Studierende, was wünscht ihr euch?

Fünf Studierende, fünf Berufsziele, fünf Wunschzettel. Alle fünf sehr individuell. Was sie eint, ist ein Anspruch an den künftigen Job: Er muss Spaß machen.

(c) Getty Images/iStockphoto (Professor25)

Was erwarten sich die jungen Studenten wirklich vom Arbeitsleben? Ist es der schnelle Aufstieg in die Managerposition, der sie antreibt? Das Traumbüro mit Hightech-Ausstattung und Wuzzlertisch zur Entspannung zwischendurch in der „lounge area“? Oder sind die meisten ohnehin froh, wenn sie nach dem Studium irgendjemand einstellt, egal, was es zu tun gilt?

Wir haben fünf Studierende gefragt und fünf verschiedene Meinungen gehört. Und doch ergibt sich ein Bild: Sie alle wollen Karriere machen, aber nicht um jeden Preis. Überstunden sind selbstverständlich, zumindest, solange keine Kinder da sind. Ins Ausland gehen, flexibel sein, sich weiterentwickeln, besser werden – das ist es, was zählt. Denn langweilig darf der Job nicht sein. Der Spaß ist das Wichtigste. Viel wichtiger als das Geld.

Anna Krenn, 23 Jahre

Master Klinische Psychologie und Psychologisches Diagnostizieren, Sigmund Freud Privatuniversität

Anna Krenn
Anna Krenn
Anna Krenn – Àkos Burg

Ursprünglich wollte Anna Krenn Medizin studieren. Doch sie scheiterte am Aufnahmetest und musste sich eine Alternative überlegen. Psychologie war ein Fach, das sie schon in der Schule spannend fand. Außerdem wäre auch so eine Arbeit im Krankenhaus möglich. „Warum also nicht?“, sagt die heute 23-Jährige über ihre damalige Entscheidung. Bereut hat sie ihre Wahl nicht. Mittlerweile ist sie im ersten Semester von gleich zwei Masterstudiengängen an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien, Klinische Psychologie und Psychologisches Diagnostizieren. Die „vielen Facetten der Psychologie auskosten“, das plant Anna auch für später. Durch das breit gestreute Feld würden sich viele berufliche Möglichkeiten ergeben. Während es im Krankenhaus nur wenige Ausbildungsplätze für Klinische Psychologen gäbe, die noch dazu schlecht bezahlt würden, finde man etwa in Schulen oder der Wirtschaft viel einfacher einen Job. „Da muss man sehr flexibel sein.“ Denn mit einer solchen Einstellung komme dann auch die Bezahlung, da ist sie sich sicher.

Das Gehalt sei neben einem interessanten, sinnvollen Job, in dem sie sich weiterentwickeln könne, „nicht unwichtig“. Sie möchte dann, wenn sie eine Familie gründet, ihren Kindern „auch etwas bieten können“. Das habe aber noch Zeit. Dass man in der Psychologie trotz großer Beliebtheit des Studiums Karriere machen kann, davon ist Anna überzeugt. Man müsse sich eben eine Nische suchen.

Für einen guten Job könne sie sich vorstellen, zurückzustecken oder eine Zeit lang wegzuziehen. Die Charité in Berlin mit ihrer großen Kinder- und Jugendpsychologieabteilung sei einer ihrer Traumarbeitgeber.

Sie ist sich bewusst, dass die Arbeit mit Patienten auf die Privatsphäre übergreifen kann. „Solange es im Rahmen bleibt, ist das für mich in Ordnung.“ Aber gerade durch diese belastende Arbeit ist ihr ein Arbeitsplatz wichtig, bei dem das Kollegium passt und ein „Auffangnetz“ darstellt.

Moritz Dragosits, 25 Jahre

Master Volkswirtschaft, WU Wien

Moritz Dragvits
Moritz Dragvits
Moritz Dragvits – Àkos Burg

Moritz Dragosits denkt langfristig. Zum Beispiel an die Pension. Oder wie er sie vermeiden kann. Der Volkswirtschaftsstudent möchte nämlich einen Job, den er mit 70 Jahren immer noch gern macht und ausüben kann. Ein bisschen zurückschrauben würde er dann schon. Auf 20, 25 Stunden. Langweilig darf ihm aber nicht werden, das ist klar.

