Buchtipps der Woche: Neuerscheinungen

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Schlaue Sachbücher: Die Schweizer Online-Bibliothek getAbstract hat die weltweit größte Sammlung von Businessbuch-Zusammenfassungen. Hier ein Überblick über die zehn Neuerscheinungen der Woche.

(c) Pixabay
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Marke statt Meinung
Die Gesetze der Markenführung in 50 Antworten
von Arnd Zschiesche und Oliver Errichiello

Wenn einst starke Marken schwächeln, liegt das an Fehlern der Markenführung und an einem falschen Markenverständnis, so die Autoren dieses Buches. Marken sind für sie soziale Lebewesen, die Gesetzmäßigkeiten folgen, die seit eh und je Bestand haben. Nicht einmal die Digitalisierung vermöge diese auf den Kopf zu stellen. Die Autoren haben für dieses Buch 50 Fragen über Marken zusammengetragen und beantwortet. Mit zahlreichen Beispielen unterstützen sie ihre Aussagen und regen Marketingverantwortliche zum Hinterfragen ihrer bisherigen Strategie an. Denn diese haben sich gemäß den Autoren oft sehr weit weg von dem bewegt, was Marken eigentlich brauchen. Das unterhaltsam geschriebene Buch hält für den Leser zahlreiche Aha-Momente parat. Eine Empfehlung für Werber, Kommunikations- und Marketingfachleute.

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Der Weg in die Unfreiheit
Russland, Europa, Amerika
von Timothy Snyder

Das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion von dem amerikanischen Politologen Francis Fukuyama prophezeite „Ende der Geschichte“ ist nicht eingetreten. Die Annahme, die Marktwirtschaft gebäre gleichsam zwangsläufig Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Liberalität, hat sich als falsch erwiesen. Vielmehr hat sich in Russland ein rechtsnationales Regime etabliert, das nicht weniger autoritär regiert als seine sowjetischen Vorgänger. Das Land macht keine Anstalten, sich in absehbarer Zeit in eine Demokratie zu verwandeln. Wie es aussieht, wird keineswegs das Zeitalter des ewigen Liberalismus anbrechen. Vielmehr könnte das Gegenteil passieren und die liberalen westlichen Demokratien der Nachkriegszeit sich als historischer Ausnahmefall erweisen. Dieses Szenario jedenfalls buchstabiert Snyders Buch enorm facettenreich, mit stupender Sachkenntnis und auf der Basis umfangreicher Recherchen aus. Umso bedauerlicher ist es, dass es wie ein ausgekippter Zettelkasten wirkt, etwas wahllos und wenig stringent zusammengefügt, sodass Snyders Einsichten nicht die Überzeugungskraft entfalten können, die ihrer Bedeutung angemessen wären. Dennoch ist das beklemmende und aufrüttelnde Buch unbedingt lesenswert.

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Reklamationen lösungsorientiert bearbeiten
So vermeiden Sie Kunden- und Imageverluste
von Christiana Thiede und Ulrich Dietze

Niemand beschäftigt sich gern mit Reklamationen. Hier kochen schnell mal die Emotionen hoch und man wird vielleicht sogar wüst beschimpft. Doch in einer Reklamation liegen auch große Chancen verborgen. Die Autoren verraten, wie sich Unternehmen mit einer guten Reklamationsbearbeitung einen echten Wettbewerbsvorteil verschaffen können. Mit vielen Formulierungsvorschlägen und Beispieldialogen zeigen sie, was den kleinen, aber feinen Unterschied ausmacht, der einen reklamierenden Kunden dazu bringt, das bei ihm in Ungnade gefallene Unternehmen am Ende sogar weiterzuempfehlen. Alle Tipps kommen aus der Praxis und sind direkt anwendbar. Dieses Buch hat das Potenzial, die eigene Einstellung zu Reklamationsgesprächen komplett auf den Kopf zu stellen. Eine klare Empfehlung für alle Führungskräfte, Servicemitarbeiter und Vertriebler, die gut gewappnet in das nächste Reklamationsgespräch gehen wollen.

