Geschwätz.

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„Komfortzone“
Die Vertreibung aus dem Paradies. Warum die „Komfortzone“ wie ein Hop-on-hop-off-Bus funktioniert.

Freude soll der Job machen. Spaß soll er bereiten. Wohlfühlen sollen sich die Mitarbeiter am Arbeitsplatz. Aber wehe, sie richten es sich hinter dem Schreibtisch, vor dem Computer oder im Büro zu gemütlich ein. Dann heißt es: „Raus aus der Komfortzone!“'

Das Topmanagement verlangt das von den Führungskräften, die Personalentwickler verlangen das von den Managern und von den Mitarbeitern verlangen es alle miteinander: „Raus aus der Komfortzone!“

Manchmal schwingen Ärger oder gar Neid mit, die jeweils anderen würden zu wenig zum Erfolg beitragen.
Hinter der „Raus aus der Komfortzone“-Phrase steckt aber die Chance, im eigenen Aufgabenbereich besser zu werden. Dann, wenn sie nicht als K.-o.-Phrase dient, sondern fördernd und fordernd eingesetzt wird. Wenn Führungskräfte wie Mitarbeiter jeden Tag ein Stück weiter gehen, als sie es für möglich gehalten hätten.

Allerdings: Menschen sollten ihre „Komfortzone“, den Bereich, in dem sie sich sicher fühlen, immer nur für relativ kurze Zeit verlassen. Das exerzieren Sportler regelmäßig vor: Intervalltraining besteht aus Einheiten höchster Belastung, gefolgt von Pause und Erholung.

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Vor dem Frost zurechtstutzen
Warum Schrumpfungsprozesse auch charmant sein können.

Im Business gilt nach wie vor: „Size matters.“ Deswegen ist auch von „upsizing“ (selten) und „downsizing“ (öfter) die Rede. Dazu gesellt sich neuerdings ein dritter Begriff: „rightsizing“.
Mit diesem Wort schwingt mit, dass es richtig ist, an den Schrauben zu drehen und Größenverhältnisse zurechtzurücken. Und streng genommen ist nicht ausgeschlossen, dass Unternehmen beim „rightsizing“ vergrößert werden. Alles scheint möglich. Darum ist es in Managementkreisen auch beliebt. Dabei wird es meist als Synonym für das ungeliebte „downsizing“ bemüht – das es nicht ist.
Denn „downsizing“ steht für einen reaktiven Prozess. Er wird notwendig, wenn sich äußere Einflüsse ändern und Organisationen nicht mehr wie gehabt zu führen sind. Auch „rightsizing“ ist nichts anderes als ein Schrumpfungsprozess – in Angriff genommen aber von Managern, die Marktbedürfnisse, Trends und Alternativen vorhersehen.
Schmerzlich sind beide Redimensionierungsarten, „rightsizing“ hat immerhin den Charme der Voraussicht. Es empfehlen ja auch Baumfreunde: Zurechtstutzen soll man, bevor der Frost kommt. Das gilt erst recht für ökonomische Kälteeinbrüche.

 

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„Wie herzig, ein Mitarbeiter!"
Warum ohne „-preneur“ heute alles nichts ist.

Verzeihen Sie bitte, dass es heute so persönlich wird. Erlauben Sie die Frage: Was sind Sie? Mitarbeiter? Also einfach nur Mitarbeiter? Oje. Sie sind Leiter des Bereichs x oder Head of y? Vergessen Sie es, das ist nur wenig besser.

Wer heute „impact“ erzielen will, muss die eigene Funktion anders inszenieren. Ohne das Suffix – Achtung, Sprechblase – „-preneur“ funktioniert da nichts.

Vorschlag: Werden Sie Entre-preneur, also Unternehmer oder Social Entre-preneur, der mit seiner Unternehmung eine gesellschaftliche Wirkung entfaltet. Oder noch besser Multi-preneur und damit von all dem noch ein wenig mehr.

Okay, Sie haben keine eigene(n) Geschäftsidee(n). Auch kein Problem. Dann werden Sie zumindest Intra-preneur, ein unternehmerisch denkender Mitarbeiter (was immer das auch im Detail sein mag). Oder ein Inter-preneur, der in seiner Abteilung Verantwortung übernimmt. Oder sind Sie zumindest Inner-preneur? Wer, bitte, außer Ihnen selbst soll sich um Sie kümmern?

Sie verstehen jetzt: Lehrer sind heute im Idealfall Edu-preneure; Info-preneure versuchen, Information zu verkaufen, Ganja-preneure verchecken Marihuana, und Culture-preneure beherrschen die Kunst, Kultur zu Geld zu machen.

Wenn nichts von dem zutrifft, dann bitte versuchen Sie es zumindest als Leisure-preneur.

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"Hör auf, perfekt zu sein."
Warum „permanent beta“ bloß ein Tippfehler ist.

Vilfredo Pareto wusste es schon im 19. Jahrhundert: Es bringt nichts, perfekt zu sein. 20 Prozent des Gesamtaufwands genügen, um 80 Prozent der Ergebnisse zu liefern. Das also ist effizient – und nicht die in allen Details perfekte Lösung.
So ähnlich ist das bei – Achtung, Sprechblase – „permanent beta“.

Es geht weniger um ein abgeschlossenes, fertiges Endprodukt, vielmehr darum, ständig zu probieren, etwas auf den Markt zu bringen und laufend zu verbessern. Um sich dem Wandel auf dem Markt anpassen zu können, sagen die „Permanent beta“-Anhänger.


Großartig, an sich. Solange man nicht der ist, der sich als Kunde mit irgendetwas Halbgarem herumschlagen muss. Da kann man sich dann ohnehin nur an die Hoffnung klammern, dass „beta“ bloß aus einem Tippfehler heraus entstanden ist und man bei jeder Entwicklungsschleife sagen kann: „Permanent better.“

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„Die Waffen nieder"
Warum „kriegsentscheidend“ Krieg voraussetzt.

Also ist man einmal ehrlich und sagt, was man sich denkt. Und dann wird das als Fehlleistung abgetan: Ein Versprecher soll das gewesen sein – sagen die Freudianer. Zum Beispiel, wenn man am Ende eines langen und zugegeben mühsamen Gesprächs statt „Jetzt halte ich Sie wirklich nicht mehr auf“ tatsächlich „Jetzt halte ich Sie wirklich nicht mehr aus“ sagt.

Womöglich kein Versprecher ist es, wenn man erzählt, sich vor Verhandlungen mit Geschäftspartnern in Stellung zu bringen und alle Geschütze aufzufahren. Und wenn man im Gespräch die entscheidenden Punkte nicht „entscheidend“ oder „spielentscheidend“, sondern viel mehr – Achtung, Sprechblase – „kriegsentscheidend“ nennt.

Da gilt es aufzupassen, dass man am Ende nicht bloß die Schlacht gewinnt, aber den Krieg, ähm, die gute Geschäftsbeziehung verliert.

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"Eh schon fast am Ziel"
Warum „Ich bin dran“ meist unbefriedigend ist.

Da war sie: die Bitte, den Termin zu vereinbaren, das Thema zu recherchieren, den Bericht zu verfassen. Nur kam auf die schüchterne Nachfrage nach dem Stand der Dinge irgendwann später nur ein – Achtung Sprechblase – „Ich bin dran“ zurück.

Zugegeben, eine gute Antwort, weil meist nicht gelogen. Sie kann ja bedeuten: „Schwierige Aufgabe, ich geb mein Möglichstes, mache kleine Fortschritte, bin aber leider noch nicht am Ziel.“ Theoretisch.
Oft handelt es sich aber nicht um Aufträge, bei denen jeder schreit: „Ich bin dran!“, weil sie so viel Spaß machen würden oder so prestigeträchtig sind.

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Warme Eislutscher
Warum wir ständig an „phygital“ denken sollten.

Träumen darf man ja bekanntlich von ihnen, den warmen Eislutschern. Bis vor kurzem war es spätsommerlich, da sollte auch das Eis kalt sein. Aber jetzt. . .

Oxymoron nennen die Rhetoriker sprachliche Konstruktionen, die nach einem inneren Widerspruch innerhalb eines Wortes aussehen, aber mitunter doch recht klar sind. Nach der „virtuellen Realität“, „dynamostatisch“ und „agilstabil“ sollten Unternehmen sich mit dem Begriff „phygital“ auseinandersetzen: der Kombination der englischen Worte „physical“ und „digital“.

Beschrieben wird damit, wie die Offline- und Onlinewelt ineinander übergehen und wie physische und digitale Elemente zu Produkt-, Service- und/oder Dienstleistungspaketen zusammengefasst werden.

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 Fünf Vokale sind genug
Warum der AQ jedenfalls gemessen werden sollte.

Ob „messen, was messbar ist“ wirklich von Galileo Galilei stammt, tut nichts zur Sache. Manche sind regelrecht versessen auf den zweiten Teil des Satzes, „messbar machen, was noch nicht messbar ist“.

Also wird seit 113 Jahren versucht, die Intelligenz eines Menschen mit einer Zahl auszudrücken, dem IQ, Intelligenzquotienten. Weil es mehr Zahlen braucht, um eine Person zu beschreiben, wird seit 18 Jahren Emotionale Intelligenz mittels Quotient dargestellt, dem EQ.