Analytisch denken, das liegt dem 25-Jährigen. Deswegen hat er sich auch für Volkswirtschaft entschieden. Aber neben dem Interesse für das Fach haben zukünftige Berufsaussichten bei der Studienwahl mitgespielt. Mittlerweile ist er im letzten Semester des Masters. Sorgen, dass er einen geeigneten Job finden wird, macht er sich nicht: „Jedes größere Unternehmen, jede Bank braucht Volkswirte.“

Karriere machen will Moritz schon. „Geld ist aber nicht das oberste Ziel.“ Er werde immer so genug verdienen, dass er davon gut leben kann, ist er überzeugt. Karriere bedeute vielmehr, „in dem, was ich mache, gut zu sein. Einer der Besten.“ Um das zu erreichen, ist es für ihn selbstverständlich, auch weit mehr als 40 Stunden pro Woche zu arbeiten. „Es ist mir klar, dass das sein muss“, zumindest in den ersten Jahren. Von seinem ersten Arbeitgeber nach dem Studium erwartet er sich kein tolles Büro, keine Extras wie den Wuzzlertisch im Pausenraum oder ein eigenes Fitnesscenter. „Für mich ist das alles viel Show. Ganz nett, aber wenn man es nicht hat, kommt man auch über die Runden.“ Für ihn reichten ein Schreibtisch und ein „ordentlich funktionierender“ Laptop. Aber: „Ich muss mich weiterentwickeln und viel lernen können.“ Biete ihm das sein Arbeitgeber nicht, würde er wieder gehen. Denn Sicherheit, die stehe beim ihm „ganz an letzter Stelle“.

Maria Wirth, 21 Jahre

Zahnmedizin, Med-Uni Wien

Maria Wirth
Maria Wirth
Maria Wirth – Àkos Burg

„Ich muss mir nicht viel überlegen, was danach kommt“, sagt Maria Wirth. Die 21-Jährige studiert Zahnmedizin im dritten Semester. In ihr Studium gehe jede und jeder mit einem fixen Ausgang, einem klaren Berufsbild hinein: „Fertigwerden ist das Ziel“, meint sie. Gerade deshalb, weil sie so genau weiß, welches Arbeitsumfeld und welcher Job auf sie warten, habe sie sich für ihr Studium entschieden. „Ich habe lange überlegt, ob es Allgemeinmedizin oder Zahnmedizin oder doch Soziale Arbeit sein soll.“ Die Möglichkeit zu einem selbstständigen Zeitmanagement war ausschlaggebend für ihre Wahl. „Wenn es mit der eigenen Praxis gut läuft, kann ich mir selbst einteilen, wann ich arbeiten will.“ In einem Krankenhaus mit vielen Nachtdiensten zu „stecken“, das wollte sie nicht. Besonders dann, wenn sie an später denkt. Hat sie Kinder, möchte sie, „dass am Nachmittag oder Abend immer jemand bei den Kindern ist.“

Eine Zeit lang zurückzuschrauben und danach wieder voll ins Berufsleben einzusteigen, sei in ihrem Beruf wesentlich einfacher „als in einer Firma, in der man durch jemand anderen ersetzt wird“.

Dass sie als Zahnärztin Karriere macht, kann sich Maria nicht vorstellen. Aber gut sein will sie, weil sie dadurch Sicherheit bekommt und schneller wird. Um das zu erreichen, würde sie auch ins Ausland gehen. Dort gebe es, gerade in der Medizin, viel mehr Möglichkeiten, „Neues zu lernen, das in Österreich noch nicht gang und gäbe ist“.

Höhere Priorität als die Karriere hat für die Wienerin der Spaß am Beruf. Er sei „das Wichtigste, um dabei zu bleiben“ und ihre Arbeit motiviert und mit Überzeugung verrichten zu können. „Sich ausleben können“, das will sie im Beruf, aber auch in der Freizeit. Deswegen war das gute Gehalt als Zahnärztin auch ein Faktor bei der Berufswahl. So habe sie die Möglichkeit, „andere Sachen für mich zu verwirklichen“. Ein Traum von ihr ist es, ein Gesundheitsprojekt für sozial schwächere Menschen zu unterstützen oder sogar selbst auf die Beine zu stellen.

