Wovon es abhängt, ob man 2030 noch einen Job hat

Megatrends. Manchmal hilft es, ein Big Picture der großen Themen zu bekommen, die Wirtschaft und Arbeitswelt gerade überrollen. Einzeln sind sie bekannt, in ihren Wechselwirkungen befeuern sie sich gegenseitig. Die gute Nachricht: Man ist ihnen nicht ausgeliefert.

Maschinen fressen Jobs: Ob man 2030 noch einen Job hat, hängt von folgenden Megatrends ab.
Maschinen fressen Jobs: Ob man 2030 noch einen Job hat, hängt von folgenden Megatrends ab.
Maschinen fressen Jobs: Ob man 2030 noch einen Job hat, hängt von folgenden Megatrends ab. – pixabay

Eine Dystopie über Horden falsch ausgebildeter, nicht beschäftigbarer Arbeitssuchende? Oder die Utopie eines sorgenfreien Lebens dank eines bedingungslosen Grundeinkommens?

Auf keinem von beiden wollte das Beratungsunternehmen EY seine Studie „What if employment as we know it today disappears tomorrow?“ aufbauen. Vielmehr stellte es neun anerkannte Megatrends zu einem großen Bild zusammen und empfiehlt viererlei: sich von den alten Karrierebegriffen zu verabschieden, auf „menschliche“ Stärken zu setzen (wie Empathie, Kreativität, Querdenken und die Fähigkeit, andere mitreißen zu können), Anpassungswillen zu zeigen und – natürlich – lebenslang am Ball zu bleiben. In seiner Studie geht EY auch auf Besonderheiten des deutschen, österreichischen und Schweizer Arbeitsmarkts ein.

1. Bevölkerung: Mehr, weniger oder gleich viele Menschen? Die UN prognostiziert der deutschen Bevölkerung, bis 2030 zu schrumpfen. Die österreichische wird dank Zuzug auf gleichem Niveau bleiben, die Schweizer um zehn Prozent wachsen. 2030 werden 100 Werktätige nicht mehr 61, sondern 64 Pensionisten erhalten. In allen drei Ländern wird das Pensionsalter angehoben. Es gibt nicht genug Nachwuchs, um das System zu erhalten.

2. Maschinen fressen Jobs. Konsequent wurden in den vergangenen 50 Jahren produktionsorientierte Routineberufe abgebaut und dienstleistungsorientierte, kreative und kognitive Berufe aufgebaut. Das wird jetzt anders, weil nun auch diese von künstlicher Intelligenz und lernenden Maschinen verdrängt werden. Das Gute daran: Die Produktivität steigt.

3. Jobs: Was wegfällt, was sich verändert und was kommt. Das weniger Gute: Einer Oxford-Studie zufolge werden in den nächsten 20 Jahren mehr als 70 Prozent aller Berufe von Maschinen übernommen. Andere Studien sind optimistischer und prophezeien das Ende von nur zwölf Prozent aller Berufe. Was denn nun, 70 oder zwölf Prozent? Die Antwort weiß niemand. Man tappt im Dunklen, weil man nicht abschätzen kann, wie viele Berufe wegfallen, wie viele adaptiert werden und wie viele neu entstehen. Auch die vielen aus dem Boden schießenden Geschäftsmodelle und die daraus resultierenden neuen Berufsbilder machen jede Nettoprognose unmöglich. Das ist eine Chance für Arbeitnehmer genauso wie für Unternehmer und Politiker. Letztere interessiert vor allem, wie sie Jobabbau verhindern. Neue Berufsbilder machen ihnen weniger Ärger.

4. Firmen: Groß, mittel, klein? Logisch, große Firmen können mehr Geld in die Digitalisierung pumpen als kleine. Sie haben die dickere Finanzdecke und können Skaleneffekte besser ausnützen. Die Kleinen sind allerdings wendiger. Die richtige Firmengröße in Kombination mit dem passenden Geschäftsmodell wird künftig über den Firmenerfolg entscheiden.

5. Neue Dienstleistungen. Kein Widerspruch zu Punkt 2: Der Tertiärsektor wird wichtiger. Geschäftsmodelle, die auf Dienstleistungen basieren (z. B. SaaS, Software as a Service) schieben sich in den Vordergrund.

6. Papa Staat. Die Regierungen von Deutschland, Österreich und der Schweiz haben begriffen, dass Industrie 4.0 ein wichtiges Differenzierungsmerkmal im globalen Wettbewerb ist. Und dass mit der Digitalisierung massive Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte zukommen. Wer hier besser agiert, wird seine Wirtschaft nach vorn schieben: mit klugen Regulatorien, mit Förderungen und Finanzierungen, mit Infrastruktur und Qualifizierung.

7. Lerne Digitales. Ob der Einzelne auch 2030 noch einen Arbeitsmarktwert hat, hängt von seiner Digitalkompetenz ab. Diesen Druck spüren Arbeitnehmer schon heute. Wie gut sie Schritt halten können, hängt auch vom Reaktionstempo der Bildungs- und Fortbildungsinstitutionen ab. Sie sollten Gas geben.

8. Vernetzte Geräte. Das Internet der Dinge (IoT), in dem Geräte miteinander kommunizieren, wächst rasant. 2020 sollen bis zu 50 Milliarden Geräte weltweit miteinander verbunden sein. Das wird die Digitalisierung weiter beschleunigen.

9. Zusammen ist man weniger allein. Der Trend heißt Clustering, und das Silicon Valley macht ihn vor: Industrien schließen sich zusammen, um Wissen zu teilen und Produktionskosten zu senken. Solche Cluster werden mehr. Im urbanen Raum werden sie die Akzeptanz neuer Technologien weiter befeuern. Wodurch wieder alte Jobs wegfallen, neue entstehen, . . . – und immer so weiter.


[OONMA]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.08.2018)

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