Ganz aktuell ist der – Achtungs Sprechblase – AQ, der Agilitätsquotient, der Lern- und Anpassungsfähigkeit ausdrückt. Was kommt als nächstes, und was wird sich wohl hinter OQ und UQ verstecken? Ein Glück, dass es nur fünf Vokale gibt.
Wobei: AQ ist mindestens doppelt belegt, manche sagen, es stünde für Adversity Intelligence Quotient. Dafür gibt's schon ein anderes Schlagwort: Resilienz.

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Mein Gott, 21 Konsonanten
Warum es gar nicht genug „Quotienten“ geben kann.

Nicht wundern, es ging bereits um Agilitäts- und Intelligenzquotienten und um den Quotienten, der die emotionale Intelligenz misst. Also um solche, bei denen sich jeweils ein Vokal an das „Q“ schmiegt. Was aber bitte sei mit den Konsonanten, fragte „Sprechblase“-Leserin Sandra K. und bat, den HQ nicht aus den Augen zu verlieren.

Richtig: In der Literatur sind unter anderem der Waghalsigkeitsquotient DQ (Daring Intelligence Quotient), der FQ (Financial Intelligence Quotient), der MQ (Moral bzw. Mental Intelligence Quotient), PQ (Practical Intelligence Quotient), sogar der SQ (Spiritual Intelligence Quotient) oder der WQ (Will Intelligence Quotient) bekannt. Von den 21 Konsonanten sind hier noch einige frei.
HQ übrigens steht hier für Humorquotient – und der ist von all diesen Quotienten wohl der wichtigste.

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 "Algorithmus“
Warum wir „Algorithmus“ verstehen sollten.

Er ist beinahe sagenumwoben. Wer von ihm spricht, der kniet in Gedanken nieder. Huldigt ihm und ist von Ehrfurcht ergriffen. Er ist – Achtung Sprechblase – der „Algorithmus“.

Schon richtig, da gibt es durchaus komplizierte, ja sogar komplexe Algorithmen. Aber auch recht simple, die jeder beherrschen sollte. Zum Beispiel: Addiere a und b. Das Verfahren ist in einer präzise festgelegten Sprache eindeutig beschrieben, ist tatsächlich ausführbar, benötigt endlich viel Speicherplatz und umfasst endlich viele Schritte.

Ebenfalls richtig, was „Sprechblase“-Leser Michael S. anmerkt: Auch Kuchenrezepte sind nichts anderes als Algorithmen. Auch auf diesem Feld gibts einfachere Einsteigervarianten und aufwendigere Vollprofiversionen. Am Ende ist entscheidend, dass wir die Sache gebacken bekommen – und dass sie uns im Idealfall auch noch schmeckt.

 

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"AI hier, AI da, alles AI"
Warum „künstliche Intelligenz“ aufregt.

Manche Menschen haben mit Kunst ein Problem: Zu progressiv ist sie ihnen, oder zu seicht. Manche mögen das Künstliche nicht, weil es nicht echt ist: das Licht, die Heiterkeit, die Aufregung. Aufregend finden hingegen manche die – Achtung Sprechblase – künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence, AI). AI hier, AI da, alles AI.

Dass man zwischen ANI und AGI differenzieren könnte, ist dabei egal. Das N steht für Narrow: einzelne Fähigkeiten der Rechner wie Schach spielen, navigieren oder Sprache erkennen. Das G steht für General: die Verknüpfung einzelner ANI zur „denkenden“ Maschine.

Das ist zu kompliziert, lieber nur von AI reden. Und dabei immer von der Zukunft sprechen. Dabei sind wir längt von ANI umgeben.
Wie sagte Computerpionier John McCarthy: „Sobald etwas funktioniert, nennt es keiner mehr AI.“ Sei es ein Trost – oder nicht: Derzeit wird vieles AI genannt.

 

(c) Pixabay
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"Scheinbar wird alles verortet"
Warum wir derzeit alles verorten wollen.

Eine kleine These: Wahrscheinlich haben noch nie so viele Menschen auf Landkarten nachgesehen wie heute. Den Routenplanern der Smartphones sei Dank. Ständig werden irgendwelche Verbindungen und vor allem Orte gesucht.

Vielleicht kommt es daher, dass momentan scheinbar alles – Achtung, Sprechblase – verortet wird: das Büro des Kunden, die Bar für das Afterwork-Bier. Auch Trends, Ergebnisse, Geschäftsvolumina werden verortet. Alles Mögliche wird zeitlich, geschlechtlich, altersmäßig verortet. Das Nachdenken. Politische Haltungen sowieso. Und manche verorten sogar sich selbst.

Da man die Informationen zu all dem Verorteten nicht vergessen will, wird sie gespeichert: in der Cloud. Wo die ist? Eine gute Frage. Selbst auf der digitalen Landkarte im Satellitenbildmodus des Routenplaners hat sie noch niemand verorten, äh, finden können.

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"Rufen Sie mich ruhig an"
Warum „Rufen Sie mich ruhig an“ bedenklich ist.

Um den Urlaub wird an den Arbeitsplätzen viel Theater gemacht. Um das Urlaubsziel. Und um die Inszenierung. Manche stellen schon Tage vorher den Abwesenheitsassistenten auf Dauerfeuer („Ich urlaube“ o. ä.), obwohl sie weiterarbeiten. Ein Trick, um unliebsame Anrufer abzuwehren, oder als Beruhigung für das hausinterne Controlling. Der Urlaub ist in der Standesverwaltung eingetragen. Aber es ist noch so viel zu tun.

Andere verabschieden sich mit – Achtung Sprechblase – „Rufen Sie mich ruhig an“ in den Urlaub. Wollen sie damit vor Mitarbeitern wie Kunden wirklich sagen: „Für dich verzichte ich auf alles.“? Oder sind sie nur schlecht organisiert und unfähig, zu delegieren?

Die Workaholics können beruhigt sein: Nach sieben bis zehn Tagen tritt der maximale Erholungseffekt ein. Dann darf wieder gearbeitet werden. Denn erholter als erholt geht ja doch nicht.

(c) Pixabay
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"Mein Baby"
Warum ein Projekt nicht „mein Baby“ sein sollte.

Das ist doch wunderbar: Mitarbeiter, die Freude an ihren Aufgaben haben. Kaum zu toppen ist die Freude, wenn die Aufgabe aus einer eigenen Idee resultiert. Das hört man auch. Vor allem, wenn nicht mehr von Aufgabe die Rede ist, sondern von – Achtung, Sprechblase – „meinem Baby“.

Stimmt schon: Man ist mit der Idee schwanger gegangen, hat sie ausgetragen, für sie Verantwortung übernommen und darf ihr später zusehen, wie sie wächst: #mankriegtjasovielzurück.

Man kann vor lauter Begeisterung für den Job alles vereinnahmen: Man kann das Büro als „mein Zuhause“ bezeichnen, Mitarbeiter „meine Kinder“ nennen und mit Frollegen (Freund und Kollege) „Büroehen“ schließen. Wie gesagt: Man kann, aber man muss nicht.
Nur sollte man dann, wenn man die Aufgabe oder das Projekt abgibt, das Kind auch beim Namen nennen: Es heißt Kindesweglegung.

 

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"Eingeschränkter Zugriff"
Warum „eingeschränkter Zugriff“ sehr viel aussagt.

Wie lang dauert der maximal erholsame Urlaub? Zwischen elf und 14 Tagen, sagen Experten – zu kurz, sagen viele Urlauber. Uneinigkeit auch über das Thema Nachrichtenlesen im Urlaub: Die einen hindert der ständige Kontrollblick am Entspannen, die anderen beruhigen nur laufende Meldungen, die Welt stehe noch.

So hilfreich elektronische Abwesenheitsassistenten, so interessant sind die darin gewählten Formulierungen: Nachrichten weder heute noch nach der Rückkehr zu lesen oder aber umgehend zu antworten. Oder – Achtung, Sprechblase – auf den aktuell „eingeschränkten Zugriff“ auf Mails zu verweisen.

Das ist eine Möglichkeit zu sagen: „Natürlich schaue ich permanent, aber ich antworte nur Menschen, die mir wichtig sind.“
Könnte nicht auch reichen: „Ich befinde mich im Urlaub“? Ob man „wohlverdient“ dazuschreibt, muss man sich halt überlegen.

(c) Pixabay
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"Interoperabilität"
Warum Interoperabilität die neue Kooperation ist.

Die Computermenschen haben derzeit bei allem die Nase vorn: bei Technologie und Algorithmus, beim Gehalt sowieso. Und bei der Sprache, wie immer neue Begriffskreationen zeigen. Da bei Technologie, Algorithmus und Gehalt andere Berufsgruppen kaum nachkommen, ist es einfacher, die Sprache raubzukopieren. Das derzeit beliebteste Beutestück ist – Achtung, Sprechblase – Interoperabilität.

Weil: Zusammenarbeit klingt noch öder als Kooperation. Und dass Menschen kompatibel sein sollen, ist selbst Profi-Businesssprech-Sprechern zu kühl. Also: Interoperabilität, nahtlos zusammenarbeiten, Informationen effizient austauschen.

Eines übersehen Interoperabilitätsfans: Schnittstellen (Interfaces, wie die Computermenschen sagen) müssen offengelegt werden. Ui, von Transparenz hat keiner gesprochen (da müsste man offen zueinander sein). Nur von Interoperabilität.

