Der Job raubt Österreichs Arbeitnehmern den Schlaf

Mehr als die Hälfte hat Probleme beim Ein- oder Durchschlafen: Häufigster Grund für Schlafprobleme ist der Job, ergibt eine Studie.

Schlecht geschlafen wegen dem Job? Jeder zehnte bejaht.
Schlecht geschlafen wegen dem Job? Jeder zehnte bejaht.
Schlecht geschlafen wegen dem Job? Jeder zehnte bejaht. – pixabay

Durchwachte Nächte, Horror vor dem nächsten Arbeitstag, Schlaftabletten und Alkohol. Eine aktuelle Umfrage der österreichischen Online-Jobbörse StepStone.at ergibt:

  • Häufigster Grund für Schlafprobleme ist der Job: jedem Zehnten graut vor dem nächsten Arbeitstag
  • Westösterreicher schlafen am besten, Oberösterreicher und Salzburger am schlechtesten
  • Im Schnitt verlieren Arbeitnehmer bis zu 21 Tage pro Jahr wegen Schlafproblemen
  • Schichtarbeiter schlafen schlechter – Angst vor 12-Stunden-Tag erhöht Druck
  • Mediziner greifen am häufigsten zu Schlaftabletten und Alkohol

Die Arbeit raubt Österreichs Arbeitnehmern den Schlaf. Mehr als die Hälfte aller befragten Österreicher (57,9 Prozent) hat Probleme beim Einschlafen oder Durchschlafen. Dabei sind Frauen mit 58,6 Prozent etwas häufiger von Schlafproblemen betroffen als Männer (55,5 Prozent). Für die Umfrage wurden im Juni 2018 mehr als 1.000 Arbeitnehmer aus ganz Österreich im Alter zwischen 25 und 54 Jahren befragt.

Der Job lässt Arbeitnehmer nicht schlafen 


Der häufigste Grund für die Schlafprobleme: der Job. 32,1 Prozent können oft nicht einschlafen, weil sie an die Arbeit denken, und gut ein Viertel gibt an, dass Stress aus der Arbeit sie auch nachts belastet. Ein weiteres Viertel geht vor dem Einschlafen den vergangenen Arbeitstag im Kopf nochmal durch oder denkt schon daran, was am nächsten Tag im Büro alles erledigt werden muss. Und 16,9 Prozent denken statt dem Schlafen darüber nach, den Job zu wechseln oder zu kündigen.   

Zum Vergleich: Nur 9,6 Prozent aller Befragten geben an, dass Familiensorgen der Grund für Ein- oder Durchschlafprobleme sind. Fast gleich vielen der Befragten, nämlich 9,7 Prozent, graut aber einfach nur vor dem nächsten Arbeitstag. Auch nach dem Aufstehen gelten für 19,2 Prozent aller Befragten die ersten Gedanken nach dem Aufwachen gleich wieder dem Job.

Ein Viertel träumt ein- oder mehrmals pro Woche vom Job 


„Jeder nimmt die Ereignisse des Tages mit in den Schlaf“, sagt Gerda Saletu-Zyhlarz, Leiterin des Schlaflabors der Universitätsklinik für Psychiatrie an der Medizinuniversität Wien. „Gerade, wenn ich einen anstrengenden Tag hinter mir habe, kann ich meinen Ärger nicht an der Haustür hinter mir lassen.“ Das betrifft auch die Träume: Zwei Drittel hatten schon einmal einen Traum oder Alptraum vom Job – und immerhin knapp ein Viertel aller Befragten träumt ein- oder mehrmals pro Woche vom Job. Das sei aber an sich kein Problem: "Wer beruflich unter Druck steht, darf auch vom Job träumen", sagt die Schlafmedizinerin. 

Mehr als die Hälfte leidet unter Schlafstörungen 


Problematisch wird es, wenn es jemand über längere Zeit hinweg nicht schafft, die Probleme und Sorgen aus der Arbeit hinter sich zu lassen – und sich damit eine handfeste Schlafstörung einhandelt. Fast die Hälfte aller Befragten (49,9 Prozent) liegt mindestens einmal pro Woche wegen der Arbeit nachts wach, gut jeder Dritte (36,6 Prozent) hat sogar öfter als zwei Mal pro Woche Probleme, zu schlafen. Und mehr als jeder Zehnte (14,1 Prozent) hat 4–6 Mal oder öfter pro Woche Probleme beim Ein- oder Durchschlafen.  

