„Diese Vorfreude der Gäste färbt ab“

Porträt. Er ist neugierig und gelassen, hält viel vom hierarchiefreien Diskurs und nichts von spaßfreiem Arbeiten: Wolfgang Fischer, Geschäftsführer der Wiener Stadthalle, die heuer 60 wird.

Chef Stadthalle Wolfgang Fischer Koettritsch Akos Burg
Chef Stadthalle Wolfgang Fischer Koettritsch Akos Burg
Ákos Burg

Den Journalisten in sich kann Wolfgang Fischer offenbar nicht ausblenden – und wahrscheinlich will er es auch nicht. Denn der ist wissbegierig, neugierig, kann Zusammenhänge rasch erfassen und ist schnell in der Umsetzung – um gleich den Kopf für neue Aufgaben wieder freizuhaben.

Als Journalist begann Fischer seine berufliche Karriere. Heute ist der 56-Jährige Geschäftsführer der Wiener Stadthalle. Und er stellt wie damals Fragen: etwa jene nach neuen Geschäftsfeldern. Im „hierarchiefreien Diskurs“ mit seinen engsten Mitarbeitern stellt er in regelmäßigen Abständen auch das eigene Tun infrage.

Eine wesentliche Gabe, die neugierige Menschen auszeichnet, bringt Fischer außerdem mit: zuhören können. Nicht, dass er nicht gern erzählt, unterhaltsam, pointiert (Stichwort Schmäh – doch dazu später). Er nehme sich gern Zeit, um mit den Lehrlingen und neuen Mitarbeitern zu reden: über ihren Lebenslauf und über ihr Bild von der Wiener Stadthalle.

Dieses Bild soll ein möglichst offenes sein. So breit, wie er auch den (Kultur-)Auftrag an das Haus umsetzen möchte. Schließlich gebe es ein Menschenrecht auf Kultur und Unterhaltung, sagt er.

Urlaubsersatz in der Stadthalle

Als er im Februar 2012 vom ORF in die Wiener Stadthalle kam, seien die Auswirkungen der sogenannten Wirtschaftskrise noch deutlich spürbar gewesen. Für viele Menschen sei das Abenderlebnis in der Stadthalle damals eine Art Ersatzurlaub gewesen. „Etwas, auf das man hinarbeitet, etwas, auf das man sich freut.“ Für ihn sei das ein Ansporn, das Gesamterlebnis, genauso das Service rundherum zu perfektionieren.

„Diese Vorfreude der Gäste, die färbt ab“, sagt Fischer. Es sei ein gutes Gefühl mitzuhelfen, an nur einem Abend bis zu 16.000 Menschen eine Freude zu bereiten. Und an vielen Abenden auch etwas für die heimische Künstlerszene zu tun. Nicht nur, wenn am 60. Geburtstag der Wiener Stadthalle, am 21. Juni, bei „Best of Austria meets Classic“ u. a. Conchita, Opus, Pizzera & Jaus, Seiler und Speer, Voodoo Jürgens, Wanda und Wolfgang Ambros auf ein 70-köpfiges Symphonieorchester unter der Leitung von Christian Kolonovits treffen.

Beruflich durchlief Fischer viele Stationen. Er startete seine Berufskarriere als Journalist, machte einen Abstecher in die Politik, um danach in verschiedenen Funktionen für den ORF tätig zu sein, u. a. als Redakteur, Leiter der Corporate Communications, stellvertretender Hörfunkintendant, HR-Chef und Leiter der Public Affairs, ehe er zur Wiener Stadthalle kam, die er mit Kurt Gollowitzer führt.

Den richtigen Zeitpunkt für einen Jobwechsel zu finden, sagt er, sei eine Frage des Gespürs. Bei aller Konzentration für die jeweils aktuelle Aufgabe gehöre es dazu, die Augen offenzuhalten, wach und aufmerksam zu sein, Chancen zu erkennen und nachzufragen. Kurz, neugierig zu sein. Und sich selbst gelegentlich zu fragen: Was würde dich noch mehr reizen als das, was du gerade tust? Die Freude daran, sich etwas Neues zuzutrauen, sollte ein zentraler Treiber sein – keinesfalls die Gage allein.

Der Schmäh darf rennen

Bei all den unterschiedlichen Herausforderungen, die er angenommen hat, stellt sich die Frage: Was kann Wolfgang Fischer am besten? „Schmähführen“, sagt der gebürtige Wiener selbst. Man könnte das glatt für einen Schmäh halten, würde er es nicht konkretisieren: viel kommunizieren, Spaß haben, vermitteln und zulassen, mit Freude überzeugen und begeistern. „Menschen brauchen Spaß, um ernsthaft arbeiten zu können“, sagt er. Seine Aufgabe als Führungskraft sei, gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Das gelinge mit einem Lächeln im Gesicht und mitunter mit einem Schuss Selbstironie einfach einfacher.

„Sprezzatura“, sagt er, präge ihn. Das, was der Renaissanceschriftsteller und Diplomat Baldassare Castiglione als die Fähigkeit beschrieben hat, auch anstrengende Taten leicht und mühelos erscheinen zu lassen. Gepaart mit einer gewissen Gelassenheit: nicht aus der ersten Emotion heraus zu handeln, sondern (sich) mit kühlem Kopf zu fragen, was wirklich ist. (Noch einmal Neugierde.) Allerdings nie so gelassen zu sein, dass es in Konfliktscheue münde – oder sich alles bieten zu lassen.

ZUR PERSON

Wolfgang Fischer (56) ist seit 2012 Geschäftsführer der Wiener Stadthalle, die ein Unternehmen der Wien Holding ist. Der gebürtige Wiener startete seine Berufskarriere als Journalist und wurde später Pressesprecher von Vizekanzler Alois Mock. Danach war er viele Jahre in verschiedenen Funktionen für den ORF tätig: als Redakteur, Leiter der Corporate Communications, als stellvertretender Hörfunkintendant, Leiter des HR-Managements und Leiter der Public Affairs.


[O9MX7]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.03.2018)

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