(c) Pixabay
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"Karriereleiter" und "Berufslaufbahn"
Warum Kultur in dieser Komposition auch nur ein Missverständnis ist.

Vor Kurzem hätte man gesagt, die Fußball-WM und das Arbeitsleben verbindet eines: Es geht um den Aufstieg. Noch immer wird Karriere als etwas Lineares gesehen. Die Rede ist von der – Achtung, Sprechblase – „Karriereleiter“ (rauf oder runter) oder der „Berufslaufbahn“ (vor und zurück). Der Schritt zur Seite ist weder auf der Laufbahn (Disqualifikation) noch auf der Leiter (Absturz) günstig.

Tatsächlich hat sich das Karriereverständnis aber geändert. Die Seitwärtsentwicklung bedeutet keinen Imageschaden mehr. Im Gegenteil, sie ist willkommen, zum Lernen und Probieren, um später vielleicht noch spannendere Aufgaben zu übernehmen, ohne in der Hierarchie aufsteigen oder in die erste Reihe treten zu müssen.

Und damit ist Karriere doch wieder wie Fußball. Manchmal muss man den Ball abspielen, sich freilaufen, um letztlich zu scoren.

 

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Ach du liebes Hühnerauge
Warum „Schmerzpunkte“ (keine) Probleme bereiten.

Es spricht sich langsam herum, dass Emotionen und Gefühle viel mit dem Businessalltag zu tun haben. Jedenfalls mehr, als wir als Denker und Rechner zu wissen glauben.

Das spiegelt sich in der Wortwahl wider. Probleme, die ja längst nicht mehr als solche angesprochen werden dürfen (Stichwort: Lösungs- statt Problemorientierung), haben neue, euphemistische Umschreibungen erhalten. Was bis vor Kurzem noch Chance, Herausforderung, Challenge oder ein Thema haben hieß, wird jetzt – Achtung, Sprechblase – Schmerzpunkt genannt. Oder Druckpunkt.

Au ja, da schwingen Emotionen und Gefühle mit, da entstehen neue Bilder. Doch wie soll man mit diesen neuen Problemen umgehen? Die Ursachen suchen und bekämpfen – oder mit Aspirin die Schmerzpunkte lindern und auf die Druckpunkte ein Hühneraugenpflaster auflegen?

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"Zeitkultur"
Warum Kultur in dieser Komposition auch nur ein Missverständnis ist.

Beim Thema Kultur bekommen Führungskräfte gern große Ohren. Kultur klingt gescheit, gepflegt, gehoben – kultiviert eben. Wer kultiviert ist, kann kaum ein schlechter Mensch sein.

Kultur taugt also zur Imagepolitur. Sie haben Führungskräfte angesichts der Zwölf-Stunden-Tageshöchstarbeitszeit-Debatte nötig, die sie als Ausbeuter erscheinen lässt. Da ist die Rede von Unternehmens- und Fehlerkultur und nun auch von – Achtung, Sprechblase – Zeitkultur. (Jaja, Zeit managen, in den Griff bekommen, Zeit ist Geld etc.)

Was dabei oft übersehen wird: Kultur ist kein Steuerungselement, man kann sie nicht vorschreiben. Der Kultur liegen Normen, Werte und Haltungen zugrunde, doch Kultur ist immer nur, was tatsächlich gelebt wird – als Summe tatsächlicher Verhaltensweisen.
So genau will es meist eh keiner wissen. Hauptsache, kultiviert geht es zu.

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„Was beschäftigt dich gerade?“
Warum „Wie geht's?“ besser als sein Ruf ist.

Das Feine am Sommer ist, dass man nicht zwingend über das Wetter reden muss, um ins Smalltalken zu kommen. Es gibt ja die Frage, ob man schon geurlaubt habe, als dankbares Gesprächsthema.

Der Klassiker unter den Smalltalk-Einstiegen bleibt aber immer noch – Achtung, Sprechblase – die vordergründig hintergründige Frage „Wie geht's?“. „Danke“, lautet die Antwort oder: „Gut.“ Wer sagt schon „Hundsmiserabel“? Wer „Wie geht's?“ gefragt wird, kann getrost davon ausgehen, dass die Fragenden die Antwort meist ohnehin nicht interessiert.

„Wie geht's?“ ist also gar nicht so weit entfernt vom „How are you?“-„Fine“-Nonsense der dafür viel gescholtenen Amerikaner.

Wie schlimm wäre es, würde man stattdessen gefragt werden: „Was beschäftigt dich gerade?“ Da müsste man sich ja etwas überlegen. Hilfe! Also lieber: „Und, schon auf Urlaub gewesen?“

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"Core" - der Kern der Sache
Warum „Core“ selbst öde Themen aufregend macht.

Wie motzt man im Business-Sprech Inhalte auf, die an der Schnarchgrenze vegetieren? Man greift in die Anglizismuskiste und setzt ihnen ein – Achtung Sprechblase – „Core“ voran. Schon wird aus dem Thema ein Core-Thema, dem Geschäft ein Core-Geschäft und dem Team ein Core-Team. Aufregend. Aufregender als Kern-Thema, -Geschäft, -Team etc.

Also gibt es Core-Segmente, -Werte und -Immobilien (angeblich die Besten der Besten). Absurd wird es bei Core-CEE-Ländern. Welche Staaten zu den zentral- und osteuropäischen zählen, ist an sich schon unklar, wer deren Kern bilden soll, dann umso mehr.

Und: kein Kern ohne sein Gegenteil, etwa Non-Core-Kreditportfolio. Die hochgezüchtete Obstindustrie aber hat das bislang verschlafen: Immer noch will sie uns „kernlose Weintrauben“ verkaufen – anstatt Non-Core-Weintrauben.

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"On Demand"
Warum Learning on Demand enttäuscht.

Zugegeben: Warten ist öd. Insofern muss man dem Osterhasen den Vorwurf machen, dass er uns die gesamte Fastenzeit lang warten lässt. Umgekehrt: Es dauert eben, bis alle Ostereier sorgfältig gefärbt sind.

Ein Glück, dass wir in digitalen Zeiten leben, in denen es vieles auf Knopfdruck gibt: Videos, Bücher, TV, E-Mobilität, Dates, ja sogar den Doctor on demand gibt es. Theoretisch auch Learning on demand: Wissen dann erwerben, wenn es gebraucht wird. Das funktioniert in vielen Fällen auch.

Doch wer fachliche Tiefe will, wird on demand nur bedingt glücklich: Lernprozesse dauern eben. Und wer den großen Überblick haben will, wird on demand auch nicht weit schauen können – ohne Wissen auf Vorrat wird es nicht gehen.

Also lernen wir: Wer nicht warten kann/will, der kann/darf sich auch nicht viel erwarten. Auch nicht vom Osterhasen.

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"Schulzen"
Warum „schulzen“ kein Politikerprivileg ist.

Wortspiele mit Familiennamen sind eine heikle, weil oft peinliche Sache (Kurz-Geschichten, Kern-Spaltung, Klima-Wandel etc.), die meist schnell an Reiz verliert.

Aus Deutschland erreicht uns dieser Tage allerdings eine Familiennamen verballhornende Sprechblase mit Unwortpotenzial: das Verb schulzen. Aus dem politischen Kontext stammend, bedeutet es so viel wie eine vollmundige Ankündigung machen, um dann diametral zu handeln und das als große Leistung darzustellen – obwohl der Schaden meist nicht zu übersehen ist.

„Ja, ja, die Politiker“, sagen Sie jetzt vielleicht. Aber was habe das mit dem Businessalltag zu tun? Kleiner Tipp: Bei den nächsten Besprechungen mitprotokollieren und gelegentlich nachlesen. Das Archiv ist ja, wie wir dank Robert Hochner wissen, die Rache der Journalisten – und der Mitarbeiter.

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"Eng abstimmen"
Warum „eng abstimmen“ von wenig Vertrauen zeugt.

Man kann es als Prädikat verstehen, sich mit mit seinen Vorgesetzten – Achtung, Sprechblase – „eng abstimmen“ zu dürfen (oder zu müssen). Schließlich ist es ja fein, mit der Führungsriege auf Tuchfühlung und nahe am Auge des Orkans zu sein – also dort, wo entschieden wird. Richtig gehört: Das ist eine passive Konstruktion. Andere treffen die Entscheidungen.

Man könnte daher „eng abstimmen“ auch als ein An-der-kurzen-Leine-Führen verstehen: Der Aktionsradius ist eingegrenzt und definiert, wo man hingehen darf. Man kann an der Leine zerren, ausreißen aber ist meist unmöglich. Vertrauensvoller Umgang sieht anders aus, selbst wenn ein Korridor, in dem man sich bewegen soll, und eine Richtung vereinbart sind.

Doch eine Leine braucht es ebenso wenig wie einen Beißkorb. Und Sitz, Platz und Fuß kann man sich auch sparen.

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„Ich sage nur ein paar Worte“
Warum man „ich sage nur ein paar Worte“ sagt.