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Game Over
Wohlstand für wenige, Demokratie für niemand, Nationalismus für alle – und dann?
von Hans-Peter Martin

Das Buch liest sich wie ein Krimi. Leider wird hier aber keine Fiktion verhandelt. Stattdessen ist Game Over eine umfassende Analyse der gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Weltlage. Die umfangreiche Darstellung der Fakten verrät den Kenntnisreichtum des Autors, die Zusammenhänge sind sehr erhellend erläutert. Auch die Schlussfolgerungen lassen an Klarheit nichts zu wünschen übrig: Hans-Peter Martin prognostiziert einen Systemcrash und warnt vor Krieg. Dem Schreibstil merkt man den routinierten Spiegel-Redakteur an. Punktuell blitzt Empörung auf – darüber, dass sich so wenige empören, etwa angesichts der Milliarden Euro, die die Superreichen der Gesellschaft durch Steuervermeidung vorenthalten. Zutiefst pessimistische Einschätzungen im Sinne des Titels wechseln mit Appellen und Aufrufen zum Handeln – insofern ist die labile Weltlage auch auf der Textebene zu spüren. Während sich auf rund 300 Seiten ein Panoptikum des Schreckens entfaltet, fragt sich der Leser, welche Lösung es für die Probleme geben kann. Am Ende bietet der Autor eine an: Teilen, teilen, teilen. Und zwar politisch, ökonomisch, sozial und digital. Die Lösung, so sehr man sie auch als frommen Wunsch einstufen mag, überzeugt. Ein für alle politisch interessierten Menschen empfehlenswertes Buch.

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Die Diktatur der Konzerne
Wie globale Unternehmen uns schaden und die Demokratie zerstören
von Thilo Bode

Dass Megakonzerne heutzutage alle relevanten gesellschaftlichen Bereiche beeinflussen, wird kaum jemanden überraschen. Auch von ihren Skandalen, Machenschaften und globalen Intrigen erfährt man als aufmerksamer Zeitgenosse fast jeden Tag. Aber wollen wir uns an diesen Zustand gewöhnen? Thilo Bode, Gründer der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch, will es nicht und ruft in seinem Buch Die Diktatur der Konzerne zum Widerstand auf. Vorher zählt er beeindruckend viele und leider meist furchterregende Beispiele für den Machtmissbrauch globaler Großkonzerne auf. Er beschreibt die neuen Formen des Lobbyismus, die Verschmelzung von Politik und Wirtschaft und legt nachvollziehbar dar, warum kaum noch politische Entscheidungen gegen die Interessen der Global Player getroffen werden. Eine fundierte Idee, wie man die politische Macht von den Konzernen zurückerobern kann, liefert Bode zum Schluss dann zwar nicht. Auf den systematischen Charakter all dieser Missstände aufmerksam zu machen, ist allerdings schon ein großes Verdienst. Eine aufwühlende, unbedingt lohnenswerte Lektüre für politisch interessierte Menschen.

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Die autonome Revolution
Wie selbstfahrende Autos unsere Welt erobern
von Andreas Herrmann und Walter Brenner

Stellen Sie sich vor, Sie legen sich abends in München in der Lounge Ihres fahrerlosen Autos schlafen, wachen am nächsten Morgen erfrischt beim Mobilitätsdienstleister Ihres Vertrauens in Hamburg auf, duschen und frühstücken dort und lassen sich direkt zu Ihrem Meeting chauffieren. Klingt verlockend! Oder befremdlich? Die Autoren sind jedenfalls überzeugt: Früher oder später kommt das selbstfahrende Auto, und wer davor die Augen verschließt, wird gnadenlos überrollt. Sie informieren fachkundig über den heutigen Stand der Technik, diskutieren neue Geschäftsmodelle für die Autoindustrie und blicken grundsätzlich optimistisch in die Zukunft. Das Schicksal von Millionen redundanter Taxi-, LKW- oder Traktorfahrer scheint ihnen nicht der Rede wert zu sein. So bleibt nach der Lektüre ein etwas schaler Nachgeschmack: Zweifellos sprechen viele vernünftige Gründe für autonomes Fahren. Aber darf man heute noch ernsthaft erwarten, dass die Vernunft immer siegt? Das Buch ist allen Autofans, Technikinteressierten und Beschäftigten in der Automobilindustrie zu empfehlen.