Anika Gassner, 20 Jahre

Technische Physik, TU Wien

Anna Gassner
Anna Gassner
Anna Gassner – Àkos Burg

Halbe Sachen oder gar Stillstand, das scheint Anika Gassner ein Graus zu sein. Sie möchte, dass etwas weitergeht. „Um etwas zu erreichen, glaube ich schon, dass man oft mehr arbeiten muss.“ Wo genau, das weiß die Physikstudentin noch nicht. In ein Unternehmen zu gehen, wo sie etwas entwickeln oder verbessern kann, oder auch in die angewandte Forschung, das würde sieinteressieren. Auch Chefin zu sein kann sie sich vorstellen. „Wenn es sich ergibt. Mein primärer Plan ist das aber nicht.“ Einen konkreten Plan hatte die 20-Jährige auch bei der Studienwahl nicht. „Ich habe einmal das gemacht, was mir am meisten Spaß macht.“ Wie es nach dem Studienabschluss weitergeht, daran denkt sie vor allem, „wenn es grad ein bisschen zach ist und ich mich frage, wieso ich das jetzt eigentlich mache.“ Denn dass sich das schwere Studium auf dem Jobmarkt auszahlen werde, dessen sei sie sich schon bewusst.

Als TU-Absolventin werde man doch eher gesucht: „Wenn man sich ein bisschen bemüht, dann ist dir ein Job relativ sicher.“ Ein hohes Gehalt ist Anika nicht so wichtig. Es muss die Miete abdecken, sie möchte gut leben können, aber einen langweiligen Job würde sie deswegen trotzdem nie machen wollen. Nur herumsitzen, das ist nichts für sie. „Ich will auf keinen Fall zehn Jahre nichts arbeiten.“ Dass sie sich bereits Gedanken darüber macht, wie eine Familie und die Karriere zu vereinbaren sind, macht sie ihrer Meinung nach eher zur Ausnahme unter ihren hauptsächlich männlichen Studienkollegen. Ihr zukünftiger Partner solle auf jeden Fall auch in Karenz gehen, sodass sie bald wieder arbeiten kann. Sonst, glaubt Anika, sei es schwierig, wieder zurückzukommen. Teilzeit, solange die Kinder klein sind, sei vorstellbar, aber nicht ewig: „Da bringt man nichts weiter. Das würde mich nicht zufriedenstellen.“

 

Jakob Hajszan, 20 Jahre

Rechtswissenschaften, Juridicum Wien

Jakob Hajszan
Jakob Hajszan
Jakob Hajszan – Àkos Burg

Ich möchte auf jeden Fall in Karenz gehen.“ Obwohl Jakob Hajszan erst 20 Jahre alt ist, weiß er schon ziemlich genau, was er will. Selbst eine Familie zu haben, ist in seinem Lebensplan vorgesehen. Dafür muss, genauso wie für Freunde, „immer Zeit sein“. Das bedeutet für den Wiener aber nicht, dass er im Berufsleben weniger Ambitionen hat. Sein Traum ist die Justiz, Richter oder Staatsanwalt. Das weiß er schon, seit er 15 Jahre alt ist. Um dieses Ziel zu erreichen, muss er sich „g’scheit anstrengen“. Das tut er im zweiten Semester am Juridicum, aber dann in der Anwärterschaft müsse er das erst recht. „Ich kann mir vorstellen, eine längere Zeit am Stück nur mit Arbeit zu verbringen.“ Wenn es eine aufwendige Klage gibt zum Beispiel. „Das erwarte ich mir auch. Aber wenn es mich interessiert, dann ist das nicht so schlimm.“ Viel Arbeit ist für Jakob also kein Problem, „aber nur, wenn es dann wieder Tage gibt, an denen man nichts macht.“ Ein Verfechter der Work-Life-Balance. Das und der Spaß am Beruf seien ihm wichtiger als ein hohes Gehalt. Geld sei gut, aber alles könne es nicht aufwiegen. „Wenn ich mich pausenlos frage: ‚Oh Gott, warum mache ich das?‘, dann hat es keinen Sinn.“ Deswegen könnte er etwa nie einen Mörder verteidigen.

Die Karriereleiter hinaufklettern will er in der Justiz zumindest so weit, dass er „so schnell wie möglich vom Bezirksgericht“ wegkommt. Eine Stufe höher, am Landesgericht, würde er auch länger bleiben. „Dort gibt es die interessanteren Fälle.“ Das „ultimative Ziel“ ist für den jungen Jusstudenten, einer der „14 Auserwählten am Verfassungsgericht“ zu sein. Aber das sei ein bisschen Träumerei, „ein urcooler Bonus, aber nichts, was ich mir erwarte“.
[O3VNM]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.01.2018)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Studierende, was wünscht ihr euch?

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.