Schade, dass Ostern in Unternehmen selten zum Anlass für Feiern dient. Das Fest führt eher ein Frühlingsmauerblümchendasein im Vergleich zu Jahrestagen, Weihnachten und dem Sommer. Damit wird Ostern auch eine der schönsten Ansprache-Sprechblasen verschwiegen: „Ich sage nur ein paar Worte.“

Die Formel ist rätselhaft. Will sie das „nur“ betonen? Das „ein paar“? Also, dass es eine ganz kurze Rede wird, die aber unumgänglich notwendig ist. Oder die „Worte“? Also, dass etwas gesagt wird, weil die Führungskraft bei derlei Gelegenheiten traditionell etwas sagen muss, sich Inhalte erspart und nur Wort an Wort reiht? Es bleibt: ein Rätsel.

Eines aber ist wichtig: Was mit „ich sage nur ein paar Worte“ begonnen hat, darf nach einigen Minuten niemals ohne ein „ich komme schon zum Schluss“ auskommen. Am besten so ungefähr bei der Halbzeit.

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"Hands-on"
Warum „hands-on“ nur eine Nullnummer ist.

Stellenanzeigen zu texten, ist keine einfache Aufgabe. Knackig und aussagekräftig (so wie das zumeist verlangte Motivationsschreiben) soll sein, was in wenigen Zeilen Gusto auf den Job machen will.

Kein Wunder, dass sich darin unbestimmte Begriffe wie belastbar, flexibel oder stressresistent finden. Beliebt ist auch die – Achtung Sprechblase – „hands-on“. Einen spielerischen Zugang, den eines Praktikers, sucht man mit „hands-on“. Ja, eh, was denn sonst? Wer will schon Theoretisierer, die nichts praktisch umsetzen, nicht einmal Konzepte schreiben wollen? Hands-on ist also eine Nullnummer.

Oder ist die Angst vor den Delegierern so groß, dass Selbstzupacker gefragt sind? Dabei fällt selbst vielen Führungskräften das Delegieren schwer. Oft weil sie nichts aus der Hand geben wollen. Für sie wäre es ganz gut, der Stellenanforderung „hands-off“ zu entsprechen.

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„Mühen der Ebene“
Warum die „Mühen der Ebene“ irrelevant sind.

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass sich positives Denken alles andere als negativ auswirkt. Es sei denn, man darf nicht mehr ansprechen, was ist, und jedes Problem ist zwanghaft als „Chance“ zu bezeichnen.

Im Business-Sprech geht es mitunter nicht darum, Lösungsorientierung (Stichwort: Sag Chance zum Problem!), sondern Leistungsbereitschaft und Ausdauer zu demonstrieren. Dann ist von den – Achtung Sprechblase – „Mühen der Ebene“ die Rede und wie heldenhaft man sie bewältigt.

Wanderer und Läufer kennen diese Mühen nicht. Ihnen setzen dort höchstens Langeweile und der Gegenwind zu. Ins Schwitzen kommen sie, wenn es bergauf geht. Oder bergab, wenn die Knie lädiert sind. Geht es mit Unternehmen bergab, wird es erst richtig mühsam. Und die Mühen der Ebene wirken dann wie ein Kindergeburtstag.

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"Silos"
Warum „Silos“ Denker und Karrieristen beirren.

Da haben uns die Spanier was eingebrockt. Mit den „Silos“. Die sind nur gut, Zement, Getreide und Co. zu verwahren. Aber das war's dann mit den positiven Seiten des spanischen Lehnworts „Silo“. So stößt sich Sprechblase-Leser Paul D. am Äußeren der Silos und will sie kunstvoll dekorieren. Andere stört die Unklarheit, ob es „der“ oder „das“ Silo heißt. In Büros wirft man Kollegen anderer Abteilungen oft Silodenken vor. Oder dass sie Silokarrieren machten. Engstirnig, unflexibel, ohne Weitblick.

Nur starke Persönlichkeiten können Silos überwinden. Oder sprengen. Dabei aber gilt größte Vorsicht, wie sich Anfang der Woche im dänischen Vordingborg zeigte. Denn so ein Silo kann eigenwilliger sein als angenommen: Manchmal fällt er bei der Sprengung einfach in die falsche Richtung um. Im konkreten Fall können die Spanier ausnahmsweise nichts dafür.

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"Mach keine Wissenschaft draus"
Warum man „keine Wissenschaft draus machen“ soll. Oder doch.

Wenn es ums Image geht, haben die Theoretiker schlechte Karten. Ähnlich den Wissenschaftlern sind sie als verkopft und praxisfern verschrien. Ihnen fühlen sich die Leute aus dem Business gern überlegen, die „Hands on“-Mentalität für sich beanspruchen: Sie packen an, setzen um, kassieren Lob.

Wer den Aktionismus der Macher genauer anschaut, wird mit einer Sprechblase gestraft: „Mach keine Wissenschaft draus!“ Eifriges Tun lässt sich eben gut verkaufen – nachfragen, -forschen und -denken nicht so sehr.

Paradox wird es dann, wenn jene, die „Mach keine Wissenschaft draus!“ sagen, als Grundlage für ihre G'schaftigkeit nicht irgendwelche Befunde heranziehen, sondern sich auf „wissenschaftliche Studien“ stützen. Da ist die Wissenschaft dann wieder gut genug. Oder anders gesagt: Wissenschaftler haben es manchmal schwer.

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Kündigung ist nicht gleich Entlassung
Warum eine Kündigung keine Entlassung ist.

Juristen, lautet das Klischee, seien pedantisch. Besonders, wenn es um Fachbegriffe geht. Mag sein. Doch diese Art der Genauigkeit zeigen viele Menschen, die ihr Ding mit Leidenschaft verfolgen. Versuchen Sie einmal, eine Kilowattstunde und Pferdestärken zu vergleichen. Oder besser: versuchen Sie eben nicht, Arbeit und Leistung gleichzusetzen. Außer Sie wollen den berechtigten Aufschrei der Naturwissenschaftler provozieren.

Manchmal ist es auch karrieretechnisch wichtig, die richtigen (juristischen) Termini zu verwenden. In den Köpfen der Personaler entstehen etwa ganz unterschiedliche Assoziationen, wenn sie hören, ein Bewerber sei gekündigt (die Kündigung bedarf keiner Begründung), oder er sei entlassen worden. In letzterem Fall muss er etwas angestellt haben (etwa Untreue, Diebstahl etc.) – also deutlich mehr als Kilowattstunden mit Pferdestärken gleichzusetzen.

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"Das Dilemma der letzten Meile"
Warum das „Dilemma der letzten Meile“ rätseln lässt.

Von „Mühen der Ebene“ war im Teil I der „Raunzen“-Miniserie vergangene Woche die Rede. Die heutige Sprechblase: „Das Dilemma der letzten Meile“.
Sprechen Logistiker von ihm, ist das einigermaßen nachvollziehbar: Mit einem 40-Tonnen-Lkw Kunden in Wiens Innenstadt zu beliefern, ist echt dilemmatisch.

Bei allen anderen (besonders Projektleuten), die vom „Dilemma der letzten Meile“ sprechen, stellt sich die Frage: Warum sollte es immer ausgerechnet die letzte Meile sein, die Sorgen bereitet? Weil sie vieles erst auf den letzten Drücker erledigen oder schlecht geplant haben, was sie besonders im Projektfinale spüren?

Und heißt es letzte „Meile“? Bekommt Österreich das Dilemma gar nicht zu spüren, weil wir metrisch – und nicht in Meilen rechnen? Eher ist die deutsche Version des „last mile dilemma“ ein „Dilemma der schlechten Übersetzung“.

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"Karenzurlaub"
Warum „Karenzurlaub“ ein Missverständnis ist.

Mit den steigenden Temperaturen steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Urlaub im Small Talk thematisiert wird: Kurzurlaub, jetzt am verlängerten Wochenende, Wellness-, Wander-, Strandurlaub oder Aktivurlaub (wenn es den gibt, was bitte ist dann ein Passivurlaub?). Wichtig ist: Der Urlaub ist belebend – gleich, ob er entspannend ist oder eine spannende Zeit bietet. Daheim, ums Eck oder in der Ferne.

Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, sich für einige Zeit aus dem Job zurückzuziehen: Bildungskarenz, Mutterschutz und Mutter-/Väter- bzw. Elternkarenz. Wer diese Zeiten selbst erlebt hat, weiß: Sie sind bereichernd, er- und ausfüllend – in vielerlei Hinsicht. Interessant ist, dass noch immer von – Achtung Sprechblase – „Karenzurlaub“ gesprochen wird. Wahrscheinlich von jenen, die noch nie karenziert waren – oder nie auf Urlaub.

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Weg mit der Kugel
Warum wir im Job so gern „am Ball bleiben“.

Wer glaubt, nur in Russland wird in diesen Tagen gekickt, der irrt. Nein, es sind die heimischen Büros, die nicht nur während der Fußball-WM (ja, sie läuft eh nur noch bis 15. Juli) als Arenen, Stadien oder zumindest Spielfelder dienen.

Da ist man in Großraum- und Einzelbüros, in Besprechungsräumen, Kaffeeküchen und auf Gängen – Achtung Sprechblase – „am Ball“. Mehr noch: Da werden sogar ambitioniert „viele Bälle in der Luft gehalten“ – man ist ja Profi.

Da ist alles eine runde Sache. Besonders, wenn man scoren kann – das ist dann natürlich eine Einzelleistung, die man gewürdigt wissen will.

Und wenn es nicht so ganz nach den Vorstellungen läuft, dann wird der Ball flach gehalten. Und wenn gar nichts mehr geht, dann wird jemand anderem der Ball zugespielt. Bloß weg mit der Kugel. Wozu hat man schließlich Teamkollegen?