(c) Bernhard J‰ger
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Unboss
von Lars Kolind und Jacob Bøtter

Lars Kolind and Jacob Bøtter haben ein faszinierendes Buch über die neuen Herausforderungen in der Geschäftswelt geschrieben. Ihr Fazit: Heute entscheiden Wissen, Sinnhaftigkeit und Zusammenarbeit über Erfolg oder Misserfolg – nicht mehr Hierarchie, Wettbewerb und Profit. Altgewohnte Managementstrukturen sind so fest in unserer Vorstellung verankert, dass es uns schwerfällt, sie infrage zu stellen oder gar abzuschaffen. Doch wer einen neuen Ansatz ausprobieren möchte, einen, der nicht nur Gewinner und Verlierer produziert und der dem Unternehmen einen Sinn jenseits der Profitorientierung verleiht, der sollte es mit „Unbossing“ versuchen. Diese kollaborative Managementmethode fußt auf geteilter Leidenschaft, Verantwortung und Zusammenarbeit innerhalb und außerhalb der Organisation. Die Autoren verbinden kluge Analyse mit erhellenden Anekdoten, die zeigen, dass eine andere Managementkultur für die wissensbasierte Welt von heute möglich ist. getAbstract empfiehlt dieses aufschlussreiche Buch Managern, Akademikern, Start-up-Gründern und allen, die sich für innovative Führungsmethoden interessieren.

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Organisationskultur und Leadership
von Edgar H. Schein und Peter Schein

Was ist Unternehmenskultur? Wie entsteht sie? Und wie prägt sie das Verhalten der Menschen? Woran kann sie scheitern? Wie analysiert und verändert man sie? Was muss interkulturelles Management beachten? Wie sollte eine zeitgemäße Unternehmenskultur gestaltet sein? Der renommierte Organisationspsychologe Edgar H. Schein und sein ebenfalls seit Jahrzehnten in der Managementberatung tätiger Sohn Peter beschäftigen sich mit derlei Fragen und gehen dabei ziemlich ins Detail. Die Fallbeispiele (zwei Unternehmen und eine staatliche Organisation) begleiten den Leser durchs Buch. Sie werden immer wieder herangezogen, um die geschilderten Zusammenhänge zu illustrieren. Zahlreiche weitere Beispiele kommen hinzu. Das Buch ist ein nützlicher Ratgeber für Unternehmer, Führungskräfte und Berater.

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Feel the Change!
Wie erfolgreiche Change Manager Emotionen steuern
von Klaus Doppler und Bert Voigt

Wandel kann man fühlen. Misslungenen Wandel leider auch. Das Instrument Change-Management existiert bereits seit Jahrzehnten. Trotzdem scheitern immer noch viele Veränderungsprojekte – und mit ihnen die Change-Manager, wenn sie nämlich nicht ausreichend auf Ängste und andere emotionale Bedürfnisse der Mitarbeiter eingehen. Der Schlüssel für gutes Change-Management liegt für Klaus Doppler und Bert Voigt in emotionaler Achtsamkeit. Sie liefern eine Vielzahl von Beobachtungen, Erklärungen, Tools und Selbsttests. Das Thema ist nicht neu. Aber es bleibt aktuell. Auch im Zeitalter der Digitalisierung sind es die Menschen, nicht die Algorithmen, die den Wandel vorantreiben. Das Buch ist allen Change-Managern und Führungskräften, die ihre Sensibilität für Gefühle in Veränderungsprozessen verbessern möchten, zu empfehlen.

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Disrupt yourself
Vom Abenteuer, sich in der digitalen Welt neu erfinden zu müssen
von Christoph Keese

Was für eine Geisteshaltung ist nötig, um in der digitalen Welt erfolgreich zu sein? Wie gehen wir mit den Unwägbarkeiten um, die der digitale Wandel womöglich für unsere beruflichen Biografien bedeuten wird? Und wie werden wir selbst zu aktiven Gestaltern dieses Wandels – unternehmerisch und persönlich? Frei nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ fordert Christoph Keese in seinem Buch Disrupt yourself dazu auf, von den digitalen Gründern und anderen Erneuerern zu lernen und so selbst zu den Taktgebern der Veränderung zu werden. Die besondere Qualität des Buches liegt in Keeses tief greifendem und komplexem Digitalisierungsverständnis, das individuelle, gesellschaftliche und unternehmerische Perspektiven beinah gleichwertig berücksichtigt. Die vielen Porträts und Gespräche von und mit führenden Köpfen der Digitalisierung machen das Buch dann auch noch zu einer unterhaltsamen Lektüre. Sehr zu empfehlen für alle, die sich mit den Auswirkungen des digitalen Wandels auf ihre berufliche und private Existenz beschäftigen wollen.

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In zwei Wochen erfahren Sie, welche die Top 10 der besten Businessbücher sind.

(c) Pixabay
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