Wer einmal eine schlechte Nacht hat, muss sich aber nicht gleich Sorgen machen, so Saletu-Zyhlarz: "Es gibt gute und schlechte Nächte. Wer aber zwei bis drei Mal pro Woche über drei Monate hinweg Schlafstörungen hat, könnte unter einer chronischen Insomnie leiden."

Am besten schlafen die Menschen in Westösterreich 


Am häufigsten von Schlafproblemen betroffen sind die Berufsgruppen im Gesundheitswesen: Fast zwei Drittel (63,7 Prozent) haben Probleme beim Einschlafen und Durchschlafen. Im Bundesländervergleich sind die Arbeitnehmer in Westösterreich am besten ausgeschlafen: In Tirol und Vorarlberg bekommen nur 20,4 Prozent zu wenig Schlaf während der Arbeitswoche. Im Vergleich dazu gibt in Oberösterreich und Salzburg fast jeder Dritte (32,7 Prozent) an, unter der Woche zu wenig zu schlafen.  

Ein Drittel aller Befragten (32,4 Prozent) verliert wegen Ein- oder Durchschlafproblemen jede Woche fünf bis zehn Stunden Schlaf. Das sind bis zu 21 Tage pro Jahr. Gut jeder Zehnte (11,3 Prozent) geht während der Arbeitswoche deshalb täglich unausgeschlafen und müde ins Büro.  

Frauen öfter unausgeschlafen als Männer 


Mit 52,6 Prozent gehen übrigens mehr Frauen als Männer zwei bis drei Mal oder öfter pro Woche unausgeschlafen ins Büro. Bei den Männern sind es nur 42,4 Prozent. Das könnte auch daran liegen, dass Frauen mehr Schlaf als Männer brauchen: 21,4 Prozent der Frauen müssen nach eigenen Angaben mehr als acht Stunden schlafen, um am nächsten Tag fit zu sein – bei den Männern bekunden das nur 10,8 Prozent.  

12-Stunden-Tage erzeugen Druck

 
Die von der Regierung geplante Regelung, Arbeitnehmer bis zu 12 Stunden arbeiten zu lassen, sei punktuell kein Problem, sagt Saletu-Zyhlarz. „Problematisch wird es, wenn diese 12-Stunden-Schichten sich häufen, sodass keine Erholungszeiten mehr bleiben.“  

Gerade im Schichtbetrieb leiden Arbeitnehmer ohnehin schon vermehrt unter Schlafstörungen, zeigt die Studie: So geben vor allem Beschäftigte im Gesundheitsbereich an, dass sich unregelmäßige Arbeitszeiten oder Schichtdienst negativ auf ihren Schlafrhythmus auswirken würden.  

Geschlafen wird vermehrt am Wochenende 


Aufgeholt wird der fehlende Schlaf gerne in der Freizeit: Knapp ein Viertel aller Befragten (21,4 Prozent) schlafen am Wochenende mehr. Das ist vom wissenschaftlichen Standpunkt her durchaus sinnvoll: Bis zu einem gewissen Grad könne man ein Schlafdefizit ausgleichen, sagt Saletu-Zyhlarz. Auch ein Mittagsschläfchen könne durchaus helfen, so die Schlafexpertin: „Ein kurzer Power-Nap von 20 bis 30 Minuten kann auch im Büro die Kraft verleihen, um danach wieder fit und mit mehr Energie weiterzumachen.“ 

Griff zu Alkohol und Medikamenten


Um besser schlafen zu können, setzen nicht wenige auf Alkohol und Medikamente: Knapp 8 Prozent aller Befragten greifen abends schon mal zum Bierglas oder Einschlafhilfen. Am eifrigsten - laut Umfrage - Berufsgruppen aus dem medizinischen Bereich: Hier setzen 11,7 Prozent auf Alkohol oder Medikamente – im Vergleich zu nur 3,4 Prozent aller Mitarbeiter aus der IT.   

Der bewusste Einsatz schlaffördernder Medikamente könne von Schlaflosigkeit geplagten Arbeitnehmern durchaus Erleichterung verschaffen, sagt Saletu-Zyhlarz: „Wer dauerhaft schlecht schläft, denkt irgendwann an nichts anderes mehr. Diese Gedankenspirale können Einschlafhilfen durchbrechen – indem sie den Patienten zeigen, dass guter Schlaf wieder möglich ist.“ Keine Lösung hingegen sei der Einsatz von Alkohol, so die Schlafmedizinerin: „Man schläft zwar schneller ein. Dafür reduzieren sich in der zweiten Nachthälfte die Tiefschlafphasen. Man wacht häufiger auf – und schläft schlechter wieder ein.“

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