 

(c) Pixabay
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Helikopterperspektive
Ganz schön abgehoben. Warum die Helikopterperspektive abgehoben ist.

Da sitzt man eben noch am Besprechungstisch, und schon wird er wahr – der Traum vom Fliegen. „Gehen wir gemeinsam in die Helikopterperspektive“, sagt das Gegenüber. Na dann, guten Flug.

Von oben sehen die Dinge immer ein bisschen anders aus: mehr Überblick, doch Distanzen erscheinen verzerrt. Wer schon einmal aus dem Helikopter oder von einem Berggipfel hinuntergeschaut hat, weiß das. Wer aus der Helikopterperspektive blickt, muss aufpassen, nicht von oben herab auf die Dinge zu schauen. Etwas bescheidener erscheint eine andere Phrase: einen Schritt zurücktreten.

Aber wenn wir schon von abgehobenen Dingen sprechen: Viel ist von den Helikoptereltern, die wie ein Gottseibeiuns über ihren Kindern rotieren, alle Probleme und Schwierigkeiten vorhersehen und vorauseilend ausräumen, die Rede. Die Kinder sind schnell daran gewöhnt, und in den Unternehmen – so hat es Dieter Rappold, Chef der Agentur Vi Knallgrau, kürzlich formuliert – geht die Sorge um, dass sie nach den Helikoptereltern auch Helikopterunternehmen verlangen. Auch diese Forderung scheint ganz schön abgehoben.

(c) Pixabay
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"Hallo von meiner Seite"
Kein Ding für Angela Merkel. Warum ein "Hallo von meiner Seite" wenig freut.

Sie sind tückisch, diese sprachlichen Bilder: Wer mit ihnen Geschichten erzählt, sagt (un-)gewollt mehr. Wer etwa von der einen und der anderen Seite spricht, dem sind Unterschiede und Abgrenzungen wichtig. Wie bei der Münze: Ihre Seiten sind fix verbunden, mögen sich aber nicht – einerseits Kopf, andererseits Zahl.

Der Klassiker: Zwei Personen präsentieren. Eine beginnt, die andere ist später am Wort. Und da zu Beginn nichts Verbindendes gesagt wurde, folgt eine Sprechblase: „Hallo auch von meiner Seite.“ Das grenzt ab.

Es ist seltsam, was es mit der „Seite“ auf sich hat: An jemandes Seite zu gehen erklärt die Anatomie. Doch dass das Vergnügen auf meiner Seite liegt und die Freude auf meiner Seite ist? Internetseiten sind jedenfalls nicht gemeint.

Apropos Homepage: Auf uni-protokolle.de wurde diskutiert, ob es „Von meiner Seite her“ oder „Von meiner Seite aus spricht nichts dagegen“ heißt. Wie wäre es mit „Ich bin dafür“?

Dafür ist sicher auch Sowohl-als-auch-Kanzlerin Angela Merkel. Ein ausgrenzendes Entweder-oder ist ja nicht ihr Ding. Oder haben Sie sie je „Ein Hallo auch von meiner Seite“ sagen hören?

(c) APA/dpa/Michael Kappeler
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"Ich bin ganz bei Ihnen"
Ich bin ganz bei mir. Warum "Ich bin bei Ihnen" Angst einflößt.

Menschen mit Berührungsangst können gar nicht anders. Selbst wenn sie die Meinung des Gegenübers teilen und wenn sie einverstanden sind: Sie müssen dagegen sein. Denn sie müssen sich schützen. Schützen vor jener Sprechblase, die Zustimmung ausdrücken soll: „Da bin ich ganz bei Ihnen.“ Stellen Sie sich das einmal bildlich vor. Dieses Ganz-bei-Ihnen-Sein drückt mehr als bloß inhaltliche Tuchfühlung aus.

Trotzdem hört man das „Da bin ich ganz bei Ihnen“ ständig. Auch von Menschen, die über die unterschiedlichen Distanzzonen Bescheid wissen: öffentliche Distanz – rund vier Meter –, wenn wir am Strand das Badetuch auflegen. Soziale Distanz – bis zu vier Metern – auf dem Bahnsteig. Persönliche Distanz – zwischen einem halben und einem Meter, also der Armlängenabstand – im Gespräch mit Kollegen. Und Intimdistanz, sie ist selbsterklärend.

Was das Körperliche betrifft, haben wir das mit der Distanz verstanden. Doch sprachlich hapert es bei vielen. Sie sind weiterhin ständig bei den anderen. Manchmal wünscht man sich, sie würden, bevor sie bei jemandem anderen sind, erst einmal zu sich kommen.

(c) Pixabay
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"Handel ist Wandel"
Was sich reimt, ist gut. Wieso "Handel ist Wandel" von Pumuckl sein könnte.

Das wusste schon Pumuckl – wir erinnern uns: der kleine, barfüßige Kobold mit grüner Hose, gelbem Shirt (damals hieß das Leibchen) und rotem Haar, der nur für den Tischler Meister Eder sichtbar war. „Was sich reimt, ist gut.“ Wenn die gereimte, apodiktische Behauptung dann noch dazu nicht zu widerlegen ist, umso besser. Die Sprechblase „Handel ist Wandel“ – erfüllt alle diese Kriterien.

„Handel ist Wandel“ ist ein Spruch, der gern von Führungskräften benutzt wird, um die „andauernd notwendige Veränderungsbereitschaft in Handelsunternehmen in prägnante Worte zu fassen“, definiert „Gabler Wirtschaftslexikon“ diese Sprechblase.

Ja, richtig, der Handel ist in ständigem Wandel – wie wir in dieser Ausgabe beschreiben. Übrigens: So wie auch alle anderen Branchen.

Pumuckl hat nicht nur Belangloses wie „Pumuckl neckt, Pumuckl versteckt, niemand entdeckt“, sondern auch wirtschaftsbezogen gereimt: „Oh die Stunde sei gesegnet, wo ein Schlosser mir begegnet.“ Reimt sich, ist folglich gut. Und inhaltlich richtig – oder gibt es jemanden, der noch nie auf Handwerker gewartet hätte?

(c) ORF
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"Ich weiß nicht"
Ich weiß, dass ich vieles weiß. Warum "Ich weiß nicht" nur ein billiger Trick ist.

Führungskräften, von denen erwartet wird und die von sich selbst erwarten, alles zu wissen, ist es hoch anzurechnen, wenn wie mit ruhigem Gewissen mitunter sagen: "Ich weiß es nicht." Besonders dann, wenn sie neu in einer Führungsposition sind, wie in unserer Online-Serie "Ich bin der neue Boss" beschrieben.

Ein ähnlicher Satz hat sich im Führungskräfte-Sprachgebrauch schon vor längerer Zeit als Sprechblase eingebürgert. Ihm fehlt nur das "es". Er lautet: "Ich weiß nicht." Im Manager-Sprech ist er Teil einer strengen Choreografie: Zuerst wird eine beliebige Aussagte platziert. Dann folgt: "Ich weiß nicht", um danach auf elegische Weise das eigene, umfangreiche Wissen darzulegen.

Der billige Trick, um Aufmerksamkeit zu heischen, hat einen umgangssprachlichen Bruder und heißt "keine Ahnung". Er tritt nach demselben Schema in Aktion. Der missratene, gewaltbereite Neffe tritt gelegentlich als "Schlag-mich-tot" in Erscheinung. Wer bitte meint, was er da sagt? Und warum sagt, wer das sagt?
Dazu sagen auch Psychologen "ich weiß nicht" – um danach auf elegische Weise das eigene, umfangreiche Wissen darzulegen.

(c) Pixabay
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"Aus gegebenem Anlass"
Max hat richtig Mist gebaut. Warum „aus gegebenem Anlass“ heute passend ist.

Regelmäßig finden sie sich im Posteingang: Mails mit dem Betreff „Aus gegebenem Anlass“. Im Text findet sich dann so etwas Ähnliches wie „weisen wir darauf hin, dass . . .“

Ja, was wollen Führungskräfte ihren Mitarbeitern damit sagen? Dass es nicht schadet, gelegentlich das eigene Gewissen zu erforschen? Oder soll es via digitalen Zeigefinger daran erinnern, nur ja brav zu sein?

Zwei Effekte haben „Aus gegebenem Anlass“-Mails jedenfalls. Erstens: Sie sind eine Art Pauschalanschuldigung. Jeder Einzelne fragt sich mehr oder weniger pikiert: „Was habe ich damit zu tun?“ Zweitens: Sie sorgen für Gerüchte, wer denn wieder richtig Mist gebaut hat. Denn irgendetwas muss ja schließlich passiert sein, und da will ein Schuldiger gesucht und gefunden werden. Denn gäbe es keinen Anlass, könnte und würde nicht darauf hingewiesen werden.

Beide Nebenwirkungen erspart sich, wer entweder den Anlass beim Namen nennt oder ganz unaufgeregt schreibt: „Wir erinnern daran, dass . . .“

Übrigens: Der gegebene Anlass, die Worthülse „aus gegebenem Anlass“ zum Thema zu machen, ist die 100. Folge dieser Kolumne.

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"Entschleunigen"
Entschleunigt, aber schnell! Warum Entschleunigung sehr stressig sein kann.

Wann, wenn nicht jetzt in der Urlaubssaison ist Zeit zu entspannen? Oder wie das neuerdings heißt: zu entschleunigen. Eine wunderbare Sprechblase. Ein wunderbares Modewort, das die Ratgeberindustrie antreibt, ihr Arbeitstempo zu beschleunigen, um potenzielle Entschleunigungskandidaten mit Entschleunigungstipps zu versorgen.

Zum Beispiel: Nein sagen lernen, langsam gehen, bewusst zuhören. Klar. Aber auch zehn Sekunden auf die eigene Nasenspitze schauen. Das entspannt angeblich. Und damit man auf diese Entspannung nicht vergisst, wird geraten, sich alle 60 Minuten per Wecker oder Handyalarm daran zu erinnern. Entschleunigen kann ganz schön stressig sein.

Auch für Manager gibt es eine Reihe von Entschleunigungstipps. Sieben von ihnen hat Hill-Managerin Monika Kanatschnig zusammengestellt: auf ein Ziel konzentrieren, kontinuierlich arbeiten, klare Sprache wählen, Entscheidung treffen, Rituale entwickeln, Sicherheit geben und bei jeder passenden Gelegenheit lachen. All das macht das Unternehmen nicht langsamer, aber effektiver. Also in diesem Sinn: Entschleunigt, aber bitte ganz schnell!

(c) pexels
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"Briefen"
Urlaubsgrüße und Goethe. Warum Briefen viel zu oft eine langatmige Sache ist.

Jetzt haben die Postkarten wieder Saison. Zwischen 40 und 50.000 Stück stellt die Post täglich zu, mit denen die Adressaten peinlich genau über Anreise, Unterkunft, Verpflegung und vor allem Wetter informiert werden. Versehen mit (ganz) lieben/herzlichen/vielen/sonnigen Urlaubsgrüßen. Helga Ursula Libowski hat dazu sogar ein 64 Seiten starkes Buch verfasst: „Der kleine Urlaubskarten-Ratgeber“.

Nicht nur sommers, sondern das gesamte Jahr hindurch sind hingegen Briefe gefragt. Und natürlich auch das Briefen bzw. Briefings. Ursprünglich war es die kurze (brief!) Instruktion, damit der Gebriefte seinen Job erfüllen konnte. Doch dann verwandelte der Wichtigtuereffekt die kompakte Unterweisung in eine langatmige Dauerinformationsveranstaltung in Form elendslanger Zusammenfassungen und scheinbar endloser Besprechungen – und damit das Briefing zur Sprechblase.

Die Kurzversion – und das macht sie anstrengend – benötigt wesentlich mehr Konzentration. Frei nach Goethe heißt das für die Urlaubszeit: „Ich schreibe Dir einen langen Brief, weil ich keine Zeit habe, eine kurze Postkarte zu schreiben.“

(c) Pixabay
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"Geld in die Hand nehmen"
Zärtliche Umarmung. Warum man besser kein Geld in die Hand nimmt.

Wenn heute jemand Geld in die Hand nimmt, handelt es sich dabei entweder um

a) einen Manager oder Politiker, der Geld (in einem Koffer) überreicht bekommt, um etwas (nicht) zu tun,

b) einen Manager, der keine Ahnung von bargeldlosem Zahlungsverkehr hat oder

c) einen Grieche am Bankschalter oder Bankomaten. Drei unerquickliche Fälle.

Trotzdem wird die „Geld in die Hand nehmen“-Sprechblase gern eingesetzt. Neu ist die Wendung nicht, sie findet sich spätestens seit Gottfried Kellers „Der grüne Heinrich“ in den 1850ern. Seit wann sie aber besonders oft bemüht wird? Seit die sogenannte Krise im vergangenen Jahrzehnt ausgebrochen ist. Seit damals ist viel davon die Rede, wo und worin man nicht investieren könnte.

Es klingt vor allem nach Tatkraft, wenn Dinge in die Hand genommen, also erledigt werden. Zudem birgt „Geld in die Hand nehmen“ beinahe wörtlich in sich, was heute von Führungskräften wie Mitarbeitern gefordert wird: Hands-on-Mentalität.

Passend, was der Exbanker und Rolls-Royce-Fan Jürgen Büch dazu meint: „Ein reicher Mann kann sein Geld in die Hand nehmen, nicht aber in den Arm.“

(c) Pexels
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"Mehrwert"
Für die Fans von St. Marx. Warum Mehrwert nichts über den Mehrwert sagt.

Natürlich gibt es wissenschaftliche Erklärungen, warum die Mehrwertsteuer im Sprachgebrauch so und nicht Umsatzsteuer heißt. Mitunter allerdings hat man das Gefühl, die Mehrwertsteuer sei deswegen eine der wichtigsten Einnahmequellen des Staates, weil so viele Produzenten und Dienstleister ihre Produkte und Dienstleistungen unaufhörlich unter Hinweis auf deren Mehrwert anpreisen. Das Mobiltelefon, die Schulung, der Haarschnitt: alles mit Mehrwert.

Was dabei stets verschwiegen wird, ist der Bezugs- und Vergleichspunkt: Mehr Wert als was, Mehrwert bezogen worauf?

Mit ihrem (angeblichen) Mehrwert preisen sich mittlerweile auch viele Jobsuchende potenziellen Arbeitgebern an. Nur Fans von Karl Marx denken dabei an dessen (heftig kritisierte) Mehrwerttheorie, mit der er den Ursprung des Unternehmergewinns aus der Ausbeutung der lohnabhängigen Arbeiter nachzuweisen versucht.

Wie auch immer. Angesichts der Temperaturen fragt sich heute ohnehin nur, ob der (Achtung, schlechter Wortwitz!) Urlaub am Meer einen Mehrwert gegenüber dem Ausflug zum heimischen Badesee hat.

(c) Pixabay
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"Sich austauschen"
Du wechselst ins Marketing? Warum „sich austauschen“ das neue Reden ist.

Der Austauschhandel ist beliebter als gedacht. Menschen, die etwas zu sagen haben, ergingen schon immer in gepflegtem Meinungsaustausch. Davon profitierten beide. Ganz im Gegensatz dazu, die Meinung gegeigt zu bekommen.

Mittlerweile hat der Austauschhandel einen neuen Geschäftszweig, der auch all jenen offen steht, die keine Meinung haben. Entsprechend wird kaum mehr miteinander gesprochen oder gar diskutiert. Die neue Sprechblase der Kommunikation heißt: „Da muss ich mich noch mit xy austauschen.“ Immerhin: Dieses Austauschen funktioniert noch ganz gut, wenn es um Erfahrungen geht.

Oft wird der Austausch-Sager auch dann bemüht, wenn der Austausch weniger freundlich verläuft, er eine Anordnung oder Rüge zum Inhalt hat. Ja sogar für Beratungsgespräche wird er verwendet: „Da muss ich mich noch mit meinem Berater austauschen.“ Ein schlechter Tausch für den Berater: Er bekommt ein Problem und gibt dafür einen Rat . . .

Übrigens: Wenn eine Kollegin sagt, „ich tausche mich noch mit xy vom Marketing aus“, hat das nichts mit Job Rotation zu tun.

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"Das ist historisch gewachsen"
Achtung, Explosion! Warum historisch gewachsen wie Beton wirkt.

Die Formeln „Das war schon immer so“ und „Das haben wir schon immer so gemacht“ kommen in der viel beschworenen Dynamik des Wirtschaftslebens nicht gut an. Doch es gibt eine Ausweichvariante: „Das ist historisch gewachsen“. Diese Sprechblase hat Gewicht und beschämt: Hätte ich doch im Geschichtsunterricht besser aufgepasst.

Historisch gewachsen heißt, niemand kann mehr sagen, wie es dazu kam. Alle haben sich daran gewöhnt. Zwar ist kaum jemand restlos glücklich damit, aber die große Mehrheit ist sich (stillschweigend) einig, die Situation beizubehalten. Wer (als Führungskraft) trotzdem etwas verändern will, darf eben auch vor der Geschichte nicht haltmachen.

Zudem wirft historisch gewachsen die Frage auf, wie etwas anders als historisch wachsen kann. Selbst Organisationen oder Organismen, die exponentiell wachsen (geht das?), brauchten Zeit, um die aktuelle Größe zu erreichen. Mit anderen Worten: Auch sie haben ihre Geschichte, ihre Historie. Wachsen braucht eben Zeit.

Dass mitunter zu hören ist, etwas sei explosionsartig oder sprunghaft gewachsen, ist offenbar historisch gewachsener Sprachgebrauch.

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"Geht nicht, gibt's nicht"
"Quäl dich, du Sau". Warum "Geht nicht, gibt's nicht" nicht nur motiviert.

Weil gerade die Tour de France wieder rollt, eine kleine Motivation: „Quäl dich, du Sau“, schrie der deutsche Radprofi Udo Bölts 1997 seinen Teamkollegen Jan Ullrich auf der 18. Etappe an, um ihn (letztlich erfolgreich) zum Sieg zu treiben. Was Bölts sagen wollte: „Geht nicht, gibt's nicht!“ Mit anderen Worten: Leistung geht. Kreativität geht. Damit wird vielfach scheinbar Unmögliches möglich.

Die Sprechblase „Geht nicht, gibt's nicht“ wirkt zugleich als Totschlag-Phrase: Wer „Geht nicht, gibt's nicht“ zu hören bekommt, steht unweigerlich als fantasieloser Leistungsverweigerer da. Und wer will das schon.

Manchmal gibt's „Geht nicht“ doch. 2003 ging die Baumarkt-Kette Praktiker, die mit dem Slogan „Geht nicht, gibt's nicht“ geworben hatte, in Konkurs. Jens Korff erzählt in „Die dümmsten Sprüche aus Politik, Kultur und Wirtschaft“ von einem deutschen Konzern: Dessen Spitze sagte 1994 zu, in Saudiarabien in fünf Monaten eine Zementfabrik für 100 Millionen Mark zu errichten.

Ein „Geht nicht“ wollte man nicht hören. Ein Jahr und enorme Konventionalstrafen wegen des versäumten Termins später war der Konzern pleite.

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"Vision"
Wann beginnt die Zukunft? Warum wir Visionen oft schwer fassen können.

Die Parole wäre einfach: „Die Gegenwart gestalten!“ Doch wenige Führungskräfte bringen sie über die Lippen. Viele bemühen, wenn sie ihre Mitarbeiter bewegen wollen, lieber die Sprechblase: „Die Zukunft gestalten!“ Gern versehen mit dem Zusatz „aktiv“ – als würde „gestalten“ nicht genug Aktivität bedeuten.

„Die Zukunft (aktiv) gestalten“, klingt nach Weitblick und ist doch nur eine Sicherheitsvariante: Es bleibt unklar, wann diese Zukunft beginnt. Und die Parole verrät nichts über mittel- und langfristige Vorstellungen.

Dazu bedarf es nämlich einer Vision. Unangenehm, dass sich mit der Vision die nächste Sprechblase zu Wort meldet, die gern für alles und nichts (miss-)braucht wird. Dabei ist es so einfach, wie Managementberater Michael Hirt kürzlich in der „Presse“-Serie „7 Todsünden des Managements“ dargelegt hat: Im Unterschied zur Mission, dem Kernauftrag, beschreibt die Vision das Bild, wie die Welt aussieht, wenn ein Unternehmen seine Mission erfüllt hat. Die Vision gibt allen Beteiligten Klarheit über die großen Ziele, und sie sagt, bis wann sie umgesetzt werden sollen. Damit ist klar, wann die Zukunft beginnt: meistens in der Gegenwart.

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"Das Optimum optimieren"
Das Beste aller Zeiten. Warum selbst das Optimum optimiert wird.

Die Werbung zeigt uns vor, was wir wirklich zu wollen haben: Wir wollen das Beste. Natürlich und auch vollkommen zu Recht. Wir wollen das beste Netz zum Surfen und Telefonieren, das beste Eck vom Käse auf dem Teller oder das Beste oder nichts, wenn es um Fahrzeuge geht.

Die optimistischen unter den perfektionistischen Führungskräften lassen sich in ihrem Eifer zu einer ganz besonderen Sprechblase hinreißen: Sie versprechen, das Beste noch besser zu machen. Sie drücken es nicht nur ohrenfälliger, sondern geradezu optimal aus und sprechen davon, das „Optimum zu optimieren“.

Nein, es ist gar nichts dagegen einzuwenden, das schönste, größte, effektivste und effizienteste – kurz das bestmögliche Ding zu schaffen. Davon leben Wirtschaft und Gesellschaft.

Doch nur zu oft wird auch in diesem Zusammenhang versucht, die Kunden mit Phrasen einzulullen: Im Regelfall behaupten sie, im Zuge des Optimumoptimierens das Beste aller Zeiten destillieren zu wollen. Klingt gut, ist aber – trotz aller Bemühungen – vorerst vergebene Mühe. Denn wie will jemand vor dem Ende der Zeit wissen, was das Beste aller Zeiten war?

Wie auch immer: Eines haben die Optimumoptimierer jedenfalls längst erreicht: Dass das Beste für uns ganz normal geworden ist.

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"Synergieeffekte"
Wie der Schatz im Silbersee. Warum Synergieeffekte so schwer zu heben sind.

Das hat Aristoteles davon. Er hat in seiner Metaphysik Kompliziertes kompliziert ausgedrückt. In Erinnerung geblieben ist dennoch nur die Verknappung „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile.“

Ein Satz, der ganz offensichtlich weltweit inspiriert und dazu animiert, Teile zusammenzufügen. In der Hoffnung, dass eins plus eins mehr als zwei ergibt und Synergieeffekte gehoben werden können. (Richtig, sie werden „gehoben“ – wie ein Schatz.) Egal, ob Abteilungen zusammengelegt oder Konzerne verschmolzen werden, jedesmal schlägt die Stunde der Sprechblase „Synergieeffekte“. Als „sinnvoll“ und „positiv“ werden sie meist gelobt. Nur selten deuten die Unternehmenskommunikatoren in ihren Aussendungen an, worum es immer auch geht: um das Kostensparen.

In der Praxis sieht die Sache dann meist so aus: Erst werden die Synergiepotenziale bewertet. Es wird zusammengeführt und versucht, Synergieeffekte zu heben. Dann werden die einst Vermählten wieder geschieden: Man müsse Energien fokussieren, oder so ähnlich. Oder man hat sich mit den prognostizierten Synergieeffekten einfach überhoben.

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"Datenschieflage"
Ganz schräge Geschichte. Warum Datenschieflagen nichts Gutes verheißen.

Dass Dinge schiefgehen respektive schieflaufen können ist bekannt. Das kann und wird immer wieder passieren. Im Idealfall lässt sich aus den Fehlern lernen – abhängig von innerer Einstellung und/oder Unternehmenskultur.

Während in Deutschland vom Schiefstand gesprochen wird, wird hierzulande weniger gestanden als gelegen: Dinge liegen schief.

Schiffe geraten genauso in Schieflage wie das Bildungssystem oder die Arbeitswelt. Von finanzieller oder sozialer Schieflage ist die Rede. Neuerdings können sogar Preise in Schieflage geraten. Gemeint ist damit ein enttäuschendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Ein wunderbares Beispiel für eine Sprechblase ist die Datenschieflage. Dieses Wort, das bislang nur einigen Datenbankexperten geläufig war, macht jetzt auch in anderen Kreisen die Runde – und bedeutet nichts anderes als Informationsdefizit oder: „Ups, das hätte ich Ihnen eigentlich sagen sollen.“ Doch das kommt selten so gut an wie: „Oh, hier handelt es sich offensichtlich um eine Datenschieflage.“

Wenn schon einmal die Daten schiefliegen, ist Vorsicht geboten: Da wird sicher noch einiges schiefgehen.

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"Das zahlt auf die Marke ein"
Ihr seid doch Erbsenzähler. Warum sich nicht alles auszahlt, was einzahlt.

Das Sparbuch hat es geschafft. Trotz Schlagzeilen um die Negativzinsen ist es wieder aus der Schusslinie. Es wird weiter – sofern vorhanden – Geld auf das Sparbuch gelegt. Oder anders gesagt: Es wird Geld eingezahlt. Einzahlung, so sagt die Betriebswirtschaftslehre, ist gleich Liquiditätszugang.

Niemand würde hingegen sagen: Dieses Geld zahlt auf mein Sparguthaben ein. Sehr wohl hingegen sagen Marketingleute: „Das zahlt auf das Image, das zahlt auf die Marke ein.“ Die Marke werde bekannter, beliebter, großartiger: Das hat etwas Altruistisches, Idealistisches, geradezu Heroisches. Und ist meist weder zu bestätigen noch zu leugnen, denn den Markenwert zu berechnen ist eine schwierige Aufgabe.

Doch um quantifizierbare Wertsteigerung geht es ohnehin nicht, wenn davon die Rede ist, dass etwas auf die Marke einzahlt. Vielmehr wird diese Sprechblase gern bemüht, um zu beruhigen, wenn andere das Gefühl nicht loswerden, Geld werde sinnlos verbraten, und sich fragen: „Können wir damit Geld verdienen?“ Wie unromantisch. Wie erbsenzählerisch. Nur weil irgendetwas auf etwas einzahlt, heißt das noch lang nicht, dass sich das auch auszahlt.

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"Evaluieren"
Mut kann man nicht kaufen. Warum Evaluierungen oft bloßes Zeitschinden sind.

Da nehmen Start-Upper wie etablierte Organisationen ihren ganzen Mut zusammen und probieren Neues. Begleitet von hohen Erwartungen. Die Sache läuft an – doch die Erwartungen erfüllen sich nicht. Was tun? Klar: evaluieren.

Was definitionsgemäß „sach- und fachgerecht beurteilen“ bedeutet, ist in der Praxis primär eine beliebte Methode, so viel Zeit wie möglich zu gewinnen. Eine böse Unterstellung? Gut möglich. Und wenn es eines eigenen Projektmanagements für die Evaluierung bedarf? Sehr wahrscheinlich.

Sicher ist, dass Evaluierungen sehr unterschiedlich angelegt sein können. Aussendungen verschiedenster Unternehmen und Institutionen zeigen, wie hierzulande evaluiert wird: laufend, kontinuierlich – das klingt vernünftig. Oder Evaluierungen sind: wissenschaftlich, ernsthaft, genau – ja wie denn sonst? Das lädt geradezu dazu ein, über das Gegenteil nachzudenken.

Anders geht der Finanzminister vor, wie er in einer Pressemitteilung verlauten ließ. Es sei seine Aufgabe, „durch Reformen intelligent zu sparen, Effizienzen in allen Bereichen zu steigern und Maßnahmen mutig zu evaluieren“. Also: nur Mut.

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"Arbeitgeber und -nehmer"
Die Macher sind gefragt. Warum Arbeitnehmer auch Arbeitgeber sind.

Früher war alles hierarchisch und direktiv: Die Gönnerhaften gaben Arbeit, die Bedürftigen nahmen sie – sehr altmodisch. Und heute? Menschen sind emanzipiert, sie begegnen einander auf Augenhöhe – sehr modern.

Begrifflich hat sich hingegen nichts verändert. Es gibt weiter (Achtung: Sprechblase!) Arbeitgeber und -nehmer. Zweitere führen die Arbeit(saufträge) hoffentlich auch ordentlich aus.

Klar, es gibt auch heute Menschen mit bahnbrechenden Ideen und revolutionären Erfindungen, die Menschen Arbeit geben, weil sie allein nicht alle Apple-Computer zusammenschrauben oder Facebook vorantreiben können.

Meist sind es die sogenannten Arbeitnehmer, die selbst Arbeitgeber sind, weil sie Dinge innerhalb ihres Jobs forcieren. Weil sie Aufträge lukrieren, Produkte und Dienstleistungen weiterentwickeln. Damit wird ihre Forderung an die Politik, Arbeitsplätze zu schaffen, eine Forderung an sich selbst.

Generell gilt bei der Arbeit: Die Macher sind gefragt. Doch auch hier ist auf die Feinheiten zu achten: Nicht schlecht, wenn sie die Arbeit machen. Ganz schlecht hingegen, wenn sie jemandem Arbeit machen.

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"Ergebnisorientiert"
Der Weg ist nicht das Ziel. Warum wir alle eh immer ergebnisorientiert sind.

Damit punkten Führungskräfte: Wenn sie sagen, wo es langgeht. Wenn sie sagen, was zu tun ist. Kurz: Sie punkten, wenn sie Orientierung geben.

Entsprechend wollen sie orientierte Mitarbeiter. Weniger problemorientiert als lösungsorientiert. Herausforderungen soll möglichst lösungsorientiert begegnet werden. Im Zweifel nicht lang überlegen, woher die Probleme kommen und nur ja nicht in „Problemtrance“ verfallen. Probleme sollten möglichst schnell vom Tisch. Egal wie, schließlich ist der Weg nicht das Ziel. Und ganz ehrlich: Zur Not findet sich immer ein Teppich, unter den das Problem gekehrt werden kann.

Noch besser als Lösungen aber sind Ergebnisse: Daher sollten Mitarbeiter vor allem – Achtung Sprechblase – ergebnisorientiert sein. Diese Eigenschaft, Ergebnisorientierung, wird gern in Jobausschreibungen genannt und von den zukünftigen Mitarbeitern verlangt. Schön. Doch berufliches Handeln ist in aller Regel immer auf ein konkretes Ergebnis ausgerichtet. Was also bitte macht ein Mitarbeiter, der nicht ergebnisorientiert ist? Er kann nicht einmal nichts tun. Denn sogar das brächte ein Ergebnis.

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"Ergebnisoffen"

Diese Partie ist geschoben. Warum ergebnisoffen nichts Gutes verheißt.

Favorit hin oder her: Vor einem Fußballspiel ist in der Regel unklar, wie die Begegnung enden wird. Es sei denn, sie ist geschoben. Dennoch wird kein Spieler jemals sagen: „Wir gehen ergebnisoffen in die Partie.“ Sportler wollen ein Ergebnis, das sie als Sieger zeigt. Und nicht nur Sportler wollen das. Im Geschäftsleben ist es ganz ähnlich: Wer Verhandlungen aufnimmt, will ebenfalls seine Interessen verwirklicht sehen. Selbst wer inhaltlich keine Vorstellungen hat, will am Ende zumindest souverän dastehen.

Interessanterweise werden viele Gespräche angeblich ergebnisoffen geführt – eine wunderbare Sprechblase. Als wäre das etwas Besonderes. Doch wer „ergebnisoffen“ sagt, meint damit tatsächlich: Ich rede zwar jetzt, aber ich will gar kein Ergebnis erzielen.

Paradoxerweise steht damit aber das Ergebnis erst recht fest: Es soll viel geredet, aber wenig gesagt werden. Greifbares soll nicht dabei herauskommen.

Wenn das Gegenüber erst einmal das Gefühl hat, betonen zu müssen, dass hier auch wirklich ergebnisoffen gesprochen wird, dann ist höchste Vorsicht angesagt. Und wenn es ein Fußballer sagt, dann erst recht.

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„Aus persönlichen Gründen“
Einfach sagen, was Sache ist. Warum aus persönlichen Gründen unpersönlich ist.

Immer diese Fragen: Warum man den Job verlasse, oder warum man nicht beim Abendtermin aufgekreuzt sei. Die gängige Begründung: „Aus persönlichen Gründen.“ Mit dieser Sprechblase ist das Gegenüber in der Bredouille: Es weiß nicht mehr als zuvor, und jede Nachfrage lässt es indiskret erscheinen. Gleichzeitig lädt „Aus persönlichen Gründen“ zu Spekulationen ein.

Allerdings: Wer sich auf persönliche Gründe beruft, hat immer recht. Jeder Grund ist persönlich. Oder hat jemals jemand aus unpersönlichen Gründen abgesagt oder aus unpersönlichen Gründen gekündigt?

Interessanterweise unterstützt die Ratgeberliteratur den „Aus persönlichen Gründen“-Schmäh. Etwa, wenn es darum geht, ein Jobangebot oder eine Einladung nicht anzunehmen.

Aus Loyalität werden oft persönliche Gründe genannt, wenn Arbeitsverträge (vorzeitig) beendet werden. Doch damit steigt der oder die Ausscheidende schlecht aus: Vielleicht waren doch Inkompetenz, Durchsetzungsschwäche oder Überforderung die wahren Gründe? Daher: Einfach sagen, was Sache ist. Das ist weniger unpersönlich, als persönliche Gründe vorzuschieben.

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„Da bin ich jetzt ganz leidenschaftslos.“
Einen Liter Herzblut, bitte. Warum Leidenschaftslosigkeit tief blicken lässt.

Da gibt ein Mitarbeiter sein ganzes Herzblut (Achtung: Sprechblase! Es existiert also Blut, das nur im Herzen blubbert?) für ein Thema hin. Er versucht alles, verausgabt sich, tüftelt leidenschaftlich.

Wie auch immer: Da gibt also jemand sein Herzblut für ein Thema hin, präsentiert es seiner Führungskraft, bietet sogar noch liebevoll erarbeitete Alternativen an, und als Antwort kommt die nächste Sprechblase: „Da bin ich jetzt ganz leidenschaftslos.“ Danke. Was bitte soll das heißen? Gängige Interpretationsmodelle sagen:

a) Ich habe keine Ahnung. Daher tue ich so, also stünde ich über den Dingen, um mein Gesicht zu wahren.

b) Ich kann sehr wohl unterscheiden, was wichtig ist. Dieses Thema ist unwichtig. Lasst mich in Ruhe und sekkiert, wollt ihr Feedback, jemanden anderen.

c) Das Thema ist mir egal. Oder auf gut Englisch: „It is all the same to me.“
Immerhin: Die Leidenschaftslosigkeit lässt einen (wenig erfreulichen) Spielraum offen. Der mit leiser Ironie ausgesprochene Satz „Da bin ich total tiefenentspannt“ hingegen nicht. Er bedeutet: Hier funktioniert nichts, ich bringe nichts zustande. Ist aber auch egal.“

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"Sie müssen sichtbarer werden"
Lichtfahrer sind sichtbarer. Warum sichtbarer zu werden bedrohlich ist.

Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass Feedback zu geben keine schlechte Idee ist und der Motivation der Mitarbeiter eher nicht schadet.

Laufend Feedback zu geben – nicht nur in den turnusmäßigen Mitarbeitergesprächen – ist aber gar nicht so einfach und darüber hinaus Nährboden für viele Sprechblasen. Eine dieser beliebten Feedback-Sprechblasen-Phrasen lautet: „Sie müssen sichtbarer werden.“

Doch was heißt sichtbarer werden? Wer nicht sichtbar, also unsichtbar ist, existiert (für die Führungskraft) so gut wie nicht. Oder heißt sichtbarer werden: Sie sind zu wenig anwesend, weil Sie zu viel im Homeoffice oder zu viel unterwegs sind? Dann sollte ein klärendes Gespräch folgen.

Oder heißt das: Sie liefern schlechte oder gar keine Leistung? Dann müssen die Gründe auf den Tisch.

Oder heißt das: Sie inszenieren sich beim unternehmensinternen Jahrmarkt der Eitelkeiten zu wenig? Dann gilt es, den lichtvollen Auftritt zu üben. Im Straßenverkehr gilt schon länger: Lichtfahrer sind sichtbarer! Doch wenn nur es nur auf die Show ankommt, stellt sich die Frage: Arbeite ich im richtigen Unternehmen?

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"Sinnstiftend"
Macht einmal was sinnloses. Warum Sinnstiftendes maßlos überschätzt wird.

Arbeit muss Sinn stiften – das ist die Prämisse dieser Tage, wenn es um Jobs g